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stehen am Beginn des Kapitalismus. Durch die Entdeckung vonAmerika und des Seeweges nach Ostindien verlor auch der süd-deutsche Kaufmann (z. B. die Fugger) seine Macht, der sozialeFrieden war auch in den Städten bereits gründlich zerstört. ZweiSchichten haben sich gebildet, das Patrizierregiment, aus dem sichnunmehr allein der Rat zusammensetzt, und die Zünfte. Uns inter-essieren nur letztere.
In früheren Jahren war der Geselle stets Anwärter zum Meister-amt gewesen. Es blieb ihm die Möglichkeit des Emporsteigens,die Bevölkerung war noch dünn, der Osten Deutschlands ein vor-zügliches Kolonisationsgebiet, die Produktion entsprach dem Absatz.Jetzt wurde dies anders. Die Meister schließen sich zu einem privi-legierten Stand zusammen, nur Meistersöhne und Meisterschwieger-söhne werden noch Meister, können es werden. Früher war noch,wie der Kulturhistoriker Riehl sich feinsinnig ausdrückt, der fechtendeHandwerksbursche kein Vagabund, sondern „Kandidat des viertenStandes“ gewesen, jetzt zeigen sich die Anfänge des Proletariats.Das Meisterrecht wird ein Standesrecht, welches sich vererbt. Zumersten Mal beginnt der Kampf zwischen Arbeit und Kapital. Wirhören von den ersten Streikversuchen der Gesellen. 17 ) Nur nochfür Meister hat Handwerk goldenen Boden, die Gesellen bleibenzurück, da sie sich nicht mehr selbständig machen können. Die Zunftder Meister beginnt sich kastenartig abzuschließen und bildet baldeinen unüberbrückbaren Gegensatz im Verhältnis zu den Gesellen.
Von solchen Gesichtspunkten aus betrachtet, dürfen wir doppeltzufrieden auf unsere alten Zunftmeister zurückblicken und dank-bar sein, daß sie es so weit gebracht. Jeder muß selbst ringen,um weiter zu kommen. Mögen auch hier und da Streber undunlautere Bewerber den Vorrang ablaufen, auf die Dauer hat dochnur, wie der große Moltke einst gesagt, der Tüchtige Glück. Unddas hatten jene Vorfahren. Meistersöhne wurden wieder Meisterim Handwerk oder heirateten, höchst verständig, ein Meisterstöchter-lein, wie z. B. jener Joachim Ebel (V, 25), des Leinwebers Diede-rich Ebels Sohn, der am 5. Mai 1705 seine Base Ursula Elisabeth,
17 ) Julius Wolf schildert uns aus dieser Zeit sehr interessant in seinemRoman „Der Sülfmeister“ eine solche Szene. Die Gesellen gehen auf„grüne Heide“, d. h. sie streiken. Die geschilderten Personen sind histo-risch, die Perlebergische Geschichte spielt im übrigen häufig nach Lüneburghinüber. So bringen z. B. die Lüneburger Bürgermeister Lütke von Dasselund Leonhard Tobing 1530 und 1534 eine Anleihe für den Kurfürsten vonje 1000 Gulden auf, für welche sich Perleberg mit verbürgen muß.(Riedel, Codex dipl.)