Druckschrift 
Geschichte des Geschlechts Ebell nebst Stammtafeln u. Wappen
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44

Es besteht aus einer gebrochenen Säule und trägt die Inschrift:

Sanft ruhen im Schoße der Erde die Gebeine der am 31. July1809 im 74. Lebensjahre verstorbenen Frau Paulina Catharina ge-borene Günther venvittweten Kämmerer

Ebell.

Möge dieses schlichte Monument der treuesten, liebevollstenMutter, von ihrem einzigen Sohne

Heinrich Carl Ebell geweiht,

zugleich ein Denkmal der durch ihre Tugenden begründeten Ach-tung und Teilnahme sein, welche die Selige den guten Bewohnernihrer Vaterstadt verdankte.

Blau und in dem Blau der schwarze Schindelturm einer Dorfkirche. DerBlidk streift darüber hin, aber immer wieder kehrt er bis in die nächsteNähe zurück und weilt auf einem Rasenteppich, der sich in Falten legt,als wären hier Beete gewesen. Hier und da eine Cypresse halb verwildert,halb eingegangen und daneben ein Stein, der aus dem Gras eine Handhoch aufragt und nicht der Zufall warf ihn hierher. Erst kaum erkennbarin dem Moose, das ihn umkleidet, erkenn ich jetzt seine scharf behaueneKante, die sagt mir, was es ist. Unter den Bäumen hin lind halb inihrem Blätterschatten geborgen, erheben sich die Wahrzeichen solcher Stätten:Urnen und Aschenkrüge, Gitter und Grüfte, zerbrochene Säulen und rostigeKreuze, und an dem Kreuz nur zweierlei noch sichtbar: Ein Schmetter-ling und die gesenkte Fackel. Halb erblindet beides, aber die sich neigendeSonne goldet es wieder auf.

Ein Sonntag ists und über die Feldwege hin ziehen geputzte Menschen.Die Kinder verlaufen sich in dem Stoppelacker, um die letzten Blumen zupflücken, und von rechts her, wo ein Gasthaus unter Linden steht, klingenheitere Klänge herüber. Die Sonne glüht noch einmal auf, Sommer-fäden ziehen und ein gelbes Platanenblatt fällt leis und langsam vor michnieder. Wie still, wie schön, du Park am Wall, welche beneidenswerteStätte, darauf zu ruhen.

Seiner Mutter Grab auf diesem Friedhof widmet Fontane folgendeStrophe: i

Verfallene Hügel, die Schwalben ziehn,

Vorüber schlängelt sich der Rhin,

Ueber weiße Steine, zerbröckelt all,

Blickt der alte Ruppiner Wall.

Die Buchen stehen, die Eichen rauschen,

Die Gräberbüsche Zwiesprach tauschen,

Und Haferfelder weit auf und ab,

Da ist meiner Mutter Grab!

Beide Schilderungen haben mich von meiner Jugend an immer aufstiefste bewegt. Heute ist der vordere Teil jener andachtsvollen Stätteentweiht. Die Ruppiner haben sich selbst eines guten Teils dieses Walles,ihrer herrlichsten Promenade beraubt, ein Schienenstrang hat ihm weichenmüssen. Er geht dicht am Kirchhof vorüber. Es war kein Zwrnng, keinMuß, daß er gerade hier und nicht anderswo vorbei führt. Man möchte