&■ * Oiiginal in Woerlitz ■Jfr Amalie von Oranien, gebärest» Srätin m Solras-Braunfels. Lin Lebensbild Von Dr. Arthur Kleinschmidt, li-.1i M 7 ■ ni ..»fo-3a- - r. Mi' acht Vollbildern und einem Doppelbild. H Berlin W. 15. N \ ,, V r ßrlag Johannes Rade. ( • - \ t Amalie von Oranien, geborene Gräfin zu Solms-Braunfels. Ein Lebensbild VOll Dr. Arthur Kleinschmidt, Ilofrat und Univorsitätsprofessor. Mit acht Vollbildern und einem Doppelbild. Berlin W. 15. Verlag Johannes Rade. ( Vorwort. Eine Biographie Amaliens von Oranien fehlte bis heute, und doch war Amalie einer Darstellung würdiger als so viele andre Persönlichkeiten, die der Nachwelt längst vor Augen geführt worden sind. Das Haus, dem sie entsproß und zu dessen leuchtendsten Zierden sie. immer gehören wird, hegte schon vor Jahrzehnten den Wunsch, Amaliens Leben ausführlich geschildert zu sehen. Seine Durchlaucht der am 30. August 1900 verstorbene Prinz Hermann zu Solms-Braunfels betraute mit dieser Aufgabe den Königlich Preußischen Archivar und heutigen Kaiserlichen Wirklichen Legationsrat, Generalkonsul in Genua, Dr. Inner, und dieser Gelehrte machte in den Archiven im Haag, in Paris, Berlin und Zerbst längere Zeit Nachforschungen, die reiche Beute ergaben. Er hörte jedoch inmitten seiner Vorarbeiten auf und gab durch Brief vom 23. Mai 1885 aus Hannover sein Mandat an den Prinzen Hermann zurück, wobei er seine Excerpte auslieferte. Der Pfarrer zu Oberbiel, 0. Allmenröder, ein gründlicher Kenner der Solmser Geschichte, wurde nun zum Bearbeiter ausersehen, aber Amtsgeschäfte verhinderten ihn, seine Studien über die große Fürstin fortzuführen. Da kam ich in der Sommerfrische nach dem herrlichen Braunfels. Der damalige Regent, Prinz Albrecht zu Solms-Braunfels, eine der liebenswürdigsten und hochsinnigsten Gestalten der Zeit, und seine geistesverwandte, für alles Edle und Hohe empfängliche Gemahlin, Prinzessin Ebba, baten mich immer von neuem, die Biographie Amaliens zu übernehmen. Ich tat es erst, nachdem Herr Pfarrer Allmenröder im Oktober 1900 dem Fürstenpaare den Wunsch ausgesprochen, von seinem Aufträge entbunden zu werden, und mir alles bisher gesammelte geschriebene und gedruckte Material im November 1900 nach Marburg gebracht hatte. Alsbald entdeckte ich Lücken, die ausgefüllt werden mußten. Seine Durchlaucht Prinz Albrecht gab mir die Mittel zu einer Reise nach Zerbst, wo ich fast drei Wochen im herzoglich anhaitischen Haus- und Staatsarchive arbeitete und noch vieles fand. Yon da reiste ich zu Seiner Durchlaucht dem Fürsten und Burggrafen Richard zu Dohna- Schlobitten und benutzte fast vierzehn Tage dessen Hausarchiv; ich fand Schätze von ungeahntem Werte. Yon Schlobitten ging ich nach Laubach zu Seiner Erlaucht dem regierenden, leider so jung verstorbenen Grafen Otto zu Solms-Laubach, doch war hier die Ausbeute nur klein, und in Lieh bei Seiner Durchlaucht dem regierenden Fürsten Karl zu Solms-Hohensolms-Licb fand sich nichts vor; auch der regierende Graf Franz zu Solms-Rödelheim Erlaucht schrieb mir am 11. November 1900, er habe keine einschlägigen Archivalien. V Der so frühe Tod des mir Freund gewordenen Prinzen Albrecht am 8. März 1901 verhinderte meine projektierte Reise nach Paris und dem Haag, um weitere Schätze in den Archiven zu heben. Ich mußte mich damit begnügen, in Paris, dem Haag und in Berlin anzufragen, was zu meinem Zwecke noch vorhanden sei, und meine Arbeit fand von dort keine Förderung *). Anfragen in München ergaben dasselbe negative Resultat -). Der neue Regent, Seine Durchlaucht Prinz Friedrich zu Solms-Braunfels, übertrug mir, voll Pietät für Amaliens Gedächtnis, kontraktlich am 26. Juli 1901 die Abfassung der Biographie auf der Basis der Forschungen, die Jrmer, Allmenröder und ich gemacht, und hiermit habe ich meine Aufgabe gelöst. Der Welt zeige ich das Bild einer eminenten Politikerin von männlichem Verstände, dem hohen Hause Solms meißele ich ein Denkmal seiner größten Frau. Durch vortreffliche Porträts, die mir die Häuser Solms und Dohna wie Seine Hoheit der hochselige Herzog Friedrich I. von Anhalt zur Verfügung stellten, findet mein Werk eine würdige Ausschmückung. ') Antwort vom Königlichen Hausarchiv im Haag, 31. Januar 1901, vom Nationalarchiv in Paris, 17. Januar 1901, vom Königlich Preußischen Hausarchiv in Charlottenburg, 16. November 1900. ■) Antwort vom Königlich Bayrischen Geheimen Staatsarchiv in München, 16. August 1901 und vom Königl. Allgemeinen Reichsarchiv daselbst, 20. u. 23. Sept. 1901. Dessau, im November 1905. Arthur Kleinschmidt. N amensregister A. Adrickem, Adriaan van. 259, 260. Aerssen, Francois d’, Herr van Sommelsdyck. 21, 25, 28, 31, 34, 130, 135, 141, 159. Aitzema, Leo van. 84. Anhalt, Friedrich H., Herzog v. 2. Anhalt-Bernburg, Christian II., Fürst zu. 15, 16. Anhalt-Dessau, Henriette Katharina, Fürstin zu, s. Oranien. Anhalt-Dessau, Johann Georg II., Fürst zu. 196, 197, 250, 258. Anhalt-Dessau, Leopold I., Fürst Anslo, Reinier. 84. [zu. 51. Arundell, Graf. 34. Aspern, van. 258. Austria, Don Juan d’. 180. Avaux, Claude de Mesmes, Comte d’. 45, 46, 47. B. Barby, s. Ostfriesland. Beaumont, Aernout de. 180, 1 25711., 259, 260, 271. ! Beauregard, de. 182, 223. ! Beekman, Martyn. 259, 260. Bergh, Heinrich, Graf von. 22. j Beverweert, Ludwig von Nassau, j Herr von. 30, 145. ! Beziers, Bischof von. 246. j Bicher. 105, 114. j Blaspiel, Werner Wilhelm von. ; 236, 246. Blumenthal, Joachim Friedrich ! von. 60, 205, 212, 229. i Boehmen, Elisabeth Stuart, Königin von. 4, 5, 7, 12,15 ff., 23 ; bis 24,35, 57, 81,136, 197, 211. ! Boehmen, Elisabeth, Prinzessin ; von. 17. Boehmen, Friedrich V., König von. 4, 5, 9, 10—12, 15, 31. Boon, Jan de. 267. Brandenburg, Friedrich, Kurprinz von. 263, 270. | Brandenburg, Friedrich Wilhelm, ] Kurfürst von. 40—42,60—66, 96, 125, 138 ff., 142-145, 153, ! 157 ff., 160, 170—172 ff„ 178 ! bis 183, 190—193, 216, 218ff.. 224, 226, 228 ff., 231 ff., 234ff., 239 ff., 241 ff.. 243 ff., 247, 250 ff. Brandenburg, Henriette Katharina, s. Öranien. Brandenburg, Ludwig, Prinz von. 263, 270. Brandt, Christoph von. 197, 205, 212 . Brasset, 69 ff, 73 ff., 124, 128ff., 130, 141, 152, 153, 164. Braunschioeig-Wolfenbiittel, Christian der Jüngere, Herzog von. 5—6. Bray, de. 101. Brederode, Johann Wolfhart von. 4, 31, 33, 35, 173. Brederode, Ludovica Christiane von: s. Solms-Braunfels. Brederode, Fräulein von. 256. Breughel, Jan. 268. Breze, Urbain de Maille, Jlar- schall von. 24. Brienne, Henri Auguste de Lo- menie, Comte de. 77, 85, 89, 115, 170, 214, 224. Brun, Antoine. 119, 124, 128, 132, 160, 221. Burgsdorff, Conrad von. 61—65, 140—141. Buysero, Laurent. 137. yh <1. Campen, Jakob van. 100, 101. Cartesius, Renatus. 103. Castel-Rodriquez, Marquis von. 69, 75, 77, 115, 228, 249. Cats, Jakob. 103, 137, 138, 140. Chamfleury. 158. Chanut, Pierre. 16711'.. 16911'., 171, 175. Charnace, Hercule, Baron de. 22—25. Cliäteanneuf, de. 160. Ohatillon, Gaspard de Ooligny, Marschall von. 24. Chavigny, Leon Bouthillier, Comte de. 31. Cheoreuse, Marie de Rohan, Duchesse de. 28. Chieze, de. 200, 212. Clarendon, Edward Hyde, Graf von. 131, 21911'., 226. Coccejus, Jan. 103. Colbert, Jean Baptiste. 224, 246. Coligny, Louise de: s. Oranien. Conde, Louis II. de Bourbon, Prince de. 43, 64, 65. Copes, Johann. 13911'., 142. 164, 205, 246. Crommon. 143, 171. Cromwell, Oliver. 126,133, 168 ff., 174. D. Dedel, Jan. 141, 142, 144. Degenfeld, Louise von, Raugräfm. 161. Deschamps. 107, 109. Desloges. 106. Diest, Johann von. 65. Dohna, Achatius, Burggraf zu. 96. — Christian Albrecht, Burggraf zu. 33. — Christoph, Burggraf zu. 4, 7, 56—59, 96 ff. — Christoph Delphicus, Burggraf zu. 161. — Esperance: s. Montbrun. — Friedrich. Burggraf zu. 6, 94, 104, 143 ff., 149 ff., 152, 154 bis 163, 172, 18111'., 184—217, 221—226, 228, 250, 254, 256. Dohna, Friedrich Albrecht Au- riacus, Burggraf zu. 189. — Heinrich, Burggraf zu. 33, 37—39. — Katharina, Bnrggriilin zu. 163, 256 ff., 259, 263 ff. — Theodor Auriacus, Burggraf zu. 59. — Ursula: s. Solms-Braunfels. Duudyns, Willem. 267. Dyck, Anton van. 13. 33, 36, ' 267—269. E, Elisabeth: s. Boehmen. Estrades, Louis Godefroi,Comte d'. 48, 72ff., 88, 105, 223, 226ff., 232ff., 240ff., 243ff. Everdingen, Caesar von. 101. F. Flinck, Govaert. 269. Fourmentau, de. 174. Frankreich, Anna von Oesterreich, Königin von. 43, 76, 120 ff., 129, 150-152, 153 ff. — Ludwig XIII., König von. 18, 19, 23, 24, 26ff., 30ff„ 43, 95, 173. — Ludwig XIV., König von. 126, 129, 164, 168, 170, 174, 184 ff., 193, 196 ff., 202 ff., 205 ff., 208 ff., 212, 214, 221 ff., 223, 225 ff., 229 ff., 232ff., 234ff., 254ff. — Maria von Medici, Königin von. 27. «. Galen, Christoph Bernhard von, Fürstbischof von Muenster. 234—246. Gamarra, Don Este van de. 177 bis 180, 213, 227, 256. Gau, de. 224. Goes, Martinus van der. 257. 259 ff., 271. Goring, George, Lord. 77. Grebber. 101. Großbritannien and Irland, Elisabeth, Prinzessin von. 28. Großbritannien und Irland, Henriette Maria, Königin von. 18, 28—40, 182, 184, 224. — Karl I., König von. 27—28, 31—40, 125, 135ff. — Karl II., König von. 34, 40, 45, 52, 61, 66, 125—128, 132, 136, 166, 174, 214, 217t'., 226, 229, 232. — Maria, Prinzessin von: s. Oranien. — Wilhelm III., König von: s. Oranien. Grotius, Hngo. 2, 103. H. Raga. 258. Hanau, Charlotte, Gräfin von. 15, 18. — Katharina Belgica: s. Oranien. Hannover, Sophie, Kurfürstin von. 66 . Haren, G. de. 255. Heemstede, van. 76. Hcenvliei, Jan van den Kerck- lioven. Herr van. 27, 28. 31. 83, 135 ff., 137 ff, 145 ff, 175. Heidt, Elias. 256, 257—271. Hessen-Cassel, Amalie, Prinzessin von. 64, 256. — Elisabeth, Prinzessin von. 7. Holland, Lord. 37. •— Wilhelm von, deutscher König. 14. Honthorst, Gerhard van. 13, 36, 101, 267—269. Hooft, Pieter Cornelisz van. 103. Horky, Martin. 32. Horn, von. 138ff., 141. Huygens, Constantin, Herr van Zuylichem. 20—22, 28—29, 39, 44, 47, 49—50, 80, 82—84, 99—103, 134ff., 136, 141—143, 148—149, 171, 180, 221—224, 226, 232, 238, 253 ff — Constantin, Sohn. 171. — Moritz. 99. .T. Jermyn, Henry, Lord: s. St. Albans. Joachimi, Alhert. 31. K. Knuyt, Jan de, Herr van Yos- maar. 24. 25, 27, 67, 69, 71. 73, 75 ff, 81, 83, 95. 97, 104 bis 107, 117 t. Kolbe von Wartenberg, Johann Casimir. 252, 270. I,. Labadie, Jean de. 203. Landsberg: s. Pfalz-Landsberg. La Thuilierie, GaspardCoignetde. 45, 67, 69ff, 72ff, 86, 121 ff La Tour d’Auvergne, Marie de. 41. La Tremdille, Henri, Duc de. 41. — Henri Charles II. de, Prince de Tarente. 41—42, 51, 60 bis 66, 167, 251, 256. — Louis Charles, Ilue de. 41. Lee, van der. 83. Lesseins, de. 238. Le Tellier, Francois Michel, Marquis de Louvois. 221, 224. Lieven, Dorothea, Fürstin. 19— 20. Lievens. 101. Lionne, Hugues de. 224, 229, 232, 234ff, 244. Longueville, Henri II.. Duc de. 184. Lumbers, von. 246. Luynes, Charles d’Albert, Duc de, Connetable von Frankreich. 93 ff M. Martyn, Jan. 257, 259, 265. Mazarin, .Tules, Kardinal. 40, 43, 47—48, 67, 69 ff., 73 ff, 76. 80ff, 85, 86ff, 88, 90ff., 105ff, 108 ff, 116ff., 120ff, 125, 129, 132 ff, 141, 150, 154 ff., 157 ff.. 167—170, 174 ff, 177, 180 bis 185, 193, 197, 205 ff., 208ff., 212—214. Merlan, Matthaeus. 268. Merode, Frau von. 60. Milet. 233. Millet, de Jeure. 206. • Milton, Jolm. 133. —• ix Monk, George, Herzog von Albe- marle. 249. Montbrun. Marquis fle St. Andre. 206. Montbrun-Ferrassieres,Jisyerance du Pnv-, Burggräfin zn Dohna. 161—162. 185: — Jean III. du Pny-. 198, 204, 225. Montecuculi, Knimund, Graf. 22. Montens. 95. Motzfeldt. 258—259, 265. Muenstcr: s. Galen. Maxell, Oornelis. 68, 72. Mgtens, Jan. 267, 268. IV. Nassau, Ludwig von: s. Bever- iveert. — Moritz von: s. Gramen. -- Gräfin Wilhelm von. 17. Nassau-Diez, Gräfin Ernst Casimir von. 17. — Heinrich Casimir, Graf von. 29. — Emilie Albertine Agnes, Fürstin von: s. Oranien. — Wilhelm Friedrich, Graf, dann Fürst von. 18. 92, 130, 134. 141, 158—159, 166, 176. 192, 230. Nassau-Dillenburg, Heinrich Ludwig, Graf von. 53. Nassau-Siegen, Georg Friedrich, Graf von. 63. — Heinrich, Graf von. 18, 40, 42—43. — Johann Moritz, Graf, dann Fürst von. 140—142, 172 ff., t 202 ff., 218, 237, 246, 251, 255. Nassau-Zuglestein, Friedrich. Graf von. 6—7, 193. Netscher, Caspar. 268. Nicholas, Edn. 219. Niederlande, Wilhelmine, Königin der. 2. Norwich, Graf. 75. O. Oldenbarnevelt, Jan van. 8. Oranien, Amalie, Prinzessin von. 1—271. Oranien, Emilie, Prinzessin von. 17. — Emilie Albertine Agnes, Prinzessin von, später Fürstin von Nassau-Diez. 17, 58—59, 159, 230, 250, 256ff., 259ff. — Friedrich Heinrich, Prinz von. 2, 6, 7—104, 136, 142, 271. — Henriette Katharina, Prinzessin von, später Fürstin zn Anhalt-Dessau. 18, 51 ff., 126 bis 128, 19611., 201, 214. 247. 250. 259 ff. — Isabella Charlotte, Prinzessin von. 17, 58. •— Katharina Belgien, Prinzessin von, später Gräfin von Hanau. 15. — Louise de Coligny, Prinzessin von. 6. — Louise Henriette, Prinzessin von, später Kurfürstin von Brandenburg. 17, 18, 40—42, 45, 54, 60—66, 84. 96, 101, 144, 176, 207, 252ff, 261«'., 267—269, 271. — Ludwig, Prinz von. 18. — Maria, Prinzessin von, später Herzogin von Simmern. 18, 250 ff, 259 ff. — Maria Stuart, Prinzessin von. 28—42, 66,117 ft'.. 131 ff., 134ff. — Moritz, Prinz von. 5, 6—12, 14, 20, 30, 93. •— Philipp Wilhelm, Prinz von. 7. — Wilhelm I. der Schweiger, Prinz von. 2, 6. — Wilhelm II., Prinz von. 16, 18, 19, 27—46, 67ff., 70, 73, 80, 85. 88ff., 102, 104—133, 138—139, 150, 152. — Wilhelm III. Heinrich, Prinz von, dann König von Großbritannien und Irland. 55, 135—271. Orleans, Gaston, Herzog von. 31, 88, 184. Ortnonde, James Butler, Marquis, dann Herzog von. 214. Ostfriesland, Enno Ludwig, Graf, dann Fürst von, 51—52. — X Ostfriesland, Juliane Sophie, ; Gräfin von, geh. Gräfin von | Barby. 52. — Ulrich TI., Graf von. 51—52. P. Pauw, Adriaan. 81, 107, 148. Peneranda, Don Caspar de llra- canionte v Guzman, Graf von. 77, 105, 118—119. Pfalz, ElisabethStuart,Kurfürstin von der, Königin: s. ßoehmen. — Friedrich IV., Kurfürst von der. 4. — Friedrich V., Kurfürst von der, König von Boelnnen: s. Boeh- men. — Karl Ludwig. Kurfürst von der. 161, 197', 211. Pfalz-Landsberg, Friedrich Ludwig, Pfalzgraf und Herzog von. 145, 146. Pfalz-Neuburg, Philipp Wilhelm, Pfalzgraf und Herzog von. 234—246. Pfalz-Simmern, Ludwig Heinrich Moritz Franz, Pfalzgraf und Herzog von. 250—252. — Maria, Pfalzgräfin und Herzogin: s. Oranien. Plessis-Praslin, Cesar de, später Duc de Choiseul, Marschall von Frankreich. 206. Pollot, de. 158. Pomponne, Simon Arnauld, jVfar- quis de. 254. Porte, Cornelis de la. 259. Portugal, Amalie, Prinzessin v. 63. •— Antonio, König von. 63. — Emannel, Prinz von. 63. — Emilie, Prinzessin von. 15. — Mauritia Eleonore, Prinzessin von. 63—64. Preußen, Friedrich I., König von. 65. — Wilhelm II., König von, Deutscher Kaiser. 2. K. Heede, Godard van, Herr von Nederhorst. 78. Rembrandt van Rvn, Harmensz. 98—100, 269. Richelieu, Armand Jean du Ples- sis, Duc de, Kardinal. 21. 23 bis 28, 30, 93, 96. Ricotüeres, de. 182. Rivet, Andre. 33, 171. Rodt, AVinand. 61. Roha.n, Henri, Duc de. 42. — Mademoiselle de. 42. Romsieinckel, Matthias von. 246, 258—260, 265, 270. Rosborne, Gräfin von. 31. Rubens, Peter Paul. 267, 268. ! Rußland, Nikolaus II. Alexan- drowitscli, Kaiser von. 102. I Rmjter, Michel Adriaanszoon de. 248. S. Sable, Marquis de: s. Servien. Santen, van. 145, 150, 159. Saulnier, Madame. 266. Schweden, Christine, Königin von. 60. — Gustav II. Adolph, König von. 22 . Schwerin, Otto, Freiherr von. 65. 66, 178, 235, 238, 251. Seghers, Pater Daniel. 268. ! Servien, Abel, Comte, dann Marquis de Sable. 45, 76—82, 85ff., 88ff, 90ff., 105ff., 108 ff, 112 ff., 114ff, 116 ff., 166. Snyders, Frans. 268. Solms-Braunfels, Agnes, Gräfin zu. 2. . •— Amalie, Gräfin zu: s. Oranien. — Anna Elisabeth. Gräfin zu. 13, 54. — Anna Sibylle, Gräfin zu. 53. ■ — Charlotte Henriette, Gräfin zu. 55. — Elisabeth, Gräfin zu, später Wild- und Rheingräfin. 4. — Heinrich Trajektin, Graf zu. 13, 54—55, 263. — Johann Albrecht I., Graf zu. 2—5, 7, 52. — Johann Albrecht II., Graf zu. 4, 13, 53—54, 56, 263. — Juliane, Gräfin zu. 2, 57—68. XI Solms-Braunfels, Konrad Ludwig, Graf zu. 4, 53. — Ludovica Christiane, Gräfin zu, später Frau von Brede- rode. 4, 6, 13, 17. 55—56, 263. — Ursula, Gräfin zu, später Burggrärtn zu Dohna. 4, 34, 37, 55—59, 96 ft'., 149, 163. Sommelsdyck: s. Aerssen. Sonsfeldt. 149. Southampton, Graf. 219. ■ Spanien, Philipp IV., König von. 118ff., 132, 180, 227, 228. Spinoza, Baruch. 103. St. Albans, Henry, Lord Jermyn, dann Graf. 141, 221—222. Stanhope, Lady. 135, 175. St. Martin, Marquis. 160. Strafford, Thomas Wentworth, Graf von. 33. T. Tarent: s. La Tremo'ille. Thisci. 166. Thou, Jacques Auguste de. 152, 175ff., 181, 183, 192ff., 211, 213, 214, 223. Tkuillerie: s. La Thuillerie. Thulden, van, Theodoras. 101. Tremo'ille: s. La Tremo'ille. Tromp, Martin Harpertzoon. 160. Turenne, Henri de la Tour d’Au- verg-ne, Vicomte de. 15, 41. V. Valkenburg, Jan de Hertoge van Osmael, Herr von. 93, 95. Verdoes. 95. Voetius, Gysbert. 103. Vondel, Jost van den. 13, 98, 103. Vosberghe. Frau von. 58. W. Waldeck, Georg Friedrich, Graf von. 161, 171 ff. Wandele, Bobert Ilich. Graf. 33, 34. Weimann, Daniel. 139, 142, 149, 159, 174, 202ff., 212ff., 218. Wevelinchoven, Jakob de. 249. Wicquefort. Abraham. 217. 224, 254. Wild- und Rhe'mqraf, Wolfgang. 4. Wilhem, David Le Leu de. 82, 148. Willeborts, Thomas. 267. Witt, Cornelis de. 6. — Jan de. 6, 133, 161, 167—169, 177, 20211’., 238, 24811'., 254. Z. Zoutman. 101. Zuylichem: s. Huyyeus. Zuylestein: s. Nassau-Zuylestein Anstatt einer Beschreibung der Leichenfeier Amaliens gebe ich eine gleichzeitige bildliche Darstellung des pomphaften Trauerzuges und der Aufbahrung. Inhalts-Verzeichnis. Seite Vorwort. III—V Namensregister. VI—XI I. Abschnitt. Amalie und Friedrich Heinrich . . . 1—103 1. Kapitel. Die Jugend . 1—6 2. Kapitel. Die Heirat . 0—13 3. Kapitel. Die Prinzessin von Oranien als Hausfrau 13—19 4. Kapitel. Amalie als Staatsmann .19—27 5. Kapitel. Die Heirat des Prinzen Wilhelm. . . 27—39 6. Kapitel. Louise Henriette .39—42 7. Kapitel. Der Krieg geht zu Ende .42—51 8. Kapitel. In der Familie .51—59 9. Kapitel. Die Vermählung Louise Henriettens . 00—66 10. Kapitel. Das Ende Friedrich Heinrichs . . . 66—93 11. Kapitel. Orange unter Friedrich Heinrich . . 93—98 12. Kapitel. Kunst und Wissenschaft unter Friedrich Heinrich . .'.... 98-103 fl. Abschnitt. Amalie und Wilhelm II.104—133 1. Kapitel. Wilhelms Anfänge .104—118 2. Kapitel. Der westfälische Frieden .118—125 3. Kapitel. Das Ende Wilhelms II .125—133 III. Abschnitt. Amalie und Wilhelm III. 134—271 1. Kapitel. Die Vormundschaftsfrage .134—149 2. Kapitel. Orange und Frankreich .149—163 3. Kapitel. Weiterer Verlauf der Vormundschaft . 163—184 4. Kapitel. Frankreich bemächtigt sich Oranges. Tod Maria Stuarts .184—217 5. Kapitel. Das Ende der Vormundschaft . . . 217—254 6. Kapitel. Amaliens Tod . 255—271 I. Abschnitt. Amalie und Friedrich Heinrich. 