großen Aufgabe nicht gewachsen und als Berater stand ihr eigentlich nur Friedrich Gerold —mehr mit gutem Willen als genügender Kraft — zur Seite. 1901 kam neues Kapital indas Unternehmen, eine Kommanditgesellschaft wurde gebildet. Die Firma vegetierteweiter, strenggenommen nur mehr getragen von dem Prokuristen Ottmar Lenz und demDruckereileiter Robert Heim (dem Nachfolger der verdienstvollen Eduard Wik undTheodor Lamperti, die noch unter Friedrich Gerold tätig gewesen). Beide, Ende der achtzigerFahrein das Haus eingetreten, waren erfüllt von dessen ehrenvoller Tradition und eifrig be-mübt, das Unternehmen zu erhalten, in dem sie übrigens heute noch erfolgreich tätig hnd.
Aber von jedem buchhändlerischen Betrieb gilt mehr oder minder das Wort „nö8eitoeoasnm". Buchhandlungen mit alten Traditionen verschwinden in unseren Tagen nichtmehr, he leben immer wieder aus. Und so geschah es auch mit dem Hause Gerold.
Seit ihrer ersten, am 5. Juli 1851 erschienenen Nummer (siehe S. g8 und 59) wardie „Allgemeine Land- und Forstwirtschaftliche Zeitung" in der Geroldschen Offizin ge-druckt worden. Sie war das offizielle Organ der im Jahre 1807 gegründeten k. k. Land-wirtschasts-Gesellschast in Wien, das diese 1851 an Stelle ihrer bisherigen „Ver-handlungen" ins Leben gerufen hatte. Sie erschien anfangs wöchentlich und jeder zweitenNummer lag ein „Beiheft" mit den Verhandlungen der Gesellschaft bei. Das Blattwurde später in Format und Umfang wesentlich eingeschränkt und seine Leitung scheintnicht in den richtigen Händen gewesen zu sein. Ende 1865 begann daher die Gesellschaftnach einem neuen Redakteur zu suchen. Ihr Ausruf hatte zur Folge, daß hch so vieleFachleute um diese Stelle bewarben, daß ihr die Wahl schwer hel. Erst im Frühjahr 1866traf he ihre Entscheidung und berief an die Spitze des Blattes dessen langjährigen Mit-arbeiter Hugo H. Hikschmann, damals Verwalter auf dem Gute Osredek in Kroatien,der am 1. Mai die Redaktion übernahm. Der neue Redakteur entstammte einer altenmährischen Landwirtesamilie. Schon sein Urgroßvater, geboren 1720, war Oberamt-mann in Fürst Dietrichheinschen Diensten, sein Großoheim Carl Andreas (1751 bis18Z2), war ein hochverdienter Ökonom, dem in erster Linie die Hebung der Schaf-zucht in Mähren und Böhmen durch Einführung von echt spanischen Merinos zu dankenist. Auch sein Vater diente derselben Familie und war Zentralbuchhalter in Kanitz.Dort wurde Hugo H. Hitschmann am 28. April i3z3 geboren. Er widmete sich eben-falls dem Berufe seiner Vorfahren und besuchte die k. k. Höhere landwirtschaftliche Lehr-anstalt in Ungarisch-Altenburg, an der er nach einer praktischen Betätigung aus ver-schiedenen Gütern auch von 1862 bis 1864 als Lehramtsashhent wirkte. Aus Gesund-heitsrücksichten trat er jedoch wieder in das praktische Leben, wo ihn dann der Ruf derk. k. Landwirtschafts-Gesellschast in Wien traf, an die Spitze ihres Organs zu treten.
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