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horte; erfreut trat sie ins Zimmer, um ihrer Zufriedenheit Ausdruckzu geben — da lag Harri) lang ausgestreckt auf dem Sofa, indesder Lehrer, in der Stube auf- und abgehend, seine schönsten Kom-positionen geigte. Der Knabe war so in Gedanken vertieft, daß erdas Kommen seiner Mutter überhört hatte und ihre Gegenwart erstdann bemerkte, als sie ihn etwas unsanft aus seinen Träumereienaufrüttelte. „Schade, daß du mich störst," rief er phlegmatisch aus,„die Töne der Musik kamen meiner Idee zu Hilfe und ich war ebenim Begriff, ein schönes Lied zu dichten."
Nicht anders erging es mit dem Tanznnterricht, dessen Endeder Knabe dadurch ziemlich jäh herbeiführte, daß er den kleinen,spindeldürren Tanzlehrer zum Fenster hinauswarf. Zum Glückverletzte derselbe sich jedoch nicht und wurde von den Eltern desKnaben durch eine Geldsumme entschädigt. Harry hat im Lebennie wieder getanzt.
Auch mit dein Zeichenunterricht ging eS anfangs recht langsamvorwärts, obwohl der Knabe bedeutende Anlagen zum Zeichnen hatte.Da jedoch der Lehrer stetS müde und abgespannt war und meist baldnach Beginn der Lektion einnickte, wurde der lebhafte Knabe baldder Sache überdrüssig. Später erhielt er seinen Zeichenunterrichtans der Akademie von dem Bruder des berühmten Peter von Cor-nelius, dessen er noch in späteren Jahren mit Rührung gedenkt.„Ich habe diese letzte Malerhand nie ohne geheimen Schauer be-trachten können, wenn ich den Mann selbst sah, den kleinen, scharfenMann mit den heißen Augen; und doch wieder erregte diese Hand inmir das Gefühl der traulichsten Pietät, da ich mich erinnerte, daß sie mireinst liebreich ans den kleinen Fingern lag und mir einige Gesichts-kvntnrcn ziehen half, als ich, ein kleines Bübchen, ans der Akademiezu Düsseldorf zeichnen lernte." Unter solcher Leitung machte dennauch der Knabe erfreuliche Fortschritte und einige seiner Kreide-zeichnungen wurden noch lange nachher im elterlichen Hause unterGlas und Rahmen aufbewahrt.
Nach all dem Gesagten ist ersichtlich, daß die Erziehung, welchedie Kinder in dem Hause Heine erhielten, eine reiche und vielseitigewar — eine methodische und gleichmäßig die Anlagen des Geisteswie des Herzens ausbildende scheint sie jedoch nicht gewesen zu sein.DicS gilt insbesondere von der religiösen Erziehung der Kinder.Während der Vater und die Mutter freien Anschauungen huldigtenund in Bezug ans die Schätzung und Ausübung der jüdischen Ccre-monialgesetze die weitgehendste Toleranz gegen sich selbst übten —der Glaube der Mutter war ein „strenger DeiSmns", der Vater warin religiöser Beziehung indifferent — wurden die Kinder im Bannejener alten Formen und Observanzen anferzogen, von deren geistigerBedeutung sie kein Ahnen hatten, die sie daher rein äußerlich ans-
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