1. Kapitel. Die 3ugencl. G iefe Nacht liegt über der Landschaft an der Lahn; es ist ein Waldparadies an den Ansläufern des Taunus, über dem Städtchen thront ein imposantes Bergschloß, von dessen Zinnen der Blick weithin ins Solmser Land schweift. Es ist Nacht, eine sturmgepeitschte Nacht, der Donner hallt unheimlich durch die weiten Hallen des Schlosses. Ich trete unter das efeuumsponnene Portal und blicke hinaus in die Dunkelheit, die der Blitz oft mit weißblauem Lichte grell durchzuckt; märchenhaft schön hebt sich dann der geräumige Hof ab, die großen Freitreppen springen vor, stolz, wie ein Schutzherr seine Umgebung, überragt alle die hohen Gebäude der gewaltige Bergfried. So steht heute noch Schloß Braunfels, die Wiege Amaliens, unter des Bergfrieds Obhut wie damals, als sie hier zur Welt kam. Wogen strahlenden Sonnenscheins fluten durch die Fenster der sogenannten neuen Kirche zu Delft in den Niederlanden, einer Kirche aus dem fünfzehnten Jahrhundert, welche die Mitglieder des in der Geschichte wohl einzig dastehenden Geschlechts der Oranier seit AV ilhelm dem Schweiger in ihren Grüften birgt. Delft, die Geburtsstadt von Amaliens Gemahl, ist das Escorial Kleioschmiilt, Amalie von Oranien. i der alten Todfeinde Spaniens. Über den Gräbern triumphiert eine in ihren Formen ebenso vollendete wie gebietende Erzstatue der in die Posaune stoßenden Fama. Gegenüber ruht Ilugo Grotius, der Yater des Völkerrechts, bei den Oraniern aber Amalie zu Solms, die Gemahlin des großen Friedrich Heinrich. Amalie wurde in Braunfels am 31. August 1602 geboren. Ihre Eltern waren der regierende Graf Johann Albrecht I. zu Solms-Braunfels (geboren am 5. März 1B63, verstorben am 4. Mai 1623) und seine erste Gemahlin, Gräfin Agnes zu Sayn -Wittgenstein (geboren am 18. April 1568, verstorben am 29. April 1617). Ich enthebe mich der Aufgabe, das Herkommen und das Alter des Hauses Solms zu erörtern; dasselbe bedarf keiner Sagen, es ist unbestritten eins der vornehmsten und angesehensten unsres Uradels; ebenso steht es mit den Sayn-Wittgenstein. Hingegen will ich hier schon darauf liinweisen, daß fast alle heutigen Herrscher von Friedrich Heinrich von Oranien und Amalie zu Solms abstammen; zum Beweise diene die direkte Abstammung Ihrer Majestäten Kaiser Wilhelms II., Königs von Preußen, und Königin Wilhelmine der Niederlande, sowie Seiner Hoheit des Herzogs Friedrich II. von Anhalt. (Stammtafel nebenstehend.) Wir wissen leider sehr wenig, fast nichts von Amaliens Kindheit. An ihrem Yater 1 ) hatte sie das edelste Vorbild eines christlichen Edelmanns, der in der Pflichterfüllung lebenslang sein höchstes Glück fand, und ihre Stiefmutter, Gräfin Juliane, geborene Gräfin zu Nassau- Dillenburg, verwitwete ßheingräfin zu Dhaun, machte, selbst kinderlos, die Erziehung ihrer Stiefkinder zur *) Vgl. Kleinschmidt, Johann Albrecht I., Graf zu Solms- Braunfels usw., in „Mitteilungen zur anhaitischen Geschichte und Altertumskunde“, IX. Band. Dessau 1902. i—i «2 V-3 ® Oß+H O CO fcj o _ 02 ^3 N .23 P^ bß&j bß ^ o M p) ® -Pm 3 Aß ’o cö S -£ « c3 :© * © PQ 03 Ö a-s 's ^ fll M M © tu *-*> ^_Ph 'Ö2 © r3 fl i> M ü [> K* 02 o P fl 02 & < j> ^ S P=H :© P pJH pH cä © © ön.2 Ph ü 02 cS UL ^ l "*”- bß 2 ^ £ N © bß bß CD 02 *H ,0 'O WH 02 -4-3 E^ 1-3 2 E :© p (£ 02 M -T=i ^ 32 °3 Ä 4 l&t i ~ W m Hauptaufgabe ihrer Ehe. So durften die Eltern Amaliens, die ja mit fünf Jahren die leibliche Mutter verloren hatte, als ein Musterpaar bezeichnet werden. Amalie hatte zwei Brüder, die Grafen Konrad Ludwig und Johann Albrecht II., und drei Schwestern, von denen die älteste, Elisabeth, den Wild- und Rheingrafen Wolfgang, Ursula den Burggrafen Christoph zu Dohna, und die jüngste, Ludovica Christiane, den Freiherrn Johann Wolf hart von Brederode, Feldmarschall der Generalstaaten, heiratete. Ludovica Christianens Heirat mit dem reichen Grafen von IIolland-Brederode war Amaliens Werk; die Brederode galten für das vornehmste Adelsgeschlecht Hollands, das Sprichwort sagte: Brederode de edelste, Wassenaar de outste, Egmond de rijkste, Arkel de stoutste. Die Brederode erloschen 1679 im Mannesstamme und ihre großen Besitzungen fielen durch Heirat den Grafen zur Lippe zu. Amaliens Vater trat 1602 in den Dienst des Kurfürsten Friedrich IV. von der Pfalz als Großhofmeister ein und teilte seitdem die Schicksale dieses Fürsten und seines Sohnes, des Kurfürsten Friedrich V. Amalie wuchs in Heidelbergs großartiger Natur auf und begleitete die Eltern auch manchmal nach Braunfels in die Heimat des Geschlechts. Die Eindrücke, die das sehr empfängliche Gemüt in sich aufnahm, waren ernster Art, denn der junge Kurfürst ließ sich bestimmen, die böhmische Königskrone aus den Händen der Widersacher des Kaisers anzunehmen; seine ehrgeizige Gemahlin, die englische Königstochter Elisabeth Stuart, drängte ihn fortwährend, während Amaliens Vater, sein erster Minister und Freund, ihm herzlich abriet, Als 5 Friedrich Y. nach Böhmen zog, begleitete Johann Albrecht I. mit seiner Familie den Freund in das ungewisse Schicksal; es kam, wie der Graf geahnt hatte, und „der Winterkönig“ gab nach der selbstverschuldeten Niederlage bei Prag alles verloren. Mit Solms, Dohna und wenig andern Getreuen flüchtete er vom Weißen Berge nach Breslau, von da nach Berlin und Küstrin, schließlich nach dem Haag. Gräfin Amalie, welche als Hoffräulein die Königin von Böhmen nach Prag zur Krönung begleitet hatte, machte die Flucht mit und blieb im Exile im Haag bei ihrer lieben Herrin; sie war jetzt achtzehn Jahre alt, ebenso klug und gewandt wie schön, eine Zierde nicht nur des verbannten böhmischen Hofes, sondern auch der Gesellschaft, welche den Heldenfürsten Moritz von Nassau, Prinzen von Uranien, umgab. Moritz galt ja als glänzendster Kriegsführer und das von ihm durchgebildete Heer der Generalstaaten als das erste der Zeit, und er war nur Soldat, nicht auch Diplomat wie sein großer Yater; im Frieden sali er keine Rolle für sich, der Krieg war ihm alles. Amalie war dem oranischen Geschlechte nahe verwandt, ihre Großmutter väterlicherseits war eine Schwester Wilhelms des Schweigers gewesen; doch lebte sie in abhängiger Lage und als ihr Yater am 4. Mai 1.623 im Haag arm starb, erbte sie nichts als ziemlich unsichere Aussichten auf die unter sechs Kinder zu verteilende kleine Erbschaft. Um diese Zeit befand sich im Haag der abenteuernde „Gottesfreund, der Pfaffen Feind“, Herzog Christian der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel, Administrator von Halberstadt, bekannt als „der tolle Bischof“. Er hatte die Königin von Böhmen zur Herrin seines Herzens erkoren und steckte nicht nur ihren Handschuh an den Hut, sondern bewog sie auch, ein Büschel seiner Haare zu tragen; um diese Gegenhuldigung der Königin nicht zu auffällig erscheinen zu lassen, gab er ihren beiden Ehrenfräulein, Amalie und Ludovica (Louise) Christiane zu Solms-Braunfels, gleiche Haarbüschel und die Königin befahl ihnen, dieselben mit einem Kleinode zu tragen, wie sie es tat. Amalie handelte, wie ihr befohlen worden, ohne für Christian Neigung zu empfinden, und als Prinz Friedrich Heinrich von Oranien sie damit neckte, warf sie vor seinen Augen Kleinod und Haare ins Feuer. Dabei fing nun Friedrich Heinrich, der sie längst kannte, Feuer genug, um sie zu heiraten. Burggraf Friedrich zu Dohna, Ursulas Sohn und Amaliens Neffe, berichtet dies '). 2. Kapitel. Die Reiraf. Das Haus Oranien war dem Erlöschen nahe. Sein Haupt, Moritz von Nassau, hatte keine ebenbürtigen Nachkommen, nur natürliche, und Prinz Friedrich Heinrich, sein Bruder und präsumtiver Erbe, des Schweigers letzter Sohn aus der Ehe mit Louise de Coligny, des ILugenottenführers Tochter, schien nicht heiraten zu w'ollen; ein Mann voll Kraft und Schönheit, trieb er sich lieber mit leichten Frauen umher, und seiner Verbindung mit einer Bürgermeisterstochter in Emmerich entsproß Friedrich, Graf von Nassau-Zuylestein, der spätere Haupturheber des Mordes von Jan und Cornelis de Witt 2 ). Alle Versuche, ihn zu einer Heirat zu bc- ') Les Mdmoires du Burgrave et Üomte Frederic de Dolma 1(521—1688. Herausgegeben von H. Borkowski. Königsberg 1898. Sein Geschlecht, die Grafen von Rochford und Nassau-Zuylestein, erlosch 1830. Er selbst fiel mit neunzehn Wunden am 23. Oktober 1672 hei Woerden als General der Infanterie; er war 7 wegen, waren umsonst gebliehen. Moritz aber wollte nicht sterben, ohne seinen Bruder verheiratet zu sehen, und niemand erschien ihm passender als Amalie zu Solms, deren uraltes Haus schon manche Allianz mit dem nassauischen aufwies. Eine Heirat Friedrich Heinrichs mit der Landgräfin Elisabeth von Hessen-Cassel, einer Tochter des Landgrafen Moritz, über welche 1616 und 1617 verhandelt worden, hatte sich zerschlagen; wie es schien, weil sie nicht genug Geld brachte. Und nun wählte er doch eine ganz arme Dame, während er so reich war. AVie wenig ahnte dies ihr Vater, Graf Johann Albrecht I., als er an seinen Schwiegersohn, den Burggrafen Christoph den Alteren zu Dohna, am 21. März 1618 aus Heidelberg schrieb*): „Der verstorbene Prinz von Oranien (Philipp AVilhelm] hat eine schöne Erbschaft Seiner Excellenz, dem Prinzen Moritz, seinem Bruder, und successive dem Prinzen Heinrich und dem ganzen Hause Nassau-Dillenburg hinterlassen, wenn die Brüder ohne männliche Erben sterben sollten, und zwar gegen die Meinung Mehrerer, die glaubten, er liebe sein Haus gar nicht so sehr, hierin hat er sie sehr getäuscht.“ Moritz bemerkte auch voll Freude, daß Amalie dem Bruder nicht gleichgültig war, und für Amalie bedeutete die Aussicht ein unerhörtes Glück, wie auch die Königin von Böhmen in ihrem Elend meinte. Moritz wurde kränker und beschleunigte darum die Sache. Er ließ den Bruder, der gegen Spanien im Felde stand, zu Anfang des Jahres 1625 nach dem Haag kommen, unter- friilier Gouverneur seines „Neffen“, Wilhelms III., auf der Akademie in Leyden. In einem Briefe an einen Freund vom 27. März 1624 anerkannte Friedrich Heinrich humoristisch die Vaterschaft für diesen Sohn. ') 3/75. 15. Original. Archiv in Schlobitten. 8 wies ihn über alle Rüstungen zum Entsatz von Breda, riet ihm zu schleuniger Heirat und drohte ihm im Weigerungsfälle mit Enterbung und mit Legitimierung seiner eigenen Bastarde. So wurde er „Urheber und Entremetteur“ der Ehe. War doch Amalie, wie ein Chronist sagt'), „Dame des mieux faites, autant accom- plie en beautc, bonne mine, sagesse, piete, que recom- mandable pour estre yssue dune des maisons plus illustres d’Allemaigne brauche de celle de Nassau.“ Friedrich Heinrich warb um das arme Mädchen und erhielt ihr Jawort, Moritz befahl den Wegfall aller Formalitäten, setzte sich über die Verwandtschaft hinaus (der Bräutigam war Onkel der Braut ä la mode de Bretagne), das kirchliche Aufgebot unterblieb und die Vermählung erfolgte am 31. März 1625 in der Klosterkirche im Haag ohne alle Festlichkeiten. Friedrich Heinrich durfte sich nicht lange seines jungen Weibes erfreuen, schon am 12. April mußte er, mit. dem Oberbefehle der ganzen Armee betraut, nach Breda auf- breclien. Unser Chronist sagt naiv: „11 ne fit qu’un sault du lict nuptial sur la seile, et ä peine eut il loisir de recueillir ceste agreable fleur virginale de sa chere Espouse“; so kam der Prinz um die besondere Befriedigung, „que les doux et delicieux refreins du Talasso luy promettoient, en la celebration entiere des festes d’Hymenees“. Am 23. April starb Moritz, seit der Hinrichtung seines großen Gegners und einstigen Lehrers, Jan van Oldenbarnevelt, der Nation entfremdet, wenn sie ihm auch für die endgültige Verteidigung des heimischen Bodens gegen jeden Feind den tiefsten Dank l ) Joseph de la Pise, Seigneur de Mancoil. Tableau de l’Histoire des Princes et Principaute d’Orange divise en quatre parties. La ITaye, Theodore Maire, l(i40. Folio. P. 802 ä 803. 9 schuldete. Amalie, die ihm so viel verdankte, schloß ihm die Augen „mit ihren schönen, tränenbenetzten Händen“ (La Pise). Friedrich Heinrich erbte seine Millionen, seine Güter, seine Stellung. Hüter dem unbegrenzten Beifalle der Nation wurde der Held General ihrer Heere, Generalkapitän der Provinzen und Generaladmiral, wie er auch der legitime Souverän im Fürstentum e Orange wurde, das seiner Familie gehörte. Kopien des Heiratskontraktes Amaliens und Friedrich Heinrichs finden sich holländisch und deutsch nicht nur im Haag, sondern auch in Braunfels (Haussachen. Schublade 6). Ich lasse ihn in Deutsch in neuer Orthographie folgen: „ln dem Namen des Herrn Amen! „Wir Friedrich von Gottes Gnaden König zu Böhmen, Pfalzgraf bei Rhein und Kurfürst im Namen und von wegen der wohlgeborenen Fräulein Amalien Gräfin zu Solms, Unserer lieben Basen, und Wir Moritz von Gottes Gnaden Prinz von Uranien und Friedrich Henrich geborener Prinz von Uranien Graf zu Nassau tliun Jedermänniglich zu wissen, daß zu Ehren Gott dem Allmächtigen und zu Stärk und Vermehrung voriger Freundschaft eine christliche Heirath wissentlich beschlossen ist zwischen wohlgemeldetem Fräulein Amalien an einem und Uns Prinz Friedrich Henrich am anderen Tlieil, auf condition, Beding und Maß wie hernach folget. Nämlich erstlich, daß wohlgemeldete Fräulein Amalie zum Heirath- gekl bringen soll all ihr Theil und Gerechtigkeit, so ihr zustehet in den von Dero Herrn Tatern- und Frau Muttern nachgelassenen Gütern, wie solches in dem gräflichen Haus Solms von Alters ist bräuclilich gewesen und ob^orviret wurden. Darnach daß Wir Prinz Friedrich Henrich hingegen zu vorgedachter Heirath 10 bringen sollen alle die Herrlichkeiten, Lande, Häuser und andere beweg- und unbewegliche Güter, activa und Schulden, keine ausgeschieden, wie wir solche zu gegenwärtiger Zeit besitzen, innen haben oder Uns zuständig sein. Dergestalt da es sich begehe, daß Wir Prinz Henrich Friedrich (sic!) l ) vor wohlgedachtem Fräulein Amalien ableben, wenig oder mehr Kinder, so aus vorgeschriebener lTcirath gezeuget, hinterlassen sollen oder nicht, daß auf denselben Fall Ihre Liebden wieder zu Ihr nehmen soll alle die Güter, bewegliche und unbewegliche, Forderungen und Schulden, so von Ihrer Seite eingebracht; item alle Kleider, Kleinodien, Juwelen und Geschmuck zu Ihrer Liebden Dienst gehörig, beneben der Morgengabe, die Wir Prinz Friedrich Henrich Ihrer Liebden nach Unserem Gutdünken und Discretion verordnen und geben sollen. Ferner soll wohlgemeldetes Fräulein Amalie auf Vorgesetzten Fall aus den gereyden (sic!) Gütern, die Wir Prinz Henrich Friedrich hinterlassen, zu einem Witttliumsgeld empfangen und genießen zehntausend Gulden zu zwanzig Stüber jährliehs, anzurechnen von Unserem Ableben und bis in Ihren Sterbtag zu continuiren: wofür Wir sonderbar verpfänden und verschreiben Unsere Herrlichkeit zu Gertrudenburgk mit der Fischerei und allen anderen dazu gehörigen Nutzungen. So soll und mag über und neben obgemeldetem Wittthumsgeld wohlgedacliteni Fräulein Amalien nach unserem Ableben zu Ihrem Wohnhaus eines Unserer Häuser, so Wir in Holland haben, erkiesen und wählen: welches Wittthum aus Unserem Sterbehaus oder von Unserem Erbe genommen, mit allem Zubehör und Mobiliar ausgerüstet und von *) Im Holländischen steht stets Friedrich Heinrich. ii Ihro Liebden Dero Leben lang leibzüchtig - bewohnet und gebraucht werden soll. Doch daß Ihre Liebden inzwischen solches Haus in gehörlichem Wesen, Bau und Besserung unterhalten. Sollte aber wohlgemeldetes Fräulein Amalia vor Uns Prinz Henrich Friedrich aus dieser Welt absterben und eines oder mehrere Kinder von uns Beiden gezeugt hinterlassen, auf solchen Fall ist abgeredet und bedingt, daß Ihrer Liebden Kind oder Kinder oder in Mangel derselben Ihrer Liebden nächste Blutsfreunde und Verwandten zu ihnen sollten nehmen, empfangen und genießen alle vorgeschriebenen von Ihrer Liebden ein- gebrachten Güter, Kleider, Kleinodien, Geschmuck, Zier- ratlien und Morgengabe: es sei denn, daß Ihre Liebden durch Testament oder anders davon wollte Verordnung tlmn und disponiren. Auf solchen Fall die wohlgemeldeten Fräuleins Erben einigen Rechtsanspruch oder Forderung auf vorgedachte Herrlichkeiten und Güter, die Wir zu Ihrer Liebden in die Ehe gebracht, noch auf einige anderen vorigen Güter, die Wir im währenden Ehestand durch Erbfall, Schenkung oder sonst anderen Titel erlangen mögen, noch auf einige andere Errungenschaften dieser Unserer Ileirath nicht sollen zu suchen oder sich anzumaßen haben. Wie hingegen wohlgemeldetes Fräulein Amalia, im Fall Wir Prinz Henrich Friedrich vor Ihrer Liebden sollen absterben, an alle vorgeschriebenen zugebrachten und nach der Hand eroberten Güter und Errungenschaften keines Anspruchs noch Rechtens sich soll haben zu unterfangen; weiteres denn Ihres Wittthumsgeld und Wohnhauses wegen eben ist Vorbehalten und abgeredet. Ferner ist bedingt und abgeredet, daß auf einen oder anderen Absterbefall wohlgemeldetes Fräulein Amalia noch Ihre Erben einigen Schaden oder Verlust nicht 12 sollen tragen, welcher in währender Heirath sich zutragen oder begehen möchte, noch auch einige Schulden, so in währender Ehe gemacht wurden, abzutragen oder zu bezahlen, sondern daß Wir, Prinz Friedrich Henrich, solchen Yerlust, Schaden und Schuld, wie hingegen vorgeschriebene Eroberungen allein zu Unserem Gewinn oder Hadith eil ziehen und tragen. In Urkund der Wahrheit ist von allem Aufgesetzten ein doppeltes gleichlautendes Instrument gefertigt, welches Wir Friedrich, König von Böhmen, Pfalzgraf, und Wir Elisabeth, geborene Prinzessin aus Großbritannien, Königin zu Böhmen und Pfalzgräfin, im Namen und von wegen wohlgedachter Fräulein Amalien, und dann Wir Moritz und Friedrich Henrich, Prinzen von Uranien, selbsthändig unterzeichnet und Unsere Siegel daran gehängt haben. Geschehen ins Gravenhage den 16. Martii 1625. Amalia de Solms. Frederic. Elizabeth. Frideric Henry de Nassau. Maurice de Nassau. par ordonnance Tuning.“ Eine zweite große Urkunde vom 31. März 1625 liegt im königlichen Ilausarchiv im Haag. Am 2. April teilte Friedrich Heinrich den Generalstaaten den A r ollzug seiner Heirat mit und empfing am 17. April ihre Glückwünsche 1 ). Prinz Moritz und die Generalstaaten sicherten Amalien je 25 000 Livres Rente zu. Amalie konnte selbst nichts beibringen, denn die Verhältnisse ihres vom Kaiser geächteten Hauses waren die traurigsten. Nacli langen Jahren noch hatte sie von ihrer Familie an ') Kim. Hanaarchiv. Haag. imsäiL ■f'A . <" » iv Ciiginale in Woerlilz 13 Ileiratsgut und Ausstattung 19 850 Gulden zu fordern, welche Forderung sie ihrer Schwester Brederode schenkte, und diese selbst hatte von Hause 15816 Gulden zu fordern; da doch nichts zu erzielen war, so machten beide Schwestern am 2.12. März 1654 einen Vergleich mit der für ihren Neffen, den Grafen Heinrich Trajektin, die Vormundschaft führenden Witwe ihres Bruders, des Grafen Johann Älbrecht IT. zu Solms-Braunfels, Gräfin Anna Elisabeth aus dem Hause Falckenstein, und minderten die Gesamtsumme auf 10 000 Gulden. 3. Kapitel. Die Prinzessin von Oranien als Rausfrau. Friedrich Heinrich hatte, wie Jost van den Vondel, der gewaltige Lyriker, ein Todfeind von Moritz, von Amaliens Bild sang x ), ihr den Oranje-Apfel als der Krone der Fürstinnen gegeben, nun ruhte er in ihren Schnee- und Alabaster-Armen, ihre Purpurlippen küßten ihn, ihre strahlenden Augen leuchteten ihm, die honigsüße Stimme rief ihn. Und wie vor Jahrhunderten Hollands großer Sänger Amaliens Schönheit pries, so hob zu unserer Zeit der niederländische Historiker Theodor Jorissen 2 ) hervor Amaliens „lebendige schwarze Augen, die von Lebenslust und Gesundheit glänzten, ihre etwas derbe, sinnliche Schönheit“. Friedrich Heinrich blieb lebenslang in ihrem Banne; begreiflich, wenn wir an die körperlichen Reize denken, die uns van Ilyk, Honthorst und andere Koryphäen in ihren ‘) Lyck-Redenen en gedickten: begrypende de Afkomst, ’t Leven, voorneemste Daden en ’t Af-sterven van syn lloog-heydt Fredryck Henryck, in syn Leven Yorst van Oranjen, x x x., Amsterdam, 1648. 2 ) Historische Bladen. Vierde Druk. I. Haarlem, 1895. 14 unsterblichen Bildern vor Augen führen. Und in diesem berückenden Körper lebte eine Seele, lebte ein Geist, den das seelen- und geistvolle Auge verriet, ein Yer- stand, der weit über das Niveau hinausging und der Amalie befähigt hätte, unter anderen Verhältnissen eine Elisabeth, Maria Theresia oder Katharina II. zu sein. Niemand würdigte diese Geistesgaben mehr, niemand fühlte sich dadurch beglückter und stand mehr unter ihrem Einflüsse als Friedrich Heinrich selbst, der glühendste Bewunderer seiner Gemahlin. Zum ersten Male, seit die Republik bestand, bot der Haag das Schauspiel eines glänzenden Hofs; mit dem ungeheuren Vermögen von Moritz konnte der Städtebezwinger Friedrich Heinrich, ein zweiter Demetrius Poliorketes, der offene Feldschlachten vermied und in der Eroberung von Festungen seine unüborbotene Stärke fand, einen Prunk entfalten, wie er in Nordeuropa seinesgleichen kaum kannte. Prinz und Prinzessin von Oranien liebten den Pomp und benutzten seine Entfaltung zur Erhöhung ihres Ansehens wie der Autorität des Staates in dem europäischen Konzerte; sie zogen gern Personen an sich, die ein gewisses Relief gaben, und fanden mit der Veranstaltung von Festlichkeiten aller Art viel Beifall bei den wohlhabenden Ständen wie bei dem panem et circenses gern genießenden Volke. Auch die „Herren Staaten“ sahen mit Genugtuung, wie gesucht die Gesellschaft um ihren ersten Beamten war. Obwohl achtzehn Jahre älter als Amalie, genoß Friedrich Heinrich, wenn er einmal nicht im Kriege war, mit doppelter Genußfreudigkeit das Wohlleben an seinem eigenen Hofe. Im Binnenhofe, wo sich die Generalstaaten noch heute versammeln, in dem früher von Gräben umgebenen Komplexe, wo der nominelle deutsche König, Graf Wilhelm von Holland, 1250 seine 15 Residenz aufgcschlagcn hatte, strömten In- und Ausland huldigend zusammen, und es kamen so viele, daß man mehrmals Anbauten machen und Veränderungen vornehmen mußte, um Raum zu schaffen. Man sah hier deutsche, französische, englische, dänische, polnische, ungarische Adelige, meist arme Glücksucher, die teilweise in den Kriegsdiensten der hochmögenden Republik standen, — Turenne hatte ja auch noch unter Moritz das Fundament seiner Ausbildung gelegt — daneben die Gefolgschaft des Winterkönigs, die mit ihm das Brot der Verbannung aß, mit ihm fremde Treppen stieg, wie Dante einst sagte, die zahlreichen Sprossen der Nassau und Solms. Man sah die Diplomaten des Auslandes, und unter ihren Augen wuchs der Einfluß des oranischen Paares auf die Leitung des Staatswesens; zumal in der Kriegsführung, seinem eigentlichen Lebensberufe, machte sich Friedrich Heinrich immer selbständiger. Amalie war der natürliche Mittelpunkt des fröhlichen Hofes; sie verstand es vollendet, zu repräsentieren und Glanz zu verbreiten, und mochten die Feste noch so üppig verlaufen, so traf auch nicht ein Hauch die Reinheit ihres Rufes. Unter ihren Damen war die Blüte des Landes und gar manche hohe Frau lebte gern im Haag, wie die verwitwete Gräfin von Hanau, Catharina Belgien, mit ihrer Tochter Charlotte, Emilie, Prinzessin-Witwe von Portugal, geborene Nassau, ihre Töchter, eine lange Reihe Nassau, Dohna, Brederode u. a. Fürst Christian II. von Anhalt-Bernburg, der Amalien nicht gewogen war, tadelt') ihren Hochmut und schreibt u. a. am 19. September 1626 in sein Tagebuch, er habe lieber auf das Abendessen bei der Königin von Böhmen verzichtet, als Amaliens Anmaßung *) Tagebuch. Kopie. H.- u. St.-A. in Zerbst. 16 mit anzusehen, „clic sicli den Vortritt zu brüsk und ohne circonspection zuteile“. Amaliens Ehe mit Friedrich Heinrich war die glücklichste, Liehe und Verehrung kennzeichneten sie, und wenn Friedrich Heinrich im Felde weilte, stand Amalie in beständiger Korrespondenz mit ihm und seiner Umgebung, um alles von ihm zu wissen. Sobald der Frühling kam, stellte sich Friedrich Heinrich meist an die Spitze der Truppen, bei denen er bis zum Spätherbst blieb, und Amalie nahm so lange gern ihren Sitz im Kastelle zu Buren, um dem Lager des Prinzen möglichst nahe zu sein und mit ihm in stetem Verkehr zu bleiben. Mit besonderem Jubel begrüßten die Eltern und die Nation das erste Kind. Wir besitzen über seine und der folgenden Kinder Geburt Notizen von des Vaters eigener Hand 1 ) und wollen ihnen hier folgen. Am 27. Mai 1626 wurde Amalie um 4 Uhr morgens im Haager Binnenhofe von einem Sohne entbunden, die Glocken wurden geläutet, Freudenfeuer angezündet, der Jubel war allgemein. Die Generalstaaten setzten dem Kinde eine Pension von 8000 Franks aus, die Staaten von Holland gaben 5000 Franks und die Stadt Delft 600 Franks. Die Taufe fand am 1. Juli in der großen Kirche des Haag statt und der Knabe erhielt den Namen seines berühmten Großvaters Wilhelm; zu Paten standen die Königin von Böhmen, die Generalstaaten, die Staaten von Holland und die Stadt Delft. Es war die Zeit, da Amaliens Popularität auf der Höhe stand. Am 27. November (7. Dezember) 1627 erfolgte nach elf Uhr morgens im Binnenhofe die Geburt der ersten ') Notizen über die Geburt der Kinder des Prinzen Friedrich Heinrich, teilweise von seiner eigenen Hand (französisch). ATI) Nr. 129. H.