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Das Haus Gerold in Wien 1775-1925
Entstehung
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Werk seines Oheims fortzusetzen, aber sein unstetes Wesen ließ ihn nicht die nötige Ruhezur Entwicklung finden. Auch trug er sich immer wieder mit dem Gedanken, eine großeKunsthandlung in Wien zu errichten, und als es ihm glückte, seine Buchhandlung zu ver-knusen, erwarb er sofort eine Kunsthandlungskonzesß'on. Aber aus diesen Planen wurdewieder nichts. Schon am i. August 1884 zog er nach Regensburg, um als öffentlicherTeilhaber in das Geschäft seines hochbetagten, Entlastung suchenden Vaters einzutreten.Doch auch hier war seines Bleibens nicht lange. Unzufrieden und unschlüssig kam er nachWien, wo ihn sein Freund Theodor Demuth auf die Verhältnisse im Hause Geroldaufmerksam machte. Demuth leitete die Verhandlungen und am 1. Oktober i38g zeigteFriedrich Gerold an, daß die alte Firma ausseinen Sohn Friedrich Gerold und HermannManz als öffentliche Gesellschafter übergegangen sei. Dieses Verhältnis dauerte zehnJahre, während welcher Friedrich Gerold jun. sich immer mehr und mehr vom Geschäftezurückzog und Hermann Manz, nicht mit allzuviel Glück, in den Vordergrund trat.189g schied Friedrich Gerold ganz aus der Firma aus und Hermann iManz wurdeihr Alleineigentümer.

Hermann Manz verkehrte insbesondere viel in Künstlerkreisen, in denen er sehr beliebtwar, und beim berühmten Mckkartschen Festzug des Jahres 1879 anläßlich der silbernenHochzeit des Kaiserpaares stellte er aus dem Festwagen der Buchdrucker Johannes Gutenbergdar, eine treffliche Gestalt mit wallendem Bart.

Leider wollten sich trotz aller Bemühungen die geschäftlichen Erfolge nicht einstellen.Hermann Manz geriet in Schwierigkeiten, begann zu kränkeln, und als er nach dem Todeseines Vaters durch die Erbschaft nach diesem nicht die erhoffte Hilfe fand, schied er freiwilligaus dem Leben. Am 14. Oktober 1896 fand man ihn blutüberströmt in seinem Bureau inder Postgasse er hatte durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende bereitet. DieÖsterreichisch-ungarische Buchhändlerkorrespondenz" widmete ihm einen tiesempfundenenNachruf und nannte ihn einen der Besten des Berufes. Er war von seltener Herzensgüte,freundlich und gefällig gegen jedermann. Seine Gehilsen sahen in ihm kaum mehr denChef, mehr einen Freund und Berater. Immer bereit, fremdem Unglück beizustehen, setzteer oft alle Hebel in Bewegung, um eine bedrohte Existenz vor dem Untergang zu retten,nie erhob er Anspruch auf Dankbarkeit. Sein eigenes Schicksal hatte daher etwasbesonders Tragisches an sich.

Eine schwere langjährige Krise folgte für das alte Haus. Manzens Witwe, FrauAnna, die Tochter eines Augsburger Malers, nahm für sich und ihr Kind die Leitung desGeschäftes in die Hand, das damals in einer recht traurigen Lage war. Auch der Vertriebder Schriften der Akademie der Wissenschaften ging an Alfred v. Hölder über. FrauAnna IiUanz arbeitete mit allen ibren Kräften, naturgemäß war aber die wackere Frau der