Druckschrift 
Amalie von Oranien, geb. Gräfin zu Solms-Braunfeld : ein Lebensbild
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110

Monseigneur! Als ich die Dinge im besten Gangeund auf dem Punkte, vorteilhaft zu Ende zu kommen,glaubte, brachte ein widriger Zwischenfall sie in Ver-wirrung. Vor langer Zeit ließ ich Eure Eminenz wissen,daß die verschiedenen Gesinnungen des Herrn Prinzenvon Oranien und seiner Frau Mutter der Verhandlung,mit der ich beauftragt bin, große und gewichtige Hin-dernisse bereiten würden. Sie treten immer in Sicht,aber ihre Stimmungen sind so verschieden und ihrePläne so entgegengesetzt, daß, je heißer die Mutterum jeden beliebigen Preis den Frieden wünscht, desto-mehr der Sohn ihn fürchtet und die Fortsetzung desKrieges leidenschaftlich verlangt. Einerseits denken dieMutter und die von ihrer Partei daran, sich von Frank-reich zu trennen, auf die falsche Voraussetzung hin,wir wollten keinen Frieden, anderseits kreuzen der Sohnund seine Anhänger heimlich den Abschluß der Garantieund alles, was den Generalvertrag fördern kann, der-art, daß er sich vor zwei Tagen nicht enthaltenkonnte, mir zu sagen, er wisse nicht, warum ich so aufden Abschluß der Garantie drängte; denn, wenn sieeinmal bewilligt sei und wir dann auch nur etwaszögerten, mit Spanien Frieden zu machen, könneder hiesige Staat sich berechtigt halten, ihn ohne unsabzuschließen; und ein andres Mal, als ich ihm vor-redete, er möge sich zum Frieden auf einige Jahrebequemen, sagte er lachend, wenn diese Republik Friedengemacht haben würde, wäre sie verloren. Ich kannteja längst diese Verschiedenheit der Ansichten und diegeheime Eifersucht zwischen Mutter und Sohn, aber,obwohl ich bei dem Sohne oft die Rede darauf brachteund ihm gar manchmal alles mitgeteilt habe, was ichmit seiner Mutter verhandelte, so hatte er mir niemalsAnlaß gegeben, ihn für schlecht zu halten, und ich durfte