- u. St.-A. in Zerbst. Tochter und am 16. (26.) Dezember ihre Taufe in der Kapelle des Binnenhofes auf die Namen Louise Henriette; die Haager Behörden warfen der Mutter für sie jährlich 600 Franks aus, und zu Paten standen der Adel Hollands, die Behörden des Haag, die Gräfin Ernst Casimir von Nassau-Diez und Amaliens Schwester, Gräfin Ludovica Christiane zu Solms-Braunfels, nachmalige Freifrau von Brederode. Dem dritten Kinde, Emilie, war kein langes Leben vergönnt. Am 26. Oktober 1628 wurde es im Binnenhofe geboren und in dessen Kapelle am 23. November getauft, wobei die Staaten von Seeland eine Rente von 600 Franks aussetzten, die von Amsterdam 1000 Franks und die von Dordreclit (Dort) 600 Franks gaben. Paten waren die Staaten von Seeland, die Städte Dordrecht und Amsterdam, die Gräfin Culenburgli und Frau von Brederode. Emilie starb 1644 und ruht in Delft. Am 28. April 1632 wurde im Binnenliof die dritte Tochter, Isabella Charlotte, geboren und in der dortigen Kapelle am 20. Mai getauft, wobei die Staaten von Utrecht eine Pension von 800 Franks auswarfen und der große Rat, der Hof und die Rechnungskammer von Holland 600 Franks gaben. Außer ihnen waren noch die Herzoginnen von Bouillon und Estrange Paten. Die Prinzessin starb bereits im April 1642. Ein langes Leben war hingegen den drei letzten Töchtern bestimmt. Am 29. April 1634 wurde im Binnenhof Emilie Albertine Agnes geboren und ebenda am 8. Juni getauft. Die Staaten von Geldern, von Seeland und von Overyssel, die Städte Leyden und Amsterdam, die Prinzessin Elisabeth von Böhmen (spätere Fürstin-Abtissin von Herforden und durch ihre Gelehrsamkeit berühmt) und Gräfin "Wilhelm von Nassau waren Paten, die Staaten von Seeland gaben 1200, die Kl einschmi d t, Amalie von Oranien. 9 18 von Geldern und von Overyssel je 1000, die Städte Leyden und Amsterdam je 1000 Franks. Am 10. Februar 1637 wurde im Binnenhofe Henriette Katharine geboren und in der Kapelle am 29. März getauft. Friedrich Heinrich gibt keine Geschenke an, hingegen standen seiner Angabe nach zu Paten sein elfjähriger Sohn Wilhelm, seine zehnjährige Tochter Louise Henriette „Mademoiselle von Oranien“, Gräfin Charlotte von Hanau und Gräfin Solms. Am 30. November 1639 erhielt das prinzliche Paar den zweiten Sohn, den Rivet taufte; man mußte ihm sechs Stunden vor dem Tode die Nottaufe geben, denn Ludwig starb, nur eine Nacht krank, schon am 29. Dezember 1639 mitten unter großen Freudenfesten und fand in Delft sein Grab. Seine Paten sollten der König von Frankreich und die Königin von England sein, weshalb Graf Heinrich von Nassau nach Frankreich und Graf Wilhelm Friedrich von Nassau nach England reisten, — ferner die Generalstaaten, die Staaten von Geldern, Holland, Seeland und Utrecht, die Stadt Haarlem. Geschenke wurden nicht gegeben. Am 5. September 1642 kam das letzte Kind, Marie, zur Welt; es wurde am 26. Oktober getauft und Friedrich Heinrich berichtet, daß die Königin von England, die Staaten von Utrecht und die Stadt Haarlem Paten waren und daß die Staaten von Utrecht eine jährliche Pension von 1500 Franks aussetzten, die Stadt Haarlem 3000 Dukaten schenkte. Friedrich Heinrich war sehr freigiebig gegen Amalie; wir wissen von vielen Schenkungen seinerseits 1 ). Am 18. Mai 1635 schenkte er im Haag „seiner lieben und ') A 7 b Nr. 128. H.- u. St.-A. Zerbst. (Originale einst auf herzoglichen Befehl nach Berlin gesandt.) Amalie von Oranien A v. Dyck; 2u Seite 19 vielgeliebten Hausfrau“ das ihm zustehende Recht an die Leihbank im Haag auf sechzehn Jahre, und am 28. Mai desselben Jahres das gleiche Recht an die Leihbank in 'Willemstad, Rechte, die Amalie nieder verpachten konnte. Am 20. Mai 1639 übertrug er auf sie die seit mehreren Jahren seiner Mutter rückständig gebliebenen Pensionen vom Könige von Frankreich, von 10 000 und 4200 Livres jährlich; am 18. März 1645 gab er ihr zu vollem freiem Eigentum „angespülte Ländereien und weitere Anwesen“ in hohem Betrage*), die der Schatzmeister im Aufträge am 29. März 1656 für 12 500 Gulden verkaufte, und an demselben 18.März 1645 weitere Anwesen 2 ), die am gleichen 29. März 1656 um den gleichen Preis verkauft wurden. Am 5. Juni 1645 schenkte der Gemahl ihr in Breda „die Moore in der Wüstung hinter Zundert „byde Mendyk en in Tvetel“, um sie zu ihrem Nutzen verkaufen zu können, und ihr Sohn, 'Wilhelm IT., schenkte ihr im Haag am 15. April 1647 alle Rückstände und unbezahlten Pachten und Renten von seinen im Amte Hulst gelegenen Gütern, die früher zur Abtei von Duynen und bis 1645 der Stadt Hulst gehört hatten. 4. Kapitel. FImalie als Staatsmann. Kaum war Amalie von Solms in den Niederlanden heimisch geworden, als ihre schlanken Hände in die Speichen der Politik einzugreifen begannen; was man im neunzehnten Jahrhunderte von der Fürstin Dorothea ') „gorssingen ende verliere aemvassen vnn’s Gravenhoecxken on Noortbevelandt geraeen ende annex de Laye ende vyse plaete daervan iegenwoordigh begroest ende bequaem syn om te beilyeken omtrent de hondert en seventigh gemeten.“ s ) von s’Gravenhoecxken gelegen außerhalb des Teichs. 20 Lieven, der Freundin Greys und Guizots, sagte, sie sei eine diplomatische Sibylle, galt yoII und ganz von unsrer Heldin im siebzehnten Jahrhunderte. Moritz war kein Staatsmann, nur ein Kriegsheld gewesen, Friedrich Heinrich entbehrte der Begabung zum Staatsmanne nicht so sehr wie er, aber Amalie besaß sie für ihn in höherem Maße und ihr schienen die Schleichwege der Politik durchaus nicht zu labyrinthisch oder zu schlüpfrig; sie fand sich selbst im Wirrwarr zurecht, der Ariadne-Faden ihres kühl berechnenden Yerstandes leitete sie sicher. Und um die religiösen Streitigkeiten, die so lange die Niederlande vergiftet hatten, kümmerte sie sich blutwenig; sie mochte noch mit mehr Überzeugung als Moritz sagen: „Das sind theologische Dinge, die mich nichts angelien.“ Friedrich Heinrich lag stets in Hader mit den Staaten, besonders von Holland, und war unentschlossen, hielt zu ängstlich Umschau; die Regierung war ja recht kompliziert, der Prinz nach allen Seiten gebunden, überwacht durch das Mißtrauen der Aristokraten, durch Eigenwillen und Einreden, und es ging absolut nicht mit dem Hausbegehren der Oranier, nach Art andrer europäischer Fürsten absolut zu regieren. Manchmal freilich entschied auch ihre Stimme, wie denn der Allianzvertrag mit Frankreich 1634 ohne Friedrich Heinrich kaum ins Leben getreten wäre. Sein Sekretär Konstantin Huygens, Herr von Zuylichen, ein poetisch und literarisch hochgebildeter Mann voller Kenntnisse und von großer Weltgewandtheit, korrespondierte 1 ), wenn Friedrich Heinrich im Felde lag, beständig mit Amalie und unter- ‘) Vgl. z. B. Groeu van Prinsterer, Archives, ou Corre- spondance inedite de la maison dDrange-Nassau. Deuxieme Serie, tomes III et suiv., Utrecht, 1859 ff. 21 richtete sie von jedem wichtigen Vorfälle; wir haben von ihm zahllose Briefe und Zettel an die Prinzessin, oft mikroskopisch geschrieben, damit die Feinde, die größere Briefe gern abfingen, sie übersehen möchten. Amalie forderte beständig Nachrichten von ihm, unbekümmert um seine Uberbürdung mit Geschäften. Professor Theodor Jorissen in Amsterdam hat Huygens x ) 1871 biographisch behandelt und 1873 seine Memoiren zum ersten Male herausgegeben. Durch seine Gedichte Voorhout und Oogentroost nimmt Huygens einen vornehmen Platz in der Literatur ein, und seit 1625 stand er Friedrich Heinrich als Sekretär, seit 1630 als Rat und Rechenmeister zur Seite. Enthalten auch die oben erwähnten Briefe nicht viel Wichtiges, so bezeugen sie docli Amaliens Vertrauen zu Huygens, und es muß zwischen ihnen ein freundschaftliches Verhältnis geherrscht haben, das sich aber Mitte 1646 änderte. Ich werde später darauf zurückkommen. Die Generalstaaten bedurften der Hilfe Frankreichs gegen Spanien, besonders seit die Dänen, mit denen sie am 9. Dezember 1625 eine Defensiv- und Offensiv- Allianz geschlossen hatten, am 27. August 1626 bei Lutter am Barenberge aufs Haupt geschlagen worden waren. Sie hatten schon am 16. Juni 1624 in Compiegne einen Vertrag mit Frankreich gemacht und stützten sich nun darauf, ohne vorerst in Frankreich viel Gegenliebe zu finden. Framjois d’Aerssens, Herr von Sommelsdyck, ihr Agent am französischen Hofe, der viel Einfluß bei Friedrich Heinrich und bei Amalie genoß, bat den Kardinal Richelieu am 17. September 1626 dringend um Hilfe und Frankreich ließ sich am 28. August 1627 bereit finden, in Paris den Vertrag von Compiegne auf neun ') (leboren 4. September 1596 im Haag. Jahre zu erneuern und eine Million Livres jährlich zu zahlen. Was taten nun die Staaten? Sie verweigerten ihre Ratifikation aus Furcht, in einen Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien verwickelt zu werden, und Aerssens kehrte, nachdem er sich noch vergebliche Mühe gegeben, etwas zu erreichen, 1629 ohne Ergebnis nach dem Haag zurück. Die Staaten waren nun in großer Kot, Spanien und der Kaiser bedrohten sie mit Heeresmacht, Dänemark wurde am 6. Juni 1629 zum Frieden gezwungen und Ende Juli rückten die feindlichen Truppen unter dem großen Grafen Montecuculi und dem Grafen Heinrich von Bergh sieghaft bis Amersfoort in die Nähe von Amsterdam vor. Die Einnahme Wesels durch die Holländer (August 1629) erhöhte ihr Ansehen in der AVelt bedeutend. Die spanische Flotte versuchte später eine Landung, aber die Holländer vernichteten sie nahe der Insel Tertolen (Tholen) im Durchgänge „t’Slaek“ am 12. September 1631 und das Land jubelte auf. Aus Bueren (Buren) schrieb Amalie am 16. d. M. höchst huldvoll an Huygens, der ihr die Hachricht gesandt, und erbat nähere Auskünfte; sie dankte Gott für die Gesundheit ihres Gemahls und wünschte, „er möge noch lange Jahre leben, um oft bei ähnlichen Anlässen Grund zum Lobe Gottes zu haben“. Spanien machte Anstalten, sich den Staaten zu nähern, die Statthalterin Isabella in Brüssel war in diesem Sinne tätig und Holland, Geldern, Overyssel und Utrecht waren für ein solches Abkommen. Friedrich Heinrich hingegen und Frankreich widersetzten sich demselben, durch einen neuen Traktat vom 19. Juni 1630 verbündet. Die französische Regierung sandte einen ihrer besten Diplomaten, Ilercule, Baron de Charnace, nach dem Haag; er hatte mit Gustav II. Adolph von Schweden 23 am 13. Januar 1631 einen Subsidientraktat geschlossen, jetzt, 1633, sollte er ein französisch-holländisches Bündnis gegen Spanien herbeiführen 1 ). Richelieu, welcher immer die Interessengemeinschaft seines Vaterlandes und der Niederlande im Auge hielt, empfahl Charnace besondere Rücksichten gegen Friedrich Heinrich und Amalie, und Charnace erkannte bald, wie wichtig Amaliens Einfluß und Freundschaft für Frankreich sein würde. „Sie hat,“ so schrieb er heim, „eine ungeheure Macht über den Gemahl. Ich fürchte sie außerordentlich ; man erkennt augenscheinlich bei ihr die Abneigung für das, was uns berührt.“ Es stellten sich viele Schwierigkeiten dem Unterhändler entgegen, alle Besuche und Versuche bei Friedrich Heinrich und Amalie, die Charnace täglich sah, schienen keinen Erfolg zu finden, und so griff der Baron zu einem Theatereffekte: er stellte sich, als wolle er abreisen, bezahlte alle Rechnungen und ließ in Rotterdam ein Schiff rüsten. Dies wirkte und am 23. Januar 1634 konnte Charnace nach Versailles melden: „Die Frau von Oranien ist ebenso passioniert für den König und den Herrn Kardinal, wie sie dagegen gewesen war.“ Am 15. April 1634 wurde die französisch-holländische Allianz im Haag auf 7 Jahre erneuert und Ludwig XIII. versprach, jährlich 2 300 000 Livres Subsidien zu zahlen. Zwischen Amalie und ihrer einstigen Herrin, der Witwe des Winterkönigs, Elisabeth Stuart, herrschte seit lange Eifersucht; jetzt riet ihr Amalie, sie solle nicht länger auf britischen Schutz rechnen, sondern sich und ihre Kinder unter den Schutz Ludwigs XIII. stellen, und äußerte sich sehr feindlich ') M. Cf. de Boer, Die Friedensnnterhandlungen zwischen Spanien und den Niederlanden in den Jahren 1632 und 1633. Groningen, 1898. 24 gegen das Londoner Kabinett, das Elisabeth gewiß nicht helfen werde. Friedrich Heinrich hatte sehr wesentlich auf das Zustandekommen der Allianz eingewirkt, wie Aerssens wiederholt hervorhob. Die Staaten „waren auf den Weg des Heils zurückgekehrt“, sie suchten ihr Glück von neuem unter den Waffen gegen Spanien und verschlossen spanischen Versuchungen ihr Ohr; Kichelieus Politik hatte einen Sieg erfochten, Charnace hatte treffliche Dienste geleistet und Aerssens unterließ nicht, dem Kardinale sein eigenes Verdienst um den Vertrag zu rühmen. Es galt nun, Spanien in den Niederlanden selbst anzugreifen; der Prinz von Oranien, der 1632 Mastricht erobert hatte, war stets schlagfertig und Frankreich schloß am 8. Februar 1635 in Paris mit den Generalstaaten ein Bündnis gegen den Kaiser und Spanien zur Vertreibung der Spanier aus den Niederlanden. Fast wären die Dinge anders gekommen, Friedrich Heinrich hatte Neigung gehabt, sich mit Spanien auszusöhnen, Amalie noch weit mehr, und man hatte 1635 eine heimliche Verhandlung eingefädelt; Charnace aber hielt die Staaten bei Frankreich und zeigte sich als ein zweiter Ste. Aldegonde, als großer Politiker. Die Franzosen vereinigten sich unter den Marschällen von Chätillonund Breze Ende Mai 1635 mit den Truppen der Staaten, die Friedrich Heinrich befehligte; König Ludwig XIII. ernannte ihn zu seinem Generalleutnant und stellte die Marschälle unter seinen Oberbefehl. Seine Truppen erregten deren Bewunderung, v T ie Huygens an Amalie schrieb. Jan de Knuyt, der ’) Chätillon empfahl am 28. Juli 1636 aus Paris Amalie seine nach dem Haag- reisenden Kinder aufs Angelegentlichste. Haus- u. Staatsarchiv in Zerbst. (A 7 b Nr. 105. Allerhand Sache^, die Provinz Groningen betreffend. 1640/50.) Orig. 25 Rat Friedrich Heinrichs, berichtete ihr am 8. Juni aus Herlissom über den Verlauf des Feldzugs und sprach seine Hoffnung aus, „der Prinz werde siegreicher heimkehren, als jemals ein Fürst in der Christenheit“; von der Gesundheit desselben konnte er der zärtlich besorgten Gattin das Beste melden 1 ). Daß Amalie immer mehr auf die Politik einwirkte und daß sie oft Aerssens um Rat frug, berichtete Charnace am 2. Februar 1637 an Richelieu. Aerssens stimmte völlig mit dem Kardinale überein; er sah in ihm mit Recht den größten Staatsmann der Zeit; er bekämpft^ Spanien und die Arminianer in Holland, die Unterwühler jener Einheit und Ordnung, welche die Union von Utrecht zum Heile des Landes geschaffen hatte. Sein Ziel war die Demütigung Spaniens und die Erreichung eines auf der Interesseneinheit der Staaten mit Frankreich und mit Richelieus Politik begründeten Religionsfriedens; an Frankreich hielt er bis zum Tode (Endo 1641) fest. Charnace betrieb eifrig die Belagerung von Dünkirchen, dann aber änderte Friedrich Heinrich seinen Feldzugsplan und warf sich gegen Breda, dessen Befestigungswerke, die Arbeit seines Bruders Moritz, für uneinnehmbar galten; Charnace führte selbst als Oberst ein französisches Regiment. Als er hierbei Anfang September 1637 seinen Tod durch einen Musketenschuß fand, verlor das Haus Onanien in ihm einen seiner tätigsten und besten Verteidiger, wie Aerssens dem Prinzen Friedrich Heinrich schrieb, der 1636 die Schenkenschanze und am 10. Oktober 1637 Breda einnahm. Während der Feldzug nicht so glücklich verlief, wie man anfänglich vermutet hatte, lag den Franzosen alles daran, Amalie auf ihrer Seite zu halten, und da man wußte, daß sie Geschenken nicht unzugänglich war, ') König!. Hausarcliiv. Haag. 26 schrieb ihr Richelieu, der sie nicht für zuverlässig und beständig hielt, am 20. August 1638 x ): „Madame! Die Regierung des Königs drückt mir die Feder in die Hand, um Sie Seinerseits zu bitten, Sie möchten ein Geschenk annehmen, das nur durch den Geber ihrer würdig sein kann. Da die gemeinsamen Feinde dieses Königreichs und der Vereinigten Provinzen uns nur durch die Ohren Übel antun können, so wählte seine Majestät Ihre Gabe absichtlich derart aus, vtie sie ist, nicht nur um Ihnen zu bezeugen, daß Sie niemals auf etwas hören wird, das dem gemeinsamen Wöhle zum Nachteile gereichen könne, sondern auch um Ihnen Ihre Überzeugung zu erkennen zu geben, daß Eure Hoheit und der Herr Prinz von Oranien ebenso Ihrerseits handeln werden. Was mich angeht, Madame, so werde ich mich außerordentlich glücklich schätzen, wenn ich ebenso viel Mittel finden werde wie ich Verlangen (passion) hege, Ihnen zu zeigen, daß ich wahrhaftig, bin usw.“ War dies nicht unerhört offen? Kostbare Ohrringe lagen dem Briefe Richelieus bei, den Amalie am 10. September folgendermaßen beantwortete 2 ): „Monsieur! Ich habe das überaus ehrenvolle schöne Geschenk empfangen, das dem Könige gefallen hat, mir ohne mein Verdienst aus freiem Antriebe zu senden, und ich danke soeben Seiner Majestät brieflich dafür .. . Da es Ihnen gefallen hat, durch den Gegenstand dieser Gunst mir Nachricht zu geben, daß unsere gemeinsamen Feinde s ) Hansarchiv. Haag. Orig. Abgedrnckt hei Groen. 2 ) Archiv des auswärtigen Amts. Paris. Orig. Abgedrnckt bei Groen. uns nur durch die Ohren Übel antun können, verspreche ich Ihnen, die ineinigen sollen denselben niemals offen stehen.“ Bei dieser Verbindung mit Richelieu berührte es Amalie und Friedrich Heinrich sehr peinlich, als Riche- lieus Feindin, die verbannte Königin-Mutter Maria von Medici, im Haag eintraf. Prinz und Prinzessin von Oranien begrüßten sie in Bolleduc; vor Marias Augen entfaltete sich der ganze Glanz des oranischen Hofes; derselbe „stach“, wie Dohnas Memoiren besagen, „mehr als jeder andere in Europa den Pomp Frankreichs aus; er war voll von Fürsten, großen Herren und Generalen, kurz von allerlei Art verdienter Männer, denen dieser gewandte Prinz und diese gewandte Prinzessin Bewunderung abnötigten.“ Amalie kam der Besuch, wie gesagt, sehr ungelegen, sie wußte sich nicht zu helfen und wandte sich au Aerssens, der hinwider, selbst ratlos, am 26. August an Friedrich Heinrich ins Lager schrieb, wohin sich derselbe begeben hatte. Amalie begleitete Maria durch die holländischen Gebiete, von Iieenvliet (s. unten) unterstützt. Ihr Gemahl schickte Knuvt an den Kardinal, um für Maria zu intervenieren, und empfahl ihn durch Briefe vom 14. und 17. September; die Verhandlungen führten jedoch zu nichts, denn Maria ging auf die Bedingungen ihres Sohnes, Ludwigs XIII., nicht ein, sondern reiste zur Freude der Oranier nach England ab. 5. Kapitel. Die Heirat des Prinzen Wilhelm. Während ihres Aufenthaltes in Holland hatte Königin Maria eine Heirat des jugendlichen Sohnes von Friedrich Heinrich und Amalie, Wilhelm, mit ihrer Enkelin, einer Tochter König Karls I. von England, eingeleitet, die 28 seitdem auf dem Tapete blieb. Jan van den Iverclc- boven, genannt Polyander, Herr von Jleenvliet, ging in Friedrich Heinrichs Auftrag 1639 und 1640 zu heimlichen Verhandlungen nach England. Der "Winterkönig und seine Gemahlin erschwerten die Affäre, da die Verbindung ihren Interessen nicht entsprach, und wie Elisabeth arbeitete Henriette Maria, Karls I. Gemahlin, vom Nuntius Rosetti unterstützt, auf eine Eheverbindung mit Spanien hin. Aerssens, Herr von Sommelsdyck, redete hingegen Friedrich Heinrich zu, bei seinem Plane zu beharren, da Karl I. demselben hold sei. Der spanische Hof schickte kostbare Geschenke an Henriette Maria und an Richelieus Todfeindin, die Herzogin Marie von Chevreuse, die Haupturheberin des Planes einer spanisch-britischen Doppelheirat. Der oranische Hof hatte sein Auge auf Maria, die ältere Tochter Karls I., geworfen und ließ um sie anfragen; Karl aber wünschte seine um vier Jahre jüngere Tochter Elisabeth statt ihrer zu geben und bot sie am 31. Januar 1640 Friedrich Heinrich in einem Uriefe aus Whitehall an 1 ). Friedrich Heinrich hatte tags zuvor Aerssens angewiesen, auf der ältern Prinzessin zu beharren, zumal es ihm daran lag, seinen Sohn bald als Vater zu sehen ; er sah in dem ganzen Hinziehen des Handels eine Intrigue von Karls eigenen Feinden; Aerssens und Heenvliet schienen nicht vorwärts zu kommen, so sehr auch Friedrich Heinrich sie antrieb. Man war in London entschlossen, nur Elisabeth, nicht Maria zu geben. Der Krieg ging unterdessen weiter. Oranien war mit der französischen Kriegsführung unzufrieden und Huygens schrieb aus dem Lager von Rooversbergh am Cruyspolder am 12. September 1639 an Amalie: 2 ) die ') Groen. 2 ) Hausarchiv. Haag. 2484. 29 Franzosen tadelten den schleppenden Gang der Operationen gegen Geldern, als könnten sie es weit besser machen. „Es scheint,“ so meinte Huygens spöttisch, „als solle Seine Hoheit in Zukunft hei diesen großen gallischen Kriegern das Handwerk erlernen! . .. Übrigens lassen viele Umstände uns voraussehen, daß man uns irgend einen Possen spielen will, usw.