und Girlanden dekoriert waren, fand an vielen reichgedeckten Tafeln ein großes Bankettftatt, zu dem über fünfhundert Personen geladen worden waren. Alle Deputationen, dievormittags den Chefs der Firma ihre Glückwünsche überbracht hatten, waren anwesend.Meie Buchhändler, Journalisten, Schriftsteller, Gelehrte und Professoren, Minister vonStremayr und zahlreiche persönliche Freunde des Hauses, sowie das gesamte Personal derDruckerei und Vcrlagsanstalt bis zum letzten Diener hinab, waren erschienen. An der Haupt-wsel saßen IUoriz, Friedrich und Rosa Gerold. Mtlitärmuß'k spielte aus der Galerie undalles war in heiterster Stimmung. Moriz Gerold eröffnete den Reigen der Toaste — FrauRosa schloß ihn, indem ße allen für ihre Teilnahme dankte. Dazwischen lag eine lange Reihevon Trinksprüchen in Prosa und in Versen. Unter den letzteren fand insbesondere der poetischeGruß des bekannten Germanisten Hosrat Professor Karl von Tomaschek großen Beifall.In der Form einer Vision schilderte er den langen Zug der Autoren, die heranziehen, umden Verlag zu beglückwünschen. Und da heißt es zum Schluß:
Dann seh' eine Gruppe ich, lyrisches Gelichter,
Aber auch große, bedeutende Dichter.
Ich seh' den Halm! den Hebbel! und seh' den Feuchtersleben
Die vierzigste Auslage seiner Diätetik erheben.
Und auch der Grillparzer möchte sich ihnen vereinen;
Er wenigstens wollte bei Gerold erscheinen!
Sie alle, wie knüttlich mein Vers auch sei,
Stimmen meinem aufrichtigen Trinkspruch bei!
Sie reichen mit und unter uns die Gläser herum,
Anklingend auf ein neues blühendes Säkulmn.
„Tante Rosas" Großnichte Frau Lili Rechinger, geb. Favarger, eine Urenkelin CarlGerolds, besitzt heute noch die von ihrer Tante ererbten IWappen, in denen diese alle Glück-wunschschreiben und Depeschen sowie viele Zeitungsberichte über das Fest gesammelt hat.
Zum Jubiläum erhielt Moriz Gerold von Kaiser Franz Joses den Orden der EisernenKrone dritter Klasse und wurde infolgedessen am 7. August 1876 in den österreichischenAdelstand erhoben. Das Schild seines Wappens zeigt einen Speer lPsr) und einen Adler.Frau Rosa v. Gerold war damit nie ganz einverstanden, sie hatte im Schild unterdem Motto „aolH^e et clisyer^e" einen Springbrunnen sehen wollen als Symbolder Verlegertätigkeit. Der fachmännische Berater ihres Mcknnes erklärte aber diesenWunsch für „zwar sehr sinnreich, aber ganz unheraldisch". Sammle die Werke desGeistes und zerstreue sie in tausende befruchtende Tropfen, die stets wieder zur Ltuellewerden — welch ein hochpoetischer Gedanke und wie nahe steht er dem Vivians, als
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