Druckschrift 
Geschichte des Geschlechts Ebell nebst Stammtafeln u. Wappen
Entstehung
Seite
136
Einzelbild herunterladen
 

136

Sterne ist golden oder silbern. Der Mond erscheint nie voll, sondernstets entwedei zu- oder abnehmend, als eine silberne Sichel,auf deren Innenseite sich ein goldenes Gesicht als Profil zeigt. Wohlfinden sich schon farbige Monde (Gold und Silber sind heraldischkeine Farbe, sondern Metalle) mit den Hörnern, allein solche werdennur als Mondsicheln ohne Gesicht betrachtet und genannt. Willund wollte man den natürlichen Mond in dem Wappen wieder-geben, so hat er die genannte Form und Farbe. Gritzner fügt hinzu:Hat der Mond ein menschliches Profil, so heißt er gebildet undist dies besonders zu melden. Sehr falsch wäre es, wenn wirden Mond z. B. recht natürlich, wie er uns als Sichel erscheint,im Schilde führen würden. Gerade das Gegenteil ist richtig, ln derZeit der guten Heraldik (unser Wappen gehört einer älteren Zeitan), zeichnete man die Figuren nicht in der Gestalt, welche sie inder Natur hatten, sondern vorzugsweise, bei Tieren z. B., mit ver-größerten Extremitäten, beim Mond mit verlängerten Hörnern unddie Form des fast völligen Kreises innehaltend. Alles wurde darinborstig, behaart dargestellt, alles Geleckte, Glatte ist durchaus un-heraldisch. Auf weite Entfernungen mußte die Wappenfigur durchihr charakteristisches Merkzeichen zu erkennen sein. Deshalb wurdebei Tieren nicht einmal die natürliche Farbe angewandt. Eine weitereheraldische Hauptregel lautet deshalb auch naturgemäß:Jede Figursoll bestrebt sein, den Schild, worauf sie steht, möglichst

auszufüllen. Ich habe deshalb den Mond so groß und

mit so mächtigen Hörnern darstellen lassen. Er ist heral-

disch richtiger wie jenes abgebildete Siebmachersche Wappender Hannoverschen Ebells. Was die Schildfrage betrifft, müssenwir uns stets vergegenwärtigen, daß in der Blütezeit der Heraldik derWappenschild auch der wirkliche Kampfschild, der Helm auch jenerwirkliche Helm war, wie ihn der Krieger in der Feldschlacht trug.Wappenschilder und Hehn haben daher nur Sinn, wenn man solchewählt, wie sie auch wirklich gebraucht wurden. Gerade hierin wirdam meisten gefehlt. Eine Reihe von Jahren hindurch hat man dieWappenfrage mit jener Notiz des Tacitus im 6. Kapitel seiner Ger-mania in Beziehung gebracht, in der es heißt:Die Germanen

wissen von prunkender Ausschmückung nichts, nur die Schilde werdenmit auserlesenen Farben bunt bemalt. Im Streite stehen sie halb nacktoder höchstens mit einem leichten Mantel um die Schultern (Helm-decke!!). Als allergrößte Schande galt das Preisgeben des Schildes.Die heutigen Heraldiker sind anderer Ansicht, und der alte Hefnerruft entrüstet aus:Wenn man jeden Adler, jedes Pfeilbündel oderdergleichen Bilder auf Schildern und Feldzeichen für ein Wappenerklärt, dann haben freilich auch die Juden, Römer, Gallier und Ger-