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1 (1900) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
16
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16 Biographie.

fallen! Was fall aus mir werden? Wie kann ich morgen Nor demProfessor erscheinen!"Beruhige dich, liebes Lottchcn," begütigtesie der Bruder.Suche dich nur zu erinnern, von welchem Gegen-stande der Lehrer sprach, gieb mir eine Andeutung, den geringstenAnhalt und ich schreibe dir eine prächtige Geschichte." Nach einerStunde brachte er in der That seiner Schwester das Heft; glücklichund vergnügt, von dieser unangenehmen Arbeit befreit zu sein, legtesie es in ihre Schulmappe, ohne auch nur einen Blick hineinzuwerfen.Den folgenden Tag legte sie ihr Heft zu den andern, die der Lehreralle mit nach Hanse nahm, um sie zu korrigieren. In einer dernächstfolgenden Stunden wurden die Hefte wieder verteilt, nur dasCharlvttens behielt der Lehrer zurück. Nach Beendigung der Lehr-stunde ließ er sie rufen und fragte sie, auf das Heft" zeigend:Werhat dies geschrieben?" Ohne Zögern antwortete Charlotte:Ich!"Ich werde weder schelten noch dir Vorwürfe machen," sagte derLehrer ermutigend,nur sage mir, wer hat dies geschrieben?" Be-schämt, eine Unwahrheit gesagt zu haben, nannte Charlotte nun denwahren Verfasser.Dies ist ein Meisterwerk!" rief der Lehrer ausund las zwei andern Professoren, die diesem Verhör beigewohnthalten, den Aufsatz vor. ES war eine grausige Gespenstergeschichtein so lebhafter Weise geschildert, daß das kleine Mädchen laut auf-schrie. Als sie zu den Mitschülerinnen zurückkehrte, erzählte sie ihnenvon dem Gespenst mit den feurigen Augen, dem Pferdefuß und demfeuerspeienden Rachen, der so groß war, daß er alle verschlingenkonnte. Der Lehrer aber besuchte Frau Betty Heine und beglück-wünschte sie, einen so begabten Sohn zu haben. Der Knabe wurdegerufen, blieb jedoch bei allen Lobeserhebungen kalt, denn er glaubtenicht, etwas besonderes geschaffen zu haben.

Das Original dieser Schularbeit, von welcher der Lehrer nureine Abschrift erhielt, bewahrte die Mutier sorgfältig ans leiderverbrannte diese Schrift bei der großen Feuersbrnnst in Hamburgmit einigen andern Manuskripten des Dichters.

Für Musik und Tanzunterricht hatte Harry nur wenig Sinn.Da die Mutter, wie erwähnt, selbst eine gründliche musikalische Aus-bildung erhalten hatte, wollte sie auch ihren Kindern eine solche an-gedeihen lassen. Harry wählte die Violine. Ein vortrefflicher Lehrerwurde engagiert und die Stunden begannen in einem oberen Stübchendes HauseS. Obschon Harry nicht die geringste Lust zur Erlernungdes schwierigen Instrumentes besaß, wagte er es doch nicht, der insolchen Dingen unerbittlich strengen Mutter zu widersprechen. MehrereMonate vergingen, in denen die Mutter sich nicht weiter nur denMusikunterricht kümmerte, da derselbe anscheinend seinen regelmäßigenFortgang nahm. Wie erstaunte sie, als sie eines Tages zufällig anjenem Stübchen vorübergehend, ein sehr exaktes und gutes Violinspicl