“ Die von Friedrich Heinrich gewünschte Belagerung von Brügge wurde vereitelt, Friedrich Heinrich erkrankte im Felde, worüber Amalie außer sich geriet; in der rührendsten Besorgnis um ihn, schrieb sie am 2. Juli 1640 an Huygens 1 ): hegte doch natürlich niemand mehr Anteil an allem, was ihm Gutes oder Schlechtes begegnete, als sie. Der Tod des Grafen Heinrich Casimir von Kassau-Diez, der die Folge eines Pistolenschusses war (Juli 1640), war ein schwerer Verlust für Oranien, eröffnete ihm aber die Aussicht auf die Statthalterwürde in Friesland und Groningen, die freilich nicht in Erfüllung ging und die Ursache zu einer Verstimmung zwischen beiden Unien des Hauses Kassau ward. Amalie schrieb der Mutter des Grafen am 19. Juli aus Hertogenbosch einen ungemein teilnehmenden Brief 2 ) und suchte sie damit zu trösten, daß der Verklärte, „der in seinem Berufe ruhmvoll geendet habe, den Weg gegangen sei, den wir Alle gehen müssen;“ Friedrich Heinrich schrieb in demselben Sinne aus dem Träger bei Moock am 26. Juli 3 ). Die Heiratsunterhandlung mit dem Hofe von White- hall ging sehr langsam vorwärts, während bereits die Revolution am Throne Karls I. rüttelte. Man forderte englischerseits, daß die Prinzessin ihre Religion in Holland beibehalten dürfe, was Friedrich Heinrich unbedingt von ') Groen. 2 ) Groen. 3 ) Groen. 30 der Iiand wies. Karl I. erklärte sich bereit, offizielle Gesandte wegen der Anfrage zu empfangen 1 ). Die Oranier hielten es jetzt für angezeigt, den französischen Hof von der beabsichtigten Yerlobung geziemend in Kenntnis zu setzen. In offizieller Eigenschaft ging Ludwig von Kassau 2 ), Herr von La Lecq, Bevenveert und Odyck, ein natürlicher Sohn von Moritz von Oranien, zu Ludwig XIII. und zu Kichelieu, und Amalie schrieb an letzteren 3 ): „Monsieur! Hicht gewohnt, in meinen Handlungen etwas vor Eurer Eminenz zu verbergen, mit der ich ein so enges Einvernehmen angeknüpft habe und der die gemeinsamen Interessen und Yerträge uns verbinden, wmllte ich unter anderen Beweisen meiner Anhänglichkeit den Herrn von Beverweert in Anlaß des Heiratsvertrags meines Sohnes mit der Prinzessin von England an Sie weisen, um Ihnen volle Kenntnis von dem dort Abgemachten zu geben; ich wünsche, daß Seine Majestät und Sie darin völlig klar sehen und zufrieden gestellt werden, und kann mit gutem Gewissen Eure Eminenz versichern, daß die Öffentlichkeit darin gar nicht eingezogen worden ist, denn die Bedingungen sind rein privater Natur, wie besagter Herr von Beverweert Ihnen im Einzelnen dartun wird. Ich bitte Sie, ihm mit Ihrer Gunst bei dem Könige zur Seite zu stehen, ihn freundlich zu betrachten und ihm zu glauben wie mir selbst. Und so küsse ich Ihnen demütigst die Hände und bitte Gott, Sie, Monsieur, inSeinen heiligen Schutz/ zu nehmen.“ *) Karl an Oranien, Whitehall, 17. Nov. 1740. Staatssekretär Vane an Oranien, 11. Dez. 1640. - tlroen. 2 ) Starb als holländischer General (1er Infanterie und Gouverneur von Hertogenboscli am 28. Februar 1668. 3 ) Groen. 31 In demselben Sinne schrieb Friedrich Heinrich an Ludwig XIII., an die Königin von Frankreich, an den Herzog von Orleans und an den ersten Staatssekretär de Chavigny. Er hatte den Generalstaaten das Projekt mitgeteilt und diese schickten nun eine feierliche Deputation nach London, um offiziell anzuhalten; dieselbe bestand aus dem Schwager Amaliens, Jan Wolfert von Brederode (s. oben), aus Aerssens (Sommelsdyck) und Ileenvliet; Albert Joachimi, der holländische Gesandte in London, sollte sich anschließen. Am 16. Januar 1641 hatte die Deputation ihre erste Audienz bei König Karl, der sehr gnädig war, aber wiederum Elisabeth vorschieben wollte. Die Gesandten betonten, eine Prinzessin in reiferen Jahren sei nötig, denn Prinz Wilhelm sei der einzige Sohn und man müsse auf baldige Kinder zählen dürfen, da sonst das Haus erlösche. Aber erst im Februar drangen sie mit ihren Wünschen bei Karl durch; Karl schrieb am 21. d. M. an Friedrich Heinrich, er willige ein, Maria dem Prinzen zu geben und erwarte ihn in England; sobald die Prinzessin mannbar sei, werde sie gemäß den Heiratsbedingungen Oranien übergeben werden. Zwar machte der Winterkönig neue Umtriebe, um die Ehe nicht zustande kommen zu lassen, doch ging Karl über ihn hinweg und Unterzeichnete im März den Heiratskontrakt. Die Verbindung erfreute sich der öffentlichen Gunst und von allen Seiten beglückwünschte man in England die holländischen Gesandten. Aerssens bearbeitete die Gouvernante Marias, Gräfin Kosborne, und redete ihr die Befürchtung aus, die Prinzessin Amalie von Oranien sei schroff und hart, schilderte sie vielmehr als sanft und zärtlich. Friedrich Heinrich beschloß, im April seinen Sohn nach England zu schicken, um seine Braut endlich kennen zu lernen. Der Prinz, der erst fünfzehn Jahre zählte, war ungewöhn- lieh schön und über sein Alter klug. Im Herzoglich Anhaitischen Haus- und Staatsarchive zu Zerbst befindet sich l ) die an seine Mutter gerichtete schmeichelhafte Hativität des Prinzen (Anno Christi 1633) von dem vor vierzehn Jahren vertriebenen Mathematiker Martin Horky von Lochowitz, der sich Philosophiae Doctor, Mathe- maticus et Medicus nennt. Wie schlecht hat er prophezeit : ein Lebensalter von 75 Jahren! Friedrich Heinrich wünschte, daß trotz der großen Jugend der Verlobten (15 und 10 Jahre) die Hochzeit sofort nach des Bräutigams Ankunft in aller Form vollzogen würde und daß die Gatten zusammenschliefen 2 ); dann aber sollte sein Sohn bald zurückreisen, um im Felde sich im Waffenberufe weiter zu vervollkommnen; von seinen Schwiegereltern sollte er erbitten, ihm sein junges Frauchen baldigst über den Kanal zu schicken; dies sei „der Hauptpunkt“. Es war Friedrich Heinrich auch von hoher Wichtigkeit, ob Prinz Wilhelm bei der ersten Audienz bedeckten oder unbedeckten Hauptes vor König und Königin stehen solle und ob er den Hang vor dem Exkönige von Böhmen einnehme oder nicht. Er hatte vergebens gehofft, die Königin von England werde selbst ihre Tochter über den Kanal führen; das Parlament verhinderte die Reise der Königin und alle oranischen Bemühungen, die Reise zu ermöglichen, scheiterten 3 ). Sobald nun der Wind es gestattete, verließ Prinz Wilhelm Briel und landete am 29. April in Gravesend. Vom Volke umjauchzt, fuhr er über Greenwich nach Whitehall und sah seine Braut zum ersten Male. Sie lag mit einer dicken Wange zu Bett, er aber ließ sich ’) A 7 b. Nr. 113. Original. 2 ) An die holländischen Gesandten in London, 17. April 1641. Groen. 3 ) Friedrich Heinrich an Aerssens 20. April 1641. Groen. 33 nicht zurückhalten und war so von ihr eingenommen, daß er dem Yater schrieb *), sie sei schöner als ihr Bild von van Dyck. Alle Herzen flogen ihm zu, von allen Seiten beglückwünschte man seine Eltern zu diesem Erfolge inmitten der durch Straffords Prozeß, die Wirren in Schottland und so viele andre Schicksalsschläge wildbewegten Gesellschaft. Wie wußte er aufzutreten, seine Worte zu setzen, seine ganze Grazie spielen zu lassen! Robert Rieh, Graf Warwick, der große Puritanerfreund, schrieb an Amalie, ihr Sohn sei ein vollendeter Kavalier und habe das ganze Land erobert 2 ). Wilhelm sah täglich seine Braut und ihre Familie und am 12. Mai fand die Hochzeit in Whitehall statt. Nicht die Liebe, sondern die Politik schloß diese Ehe, die Revolution rüttelte bereits am Throne der Stuarts und das Königspaar suchte durch den Einfluß des Statthalters Friedrich Heinrich die Hilfe der Generalstaaten gegen die Rebellen im Lande zu gewinnen; anderseits erhöhte die Vermählung des Prinzen Wilhelm mit der Königstochter dreier Reiche das Ansehen des Hauses Oranien in der europäischen Staatenwelt und in der holländischen Republik selbst. Mit Prinz Wilhelm war Burggraf Heinrich zu Dohna-Schlobitten, der in Holland seine Kriegsschule durchgemacht hatte, seit 1634 erzogen worden, aber auch andre Mitglieder seiner Familie dienten in Holland, voran sein älterer Bruder Christian Albrecht, wie er ein Neffe Amaliens. Letzterer war, wie Wilhelms Erzieher Rivet, mit der Gesandtschaft der Generalstaaten, der sein Schwiegervater Brederode angehörte, jetzt in ') London, 2. Mai 1641. Groen. König Karl hatte ihn vorbereitet und ihm gesagt, er werde Maria* ganz gelb und vom Maler geschmeichelt- finden, sodaß er wohl Reue bekommen werde. Dies berichteten die Gesandten am 2. Mai an Friedrich Heinrich. Groen. ! ) Ebenda, ohne Datum. Kleinsclimidt, Amalie von Oranien. 3 34 England und gab seiner Mutter, der Burggräfin Ursula, wiederholt Nachricht 1 ). Auch über die merkwürdige Art, wie man die Ehe Wilhelms mit Maria zum Scheine vollzog, konnte er die beste Auskunft geben, wie Aerssens- Sommelsdyck am 15. Mai dem Prinzen von Oranien schrieb, als er ihm davon berichtete: Das Paar zu Bett, von Karl I. recht nahe aneinander geschoben, Maria aber in einem bis zu den Füßen zugenähten Hemde, ein Getändel von anderthalb Stunden und dann Ade! Karl schien übrigens viel Gefallen an seinem Schwiegersöhne zu finden und seine Söhne, besonders der Prinz von Wales, waren rasch mit ihm gute Freunde. Wilhelm berichtet ebenfalls dem Yater über seine Brautnacht und schließt also 2 ): „Um das Bett waren die Königin und alle Damen; nachdem ich einige Zeit darin gewesen, ging ich in ein andres dazu hergerichtetes Zimmer, um zu schlafen; dahin kamen König und Königin, um mich im Bette zu sehen, und sagten mir guten Abend; so trug sich alles an diesem Tage zu.“ Man hätte gern die junge „Frau“ baldigst nach Holland gebracht, auch ihre Mutter hätte bei dieser Gelegenheit England gern verlassen, doch war Maria Stuart zu jung, zu zart und noch unwohl. Wilhelm war anfangs sehr zeremoniell mit ihr, aber bald regte sich die Neigung und schon am 17. Mai gestand er dem Yater: „Wir sind jetzt sehr frei miteinander; ich finde sie viel schöner als das Bild; ich liebe sie sehr und ich glaube, sie liebt mich wieder.“ Das Königspaar schrieb Friedrich Heinrich die schmeichelhaftesten Briefe über seinen Sohn, dasselbe taten Graf Warwick, Graf Arundel u. a., als Wilhelm, von der holländischen Werbegesandt- *) Memoires du Bnrgrave et Comte Frederic de Dohna (s. oben). 2 ) 17. Mai 1641. Groen. 35 scliaft begleitet, noch im Mai 1641 heimreiste. Diese Gesandtschaft erhielt von Karl I. die damals anstatt der Orden üblichen Geschenke in Silbergerät, Herr von Brederode außerdem wegen seiner Herkunft und als Onkel 'Wilhelms einen mit Diamanten besetzten Degen. Da die Lage des Königs täglich unerträglicher wurde und die Anmaßung des Parlaments zunahm, reiste die Königin Henriette Maria nach Holland. Sie brachte ihre Tochter, Wilhelms Gemahlin, mit sich und landete am 9. März 1642 bei Helvoetsluys, mit königlichen Ehren empfangen. Prinz Wilhelm führte sie, von der ganzen Blüte des Adels umgeben, nach Briel, wo der Prinz von Oranien sie erwartete; Prinzessin Amalie konnte, da sie guter Hoffnung war, den Haag nicht verlassen *), aber die Königin von Böhmen und ihre Töchter begrüßten Henriette Maria, und Karl I. dankte Friedrich Heinrich in einem Briefe vom 23. März aus York * 2 ). Die Königin bezog am 11. März das für sie glänzend eingerichtete Palais im Noordeinde des Haag und bereiste im Frühjahr mit Friedrich Heinrich alle großen Städte Hollands. Maria, Wilhelms Gemahlin, bezog ein Quartier im Prinzenhof, wo Wilhelm selbst wohnte, und lebte unter der speziellen Obhut ihrer Schwiegermutter; ihre Gouvernante, die ihrem Hof halte Vorstand, empfing Instruktionen sowohl von Friedrich Heinrich wie von Karl I.; man begegnete der königlichen Jungfrau mit ganz besonderem Respekte wegen ihrer hohen Abkunft; wenn sie öffentlich erschien, geschah dies stets mit königlichem Gepränge, wie es die Haager niemals an den Oraniern gewohnt gewesen waren. Und woher ’) Sie wollte wohl nicht, denn das Kind kam erst im September zur Welt. 2 ) Groen. Band IV der „Archives“ usw., 1859. 3 * 36 hätte sie allen Prunk bestritten, wenn nicht Friedrich Heinrich stets die Hand in der Tasche gehabt hätte! Denn Karl konnte ihr in seiner Finanznot nur eine sehr unzureichende Ausstattung mitgeben und Briefe von ihrer Hand bezeugen, daß es manchmal an den notwendigsten Kleidungsstücken fehlte. Daß Wilhelm seine bräutliche Gemahlin so schön fand und daß auch andre ihre Keize rühmen, erscheint uns, wie schon Jorissen hervorhebt J ), eigentümlich. Während Wilhelm, wie seine sämtlichen Bilder bezeugen •— das schönste ist hier beigegeben —, von ungewöhnlicher Schönheit war, geben uns die Bilder Marias — die berühmtesten sind von Van Dyck und Honthorst — nichts, was man als schön bezeichnen könnte; auf dem Bilde von Honthorst erinnert sie auffallend an ihren großen Sohn. Wer möchte die hagere Persönlichkeit mit der fahlen Gesichtsfarbe schön nennen, ohne Sezessionist zu sein? Die Ehe konnte glücklich genannt werden, Maria war wohl in Wilhelms Schönheit sterblich verliebt und sein Mut, seine Tatkraft in so jungen Jahren imponierten ihr; über seine gelegentliche Untreue setzte sie sich, wenn auch nicht leicht, hinaus. Holländerin wurde Maria Stuart niemals, sie blieb die hochmütige englische Königstochter und ihr Herz hing an ihrem Heimatlande.. Über ihre Stellung zu ihrer Schwiegermutter werden wir später sprechen. Die Königin von England benutzte ihre Anwesenheit in Holland zur Verpfändung eigener und der Krone gehöriger Juwelen, um ihrem Gemahle Geld zu seiner Kriegsführung gegen die Rebellen zu verschaffen. Kaum hatte sie England verlassen, so suchte man dort ') Amalia van Solms en Maria Stuart. Historische Bladem Vierde clruk. I. Haarlem, H. D. Tjeenk Willink, 1895. 37 — ihre Rückkehr zu erwirken und Lord Holland schrieb schon am 31. März an den Prinzen von Oranien: da die Königin ihre Tochter nach Holland gebracht habe, so sei damit ihre Aufgabe dort gelöst und daheim sei sie jetzt am Nötigsten. Friedrich Heinrich nahm sich ihrer in ritterlichster Weise an, sie aber ermüdete ihn mit ihren Anliegen und war außer sich, als die Generalstaaten einen Abgesandten des Parlaments empfingen; sie vergaß sich bis zu Drohungen gegen das undankbare Holland und sprach von ihrer Abreise. Friedrich Heinrich vermittelte für sie den Eingang bedeutender Summen und verbürgte sich für eine Anleihe von drei Tonnen Goldes, gab ihr selbst 20 000 Pf. Sterl. und erlaubte den in seinem Heere dienenden englischen Offizieren die Rückkehr nach England, um für ihren König kämpfen zu können. Auch ihr Gefolge machte sich unangenehm bemerkbar und so war es für die Oranier eine persönliche Freude, als sie im Februar 1643, mit königlichen Ehren von Friedrich Heinrich bis zum Schiffe geleitet, Holland verließ. Die Staaten von Holland schenkten ihr 60 000 Gulden. Vergebens hatten der Prinz und Amalie versucht, zwischen Henriette Maria und dem englischen Volke zu vermitteln; die Königin hatte sie schroff zurückgewiesen. Das holländische Volk stand fast ganz auf Seite des englischen. Die Königin nahm mehrere Edle des Haager Hofs mit sich, unter ihnen den oben erwähnten Gespielen ihres Schwiegersohns, den kaum achtzehnjährigen Burggrafen Heinrich zu Dohna, der im Juli 1643 im Bürgerkriege vor Nottingham den Tod durch eine Stückkugel fand, betrauert von aller Welt, und der in Newark begraben wurde. Es war ein furchtbarer Schlag für seine Mutter, die hochsinnige Ursula, deren Liebling er war, und auch für Amalie, seine Tante. 38 Das Zerbster Haus- und Staatsarchiv verwahrt einen Originalbrief Heinrichs aus dem Feldzuge an Amalie. Derselbe ist von 1643, aber ohne Datum, rot gesiegelt und lautet x ): „Madame! 11 a este impossible de faire partir ce messager plus tost. La Reyne ne la point voulu permettre jusques ace qu’il y eust quelque bonne nouvelle a mander, il a este arreste appropos car certes jusques asteure*) les affaires du Roy et de la Reyne vont aussy bien qu’il se peut. L’armee du Roy est en fort bon estat des gens qui vienent de la disent, qu’il n’y a eu que six hommes qui ayent quitte le Roy de tout c’est jver 3 ) l’armee a este pajee depuis peu, ils batent tousjours les ennemis dans toute les rencontres le Roy recoit beau- coup des Services par les Dames il y en a dans Londre, qui luy donnent cognoisance de tout ce qui se passe beaucoup d’autres apportent de l’argent dans leur carroses, qu’ils levent dans Londre mesme et comme cela ils aydent aux affaires je l’ay ouy conter a la Reyne mesme. De ce coste icy les affaires sont en fort bon estat les ennemis qu’on a icy sont meschants soldats et grand poltrons. Un nomine Huy Chomeli qui estoit Gouverneur de deus petits havres s’est rendu ä la Reyne avec ce qu’il avoit dans son commandement. Le General Goring a desfait aussy quelcunes de leur troupes et la desus l’armee va marcher plus avant dans ce pais; j’espere qu’ils feront quelque chose de bon car les autres sont fort efrajes. Je voudrois bien mander quelque chose de la court ä Y. A. mais il ne si passe rien, on ') A 7 b. Nr. 125. Ich gebe ihn in seiner Schreihart wieder. s ) ä cette heure. 3 ) cet liiver. üfcäüft — 39 — ne parle depuis le matin jusques au soir que de la guerre, il seroyt a souhayter pour ce pauvre pais, que Fon pariast un peu de la pes 1 ), car la guerre ruine estrement 2 ) tout le pais. Le voyage de la Heyne vers le Roy n’est pas encore resolu, on voudroit premierement voir ceste province affermie et asseuree pour le Roy plus qu'elle n’est. La province est fort grande et bonne. Tout le monde icy est extremement satisfait de ce que Son Altesse a fait pour la Reyne et en parlent souvant avec une grande recognoissance, on me traitte le plus civilement de monde principalement la Reyne, je sou- haytterois de tout mon coeur luy pouvoir rendre quel- que service. Japrehende, que j’incommode Y. A. par mon long et meschant discours, ce qui me fait finir en supliant Y. A. de me croyre Madame de Y. A. tres humble tres obeissant et tres fidelle serviteur Henry de Dona. A Madame.“ Mit der Abreise Henriette Marias endeten die Gesuche und Forderungen des stuartschen Hofs keineswegs, derselbe wollte vielmehr die oranische Verwandtschaft bestens verwerten, und Huygens schrieb grollend an Amalie: „Es nimmt kein Ende mit den Forderungen aus England.“ 6. Kapitel. Louise fienrietfe. Henriette Maria hatte ihre Anwesenheit im Haag auch benutzt, einen Eheköder auszuwerfen; indem sie diese Karte ausspielte, hoffte sie die Oranier gänzlich ! ) paix. 2 ) extremement. an die stuartische Sache zu ketten und es zu erreichen, daß die Generalstaaten am Kriege gegen die Rebellion sich offen beteiligten. Der Prinz von Wales sollte Friedrich Heinrichs älteste Tochter Louise Henriette von Oranien heiraten, die jetzt im sechzehnten Jahre stand. Ihr Yater hatte sie, als sie dreizehn Jahre zählte, dem tapferen Grafen Heinrich von Nassau, seinem Vetter, dem Statthalter von Friesland, Groningen und Drenthe, bestimmt; Amalie aber wußte die Heirat immer wieder hinauszuschieben, weil sie für ihre erste Tochter eine größere Allianz begehrte und schon frühe ihr Auge auf den jungen Kurfürsten von Brandenburg warf. Da starb Heinrich im Feldzuge am 12. Juli 1640 an seinen Wunden. Und jetzt sollte der Prinz von Wales um Louise Henriette werben. Da die Oranier keine Begeisterung für die-neue Verschwägerung zeigten, — Karls Thron wankte doch zu augenfällig —, so nahm man in England die Miene an, als liege die Sache noch in weiter Ferne und das Königspaar könne noch nicht schlüssig werden. Man mutete Friedrich Heinrich zu, für Karls Sache direkt mit Spanien zu verhandeln; er aber wies dies Ansinnen zurück, weil es seinen formellen Abmachungen mit Frankreich zuwiderlief, dessen Gesandte schon in Münster saßen; Friedrich Heinrich stand ja im engsten Bunde mit Mazarin, wie früher mit Richelieu. Einer eventuellen Offensivallianz der Generalstaaten mit Frankreich und Karl I. war er geneigt, die Generalstaaten wollten aber nichts für die Stuarts tun, die schon aus Religionsgründen den reformierten Holländern zuwider waren, und so fiel im April 1646 das Heiratsprojekt in die Brüche. Es zeigte sich offen, daß die Frage ganz aufs Geschäftliche hinausging, Oranien konnte Karl nichts nützen, folglich rechnete man nicht mehr mit ihm. .‘S&fStor ' 5 * 'A CZ?** Kim [Äv* ÄS! '' y^* - *'i i r t r ’ sfjäS|§$p| Henri Charles de La Tremoille Prince de Tarente Nach einem Kupferstich im Besitze des Herzogs Von La Tremoi'lle zu Paris Zu Seite 41 Hingegen erschien ein neuer Freier um die reizend erblühende Prinzessin Louise Henriette, Henri Charles de La Tremoille, Prinz von Tarent, dessen merkwürdige Memoiren 1767 in Lüttich erschienen sind; der Herzog Louis Charles de La Tremoille hatte die Güte, sie mir zu senden und mir beifolgendes Porträt zu schenken. Des Prinzen Leben war so merkwürdig, daß ich es nach seinen Angaben in kurzen Zügen einflechte 1 ), selbst auf die Gefahr hin, den Text meines "Werkes zu unterbrechen. Henri Charles II. de La Tremoille, Prinz von Tarent und von Talmond, Graf von Taillebourg und von Benon, war der älteste Sohn des zum Katholizismus zurückgekehrten Herzogs Henri de la Tremoille, Pairs von Frankreich (eines Enkels Wilhelms des Schweigers von Oranien), und der jüngsten Tochter des Marschalls Herzogs von Bouillon, souveränen Fürsten von Sedan, Marie de La Tour d'Auvergne, der Schwester von Turenne, die reformiert blieb. Seine Familie zählte zu Frankreichs höchstem Adel, hatte früher in der Bretagne geherrscht und prätendierte in Italien Tarent, welchen Anspruch sie bei jeder Gelegenheit erneuerte. Der Prinz von Tarent war am 17. Dezember 1620 in Thouars geboren und mußte auf väterliches Geheiß mit sieben Jahren katholisch werden. Bei den Jesuiten in Poitiers und an andern Orten erzogen, entfloh er ihnen aus Paris im Jahre 1638, kam auf einem englischen Schiffe von Dieppe nach England und ging von da nach Holland zu seinem Großonkel, dem Prinzen Friedrich Heinrich, der ihn liebreich aufnahm. Er wurde wieder *) Vergl. auch das große Werk des Herzogs Louis Charles „Les La Tremoille pendant cinq siecles.