von Geist und sellener Liebenswürdigkeit, von einem außergewöhnlichen geselligen Talentund Reiz. Sehr belesen, wußte sie alles Edle und Schöne mit Verstand und Interesse zugenießen. Ihre „Herbstreisc nach Spanien", wohin sie mit ihrem Gemahl 187g gereist war,und ihr späterer „Ausslug nach Korsu" (1885) sind mehr als Gelegenheitsschriften. Dabeiwar sie auch eine tüchtige Hausfrau, deren Koch- und Haushaltungsbücher einen Ehren-platz in ihrer reichen und sinnvoll gesammelten Bibliothek einnahmen. Sie hat auch eineGeschichte des Lindenhoses, wie die Villa hieß, und eine Chronik des Haufes aus den Iahren1861—1884 geschrieben, die sich heute in der Handfchriftenabteilung (Ser. nov. 4692)der Nationalbibliothek befindet. (Merkwürdig ist die Einleitung; sie habe geträumt, heißtes da, Kommunisten hätten hundert Jahre nach ihrem Tod Besitz von der Villa genommenund daraus eine Stätte für Proletarier gemacht, in der alles verändert worden war.Dieser Traum habe sie nun veranlaßt, gleichsam zum Gedächtnis für spätere Zeiten niederzu-schreiben: Wie der Lindenhof aussteht — Wie wir im Lindenhos leben — und — Wagwir im Lindenhof schon erlebten. Die Schrift spiegelt ein selten glückliches Eheleben und ist— man mag über Einzelheiten in derselben nun denken, wie man will — ein leuchtendesDenkmal inniger Gattenliebe und eine Ouelle für die Geschichte bürgerlicher Geselligkeitin Wien in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts.
Moriz Gerold war nicht nur wiederholt Funktionär im Börsenverein — beim Fest-mahl anläßlich der Einweihung der deutschen Buchhändlerbörse in Leipzig 1861 hielt erals Stellvertreter des Vorstehers den Königstoast —, er wurde schon 1856 zum Vorsteherder (Wiener Korporation gewählt, war dann von 1861 bis 1874 Vorsteher-Stellvertreterderselben und von 1875 bis 1882 Vorsitzender des 18^9 von ihm mitbegründeten Vereinesder österreichischen (später österreichisch-ungarischen) Buchhändler. Er war serner ersterObmann des Deutschösterreichischen Buchdruckervereines und ein führendes (Mitglied imWiener Buchdruckergremium; mehrere Jahre hindurch stand er als Präsident an der Spitzeder Versicherungsgesellschaft „Donau", war Vizepräsident der Allgemeinen Depositenbankund von 1860 bis zu seinem Tod ein eifrig tätiges Mitglied der Wiener Handels- undGewerbekammer.
Nach all dem Gesagten ist es nicht zu wundern, daß die Firma Gerold, die damals noch,trotz der scharfen Konkurrenz von Branmüller, Seidel, (Manz, Hartleben und insbesonderedes aufstrebenden Alfred Hölder in Wien, von Wagner in Innsbruck und Tempsky inPrag, das bedeutendste Verlagshaus Österreichs war, unter großartiger Beteiligung undherzlichstem Zuspruch weitester Kreise in außergewöhnlich festlicher Weise am 9. Ok-tober 1875 ihre vor einem Jahrhundert erfolgte Gründung feiern konnte.
In Rosa Gerolds obenerwähnter Hauschronik ist uns eine liebevolle, eingehendeSchilderung der Feier erhalten. In den Sälen der Gartenbaugesellschaft, die mit Blumen
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