ungefähr halbwegs zwischen Eisenach und Gotha, 185Z heimgeführt, deren Vater damalsin Wien lebte und deren Bruder Bruno Henneberg später Direktor der PottendorferSpinnerei — bekanntlich der ältesien in Österreich — wurde. Diese Ehe blieb kinderlos,über das Hans N?oriz Gerold lebt heute noch in der Erinnerung vieler Wiener; es war fastein Wahrzeichen der Stadt unter den gut bürgerlichen Familien derselben und in den Kreisender Künstler nnd Gelehrten des In- und Auslandes. Hier verkehrten die befreundeten Kollegenmit ihren Frauen und Kindern, die Artaria, Demuth, Pauli und während ihres Ausenthaltesin Wien die Brockhaus, Haessel, Enslin, Devrient, Hachette, Masson, Sijthoss undEnschede, viele Mitglieder alter Wiener Patriziersamilien, die Gelehrten Arneth, Bren-tano, Lorenz, Lotheissen, Wahlberg, Littrow, Siegel, Bonitz, Härtel, Billroth, Brücke,Tomaschek, Benndorf, Büdinger, Vahlen, Erich Schmidt, die Schriftsteller Mosenthal,Faust Pachler, Zahn, Straß, Bodenstedt, Wilbrandt, UHI, hier traf man die Sterne desBurgtheaters, die Baudins, Arnsburg, Gabillon, Koberwcin, die Maler Rudolf Alt,Paußnger, Lausberger, Anselm Feuerbach, Ludwig Hans Fischer, Zetsche, den BildhauerHmibusch, den Architekten Ferstel und zu den treuesten Freunden des Hauses gehörten dieFamilien von Holbein und von Seiller, die Brüder Freiherren von Warsberg, die GrasenAlberti, Lanckoronski, Wickenburg und Schillers letzter Enkel Freiherr von Gleichen-Rußwurm. Auch viele Diplomaten besuchten regelmäßig den Salon Gerold.
Schon Carl Gerold hatte einen alten hübschen Besitz (Tafel III) in den Ge-markungen von Neuwaldegg am äußersten Ende von Dornbach. Nach dem Todeseiner Witwe wurde der große Park unter den zwei Söhnen geteilt. Friedrich baute dasalte Haus um, Moriz errichtete sich ein neues Heim, das Meister Hasenauer schuf(S. Zg) und das die kunstsinnige Hausfrau gemütlich und reizend mit allerlei Schätzenund Erinnerungen von ihren vielen Reisen ausstattete. Sie war auch eine große Blumcn-frcundin und Kennerin nnd pflegte ihre Lieblinge selbst im Garten, während FriedrichGerold als Roscnzüchtcr geradezu berühmt war. Namentlich in den Tagen der WienerWeltausstellung im Jahre 187Z war die Villa Gerold in Neuwaldegg der Sammelplatzfast aller damals in TLien weilenden „geistigen Sonmitäten der verschiedensten Nationen".Das Ehepaar, das im Winter in der Postgasse offenes Haus hielt, machte alljährlichgrößere Reisen ins Ausland nnd wußte aus diesen stets den Kreis seiner Bekannten undFreunde zu erweitern. Wie oft kam es hier bei kleineren, aber immer fröhlichen Diners undDejeuners vor, daß man sich schämte, nicht auch, wie fast alle anderen Gäste, „im Konver-sationslexikon zu stehen"! Hier wurden Theaterstücke und Scharaden ausgeführt, musiziertund getanzt, heiter und ernst geplaudert, auch oft pokuliert — aber nie Karten gespielr.
Rosa Gerold führte auch ganz vortrefflich die Feder, ihre Briese waren oft etwasüberschwenglich, aber immer interessant, denn sie war — nie hübsch gewesen — eine Frau
19