Christoph Bernoullis Vielseitigkeit.
Eine wissenschaftliche Biographie Christophs (1782—1863), den wir alsneunte universale Begabung auf unserer Ehrentafel verzeichnen und auf demStammbaum mit dem Bildnis schmücken, wird von nationalökonomischerSeite als ein Erfordernis bezeichnet. Von seinen technologischen und sozial-politischen Büchern erleben manche noch heute Auflage um Auflage, be-sonders das „Vademecum des Mechanikers“ — für Statistiker, Techniker,Landwirte und auch Pädagogen ist er über ein Jahrhundert hinweg lebendiggeblieben. Da die beabsichtigte eingehendere Würdigung seiner Person durchEnkel und Urenkel an dieser Stelle umständehalber unterbleiben muß, ge-stattet sich der Herausgeber als schwachen Ersatz, auch Christophs Namenin der angeschlagenen psychologischen Tonart erklingen zu lassen. Wiestellt sich seine angewandte Wissenschaft zu der reinen Mathematik seinerAltvordern? Und in welchem Lichte erscheint uns das Nützlichkeitsprinzip,in dessen Dienst er sein umfassendes Wissen stellte?
Christophs Jugenderlebnis, sein eigentlicher „Komplex“ im psycho-analytischen Sinne, war der Einfall der Franzosen in die Schweiz, als ersechzehn Jahre alt war. Da durchzuckte ihn blitzähnlich das neue Idealeiner schweizerischen Demokratie vom Standpunkt der Wirtschaftsreformund einer verjüngenden Erziehung aus. Der Fall Berns, der Zusammen-bruch der alten Eidgenossenschaft, die Kanzlistenarbeit bei der helvetischenRegierung in Luzern, der damalige Umgang des Patrioten, der noch halbKnabe war, mit dem Minister Stapfer leitete seine Talente ins soziale Fahr-wasser, gut fünfzig Jahre, ehe von einer sozialen Frage die Rede ging. Wäh-rend die politische Verkörperung des Revolutionsideals in Peter Ochs rascherledigt war, hat Christoph Bernoulli die Kulturprinzipien der Aufklärungals kluger Sohn seiner Väter in seinem langen Leben einheitlich ausgebaut.
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