“ Bd. 4. Nantes, 1895. 4°. Ich verdanke auch dies der Güte des großen Historikers. Schon Fruyn und Erdmannsdörffer kannten und benutzten die Memoiren des Prinzen (1866 und 1878). 42 Protestant, begleitete den Prinzen Wilhelm zur Hochzeit nach England, wobei ihm eine Galanterie für Louise Henriette fast das Leben kostete, und lebte dann am Hofe Friedrich Heinrichs, in Louise Henriette sterblich verliebt. Seit 1640 machte er die Feldzüge gegen Spanien mit, wurde Kapitän und nach zwei Monaten Oberst in einem Reiterregimente, tat sich 1641 bei der Einnahme von Gennep an der Maas hervor und machte sich durch Duelle gefürchtet 'j. Tarent schlug die reiche Hand von Mademoiselle de Rohan, der Erbtochter des gefeierten Herzogs Henri, des Hauptes der Hugenotten, aus, weil er sich von Louise Henriette wieder geliebt wußte, und letztere schwur ihm, „sie würde, ungeblendet durch die großen Namen des Prinzen von Wales und des Kurfürsten von Brandenburg, nur ihn heiraten.“ Die Politik fragte aber nicht nach den Wünschen der Liebenden. Wir werden bald AVeiteres darüber hören. 7. Kapitel. Der Krieg gehl zu Ende. Macht und Ansehen Friedrich Heinrichs waren gewaltiger als je bei einem Statthalter der Republik vor und nach ihm; er war Generalkapitän und Generaladmiral, seit 1634 erster Edler der Provinz Holland, leitete die auswärtige Politik fast unbeschränkt und wurde von den Generalstaaten wie von den Staaten von Holland, die vor allen entscheidenden Einfluß hatten, mit Repräsentationsgeldern, Feldzulagen usw. reichlich bedacht. Seit ’) Die Memoiren Dohnas (s. oben) berichten auch von einem zu Pferde ansgefochtenen Degenduelle mit dem Prinzen Radziwill 1642, und Prinz Wilhelm schreibt am 2. Mai 1641 aus London seinem "Vater von einem durch ihn verhüteten Duelle Tarents mit dem Grafen Heinrich von Nassau-Siegen (s. oben). [Groen.] 43 dem Tode des Grafen Heinrich von Nassau (s. oben) 1640 war er auch Statthalter von Groningen und Drenthe, während Friesland seiner Begehrlichkeit entging. Englands König verlieh ihm und dann seinem Sohne den Hosenband-'Orden, der König von Frankreich betitelte ihn seit 1637 mit „Hoheit“, und er nahm gewissermaßen Platz unter den europäischen Souveränen *■); schon 1630 wurde sein Söhnchen Wilhelm zum Nachfolger in allen seinen Würden ernannt. Die Kesultate des Feldzuges von 1642 waren nicht bedeutend; nur verhinderte Friedrich Heinrich die Vereinigung der Heere Spaniens und des Kaisers. Richelieu starb, Mazarin wurde sein Nachfolger als leitender Minister; Ludwig XIII. starb und die Königin-Regentin Anna (von Oesterreich) wandelte trotz ihrer spanischen Sympathien den Weg beider Kardinale. Sie bestätigte den mit den Generalstaaten erneuerten Subsidienvertrag und beide Mächte wollten abermals die spanischen Niederlande angreifen. Friedrich Heinrichs Versuch gegen Hulst mißglückte, während die Franzosen unter dem großen Conde die Spanier bei Rocroi am 19. Mai 1643 glänzend schlugen: die spanische Infanterie, bis dahin für die beste der Welt geltend, erholte sich nie mehr von diesem Schlage! In diesem Feldzuge zeichnete sich der junge Wilhelm hervorragend aus, und das Archiv in Zerbst bewahrt einen Brief an seine Mutter auf, den ich hier einfüge 2 ): „Madame! Son Altesse avec toutte l’armee partirent hier au matin du village de Senentert est (sic!) l’armee s’em- ') Theodor Wenze lbur ger, Geschichte der Niederlande, Band 2, Gotha 1886. 2 ) Original. Adressiert „A Madame a Bueren“, rot gesiegelt mit gekröntem W. A. 7 b Nr. 125. 44 barque encore dewant dine l ) est son altesse wint dire au fort la ou les Estats le vindrent trouwer est apres apres (sic!) dine il sembarqua est fit voile doscitost 2 ) mais cela ne dura pas longhtemps car le batteau sasablea nous sommes arive icy aujourdhuy a midi l’armee ce (sic!) debarquera demain au matin, est nous nous irons löge 3 ) au village dassenede 4 ) ce qui ce passera puis apres je le menderay a vostre Altesse ce pandant je dcmeureray toutte ma vie de Y. A. le tres liumble et tres obeissant fliz et serviteur Guillaume de Nassau d’Orange. Du batteau devant Philippine ce 2. Juliet 1643.“ Amalie äußerte sich damals etwas mißtrauisch gegenüber ITuygens, sie schien spanische Intriguen am französischen Hofe zu wittern 5 ), doch ließen gute Nachrichten von ihrem Gemahl sie ihre Sorgen bald vergessen c ) und sie kehrte am 17. Juli beruhigt in den Haag zurück. Die Franzosen belagerten und eroberten Thionville, zum großen Teile dank der Haltung Friedrich Heinrichs gegen Flandern, und von Versailles aus kargte man nicht mit Danksagungen an ihn. Daß auch sein Sohn ein tüchtiger Kriegsmann war und sich am 3. September bei AVou mit der Kavallerie vor dem Feinde Lorbeeren erwarb, freute den Yater nicht wenig, wie seine Memoiren uns mitteilen. Huygens schrieb begeistert am 4. September aus Bergen-op-Zoom an die stolze Mutter und verlangte „Botenlohn“ für den ruhmvollen ') diner. 2 ) aussitöt. 3 ) loger. 4 ) d’Assenede. 6 ) Bueren, 26. Juni 1643. Eigenhändig. Haag. °) Bueren, 13. Juli 1643. An Huygens. Eigenhändig. Ebenda. Beginn der Karriere des Helden. Und sie dankte dem Korrespondenten aufs herzlichste l ). Daß man in Paris fortfuhr, Amalie für bestechlich zu halten und sie mit Geschenken auf Frankreichs Seite zu befestigen, bezeugt wiederum ein Brief des französischen Gesandten im Haag, Gaspard Coignet de la Thuillerie, vom 28. Sept. 1643 an die Regentin Anna. Groen hat ihn abgedruckt; ich will ihn auszugsweise wiedergeben. „Als ich Eurer Majestät berichtete, es sei vorteilhaft, die Frau Prinzessin von Oranierf gut zu behandeln, so glaubte ich es wegen der Autorität, die sie über ihren Herrn Gemahl besitzt, tun zu müssen.“ La Thuillerie spricht dann aber davon, daß er befürchtet habe, „als glorreiche Fürstin werde sie ohne einen Yorwand keine Gratifikation mit guter Miene annehmen.“ Das Jahr 1644 wand neue Lorbeeren um Oraniens Stirn und leitete zugleich die ersten Schritte zum Frieden ein. Auf ihrem Wege nach Münster hielten sich die französischen Kongreßbevollmächtigten Claude de Mesmes, Graf d’Avaux, und Graf Abel Servien einige Monate in Holland auf, bis ihnen die Erneuerung des Bündnisses beider Mächte gelang. Sie trauten Friedrich Heinrich und weit mehr noch Amalie im Hinblick auf ihre Yerwandtschaft mit Englands Königsfamilie spanische Sympathien zu und glaubten an die Abneigung, länger mit Frankreich zu gehen, sowie an die Wieder- anknüpfung der Eheverhandlung zwischen dem Prinzen von AVales und Louise Henriette. Prinz Wilhelm, der junge Ehemann, lebte unterdessen den Freuden der Jagd, und IJuygens schrieb am 18. April aus Ziitphen der Mutter, er wünsche sehr, daß „man seine Hitze ein wenig zügele wegen der Gefahr, die er ) Groen. Ohne Datum. 46 — beständig mit seinen Sprüngen über Hecken und Gräben laufe, was nicht immer glücken dürfte.“ Aus Münster schrieb Avaux an Amalie; ich lasse den Brief in seiner Orthographie folgen 1 ): „Madame. Yous vous estonneres peutestre, qu’un homme ac- coustume de longue main par lobligation de ses emplois a escrire aux souverains et aux princesses, trouve lex- cuse de son silence dans le respect et la crainte quil a daborder Yostre Altesse. Et neantmoins Madame cest la veritable cause qui ma fait remettre iusqu'a present a vous rendre ce devoir. II faut que iavoue qu’il y a des espritz qui ont un si grand ascendant sur le mien quils loppriment dadmiration et de reverence, et luy ottent memes les qualites supportables dont il pourrait se servir ailleurs. Iay fait cette espreuve aupres de Yotre Altesse, qui avec toute sa douceur et toute cette grace qui lenvironne, ma laisse une teile impression de la force et de lelevation de son esprit, que ie lhono- rerois encores par un plus long silence, nestoit que la necessite moblige de le rompre. II n’y en a point de plus grande a mon sens Madame que de se purger dingratitude, et ie meriterois den estre accuse si ie ne tesmoignois a Yostre Altesse le ressentiment que iay des graces et faveurs quil luy a plu me faire. Sans mentir Madame ie ne les pers gueres de veue, ie me hatte souvent de lhonneur que iay eu dapprocher une vertu si pure et si genereuse que la vostre, et davoir este soutfert dans une si belle Cour. ') 30. Mai 1644. Original. Schwarz gesiegelt, Wappen mit Grafenkrone. Zerbster Archiv. A. 7 b Nr. 84. Briefe an die Prinzessin Amalie von Oranien usw. 1644/60. 47 Voilla ce que i'oppose a la solitude et a toutes les miseres de la AVestphalie, et avec un Souvenir ie trompe beaucoup de maux presens. Que A^ostre Altesse ne me deffende pas sil luy plaist lusage de ce remede, ie l’ay si fort accoustume que ie ne men scaurois plus passer, et iamais ie ne puis oublier Madame que ie eu lhonneur de vous voir et de vous entendre. Cella suffit pour estre toute ma vie Madame A r ostre treshumble et tresobeissant serviteur Avaux. de Munster le 30. May 1644. A Son Altesse Madame la Princesse d Oranges.“ Viel AVorte und Schmeicheleien, von denen der Gesandte wohl wissen mußte, daß die Empfängerin davon nicht unangenehm berührt war. Es galt manche Schwierigkeit zu überwinden, bis Prinz Friedrich Heinrich endlich gegen Flandern und speziell gegen Gent vorrücken konnte, dann aber gelang ihm am 7. September die Einnahme des starken Bollwerkes, des Sas von Gent, nach nicht einem Monate; nach diesem großen Siege konnte, wie Huygens an Amalie schrieb Q, sie „fortan mit weniger Unruhe schlafen“; „der stärkste feste Platz der Niederlande war gefallen“. Mazarin freute sich mit Oranien über den Sieg und sandte einen Edelmann nach dem Haag, um Glück zu wünschen und um Amalien „ein anderes Kompliment von mehr Gewicht, ein großes Perlen-Halsband, zu überbringen 2 )“; auch ließ er durch den Grafen ') Groen. 2 ) Huygens' Brief an Amalie, Bergen-op-Zoom, 17. Okt. 1644. Groen. 48 -lT>,fUp d’Estrades, außerordentlichen französischen Gesandten im Haag, dem Prinzen immer wieder seine „Leidenschaft für seinen Dienst und für alle Vorteile seiner Person und seines Hauses“ aussprechen'). Da Mazarin bemerkte, daß der alternde Friedrich Heinrich auf seinen trotz der Jugend bereits kriegsberühmten Sohn eifersüchtig ward, so warnte er Estrades vor zu großen Lobeserhebungen an den Sohn und riet ihm zu Vorsicht, wenn auch „die Liebe der Väter gegen die Kinder groß sei“ * 2 ). Seit den ersten Tagen des Oktober 1645 berannte Oranien die Stadt Hulst und auch sein Sohn tat sich wieder hervor. Er schrieb aus dem Lager an seine Mutter 3 ): „Madame! Je morois donne plustost l'honneur de vous escrire mis j’en ay este empeche ajant estte tousjours sur les batteaux jusques a hier au soir que Son Altesse ce debarqua pour sa personne, est aujourduy a 12 heures toutte larmee c’est desembarque est ont marsche par trois differens schemins. Monsier de Brederode 4 ) avec la Briegade Ecossoisse est alle löge au village de Longedam est son Altesse c’est löge au village de Senentert dewant que de se löge son Altesse c’est avance avec 3 Companies de cavallerye est 600 hommes de pie jusque a la portee du canon du fort de Nassau que son Altesse a reconu est avons vue beaucoup de monde dans la digue. Voila toutes les nouvelles que je puis mender pour cette fois a V. A. quoy que c’est unne grande nouvelle quand son Altesse ce porte bien. Dieu luy veuille con- J ) Ebenda. 2 ) 17. September 1645. Ebenda. 8 ) Original, ohne Datum. Archiv in Zerbst. A. 7 b. Nr. 125. 4 ) Der marechal de camp, Schwager Amaliens. 49 tinuer encore longues annes est aussi a Yostre Altesse comme le souhaitte celuy qui cera toutte sa vie Madame de Y. A sse le tres humble et tres obeissant fliz et serviteur Gruillaume de Nassau d’Orange.“ Amalie war sehr besorgt um die Gesundheit ihres geliebten Gatten, wie ihre Briefe an Huvgens bezeugen 1 ); fern von ihm, hatte sie keine Buhe; „ich möchte wohl“, so schreibt sie am 8. August — „zu ihm gehen, um ihm zu dienen und um meinen Sinn zu beruhigen, aber ich wage es nicht. Ich bitte Euch, berichtet mir, was ich nach Eurer Ansicht tun soll; ich weiß wohl, er liebt keine Frau bei dem Heere, und nach meinem Geschmacke ist es auch nicht, aber hier scheint es mir das Richtige. Ein anderes Mal werdet Ihr mich hoffentlich mehr beruhigen. Ich glaube, daß all der Kummer, den ich seit einiger Zeit habe, bald mein Leben zu Ende führen wird, und möge es Gott gefallen, das seine, für das ich immer fürchte, zu verlängern.“ Bei allem dem ließ die politische Frau die Politik nicht aus den Augen und die Kabinette trauten ihr nicht. Es wurmte Amalie, daß alle Versuche des Prinzen von Oranien gegen Antwerpen zumeist durch Frankreichs Schuld scheiterten; was lag ihr an Iiulst, wenn Antwerpen dagegen in der Schale lag ? Ehrlich gestand sie Huygens 2 ): „Ich bekenne meine Schwäche, ich hätte lieber als Hulst den Namen Antwerpen gewünscht, den ich für ebenso leicht Avie den ersteren halte, aber in Breda kennen wir die Gedanken des Heeres nicht und ’) Breda, 8. August 1645, 14. August 1645; Bergen-op-Zoom, 30. Juli 1646. Hausarchiv. Haag. 2 ) Breda, 8. Oktober 1645. Groen. ICleinschmidt, Amalie von Oranien. 4 50 ich gebe mich mit allem zufrieden, was Gott und dieser gute General tun, der es besser als irgendeiner verstehen wird, und ich hoffe, der gute Gott werde ihn in vollständiger Gesundheit zurückführen, um seinem Namen Ruhm zu verleihen und ihn endlich in guter Ruhe leben zu lassen; um freimütig mit Euch zu sprechen, wenn ich den Herrn Prinzen in solchen Taten weiß, so ist mein Sinn nicht in Ruhe, usw.“ Trotz aller Fehler der französischen Kriegsführung, welche die holländischen Stände sehr erbitterte, ging die Sache vor Iiulst zum Besten aus. Wie einst das rote Meer trocken lag, um den Juden den Durchzug zu ermöglichen, so waren jetzt bei Beginn des Winters die Moräste trocken; „Gott führte sein Yolk an der Hand Am 4.November ergab sich Iiulst an Oranien und freudebewegt schrieb Amalie an Iluygens 2 ): „Ich versichere Euch, Iiulst kommt nicht in Betracht im Vergleiche mit der guten Gesundheit des Herrn Prinzen; mein Herz hat jetzt ein wenig Ruhe, und ich wünschte wohl, daß nach Antwerpen der Herr Prinz zur Ruhe kommen und das Übrige seinem Sohne überlassen möge; mein Alter erlaubt mir nicht mehr, alljährlich solche große Ängste zu haben.“ Dabei dankte sie Iluygens warm für seine beständigen Berichte aus dem Felde und versicherte ihn ewigen Gedenkens an seine treuen Dienste. Friedrich Heinrich hielt einen triumphähnlichen Einzug im Haag und wenige Tage darauf reisten die holländischen Bevollmächtigten zum Kongresse nach Münster ab. Mit der Erzählung der Eroberung von Iiulst schließen die Memoiren Friedrich Heinrichs; sie galten lange für unecht, doch ist ihre *) Huygens an Amalie, 27. und 31. Oktober. Clroen. J ) Ohne Datum. Groen. 51 Authentizität durch Huygens und andere unumstößlich festgestellt; sie sind unparteiisch, schmucklos und wahr. Der alte Dessauer fand sie im Kabinette seiner Mutter Henriette Katharine, der Tochter Friedrich Heinrichs und Amaliens, und ließ sie von de Beausohre mit einem Porträt des Helden und mit Zeichnungen von Bernard Picart 1733 in Amsterdam herausgeben; ich habe sie benutzt. 8. Kapitel. In der Familie. Friedrich Heinrich dachte frühe an die Vermählung seiner Kinder, fand aber dabei manchmal Widerstand bei seiner Gemahlin. Von der ältesten Tochter und ihrer Neigung zu La Tremoille hörten wir schon. Wir wollen jetzt von der fünften Tochter, Henriette Katharine, sprechen, die im Februar 1637 geboren war. Da Ostfriesland in häufigen Differenzen mit den Niederlanden lag, betrachtete Oranien es als sehr ratsam, mit dem Herrscherhause der Cirksena in Verwandtschaft zu treten. Er befrug durch Aerssens die Generalstaaten um ihre Meinung und auch sie hielten das Beginnen für praktisch und lobenswert. Graf Ulrich II. von Ostfriesland, der ihm den Vorschlag gemacht hatte, suchte seine gesunkene Autorität durch die Verbindung mit der oranischen Macht zu heben und seine unbotmäßigen Untertanen zur Unterordnung zu bringen. Am 27. Dezember 1641 wurde im Haag die Verlobung seines ältesten Sohnes, des Erbgrafen Enno Ludwig, mit Henriette Katharina gefeiert; der Bräutigam (geboren am 29. Oktober 1632) war neun, die Braut bald fünf Jahre alt 1 ). Enno Ludwig sollte im Haag erzogen *) Theodor Jorissen, Een vorstelyk engagement. Historische Bladen. Vierde Druk. Haarlem 1895. 4 * 52 werden, brachte einen kleinen Hofstaat mit und lebte lange in Holland. Friedrich Heinrich tat sein Bestes für Ulrich II. und die Befestigung von dessen Autorität; mit des Prinzen Tode brach neues Unheil über Ulrich herein und erst auf seinem Sterbebette erfuhr er, daß der westfälische Friede seinem Lande Frieden brächte; es ward ihm erspart, eine noch schrecklichere Zukunft zu schauen. Enno Ludwig bekümmerte sich nicht um sein Land und nicht um seine Braut; ein sinnlicher Geselle, suchte er die Liebe bei leichten Frauen, seit er, wenn auch noch unter Vormundschaft (1648) regierender Herr geworden war, reiste in der Welt umher und erwirkte in Wien seine Belehnung mit Ostfriesland und seine Ernennung zum Reichshofrat. In seinem Lande hauste er despotisch. Als er 1651 in den Haag kam und mit Amalie wegen seiner Heirat sprach, schützte sie die Jugend der Prinzessin vor, und als er 1653 wiederkam, war sein Ruf so schlecht, daß die Braut gar wenig Lust verspürte. Geistig war sie ja ungewöhnlich ausgestattet wie alle ihre Schwestern, Enno Ludwig flößte ihr mit seiner Roheit Abscheu ein, und wenn auch ihre Mutter ungern die Aussicht schwinden sah, sie Fürstin x ) von Ostfriesland werden zu lassen, so konnte sie der Tochter doch nicht Unrecht geben. Auch schien damals Karl II. von England Absichten auf Henriette Katharina zu haben. So wurde zu Beginn des Jahres 1656 die Verlobung gelöst und Enno Ludwig heiratete die Gräfin Juliane Sophie von Barby, starb aber schon am 4. April 1660. Yon Henriette Katharinens späteren Schicksalen werden wir hören. Für ihre eigene Familie sorgte Amalie in ausgiebigster Weise. Durch den Anschluß ihres Yaters an den *) 1654 wurde Enno Ludwig Reichsfürst. 53 Winterkorn«' war ja das schwerste Unglück über das Haus Solms-Braunfels hereingebrochen; die Grafschaft war verwüstet und vom erzürnten Kaiser teilweise an Fremde gegeben worden; ihr Vater starb landflüchtig im Haag 1 ), und jahrelang plünderte eine spanische Besatzung die Grafschaft aus. Im Wechsel des dreißigjährigen Krieges kam zwar Amaliens älterer Bruder, Graf Konrad Ludwig, 1632 mit schwedischer Hilfe wieder in den Besitz, wenn auch Hessen-Darinstadt das Amt Butzbach zurückhielt, aber schon 1634 gab er den Liguisten Braunfels preis. Hie Wetterauer Grafen beschlossen nun einen Handstreich; Graf Heinrich Ludwig von Nassau-Dillenburg führte ihn bei Morgengrauen aus und nahm die ganze liguistische Besatzung gefangen. Seitdem hielt sich Braunfels mehrere Jahre. Konrad Ludwig starb am 15. Dezember 1635, ohne Kinder aus seiner Ehe mit Anna Sibylle, Freiin von Winneberg, und ihm folgte sein jüngerer Bruder, Graf Johann Albrecht II. in der Herrschaft. Amalie zog diesen Bruder in niederländische Dienste. Er erhielt von Friedrich Heinrich ein Regiment, tat sich 1629 bei s’Hertogenbosch hervor, wurde Gouverneur von Utrecht und 1632 von Mastricht, General der Artillerie und Generalfeldzeugmeister und tat bei Yenloo und Rynberg 1632 und 1633 treffliche Dienste. Nach der Eroberung von Schenkenschanz verließ er den Kriegsdienst und übernahm die Geschäfte seines Ländchens. Der Krieg ließ ihn jedoch nicht zu ruhigem Genüsse kommen und er ging 1637 wieder nach den Niederlanden, beteiligte sich an der Eroberung von Breda, 1640 an der Schlacht bei Ilulst, an den Kämpfen um den Sas von Gent und erwarb B Arthur Kleinschmidt, Johann Albrecht I. zu Solms- Braunfels, der Freund des Winterkönigs (s. oben). ! fl IIU-UlU I MimIbwVIffB ■■w-.frm-JFi’qp 1 54 viel Ruhm. Die Franzosen eroberten 1640 Braunfels und erst 1642 erhielt der Graf das Schloß sehr beschädigt zurück; im Westfälischen Frieden erlangte er auch Butzbach und alle Besitzungen seines Hauses wieder. Er war mit Gräfin Anna Elisabeth von Falckenstein vermählt und starb am 27. September 1648. Amalie empfand für Johann Albrecht eine echt schwesterliche Zuneigung und bekundete sie in ihren Briefen an ihn, die sich im Archive zu Braunfels befinden; da bis zum Antritte des Archivars Schaum in Braunfels im vorigen Jahrhunderte der größte Teil des Archivs nach dem Schloßbrande von 1679 auf dem nassen Boden einer Waschküche lag, so sind die Jahreszahlen und manches Stück der Briefe abgefault. Uber Amalie selbst befindet sich nichts mehr dort, wie Schaum schon 1828 schreibt. Besondere Vorliebe hegte Amalie für ihren Reffen, den Grafen Heinrich Trajektin, den einzigen Sohn Johann Albrechts II., der in niederländische Dienste trat und sehr rasch avancierte; schon im 17. Lebensjahre erhielt er das Regiment seines verstorbenen Vaters, 1673 wurde er Generalmajor, Gouverneur von Nymwegen und Chef der ganzen Garde zu Fuß, 1683 Generalleutnant und Chef der ganzen Infanterie. Als Amalie 1649 ihre Tochter Louise Henriette in Cleve besuchte, lud sie Heinrich Trajektin ein, brachte ihn an den pfälzischen Hof nach Düsseldorf und zur Abtissin nach Essen, und als er längere Zeit von Holland fern blieb, schrieb sie ihm 1665, er solle zu seinem Regimente zurückkehren und sein Glück nicht verscherzen 1 ). Heinrich Trajektin war der Kriegsläufe halber wenig in seiner Grafschaft, ‘) Ihr Enkel, Wilhelm III., erließ am 7. Mai 1665 aus dem Haag eine Instruktion für Heinrich Trajektin (Kopie. Zerbster Archiv. A 7 b Nr. 122. Varia). ftfeti^ilS.; — 55 — und den Aufenthalt auf Schloß Braunfels machte ihm der Schloßbrand vom 30. April 1679 doppelt ungemütlich. Er kämpfte ruhmvoll in den Niederlanden, begleitete seinen Vetter, Prinz Wilhelm III. von Oranien, 1688 als Oberst der blauen Garde zur englischen Expedition und bewachte mit seinem Regimente den festgehaltenen König Jakob II., ohne seine Flucht hindern zu wollen. 