Druckschrift 
Gedenkbuch der Familie Bernoulli zum 300. Jahrestage ihrer Aufnahme in das Basler Bürgerrecht : 1622 - 1922
Entstehung
Seite
170
Einzelbild herunterladen
 

Daniel Bernoalli (1700-1782) als Mediziner.

Während die Leistungen unserer Vorfahren des siebzehnten und acht-zehnten Jahrhunderts auf den Gebieten der Mathematik und Physik hin-länglich bekannt und gewürdigt sind, so wissen nur wenige von ihren me-dizinischen Studien. Der erste, der neben einer mathematischen auch einemedizinische Ausbildung genoß, war Johannes I (1667—1748). Er promo-vierte im Jahre 1694 mit einer Dissertation über „Die Bewegung der Muskeln“,in welcher er das Zustandekommen der Muskelkontraktion theoretisch zuerklären versucht. Johannes I scheint seine medizinischen Kenntnisse späternicht mehr verwendet zu haben; er war als Professor der Mathematik inGroningen tätig, später in Basel.

In seinen medizinischen Studien folgten ihm sein Sohn Daniel (1700bis 1782) und ein Großsohn Daniel (1751 —1834), Sohn des Johannes II.Dieser jüngere Daniel hat sich aber, wie wir aus seiner Selbstbiographieerfahren, mehr auf der Eltern Anraten als aus vorherrschender Neigungdem Studium der Heilkunde gewidmet. Nachdem er den medizinischenDoktorgrad erlangt hatte, übernahm er das Vikariat des Physiklehrstuhls,den damals sein Oheim Daniel inne hatte. Bei seinen Bewerbungen umverschiedene Lehrstühle war ihm das Los ungünstig, so daß er sich mitder ihm weniger zusagenden Professur der Eloquenz begnügen mußte. Später(1789) zog er dann die Stelle eines Domprobsteischaffners vor.

Der ältere Daniel ist dagegen als Mediziner bekannt geworden. Nachdes Vaters Wunsch hätte er Kaufmann werden sollen, er setzte es aber durch,Medizin und Mathematik zu studieren, was bei dem damaligen Umfang derWissenschaften und Daniels Begabung wohl möglich war. Ohne die Mathe-matik zu vernachlässigen, hat er eine tüchtige medizinische Fachausbildung

170