1689 kommandierte er mit Schömberg das ganze Heer in Irland und Wilhelm III. instruierte ihn aus Hamptoncourt am 14. Juli d. J. 1692 und 1693 kommandierte er in Flandern und starb infolge schwerer Wunden am 29. Juli 1693 als General der Infanterie König Wilhelms III. von Großbritannien. Er war auch Landkomtur der Deutschordens-Ballei Utrecht und seit 1673 Propst und Archidiakon der Johanniskirche daselbst. Da seine Ehe mit Gräfin Charlotte Henriette zu Solms-Laubach kinderlos geblieben war, erlosch mit ihm die Linie Braunfels und die Greifensteinsche folgte ihr. Heinrich Trajektin blieb der Heros des Solmser Hauses und noch heute trägt ein Prunksaal des Braun- felser Schlosses seinen Namen; er ruht in Braunfels. Von ihren Schwestern stand Amalie besonders nahe die an den Burggrafen Christoph den Altern zu Dohna verheiratete Gräfin Ursula; Amalie leitete aber auch, wie ich oben erzählte, die Heirat ihrer jüngsten Schwester Louise Christine, die seit einigen Jahren bei ihr in Holland lebte, mit dem Erben des ganzen Hauses Holland-Brederode ein 1 ). Seit Amaliens Heirat blieben ‘) Die fürstliche Bibliothek in Lieh bewahrt eine französische genaue Beschreibung der Hochzeitsfeier Louisens von 1638. Wie Wenzelburger (s. o.) erwähnt, „hörte man bei der Hochzeit nichts als spanisch und französisch, die bunte Pracht und der geschmacklose Tand der burgundischen Ritterspiele schien wieder aufzuleben.“ 56 die Grafschaft Solms-Braunfels und ihr Bruder ihr die Ehesteuer schuldig, „anstatt ihrer legitimen Portion“; diese betrug nach altem Solmser Brauch 6000 Gulden, 1500 Gulden für Kleider, ferner goldene Ketten, Kleinodien, eine Karosse mit sechs Pferden und ein von ihrer Mutter stammendes Kapital von 1000 Gulden, dessen Zins ihr der Yater am 6. April 1618 in Heidelberg mit jährlich 371 '2 Gulden auf die Kellerei Braunfels angewiesen hatte. Am 6. Dezember 1647 übertrug Amalie im Haag aus Liebe zu Louise Christine ihr diese sämtlichen Ansprüche, was Louise Christine nicht nur gern annahm, sondern was sie auch zu weitern Forderungen veranlaßte; Amalie ärgerte letzteres nicht wenig, wie sie ihr am 10. November 1653 deutlich erklärte. (Kopie und Konzept. Archiv in Schlobitten. 31 ,9.) Kommen wir nun zu Ursula, einer der sympathischsten Erscheinungen der ganzen Epoche, so blicken wir in ein reizendes Familienleben hinein, dessen guter Geist Ursula, die Ahnfrau aller heutigen Dohna in Schlobitten und Schlodien, war. Amalie liebte Ursula aufrichtig und schätzte deren Gemahl Christoph hoch. Auch ihr Bruder, Graf Johann Albrecht II., korrespondierte viel mit Ursula und Christoph, von deren Stellung in Orange wir später im Zusammenhänge sprechen wollen 1 ). Als Ursula einmal schwer krank gewesen, schrieb ihr Amalie voll Unruhe und sie beruhigte sich erst, als volle Besserung eingetreten war. „Ihre Wohlfahrt“ — so schrieb sie an Christoph 2 ) — „ist die meinige, ich habe sonst keinen Trost und Freude in der Welt alles die liebe schwhester. Unser Herr gott mache ') Viele Originalbriefe aus den Jahren 1631—1635. Archiv Schlobitten. 3 / 73 . 3. 2 ) 19. Dez. ohne Jahresangabe. (Original. Archiv Schlobitten. * 1 26 . 11. Briefe an Christoph den Altern von Dohna.) ' v : <£ #»% JSJ&Ä: \i‘0i’?pX<.'tr-i iZ&jt, ' : ♦Ü, Ursula, Burggräfin zu Dohna Nach dem Original im Schloss Schlobitteil Zn Seite 56 57 mich halt so gliegeliche um beite zu wheußen wie hoch ich sie liebe.“ Dabei beklagte sie den Yerlust von Briefen, da sie nicht begreifen konnte, sonst so wenig von ihnen zu erfahren. Auch ein andres Mal bekennt sie Christoph 1 ), wie sie sich über die Liebe ihrer Schwester freue; „ich libe kein mensche in der whelt mehr alles sie; ietter man ist mein zeige.“ Während Johann Albrecht II. an Dohna schrieb 2 ), es stehe durch den ewigen Krieg alles schlecht: „es lest sich noch gar schlecht an, man sicht augescheinlich die algemeine straffe Gottes, wir müssen mit geduldt des gliicks er- wartten“, und während er ihm viele Todesfälle aus Familie und Freundschaft meldete 3 ), freute sich Amalie am Eheglück ihrer Schwester Ursula und an deren Kindersegen 4 ). Und sie vergaß auch ihre einstige Herrin, die 'Winterkönigin, nicht trotz gelegentlicher Differenzen; „die arme Königin“, so schrieb sie einmal an Ursula 5 ), „ist nun so allein sie dauert mich von Hertzen ich sehe wolle das meum 6 ) brutter Hans nicht dort gefeit.“ Aufs herzlichste stand Amalie mit ihrer edlen Stiefmutter Juliane und diese schrieb an Ursula am 15. 5. Januar 1627 r ’), nachdem Amalie im Mai 1626 zum ersten Male Mutter geworden war, Amalie sei „got lob mit ihrem jungen sohn noch wol auff“, aber noch nicht wieder schwanger; viele befürchteten zwar, sie werde keine Kinder mehr bekommen, sie aber, Juliane, glaube, ') Ebenda. 3 /« 8 . 23. (Original olme Datum.) 2 ) Ebenda. (Original, Haag, Aug./Sept. olme Jakresanga.be.) 3 ) Haag, 23./13. Juli 1625, Original, an Christoph nach Har- weiden. Ebenda. 4 ) Archiv Sclilobitten. 3 / 6 d. 2. 3 /A. 6. s j-, 3 . 3. s ) 2. Februar ohne Jahresangabe. Original. Ebenda. 3 / T 3. 3. B ) meinem. ’) Haag. Original. Ebenda. 58 es würden noch genug kommen; die Königin von Böhmen und ihre Kinder seien gesund, es sei „ein lieber kleiner hauff bei einander der liebe got wol sie genedig be- waren und ihnen wider zu dem ihrigen helffen“; schrecklich lange währte bereits der Krieg, zum neuen Jahre wolle Gott Frieden geben. 4 ) Amaliens schwerster Kummer war die häufige Abwesenheit Friedrich Heinrichs im Felde; wie leicht konnte ihm etwas zustoßen! Und er wünschte nicht, daß sie ihm ins Feldlager folge, so gern sie es getan hätte; so auch 1632, wo sie nach der Geburt von Isabella Charlotte an Ursula schrieb 2 ): „die gleun Isable bleibt beue der Foss- berge 3 ) ich whes wolle das sie dor woll bewort ist.“ Da in der Oberpfalz, wo Christoph Dohna Fischbach und Stockenfels besaß, alles drüber und drunter ging, so konnte Ursula nach Dohnas Tod nicht zu dem Gelde gelangen, das er ihr in einer Obligation von 10 000 Gulden auf die Oberpfalz übertragen hatte; alle Schritte daselbst waren vergeblich, das Landschaftskommissariat zahlte nicht aus und so konnte Ursula nur Geld bekommen, indem sie die Obligation urkundlich an Amalie übertrug 4 ). Amalie, resp. ihr Gemahl, gab Henriette, Ursulas zweiter Tochter, eine Präbende von jährlich 600 Gulden 5 ). Nachdem im April 1634 die Prinzessin Albertine Agnes geboren worden war, schrieb Amalie an „Madame de Donna“ 6 ): sie habe zu viel Fremde um *) Juliane sollte ihn nicht erleben, sie starb in Hungen am 14./4. Oktober 1630. 2 ) Ebenda. Original, ohne Datum. 3 ) Frau v. Vosberghe. 4 ) Kopie, ohne Datum. Archiv Schlobitten. s / 6 o. 13. 6 ) Ursula an Martyn Wigandt in Delft, ihren Freund, den Geschäftsträger der Dohna, Orange, 21. Mai 1640. Original. Archiv Schlobitten. 71 /7. e. “) Original, ohne Jahresangabe. Archiv Schlobitten. s / 7 3 . 3. 59 sich; „ich bekens, ich habe ofet die gedult verloren“ zumal bei den Reisen des Prinzen. „Das keint ist gottlobe sei' wolle, es ist noch ein von meine gesunde keinder.“ Gott möge die Kleine behüten! „Ich habe sie recht leibe wie wolle ich gheren einen Son gehabet hat aber gott whes alles was unsere Seelige ist in dese wheule*) erghebe ich mich ganße ich feundt das mir gott noch so grose genade erzeuget hat das ein rechte- schaffene creatour ist. Der Prince hat sie so leibe alles einen Son ist unse Seelige so wheurts unse gott woll gheben 2 ) ach liertze Schwester wie bin ich itz wieter in angest vor den Prince doch gott hat unnße nun an so feule gleuge 3 ) gheben das man im nicht genunge danken kan undt ist noch so grose hofnunge doch alles stehet heue gott es ist sein wherge 4 ) ich denke hundert malle an E. s ) das sie alle zeit gesaget hat das der Prince noch solle so feule gleuge haben es scheint alles waas nun geschon solt gott erhalten gefundt.“ Amalie wünscht der Schwester alles Glück und daß sie an ihrem Sohn 6 ) nur Freude erleben möge; „gott laßen in from wherten mein herzallerleibste Schwhester . . . . Versieh er E. das ich lewe und stenve. E. treue dienstwheulige Schwhester Amelie de Solms. ich erbeit mich an E. herrr ich solle halt wietter schreiben a dieu meun hertze schwhester. Den 27. June in groser eulle.“ J Willen. 2 ) Ist es unser Heil, so wird Gott es (den Sohn) uns wohl geben. 3 ) so viel Glück. 4 ) Werk. 6 ) Euer Liebden. “) Theodor Anriacus, geboren 1632, starb 1642. 9. Kapitel. Die Vermählung Louise fienrielfens. Yon der Jugend Louise Henriettens wissen wir kaum mehr wie von der ihrer Mutter 1 ). Wir kennen nur den Kamen ihrer Gouvernante, Frau von Merode. Die Prinzessin tritt erst an das Licht, als die Bewerbungen um ihre Hand begannen und als sie ihr Herz dem Prinzen von Tarent schenkte (s. oben) 2 ). Als Friedrich Wilhelm von Brandenburg in jungen Jahren in Holland weilte, in Leyden, vor Breda und im Haag mit den Oraniern zusammentraf, dachte er nicht an ein Interesse für das Kind, das er wohl nur vorübergehend sah; alle gegenteiligen Schilderungen sind eitel Phantasie. Hingegen brachte politische Erwägung den Fürsten, der eben den Ivurhut ererbt hatte, auf den Gedanken einer Verbindung mit Oranien und seit 1641 begegnen wir diesem Projekte. Der damals im Haag beschäftigte brandenburgische Kriegsrat Joachim Friedrich von Blumenthal scheint mit dem oranisclien Hofe darüber in Meinungsaustausch getreten zu sein, obwohl seine Akten nichts derart enthalten 3 ). Der Plan gefiel und man legte holländischer- seits sichtlich Wert auf die Verwirklichung. Friedrich Wilhelm selbst dachte nicht an eine solche Ehe, sondern an die mit Christine von Schweden. Erst 1645 wurde die Frage an beiden Höfen näher ins Auge gefaßt, und J ) R. Fruin, De jengcl vau Louise Henriette d’Orange, in der holländischen Zeitschrift „De Gids“. 1866. 2. Teil. Amsterdam 1866. *) B. Erdmannsdörffer, Louise Henriette von Oranien und der Prinz von Tarent, in „Zeitschrift für preußische Geschichte und Landeskunde,“ 15. Jahrgang. Berlin 1878. 3 ) B. Erdmannsdörffer, Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Band 4. Berlin 1867. 61 man begann in Berlin den Yorteil einer Allianz mit Holland für die allgemeine Politik und speziell für die Lösung der pfalz-neuburgischen Frage zu würdigen. Der Oberkammerherr des Kurfürsten, Konrad von Burgsdorff, hatte seine einflußreiche Hand im Spiele und sandte, von Oranien bestochen, Winand Kodt über Münster nach dem Haag, von wo dieser am 12. und 13. April 1645 an Burgsdorff und an den Kurfürsten berichtete l ). Amalie kam Rodt mit ganz besonderer Freundlichkeit entgegen, lobte den jungen Kurfürsten in ziemlich durchsichtiger Weise und vernahm mit Genugtuung, daß seine Heiratspläne in Stockholm und in Cassel noch zu keinem Resultate gediehen seien;, während Rodt auf allerhand Hintertreppen Einblicke gewann und während er bemerkte, daß Friedrich Heinrich „des Oberkammerherrn faveur“ suchte, zeigte Amalie durch ihr Auftreten unverholen, daß sie den Kurfürsten gern zum Schwiegersöhne haben würde und ihn auch dem Prinzen von Wales vorzöge. Rodt begegnete im Vorzimmer Amaliens ihrer ältesten Tochter, die einige Worte an ihn richtete und auf die Frage, ob sie etwas an den Kurfürsten zu bestellen habe, ihm ihre ergebensten Grüße senden ließ. Rodt fand sie in den letzten zwei Jahren ungemein verändert, groß, schön und klug geworden; er meinte, sie gleiche in ihrer Gemütsart mehr dem Yater, der sie vor allen seinen Kindern liebe, sei sehr sanft und liebenswürdig. Weiter kam man aber noch nicht und Friedrich Wilhelm schaute nach wie vor nach Stockholm aus; erst als er im Sommer 1646 die schwedische Heirat definitiv aufgab, tauchte die orauische zielbewußter auf. Burgsdorff scheint sehr ') Urkunden usw., Bd. 4, S. 739 ff. Der Prinz von Tarent nennt ihn „Borsdorf 11 . 62 dafür eingetreten zu sein, der Kurfürst eröffnete dem Geheimen Rate offiziell sein Vorhaben, ging ins Clevische und schickte Burgsdorff“ als Werber voraus nach dem Haag *), wo derselbe auf keinerlei Schwierigkeiten stieß. Es war ein rein politisches Bündnis, bei dem kein Herz ' klopfte. Mit kleinem Gefolge traf Friedrich Wilhelm am 22. November im Haag ein und erklärte tags darauf in einer Sitzung der Generalstaaten, deren Hilfe er mehr denn je brauchte, seine bevorstehende Verheiratung. Sie sollte am 16. Januar 1647 stattfinden. Da aber Friedrich Heinrichs Gesundheitszustand bedenklich war und sein nahes Ende befürchten ließ, so beeilte man den Termin. Im engsten Kreise erfolgte die Vermählung im Haag am 17./27. Dezember 1646; Friedrich Wilhelm wollte „dies christliche Werk bei seiner jetzigen Anwesenheit consumiren“. Der Prinz von Tarent, der am Abende seines bewegten Lebens seinen Kindern Memoiren über dasselbe schrieb, berichtet des Näheren über den Ausgang seiner Herzensaffäre (s. oben) mit seiner Geliebten und heimlich Verlobten, Louise Henriette. Friedrich Heinrich war, trotzdem er nicht alt war, schwach und müde geworden und stand völlig unter dem Einflüsse seiner ehrsüchtigen Gemahlin, die Burgsdorff bei dem Kurfürsten von Brandenburg arbeiten ließ. Zwar gelobten sich die Liebenden, einander nicht aufzugeben, und des Kurfürsten Mutter wollte ihn durchaus mit einer ihrer pfälzischen Nichten verheiraten. Zwar unterstützten Tarents Eltern seine Absicht, indem sie bei den Eltern der Geliebten ’) Vom Verlaufe von Burgsdorffs Mission ist leider nichts zu finden. Karl Spannagel. Konrad von Burgsdorff. Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses Hohenzollern, Bd. 5. Berlin 1903. 63 für ihn sprachen und scheinen auch Huygens’ Vermittlung nachgesucht zu haben — aber alles half nichts. Das oranische Ehepaar erklärte hochmütig, ihre Tochter sei bestimmt, Königin oder Kurfürstin zu werden. Verblendet wie alle völlig Verliebten, hielt es der Prinz von Tarent für unmöglich zu unterliegen, zumal er Friedrich Heinrichs Vergötterung seiner ältesten Tochter kannte und sich selbst von ihm geliebt wußte. Amalie warf ihrer Tochter vor, daß sie sich mit einem Manne ohne Zukunft einlasse, und wußte es zu verhüten, daß Henri Charles ihnen 1646 wie sonst nach einem Lustschlosse folgte. Ihre Intriguen fanden eine schätzbare Bundesgenossin in Mauritia Eleonore, „dem Fräulein von Portugal“, der Nichte Friedrich Heinrichs 1 ), die ohne Mittel von der Gnade des Onkels und der Tante lebte; Mauritia Eleonore erbot sich, die Schritte von „Mademoiselle d’Orange“ zu überwachen und jede Zusammenkunft der Liebenden zu verhüten. Da sie sich nicht sehen durften, schrieben sich die Beiden; des Prinzen Briefe atmeten bei allem Respekte tiefe Innigkeit und sprachen von seinen Heiratsabsichten; er verwies die Geliebte an ihren Vater und hoffte auf die Fürsprache ihres Bruders Wilhelm, tadelte scharf die Mutter und riet Louise Henrietten, seine Briefe stets zu verbrennen. Sie unterließ es und als sie einmal über Land war, ließ die Portugiesin in Amaliens Auftrag durch einen Schlosser ihre Briefschatulle erbrechen *) Don Antonio. Titularkönig von Portugal 1 Emanuel Amalie von Nassau. Tochter Wilhelms des Schweigers von Oranien I Mauritia Eleonore . "V-' nachmals: Georg Friedrich, Graf von Nassau-Siegen. 64 und nahm alle Briefe weg. Amalie las sie und intri- guierte bei ihrem kranken Gatten und bei ihrem Sohne, las dem Gatten Dinge vor, die gar nicht in den Briefen standen, und beeinflußte den Sohn gegen die Schwester und gegen Tarent. Letzterer drang bei Friedrich Heinrich ein und suchte sich zu rechtfertigen, schien auch Eindruck auf ihn zu machen und hoffte auf seiner Geliebten Standhaftigkeit. Die Prinzessin von Oranien ließ es an Bitterkeit gegen ihn nicht fehlen und suchte ihn durch neue Ränke vom Hoflager fern zu halten. Dies glückte nur vorübergehend, indem der Prinz von Tarent den Feldzug von 1646 unter Friedrich Heinrich mitmachte. Friedrich Heinrich war kaum mehr der Schatten von früher, sein Versuch gegen Antwerpen und die Belagerung von Venloo scheiterten und Ende Oktober gingen die Truppen ins Winterquartier. Der Kurfürst von Brandenburg erschien im Haag, Louise Henriette verhehlte ihre Abneigung durchaus nicht, aber ihre Mutter erzwang ihr Jawort. Noch am Tage vor der Hochzeit weigerte sich Louise Henriette, alles half nichts, die Trauung fand, wie wir oben hörten, in aller Stille statt und Louise Henriette blieb im Haag, weil sie den sterbenden Vater nicht verlassen mochte. Tarent blieb auch dort und stellte seiner einstigen Flamme vor, daß sie nur im Anschlüsse an den Kurfürsten ihr Glück und ihre Zufriedenheit finden könne. Kurz vor Friedrich Heinrichs Ende nahm er von ihm Abschied, und Oranien sprach seine Reue über die Heirat wider Neigung aus — es war am 11. März 1647. Nach Oraniens Begräbnis verließ Henri Charles Holland, heiratete in Cassel im Mai 1648 die Prinzessin Amalie von Hessen- Cassel und trat in französischen Kriegsdienst, schlug sich aber 1651 auf die Seite des Prinzen von Conde und machte die Unruhen der Fronde mit. Er kommandierte für den großen Conde in Saintonge, schlug sich an seiner Seite im Faubourg Saint-Antoine von Paris am 2. Juli 1652 und sah sich gezwungen, sein Yaterland nochmals zu verlassen und nach Holland zu gehen. Dort stieß er abermals mit seiner Feindin Amalie zusammen, was wir später berühren wollen. Daß Louise Henriette mit Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine sehr glückliche Ehe führte, ist allbekannt. Den Stifter ihrer Ehe, Burgsdorff, aber haßte sie, und das brandenburgisch-niederländische Bündnis, um das sie verhandelt worden war, blieb vorläufig aus. Auch Amalie, die Alliierte Burgsdorffs, ward ihm untreu und arbeitete mit ihrer Tochter auf seinen Sturz hin; sie schützte seinen streitsüchtigen Antipoden, den Geheimen Rat Johann von Diest, und erwirkte im September 1650 dessen Begnadigung als Pasquillant; sie mischte sich immerwährend als Schwiegermutter Friedrich Wilhelms, als Haupt der oranischen Partei in Berlin, in die brandenburgische Politik ein. Mutter und Tochter stürzten Burgsdorff im Januar 1652. Leopold von Orlich bringt in seiner „Geschichte des Preußischen Staates im siebzehnten Jahrhundert; mit besonderer Beziehung auf das Leben Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten“ im 3. Teile (Berlin 1839) achtzig Briefe Amaliens aus den Jahren 1657—1672 an Friedrich Wilhelm, an den Kurprinzen und meistens an den Geheimen Rat, ersten Minister und Oberpräsidenten aller Kollegien, Otto Reichsfreiherrn von Schwerin. Ihr Enkel, König Friedrich I. von Preußen, schrieb x ) am 17. Juni 1710 aus Charlottenburg an die Kurfürstin ’) Ernst Berner, Aus dem Briefwechsel König Friedrichs I. von Preußen und seiner Familie. (Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hauses Hohenzollern. Band 1.) Berlin, 1901. Kl ein s ühmid t, Amalie von Oranien. k 66 Sophie von Hannover, seine geistvolle Schwiegermutter : „Daß Bullion uns verwant sein, wie auch Latremoullie, solches streit Ich gahr nicht, dan Solms eben auch ist, und Meine Grohß frau Mutter auch aus dem Hause wahr, aber sie haben sich mehr uhrsache zu rühmen, daß wir von sie endtsproßen seint, als wier, aber als Adam sang und eva span, wo war da der Edelman?“ Yon Louise Henriette berichtet Schwerin in seinem Tagebuche *), sie habe jeden Dienstag nachmittag ihrer Mutter geschrieben; wo sind die Briefe? Kurfürstin Sophie von Hannover war Amalien abgeneigt und sprengt von ihr in ihren Memoiren * 2 ) das Märchen aus, sie habe, um einer ihrer Töchter die Hand Karls II. von England zu verschaffen, den Ruf Sophiens, die ihr dabei im Wege schien, untergraben und sie in die Arme ihres leichtsinnigen Sohnes, des Gemahls der Maria Stuart, treiben wollen, doch habe ein von der Intrigue Kunde erhaltender deutscher Kammerdiener dem pfälzischen Hofe alles berichtet. Hieran ist nichts wahr als die Absicht auf Karl II. Sobald Amalie jedoch bemerkte, daß die Stuartsche Sache verloren war, gab sie von selbst ihre englischen Pläne auf; zu Wagnissen waren ihre Töchter ihr zu gut. 10. Kapitel. Das Ende Friedrich Heinrichs. Gar viele in Holland wünschten den Frieden mit Spanien und auch in der Kriegsführung machte sich eine gewisse Erschlaffung bemerkbar; wie matt war der *) Leopold von Orlich, Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst. Berlin, Posen und Bromberg, 1836. S. 48. 2 ) Publikationen aus den Königl. Preuß. Staatsarchiven. Bd. 4. Leipzig 1879. 67 Feldzug von 1646 gegen die frühem! Friedrich Heinrich selbst erschien als gebrochener Mann, geleitet von Amalie. La Thuillerie glaubte, man müsse vor allem Amalie interessieren, sie hasse das Geld nicht 1 ); sie hatte in Honslardyk eine lange Konferenz mit Jan de Knuyt, einem der nach Münster Bevollmächtigten der Generalstaaten, der für höchst bestechlich galt und nach Ansicht der französischen Diplomaten tatsächlich von Spanien bestochen worden war. La Thuillerie schrieb geradezu an Mazarin 2 ): „Man sagt, auch der Prinz von Oranien sei durch die großen ihm gemachten Angebote von den Spaniern gewonnen; auch die Frau Prinzessin von Oranien, seine Frau, die ihn beherrscht, sei es durch die ungeheuren Geldsummen, welche ihr versprochen worden, und durch die nach Waffenruhe verlangende Stadt Amsterdam, die ihr die Versicherung gab, im Falle des Ablebens ihres Gemahls würde man ihr die hauptsächliche Leitung der Geschäfte während der Jugend des Prinzen, ihres Sohnes, lassen. Ich ziehe letzteres von der Kechnung ab . . .; wer diesen Rat gegeben hat, kennt die Verfassung des Staates schlecht . . . Hätten selbst Amsterdam und die andern Mitglieder der Provinz Holland zusammen hierzu die Macht, was nicht ist und nicht sein kann, so ist die Frau Prinzessin von Oranien bei der ganzen Bevölkerung so wenig beliebt, daß von dieser Seite nichts zu fürchten ist; auch wird die unumschränkte oder wenigstens wohl autorisierte Leitung der Geschäfte dieses Landes nach dem Tode des Herrn Prinzen von Oranien von demjenigen, der ihn überlebt, niemals erlangt werden, bevor er An- ') An einen der Bevollmächtigten zum Kongresse in Münster, 22. Mai 1646. Groen. 2 ) Haag, 11. Juni 1646. Groen. 5 * sehen und Kredit unter der Bevölkerung erworben hat, was sich nicht so rasch machen läßt. Man darf nicht in Zweifel setzen, daß der junge Prinz nach dem Tode seines Herrn Vaters nichts Vorteilhafteres erhoffen kann, als mit einem guten Rate aus den Herren Staaten, die ihm als Lenker dienen werden, im Amt zu bleiben, und da wird meiner Ansicht nach die Frau Prinzessin, seine Mutter, zwar als eine Person von Vorzügen und Geist angesehen werden, aber einen nur sehr mäßigen Kredit haben. Was den andern Punkt angeht, daß auch der Prinz bestochen sei und darum das Heer nicht handeln lasse, so wird man ja sehen . . . Um der Frau Prinzessin von Oranien zu zeigen, daß man sie beachtet, müßte man hier Mittel zur Hand haben, um sie für ihre Ansprüche an Pensionen, so eitel diese auch in der Tat sind, in Geld zu befriedigen. Denn ich halte es nicht für passend, Geschenke zu proponieren, viel geeigneter, ihr die gebührende Summe auszuzahlen . . . und ihr zu zeigen, es geschehe aus reiner Gunst, die niemanden anderm als der Frau Prinzessin von Oranien widerfahren würde, ihr auch darzulegen, daß nichts unmöglich sei,, wenn es sich darum handle, sie zufrieden zu stellen . . . Bei Musch erreicht man nichts mit Versprechung, bei ihm bedarf es etwas Reelleren; er ist ein Dämon, der es auf irgendeine Weise haben will und der, obwohl ohne viel Treue, doch sehr gute und sehr nützliche Dienste leisten kann . . . Besagte Dame will 25 000 Taler, und um sicher zu fahren, wären für Musch 8—10 000 Francs nötig . . .“ Cornelis Musch, das verrufene Werkzeug Friedrich Heinrichs, galt in ganz Holland als käuflich und wurde allgemein verachtet; er war 1650 die rechte Hand Wilhelms II. beim Staatsstreiche, starb aber schon am 15. Dezember d. J. vielleicht durch eigene Hand. Von- 69 del verhöhnte ihn in der Satire „A.uf einen toten Spatz“ *). Am 11. Juni 1646 schrieb auch Brasset, der französische Resident im Haag, an Mazarin 2 ), Knuyt sei käuflich und verkaufe sich selbst dem Teufel, Amalie erkenne in der Fortsetzung des Krieges die Basis für die Macht des Hauses Oranien. Amalie wollte es aber, trotzdem sie sich Spanien zuneigte, mit Frankreich nicht verderben und brachte das Gespräch mit La Thuillerie gern auf die Politik, um ihm zu erklären, es gehe ihr schlecht, denn alle Hinneigung zu Frankreich schütze sie nicht vor dem Yonvurfe der Feigheit. „Sie wissen, mein Herr,“ sagte sie zu ihm, „und kennen mich dazu genug, daß ich, wenn mir andre Eigenschaften abgehen, wenigstens die des Edelsinnes habe und daß ich um keinen Preis der Welt Niedrigkeit oder Untreue begehen möchte.“ Sie behauptete ganz unbefangen, sie und ihr Gemahl hätten nie ein Wort um ihre eigenen Vorteile verloren; letzthin habe der Marquis von Castel- Rodriguez gebeten, ihr schreiben zu dürfen, sie aber habe es direkt abgelehnt, und der Mittelsperson, die ihr den Wunsch aussprach, geantwortet: „Warum will er mir schreiben? Wohl nicht, um mir eine Liebeserklärung zu machen, denn er ist zu alt und ich auch, und dies würde Argwohn erregen, den ich sehr ungern hervorriefe.“ Wenn Knuyt mit den spanischen Bevollmächtigten etwas verhandelt habe, so betreffe es einige kleine Landberichtigungen für ihr Haus, zu denen sie ihm speziellen Auftrag habe geben müssen, reine Lappalien. La Thuillerie suchte sie in jeder Weise für Frankreich zu stimmen, bei dem allein ihr Vorteil liege, ') Musch = Spatz. 2 ) Groen. 70 und sie antwortete ihm: „Um Gottes willen, lassen wir diese Eifersüchteleien, denn dies erzeugt nichts Gutes; von uns ist nichts zu fürchten, und man kann des Herrn Prinzen von Oranien und meiner versichert sein, wenn ich etwas zum Wöhle Frankreichs beitragen kann, das, wie ich hoffe, stets mit dem Wohle des hiesigen Staates übereinstimmen wird.“ „Bei unsrer ersten Begegnung“, so schließt de la Thuillerie seine Depesche an Mazarin vom 14. Juli 1646 l ), „wagte ich nicht, mit ihr von ihren kleinen Pensionsinteressen zu reden. Es ist notwendig, sie zu befriedigen; denn wenn sie selbst bei dem Prinzen, ihrem Gatten, nicht mehr dienen könnte, so wird sie stets bei dem Prinzen, ihrem Sohne, von Nutzen sein, der mit ihr vollkommen gut steht, so sehr, daß der gute Mann 2 ) darüber fast eifersüchtig wird, indem er sich einbildet, man wolle etwas ohne ihn tun.“ Friedrich Heinrichs Zustand scheint um diese Zeit besonders elend gewesen zu sein, denn La Thuillerie schrieb an Mazarin 3 ): „Die Frau Prinzessin von Oranien ist über den Zustand des Prinzen derart bekümmert, daß man nicht weiß, wo man sie fassen soll, und daß es nicht wenig Mühe kostet, sie zu leiten. Ich kann nicht anders als durchblicken, daß ihre Absichten recht edelsinnig sind, und daß man, falls die Wirkungen ihren Worten entsprechen, nicht befüchten muß, sie rate zu einer Untreue . . . Ich kann Eurer Eminenz hier nicht verhehlen, daß wir, um bei der Schwäche des Herrn Prinzen von Oranien einen Ersatz zu finden, von seinem Herrn Sohne, dem Prinzen Wilhelm, große Hilfe erhalten haben. Ich kann an seinen guten Absichten nicht zweifeln, er hat *) Groen. Bd. 4. 2 ) Friedrich Heinrich. 3 ) 19. und 23. Juli. Groen. 71 wohl alles, was man erwarten kann, zu dem Wunsche beigetragen, sein Bestes zu tun, um den Prinzen, seinen Vater, zu bewegen, der, offen gestanden, nur noch eine Fleischmasse ist, belebt durch das ihm gebliebene Herz.“ Amalie sprach sich La Thuillerie gegenüber als entschiedene Friedensfreundin aus, da sie die ganze Bevölkerung jetzt für den Abschluß des Friedens geneigt finde, was vielleicht im nächsten Jahre schon nicht mehr der Fall sei; sie wies auf den Zustand ihres Gatten hin, der ihn eher ans Zimmer fessele als ans Feldlager, hob aber auch hervor, sie würde ihm nie feige Ratschläge geben, man führe den Krieg nur zum Zwecke des Friedens. „Ich sprach mit ihr,“ so schließt der Gesandte seine Depesche vom 31. Juli an den Kardinal 1 ), „von ihren Pensionen als von einer Sache, die nicht der Mühe wert sei, bat sie jedoch, sich darüber zu erklären; sie erwiderte mir, man habe ihr gesagt, das führe zu Folgen, und das wolle sie um nichts auf der Welt. . . Meiner Ansicht nach sollte man ihr die ganze Summe auszahlen.“ Mit ihrem Gemahl, der trotz seiner Schwäche im Lager war, unterhielt Amalie einen lebhaften Briefwechsel von Bergen-op-Zoom und Breda aus 2 ). Sie sprach für den Frieden mit Spanien und wollte Frankreich dahin bearbeitet wissen, daß es sich auch füge; „das Glück,“ so schrieb sie dem Gatten am 30. Juli 3 ), „ist wandelbar und Herr Kinet 4 ) wird Ihnen von Großem erzählen, was die Spanier für uns tun wollen; es ist wahr, man darf sich nicht zu sehr darauf verlassen.“ Spricht sich in diesem Lavieren zwischen Spanien und Frankreich nicht die unbefangenste ’) Groen. 2 ) Groen. 3 ) Groen. 4 ) Gemeint ist Knnyt. 72 Opportunitätspolitik aus, wie sie der Große Kurfürst zwischen Schweden und Polen, der Herzog von Savoyen zwischen Spanien und Frankreich beobachtete? Von dem Greffier Musch behauptet Amalie in besagtem Briefe vom 30. Juli, er sei von Frankreich gewonnen; „deshalb, mein Herz,“ so fährt sie fort, „nehmt Euch wohl in acht; denn bei allem, was geschieht, sagt man stets, der Prinz von Oranien sei daran schuld, während man es schließlich aus eignen Gründen tut. Mein Herz, ich wünsche mich wohl zu Euch hin, um zu wissen, ob man bald Frieden machen wird; ich wünsche es von ganzem Herzen, denn ich glaube, es ist zu unserm Vorteil.“ Und unter steter Sorge für die' elende Gesundheit des Gatten, der sich nicht schonte, leuchtet immer wieder jene große Liebe hindurch, die Amalie und Friedrich Heinrich bis über das Grab hinaus verband. Indem sie den Frieden wünscht, hofft Amalie, daß Gott den Herren Staaten Vernunft verleihe und daß nicht das Gold Spaniens und Frankreichs die erhoffte Buhe verhindern werde. La Thuillerie ließ sie nicht aus den Augen und schrieb am 6. August an Mazarin: „Sechstausend Pistolen können den Vergleich mit dem nicht bestehen, was die Prinzessin von Oranien, wie man sagt, von seiten der Spanier profitiert und Avas sie mit Unrecht als Lappalien bezeichnet; wenn aber ihre Lappalien derart sind, so weiß ich nicht, wie ihre ernsteren Angelegenheiten sein werden, denn, wie ich erfahre, gewinnt sie durch den Abschluß des Friedens oder "Waffenstillstandes nicht weniger als 4—500000 Livres Rente . . .“ Friedrich Heinrich schien dem Gesandten sehr gut für Frankreich gestimmt, wobei ihn Estrades *) fest- *) Godefroi, Graf d’Estrades, einer der größten Diplomaten des damaligen Frankreich, war 1646 außerordentlicher Gesandter im 73 halten sollte, und sehr gegen Knuyt aufgebracht; er hatte ausgerufen, Knuyt verdiene, daß ilun der Kopf abgeschlagen werde. Mit Verdruß sah der Prinz auf den aufsteigenden Stern seines Sohnes; die Deputierten der Staaten wollten, daß er sich Ruhe gönne und den Sohn in seiner Abwesenheit das Heer führen lasse; er aber redete sich in Zorn hinein, sagte, sein Sohn sei ein junger Mensch, der nichts getan habe und nichts zu tun verstehe, und er lasse sich nicht einscharren, bevor er tot sei; er begann den Sohn zu hassen. Estrades tat sein möglichstes, um den Sohn an Frankreich zu ketten, stellte ihm Mazarins Gunst in Aussicht und entflammte Wilhelm so sehr, daß er sich in Drohungen gegen Knuyt erging. Von Amalie versah sich Estrades nichts gutes für Frankreich, sie erschien ihm als Feindin, die auch alles daran setzen würde, ihren für Frankreich gestimmten Sohn auf ihre Seite und zu Spanien hinüber zu ziehen'). Prinz Wilhelm selbst fürchtete den Argwohn des Vaters und bat Estrades, seine Beziehungen zu Mazarin und zu ihm geheim zu halten 2 ). Ihren Gemahl zog Amalie wieder mehr und mehr zu Spanien hinüber, ihr Haß gegen Frankreich trat offener zutage 3 ). Brasset zumal schenkte Mazarin hierüber klaren Wein ein und hob dabei auf die Hoffart Amaliens gegen jedermann ab, die ihr Sohn zu seinem Vorteile zu verwerten wisse 4 ). Am 3. Dezember schrieb er Mazarin ganz offen 5 ), man müsse bei Haag, Mitglied des Staatsrats, marechal de camp, wurde später Marschall von Frankreich und starh am 26. Februar 1686. Er hinterließ Memoiren von Wert. ') Estrades an Mazarin, Haag, 29. August 1646. Groen. 2 ) Estrades an Mazarin, 5., 9. und 23. September. Groen. 3 ) Ebenda. 4 ) Haag, 12. November. Ebenda. “) Haag. Ebenda. 74 allem Amalie den Gegenpart halten und es werde ihr und dem Hause Nassau sehr nachteilig sein, wenn die Bevölkerung ihre Absicht, sich mit Spanien auszusöhnen, erkenne. Sie versicherte zwar Brasset, sie werde immer an der Verbindung der Staaten mit Frankreich fest- halten, aber Brasset durchschaute sie und wußte, daß sie zwei Tage zuvor vor aller Welt geäußert hatte, sie wünsche die Stunde zu sehen, wo die Freiheit Hollands Frankreich nicht mehr unterworfen sei. Er setzte seine Hoffnung nicht auf sie und auf ihren hinsiechenden Gatten, sondern auf ihren Sohn, riet L ) letzteren zum Freunde Frankreichs zu machen, Amalien aber fühlen zu lassen, daß sie und ihr Haus Frankreich, nicht aber Frankreich sie nötig habe. Er hielt übrigens Amalien für sehr unbeliebt bei der Bevölkerung und war überzeugt, mit dem Tode ihres Gemahls werde es mit ihrem Ansehen vorüber sein; „sie hat sich,“ so versicherte Brasset dem Kardinale * 2 ), „nirgends beliebt gemacht, ihr Hochmut konnte Leuten nicht gefallen, die gern etwas Popularität sehen, und niemand traut ihr, weil sie in ihrer Laune so häufig wechselt.“ Er nimmt als sicher an, daß sie nur durch ihren Sohn Einfluß haben könne, daß sie aber diesen Einfluß fortgesetzt untergrabe, indem sie den Sohn unterdrücken wolle, um selbst zu gebieten. Wilhelm hatte eine starke Abneigung gegen ihre Ilerrsch- lust, wenn er auch die Mutter in ihr ehrte; er wollte keine Vorteile von Spaniens Gnaden haben. Ein Brüsseler Brief vom 29. Dezember 1646, der weder Adressaten noch Adressanten nennt 3 ), gibt uns ’) Ebenda, 10. Dezember. ! ) Haag, 17. Dezember 1646. Groen. 3 ) Kopie. Archiv Zerbst. A 7b Nr. 105. Allerhand Sachen, die Provinz Groningen betreffend. 1640/50. Einblick in die politische Intrigue, in deren Mitte Amalie von Oranien stand. Der Schreiber — vielleicht Knuyt — traf am 28. abends in Brüssel ein und berichtet, Spanien wolle alles tun, um sich die Oranier zu verpflichten. Auch der Graf von Norwich schrieb Amalien am 13. und 16. Dezember d. J. *), Spanien sei so bereit, ihr Freundlichkeit zu erweisen, daß sie nur zu sagen brauche, was sie wünsche; sie könne aus allem ersehen, „daß Spanien nicht nur nicht zurückweiche, sondern sich mehr und mehr erwärme.“ Und nun besagte der Brief vom 29. Dezember wörtlich: „Was Turnhout und seine Dependenzen und derartige Angelegenheiten betrifft, so wünscht man nichts sehnlicher, als darin alle erdenkliche Satisfaktion zu geben, wie auch etwas darüber hinaus für die eigene Person der Frau Prinzessin zu tun. Der Graf von Norriche (sic!) arbeitet sehr daran, einige Landstücke zu finden, die man dem Herrn Prinzen anstatt Turnhouts geben könnte, welches auf diese Art für die Frau Prinzessin frei bliebe. Doch wird er dem Marquis 2 ) erst dann davon Kenntnis geben, wenn er die Affäre wohl geleitet und digeriert haben wird und die Ansicht der Frau Prinzessin darüber kennt, da ja sein Wunsch hierbei ist, ihr besonders zu dienen. Der Graf von Norriche hat denen hier gesagt, daß so sehr die Frau Prinzessin in keiner Weise wünschte, etwas derart nachzusuchen, es doch die Pflicht des besagten Grafen sei, es zu tun, andernfalls werde er der undankbarste lebende Mensch und der unseligste Freund sein, der ihnen jemals gedient habe. Hierauf hat man mir sehr kategorisch geantwortet und ich will mein Leben verpfänden, daß man dort alles, was ich wünsche, tun wird. In ’) Brüssel. Antwerpen. Kopien. Archiv Zerbst. A 7b Nr. 105. -) von Castel-Rodriguez. 76 wenigen Tagen werde ich rolle Informierung über die Nutzungen haben, die man jetzt aus Turnhout zieht, wie die Renten belastet oder durch Transporte vermindert sind, was meiner Meinung nach von sehr großer "Wichtigkeit ist . . . Sie sind hier geneigt, alles was sie für den Frieden tun können, aufrichtig als etwas zu tun, was gleichermaßen für die Vereinigten Provinzen und für die unter Spanien wichtig ist . . . In Betreff ihrer Achtung und ihrer guten Absichten für die Frau Prinzessin und alle die Ihren sind sie zum Geben bereiter, als man nur verlangen kann.“ In Münster schlossen die Deputierten der Vereinigten Provinzen, van Heemstede und Jan van Knuyt, mit Spanien allein Präliminarien ab; Mazarin aber und Anna von Oesterreich wollten die Ratifikation derselben verhindern und schickten darum den Grafen Abel Servien (Marquis de Sable), einen ungewöhnlich klugen und glücklichen Diplomaten, in außerordentlicher Eigenschaft nach dem Haag; Annas Empfehlungsbrief an Friedrich Heinrich datiert vom 11. Januar 1647 1 ). Mazarin gab Servien genaue Instruktionen, riet ihm, den Prinzen Wilhelm warm zu halten, und fuhr also fort 2 ): „Ich weiß nicht, ob es nicht besser wäre, Gelegenheit zu nehmen, der Frau Prinzessin von Oranien zu sagen, daß Sie nicht glauben könnten, wessen sich die Spanier rühmen, daß sie die Haupttriebfeder von den letzten Geschehnissen in Münster vermittels des völlig; von ihr abhängenden Knut 3 ) gewesen sei; daß Sie großes Mißbehagen an allem diesem Gerede hätten, um so mehr als alles, dessen man sie beschuldigt, nicht ’) Original. Archiv Zerbst. A 7b Nr. 96. 2 ) Paris, 25. Januar 1647. Groen. 3 ) Knnyt. 77 weniger gegen das Interesse der Herren Staaten und das Wohl ihres Hauses- als gegen Frankreich geht, und da sie oft sagt, man denke hier, sie auf alle Art daran zu hindern, eingenommen und parteiisch, wie sie es ist, für diese Krone zu sein, so gebe ich Ihrer Erwägung anheim, oh es besser wäre, ihr zu sagen, sie müsse sich nur über die spanischen Minister beklagen, weil, wenn Castel-Rodriguez 1 2 ) und Pegneranda -) stolz darauf sind, die Unterzeichnung ihrer Artikel mit den Deputierten der Herren Staaten glücklich erreicht zu haben, sie laut genug verkünden, sie verdankten dies in erster Linie der Frau Prinzessin von Oranien, die alle nötigen Befehle hierfür dem Herrn Knut gegeben hat, und daß sie gewissenhaft im Feldzuge und nachher alle Worte erfüllte, die sie durch Mylord Goring 3 ) und auf andern Wegen Castel-Rodriguez geben ließ . . Während der Staatssekretär des Äußern, Henri Auguste de Lomenie, Graf von Brienne, Servien anspornte, die Frankreich zugewandte Gesinnung des Prinzen Wilhelm auszunützen, fürchtete Servien, Wilhelm werde, nach Waffenruhm begierig, den Krieg verlängern wollen, und fuhr also fort 4 ): „Die Frau Prinzessin von Oranien bekundet große Lust zur Umkehr; aber, abgesehen davon, daß man bei ihrer äußerst wechselnden Stimmung kein volles Vertrauen haben kann, hatte sie sich meiner Ansicht nach in so große Verpflichtungen eingelassen, daß sie heute nicht weiß,. *) Gouverneur der Niederlande. 2 ) Don Gaspar de Bracamonte y Guzman, Graf von Peneranda, spanischer außerordentlicher Botschafter in Deutschland, erster Bevollmächtigter zum Kongresse in Münster. 3 ) Oberst, treuer Anhänger der Stuarts. J ) Brienne an Servien, 25. Januar und 1. Februar; Servien an Mazarin, Haag, 5. Februar 1047. Groen. wie sie sich davon zurückziehen kann. Sie wünschte, diese Gelegenheit würde ihr von Frankreich und von Spanien Wohltaten verschaffen; sie nähme dann die einen wie eine Gnade hin, für die sie verbunden bleiben würde, und die andern als Bezahlung einer Schuld für die ihrem Hause widerfahrenen Yerluste und Schädigungen. Ich habe selbst versucht, ihr diesen Weg zu öffnen, um sie zu uns zurückzuführen, indem ich mich darüber beklagte, daß ihre Agenten aus einer Unterhandlung, die als sehr legitim öffentlich sein sollte, ein Geheimnis gemacht hätten und daß mehr die Form als der Gegenstand Argwohn erregt hätte, denn wir würden alle entzückt gewesen sein, ihr bei ihren Interessen gegen Spanien zu dienen und den Hamen Ihrer Majestäten zu ihrer Rechtfertigung zu verwerten. Läge Festigkeit in ihrem Sinne, so dächte ich oft, sie gewonnen zu haben, aber beim folgenden Besuche finde ich ihren Sinn wankend, und wäre sie wirklich gut gestimmt, so wagt sie meiner Erfahrung nach nicht für uns bei denen offen zu handeln, die sie selbst oft zu anderm Handeln brachte, und ich sehe sehr wohl, daß einige ihrer Anhänger uns nach wie vor Übel zufügen .. .“ Serviert meinte, durch pekuniäre Yorteile würden die Oranier jetzt mehr als je sich für Frankreich gewinnen lassen; Godard van Reede, Herr von Nederliorst, der Gesandte für Utrecht in Münster, sagte ihm selbst am 4. Februar im Yertrauen: „das wäre ein gutes Mittel, die Gemüter zu beruhigen, wenigstens das der Frau Prinzessin von Oranien, das sehr interessiert sei.“ Und warum sollte man den Oraniern nicht ebenso gut Pensionen geben wie den Savoyern? Warum nicht eins ihrer Güter in Frankreich zur Duche-Pairie erheben, vermehrt um eine Domäne des Königs? Welch ein Yorteil, unter den Herzogen Frankreichs, unter den 79 Vasallen Seiner Allerchristlichsten Majestät den Lenker der Geschicke der Vereinigten Provinzen zu haben! Im Falle Servien von seinem Hofe Vollmacht erhält, will er Amalien den Genuß dieser Duche-Pairie auf Lebenszeit anbieten; sie hatte von ihm schon zweimal Dünkirchen für Holland verlangt, er hatte sich taub gestellt und das Gespräch geändert; das dritte Mal aber ging das nicht wieder an, und da sagte er ihr, man setze dies Gerücht in Umlauf, um Frankreich zu schaden und um glauben zu machen, Frankreich wolle den Frieden nicht; sie stelle ja nur die Forderung, um ihn auszuforschen. Servien versicherte ihr nochmals, wie der französische Hof Frieden wünsche und wie Dünkirchen im Besitze des Königs ebenso sehr zur Verfügung der Herren Staaten sei, als wenn sie Besatzung daselbst hätten. „Ich fügte,“ so berichtet Servien weiter, „lachend hinzu, die hiesige Bevölkerung habe so große Abneigung gezeigt, unsre Nachbarn zu sein, daß es nicht den Anschein habe, als wolle sie es vermittels Dünkirchen werden; man habe in Frankreich niemals daran gedacht, sich seiner zu entäußern, und werde es nie tun, weil, wenn, was man für den hiesigen Staat bisher getan, Einem seine Freundschaft nicht sichern konnte, ein Platz mehr dies schwerlich zustande bringen werde und weil im folgenden Jahre die Bevölkerung dieses Landes sich dieser Wohltat nicht besser erinnern würde als aller anderen, die sie von unsern Königen empfangen habe. Ich glaube, ihr freimütig diese Prätention nehmen zu müssen, die wirklich lächerlich ist . . . Ich weiß nicht, ob ein Höflichkeitsschreiben Eurer Eminenz an die Frau Prinzessin von Oranien nicht auch nötig wäre, um die Freundschaft mit ihr wiederherzustellen; . . . die davon zu erhoffende Wirkung ist nicht recht gesichert, bei einem so wechselnden Sinne, wie der dieser Dame ist . . . 80 Der Herr Prinz "Wilhelm ist voll Keigung, aber er wagt nicht zu handeln aus Furcht, seinen A r ater oder seine Mutter zu beleidigen. Dies, verbunden mit der Hingabe an seine Vergnügungen, macht ihn für Geschäfte fast unnütz. Seine Freunde arbeiten unter der Hand, wie ich schon sagte, mehr um die Dinge zum Kriege zu führen, als um Frankreich Genugtuung zu geben, und inbetreff der Frau Prinzessin von Oranien kann Eure Eminenz versichert sein, daß ich nichts vergaß ihr zu sagen; unsre sehr häufigen Konferenzen gleichen dem dreitägigen Fieber, stets ist eine gut und die andre schlecht; ich bediente mich, je nach Gelegenheit, bald der Vorwürfe, bald der Hoffnungen, und es scheint mir, als habe sie wohl erkannt, daß die Größe ihres Hauses darin bestehe, mit Frankreich auf gutem Fuße zu sein, und daß es anderseits für sie nur Gefahren und Abgründe gebe, denn sie versprach mir feierlich, alles, was sie könne, für den Dienst Ihrer Majestäten zu tun; ich möchte aber nicht für die "Wirkung einstehen, obwohl sie ungewöhnlich verändert zu sein scheint . . .“ Während Iluggens-Zuylichen hoch nnd heilig schwur, nie ein andres Interesse als das des Staates und des Staatsoberhauptes Oranien im Auge gehabt zu haben, „unbekümmert um Majestät und um Eminenz“, keinem Menschen jemals verkauft 1 ), gab Servien dem Kardinal neue Kunde 2 ): „Die Dinge haben sich derart geändert, daß die Frau Prinzessin von Oranien im Garantiepunkte, mehr als irgend ein anderer, uns begünstigt, aber es scheint bei vielen Begegnungen und sie selbst hat es freimütig ’) Haag-, 11. Februar 1647, an einen ungenannten Adressaten. Clroen. J ) Haag, 12. Februar. Groen. zugestanden, daß in hiesigem Lande es leichter ist zu schaden als Dienste zu erweisen und daß sie mehr Macht hat, Böses zu tun als Gutes. Die sehr wohl gesinnte Königin von Böhmen hat mir sagen lassen, sie finde die Frau Prinzessin von Oranien seit kurzem ganz zu unsern Gunsten verändert. Wäre der Herr Prinz Wilhelm der Yernunft zugänglich, so glaube ich wohl ihm diese vordemonstriert zu haben, um ihn von den seinerseits bereiteten Hindernissen gegen die Garantie abzubringen. Ich habe ihm vertraulich die Reden mitgeteilt, die Pau und Knut*) früher gehalten haben, um eine Liga zwischen Frankreich, Spanien und den hiesigen Provinzen zu machen, um die Ruhe Niederlands zu sichern, und daß dies noch die Absicht der Ersten im Staate ist, welche glauben, auf diesem Wege sich der Kriegsmannschaft und aller Ausgaben zu entledigen.“ Prinz Wilhelm erkannte wohl den Nachteil, den ihm ein solches Bündnis bereiten müßte, aber er wollte so wenig vom Frieden hören, daß er der Befestigung der Verbindung mit Frankreich gegen Spanien nicht das genügende Interesse schenkte; Mazarin selbst müsse auf Wilhelm einzuwirken suchen. „Nur Gott,“ so fährt Servien fort, „kann in die Gedanken schauen; die Frau Prinzessin von Oranien aber verstellt sich über alles Maß oder sie wünscht, sich aufrichtig mit Frankreich zu verbinden und die Zuneigung Ihrer Majestäten zu verdienen. Sie sprach mir heute in höchst erwünschten Ausdrücken davon .... Mit einem Worte, sie scheint große Lust zum Einlenken zu haben und der Wunsch kitzelt sie, der Friede möge durch ihr Eingreifen zur Zufriedenheit Ihrer Majestäten abgeschlossen werden.“ ') Adriaan Pamv und Knuyt, die Vertreter von Holland und von Zeeland auf dem Kongresse in Münster, und zugleich die Hauptpersonen. Kleinschmidt, Amalie von Oranien. 6 82 Bei alledem hatte Servien kein Vertrauen zu Amalie und zu ihrer Umkehr zu Frankreich; er beobachtete sie unablässig und ließ sich nicht blenden. Die Krankheit Friedrich Heinrichs hatte Serviens Ausspruch *) nach „alle Mägen in dem Hause so sehr verdorben, daß sie auch das beste Fleisch in Gift verwandelten“. Amalie tat alles, um Servien zu blenden. „Die Frau Prinzessin von Oranien,“ schreibt er anMazarin * 2 ), „hat mir neuerdings hoch versichert, dieser Staat -werde nie etwas gegen die Ehre tun; dies sei ihre Meinung, und sie werde lieber sterben, als etwas Derartiges zu raten; sie wäre unwürdig, die Frau des Herrn Prinzen von Oranien zu sein, wenn sie dahin arbeitete, das Werk ihres Mannes zu zerstören, der sein ganzes Leben lang mit so viel Sorgfalt die Union dieses Staates mit Frankreich erhalten habe.“ Den Friedensabschluß hat Friedrich Heinrich nicht erlebt; seine Krankheit nahm zu und er fühlte, daß es zu Ende gehe. So empfahl er Frau, Kinder und den Stand der Religion den Generalstaaten, damit alles so bliebe, wie es jetzt war, sowohl die Stellung seines Hauses wie die herrschende Religion. Seit Mitte 1646 hatte sich das gute Verhältnis Amaliens zu Constantin Huygens, Herrn van Zuylichen, getrübt; ein Schwätzer hatte ihn bei dem kranken Prinzen und bei ihr angeschuldigt und er hatte sich darüber bitter beklagt. Sein Schwager, David Le Leu de Wilhem, tadelte ihn 3 ), daß er aus der Sache so viel Aufhebens mache. Amalie aber schenkte den Einflüsterungen der Feinde Gehör und Huygens suchte umsonst, ihr Vertrauen zurückzuerobern; selbst so beredte ') An Mazarin, 19. Februar 1647. Groen. 2 ) Februar, ohne Tagesdatum. Groen. 3 ) 8. Juli 1646. Groen. und so bittere Briefe wie der vom 19. September aus Bergen-op-Zoom ') machten keine "Wirkung auf sie, wenn auch im September Huygens’ Amtsstellung neue Bestätigung fand und sein Gegner van der Lee zurückgedrängt erschien. Schon im Oktober brach der Kampf hinter den Kulissen von neuem aus, Amalie unterstützte van der Lee, der sein Amt erschleichen wollte, die spanische und die englische Partei unter Amalie und Heenvliet vereinten sich mit Knuyt gegen Huygens, den Anhänger Frankreichs, man wollte im Interesse Spaniens den Träger des französischen Bündnisses stürzen. Friedrich Heinrich, der jetzt von Amalie ganz abhängig geworden, sagte ihm manch bitteres "Wort, Huygens ließ es aber den Prinzen nicht entgelten, denn er wußte, daß er die Ursache in Amalie zu suchen hatte. Und an sie richtete er am 6. Februar 1647 einen acht Seiten langen Brief 2 ), veranlaßt durch ein kürzlich mit ihr gehaltenes und unterbrochenes Gespräch, in dem sie ihm vorgeworfen hatte, er vernachlässige seinen Dienst, komme nicht zu Hofe und lebe nur seinem Vergnügen. Würdig und stolz verteidigt sich der treue Mann gegen diese widersinnigen Anklagen, die letzten, die man ihm machen konnte; er entrollt Amalie sein ganzes dem Dienste ihres Gatten und ihres Hauses wie des Vaterlandes geweihtes Leben, zeigt die Erbärmlichkeit seiner Ankläger, voran Lees, dem er selbst den Weg zu Amt und Brot geebnet hatte, betont seine volle Unschuld und schließt unter Warnrufen vor Fortsetzung der Mißstände: „Ich werde bei meiner Unschuld meine Ruhe finden, werde den Kopf hoch tragen, wie es ein ehren- ') .Torissen, Memoires de C. Huygens. s ) Jorissen, C. Huygens und Memoires de C. Huygens. Auch Archiv. Zerbst. A 7 b. Nr. 112. Original. 6 ; 84 hafter Mann kann und muß. Sei es, daß Seine Hoheit sich entschließt, mich völlig zu entfernen oder mich wie ein altes Möbel verschimmeln zu lassen, das eines Tags einem der Seinigen dienen könnte, so werde ich doch Gott bitten, wie ich es immer getan habe, seine Ratschläge zu segnen etc.“ Seine Entlassung forderte Huygens nicht, so nahe dies auch lag, wrnil er seinen Feinden den Spaß verderben wollte. Was Amalie ihm antwortete, wissen wir nicht; jedenfalls blieb er im Amte, blieb ihr Ratgeber und spielte noch nach Friedrich Heinrichs Tod unter ihr wie unter Wilhelm II. eine bedeutende Rolle. Am 14. März 1647 gegen halb fünf Uhr morgens starb Friedrich Heinrich in seinem Palais im Haag, 63 Jahre 6 Wochen alt 1 ). Zahllose Leichenreden 2 ) priesen ihn in allen Tonarten. R. Anslo dichtete ein Klagelied Amaliens, die ihr Herz verloren habe, wie die Niederlande ihr Haupt, und deren große Liebe stärker sei als der Tod. Friedrich Heinrich bezeugte ihr noch sterbend seine Liebe, wandte sich nach ihr hin und nahm mit herzlichsten Worten von der treuen Genossin, die laut schluchzte, Abschied, wie uns Aitzema berichtet. In seinem Testamente vom 30. Januar 1644 3 ) hatte Friedrich Heinrich eine Verfügung getroffen, die sich direkt gegen die Linie Nassau in Friesland richtete; sein Gesamterbe ward sein Sohn und würde dieser ohne Deszendenten sterben, so sollte Friedrich Heinrichs älteste Tochter, Louise Henriette, resp. ihre Deszendenz, in deren Ermangelung aber die zweite, resp. dritte und vierte Tochter zur Erbschaft gelangen. Am 10. Mai war die Beisetzung in Delft. ’) Archiv. Zerbst. A 7b Nr. 129. ■) Gesammelt von Nikolaus von Ravesteyn, Amsterdam 1648. s ) Auszug. Zerbst. A 7 b Nr. 170. 85 Senden schrieb über den Tod des Prinzen an den Staatssekretär Brienne 1 ): „ . . .Man darf nicht erstaunt sein, wenn eine so bemerkenswerte Veränderung Aufschub in die Geschäfte bringt, weil er (der Prinz) allein allen Erwägungen Anstoß und Bewegung gab. Man wird sehr bald nach seinem Tode den Zustand sehen, in dem alle Dinge bleiben sollen, und ob, wenn man den Herrn Prinzen Wilhelm mit allen seinen Ämtern bekleidet, man ihm auch . . . die ganze Autorität des Yaters geben wird. Manche glauben, man wolle sie etwas einschränken, ich bin aber nicht dieser Meinung; andre meinen, die Mutter wolle in den Geschäften einige Autorität behalten; beharrt aber der Sohn in seiner jetzigen Stimmung, so wird sie sehr wenig Anteil daran haben, da der boffärtige Sinn dieser Fürstin vom Sohne ebenso wie von allen andern gefürchtet wird, und sich die Dinge unter ihnen bisher eher mit Erbitterung als mit Freundschaft abgespielt haben . . . Man hat Grund zu hoffen, daß, wenn der Herr Prinz Wilhelm der Leiter der Geschäfte sein wird, sie großmütiger und für die Interessen Frankreichs günstiger geführt werden.“ Auch betont Servien in einem Briefe anMazarin 2 ): „Der Herr Prinz von Oranien von heute ist sehr verschiedener Neigung von der seines Herrn Yaters in den letzten zwei Jahren und von der, welche seine Frau Mutter noch gegenwärtig haben kann, da sie nur die' Fortsetzung des Krieges begehrt und fast nicht leiden mag, daß man ihr vom Frieden spricht.“ Und am 16. März 3 ) hebt Servien die günstige Stimmung des Prinzen Wilhelm neben seiner Absicht, den Krieg fortzuführen, hervor und meint: „Ändert der Prinz nicht sehr seine Stimmung, ’) März 1647. Groen. ■) Ohne Tagesangabe. Groen. 3 ) Haag. Groen. 86 so wird er seiner Frau Mutter an den Geschäften nicht viel Anteil gehen, die in der Vorauserwägung möglicher Ereignisse durch ihre Kreaturen ausstreuen läßt, sie bedürfe der Ruhe und wolle sich in nichts mehr mischen. Ich glaube jedoch, dies ist gar nicht ihre Absicht und sie hat große Lust, daß man ihr das anbiete, w r as sie zu verachten heuchelt. Nach meiner schwachen Meinung darf der Sohn ihren Sinn nicht reizen, aus Furcht, daß der Verdruß sie nicht veranlasse, sich an die Spitze derjenigen zu stellen, die Lust haben, seine Autorität zu verletzen.“ Noch deutlicher äußerte sich Servien am 19. März gegen den Kardinal l ): „Was die Frau Prinzessin von Oranien angeht, so glaube ich nicht, daß sie fortan viel Kredit haben wird. Man versichert mir aus guter Quelle, daß der Sohn über die schlechte Behandlung, die sie ihm während des Vaters Lebzeiten angetan, sehr erzürnt sei; jedoch da solche Spaltungen leicht ein Ende finden können und da zwischen einer Mutter und einem Sohn Bande bestehen, die sie jeden Augenblick wieder vereinigen können, so verhalte ich mich dabei mit viel Vorsicht und unterlasse nicht, der Mutter dieselben Ehren wie früher zu erweisen.“ Amalie schrieb nach dem Ableben ihres geliebten Mannes' an Mazarin 2 ): „Monsieur! Ich bin dem Herrn Botschafter de la Tuillerye sehr verbunden, daß es ihm gefallen hat, die Königin der Treue meiner Gesinnungen zu versichern, und ich habe allen Grund zur Freude darüber, daß Ihrer Majestät mein schuldiger Respekt angenehm ist. Wenn mein Kredit nicht so gering wäre, Monsieur, wie Sie wohl *) Haag. Groen. 2 ) Groen. wissen, und wenn die Wirkungen meinen Wünschen entsprechen könnten, so wäre ich jetzt auf dem Gipfel meiner Wünsche, wenn man mir glaubt, daß ich eine ebenso ergebene Dienerin Ihrer Majestät wie für das Interesse der Krone begeistert bin. Eur® Eminenz kann sich das Mißbehagen vorstellen, das ich empfinde; wie wenig bleibt zwischen beiden Kronen auszugleichen, und nun die Vorstellungen des hiesigen Staates über die Notwendigkeit ihrer Geschäfte und die ihres Interesses, und daß sie nur gemeinsam operieren können, alles sei stets befördert worden, um zu einem allgemeinen, guten und gesicherten Frieden zu gelangen, nach dem die ganze Christenheit seufzt. Ich verzweifle noch nicht daran; ich bin sicher, daß die Weisheit Eurer Eminenz und Ihre kluge Leitung im Rate Ihrer Majestät heilsame Auskunftsmittel finden wird und daß Sie verstehen werden, Frankreich so ansehnliche Verbündete, die dieser Krone auch so nützlich gewesen sind, zu bewahren, weil es unser Zweck ist, die Zahl ihrer Diener und Freunde zu erweitern und zu vermehren, und nicht sie zu vermindern. Der kleine Hauch von Macht, der mir verbleiben kann, ist bestimmt, Ihnen nach meinen schwachen Kräften zu dienen, da ich neben der eigenen Hinneigung dazu vom seligen Herrn Prinzen, meinem Manne, jenen glühenden Eifer geerbt habe, den er bis zum Grabe für das Wohl Frankreichs bewahrt hat; dies kann zu keinem höheren Grade des Ruhmes emporsteigen, als wenn es der Christenheit das Heil nicht verzögert, das ihr so unendlich not tut; Ihr Ruhm würde sich dabei verdoppeln, jeder würde Sie dafür ehren, ich besonders, die icb bereits völlig bin, Monsieur, Ihre ergebenste Dienerin Haag, im März 1647. Amalie, Prinzessin von Oranien.“ — 88 — Konnte man mehr Sehnsucht nach dem Frieden äußern, wie es hier Amalie tat? Aber niemand traute ihrer Ehrlichkeit, sie wechselte zu oft die Farbe. Und Mazarin riet Servien'), sehr besonnen zu Werke zu gehen, damit Prinz Wilhelm ganz in Frankreichs Fahrwasser gerate; um aber Frankreich nützlich sein zu können, müsse Wilhelm alle Ämter des Yaters sowie seine unbeschränkte Autorität erhalten. „Wir schulden dies,“ so schreibt der Kardinal, „der Neigung, die er für diese Krone [Frankreich] bezeugt, dem Andenken des Yaters, der so viel leidenschaftliche Anhänglichkeit an Frankreich hatte, so lange die Kraft seines Geistes ihn verhinderte, sich von seiner Frau beherrschen zu lassen, und wir schulden es schließlich unserm eignen Interesse, weil die Erhaltung und die Yergrößerung des Kredits des Prinzen für diesen Staat [Frankreich] nur von großem Yorteil sein kann. . . . Ihre Majestäten werden einen Edelmann an ihn und an die Frau Prinzessin expreß zur Kondolenz zu diesem Yerluste entsenden, ebenso wird es Monsieur 2 ) und werde ich es privatim tun. Ich bitte ihm indessen zu versichern, daß er auf der Welt keinen ergebeneren und begeisterteren Diener für seinen Ruhm und für alle seine Yorteile hat, als ich es bin. Sie können ihm sogar zu verstehen geben, daß die schlechten Dienste, die man mir bei seinem Herrn Vater am Abende seines Lebens erwiesen hat, sich nur auf die Eifersucht stützten, welche man diesem einflößte, ich ließe durch d’Estrades mit seinem Sohne unterhandeln und ich dächte an Mittel und Wege, diesen zu erhöhen und ihn Ruhm erwerben zu lassen. Die Frau Prinzessin von Oranien hat, ohne daran zu denken, ‘1 Paris, 22. März 1647. Groen. “) Per Herzog- von Orleans. 89 ein Mittel gefunden, daß der Tod ihres Gatten von denen beweint wird, die bei seinem Leben seine Todfeinde gewesen sind: nicht etwa aus Zartheitsregung, sondern weil sie wohl sehen, daß dieser Verlust ihnen bei gegenwärtiger Konjunktur teuer zu stehen kommen kann. Man wird Ihnen über Ihre Haltung zu besagter Dame und über die Kolle, die Sie zwischen ihr und dem Sohne spielen müssen, nichts sagen. Man muß sich hierin völlig auf Ihre Klugheit verlassen, Sie sind an Ort und Stelle und werden die Methode besser erkennen, die man zum Besten des königlichen Dienstes einzuhalten hat. Wir sehen wohl, die Einsicht wird gering sein, und besagte Fürstin wird, so hoffärtig und ehrsüchtig sie eben einmal ist, alles ins Werk setzen, um Kredit zu behalten und um Teil an der Regierung zu haben, wogegen sich sicherlich der Sohn mit all seiner Kraft und, wie ich von hier aus beurteilen kann, mit Erfolg stemmen wird. Deshalb darf man aus hundert Gründen im Falle einer Spaltung nicht zögern, sich dem Sohne anzuschließen . . . .“ Eine Art Grabrede auf Friedrich Heinrich bildet ein Brief Briennes an Servien vom 22. März x ): „Dieser große Mann hat geendet; für seinen Iluhm lebte er die Jahre zu lang, in denen er seine Haltung änderte. Denn so lange er voll Kraft und Erkenntnis war, zog er den Krieg dem Frieden, den Rat vernünftiger und uneigennütziger Leute dem seiner Frau vor, liebte Frankreich und die Größe seines Sohnes; plötzlich hat er, wie Sie ja bemerkt haben, den gegenteiligen Standpunkt eingenommen, verleitet durch die Gier nach wenig gesichertem Gewinne, und hat den Staat wie die solide Etablierung seiner Nachkommen aufs ') Groen. — 90 — Spiel gesetzt. Man wünscht, daß anläßlich des Todes des Vaters und der Erhöhung seines Sohnes zur Autorität Sie ihm derartige Dienste erweisen, daß ihn dies inehr und mehr in Abhängigkeit von hiesiger Krone bringe; daß Sie sie auch nicht gegen die Herren Staaten sparen, wenn sie ihm nötig sind, und man ist Ihrer Klugheit sicher ... Zu wünschen ist, daß er mit seiner Mutter gut stehe, wenn sie ebenso ihm gegenüber geneigt ist, vielleicht aber möchte es den öffentlichen Angelegenheiten nicht konvenieren, daß sie an der Regierung irgend Anteil habe; sie muß sich davon ausgeschlossen sehen und im Staate keine andre Rolle als die allen Untertanen gemeinsame haben. Indessen wird es anständig sein, wenn der französische Botschafter ihre Einigung befördert, ohne jedoch über das dem Sohne Nützliche hinauszugehen; weil, wenn zwischen so nahen Verwandten eine Spaltung eintritt, es den Interessen hiesiger Krone entspricht, den Sohn an sich zu fesseln.“ Servien sagte Amalien selbst, als sie ihm bitter versicherte, ihres Gatten Tod sei Frankreich angenehm, denn man hoffe dort mehr auf ihren Sohn und auf das Sinken ihres Ansehens, unter AValirung höflichster Form und ohne diese Eröffnungen zu widerlegen: nirgends habe man die Krankheit des A r erklärten derart beklagt wie in Frankreich, weil sein Leiden ihn seit Jahren gehindert habe, mit altgewohnter Kraft in Lagen zu handeln, wo man seiner mehr denn je bedurft habe 1 ). Prinz AAGlhelms Ansichten waren von denen Amaliens tatsächlich sehr verschieden und die Uneinigkeit von Mutter und Sohn war ein öffentliches Geheimnis. Servien beurteilte die Sache sehr vorsichtig, und indem er von den ’) Servien an Brienne, 25. März 1647. Groen. 91 Cliquen um Mutter und Sohn sprach, äußerte er sich gegen Brienne also *): „. . . Ich will nicht glauben, daß sie den Plänen derer beigestimmt hat, welche die Autorität ihres Sohnes erniedrigen wollten, aber ich zweifle auch nicht, daß sie nicht alle Mittel billigte, welche ihr einigen Kredit in den Geschäften wahren könnten, wenn sie auch jedermann erklärt, sie wolle sich in nichts mehr mischen und wünsche nur, tiefe Ruhe zu genießen. Ihr Herr Sohn erweist ihr viel Ehre und hat alle Tage lange Konferenzen mit ihr; ich glaube aber, er teilt ihr, was sich begibt, nur mit, um zu verhüten, daß sie darüber mit jemand anderm als mit ihm verhandle, und man hat ihm diesen Rat gegeben, um nicht von vornherein ihren hoffärtigen, ehrsüchtigen und rachgierigen Sinn zu erbosen. Ich weiß jedoch, daß er sie fragen ließ, in welchem ihrer Häuser sie Wohnung nehmen wolle, und daß sie antwortete, sie wünsche nicht aus dem Haag wegzugehen. Waren auch diejenigen, welche dem Prinzen zu dieser Anfrage geraten hatten, über die Antwort erstaunt, so haben sie doch nicht gewagt, die Dinge weiter zu treiben, als er ihnen erklärte, er könne sich nicht entschließen, seine Mutter zu verjagen.“ Servien versichert nochmals, er werde sich zurückhalten, denn fast immer verbinden sich zwei Streitende auf Unkosten derer, welche den Streit nähren wollten. Wilhelm erschien ihm höchst kriegslustig, dem Frieden abgeneigt. Mazarin schrieb am 29. März 2 ) an Prinz Wilhelm: „. . . Sie haben, Monsieur, einen Vater verloren, der, welche Lebenslage er Ihnen auch läßt, Eurer Hoheit einen noch weit großem Ruhm hinterlassen hat, und ich habe einen Freund verloren, der mir so viel Gunst ! ) Haag, 26. März 1647. Groen. 2 ) Groen. 92 zugewendet hatte, oberungen rechnete. gemacht Geschäfte Güte Eurer Hoheit daß ich sie zu den liebsten Er- die ich seit meinem Eintritte in die habe. Ich verspreche mir von der ein ähnliches Gefühl für mich . . .“ Ist es nicht bemerkenswert, daß Mazarin der Mutter nicht erwähnt ? An wem aber lag in Frankreichs Augen allein die Schuld, daß „die Staaten“ nicht mehr voll auf Frankreichs Seite standen, sondern mit Spanien liebäugelten und mit Spanien Frieden schließen wollten? Hur an Amalie, die den energielos gewordenen Gemahl aus selbstsüchtigen Motiven von Frankreich abzog, für das er lebenslang geglüht hatte. Amalie mochte, wenn sie auf ihren selbstbewußten Sohn sah, fühlen, daß es mit ihrer Macht zu Ende sei, und eine Art .Resignation, die freilich bei ihrer herrischen Natur nicht lange anhielt, klingt z. B. aus einem Briefe hindurch, den sie wenige Tage nach Friedrich Heinrichs Tod an den Grafen Wilhelm Friedrich von Nassau-Diez, den Gouverneur von Friesland, richtete *): „Sie werden, Monsieur, den außerordentlichen Kummer kennen, womit es dem lieben Gotte gefallen hat, mich durch den Verlust, dessen heimzusuchen, was ich vor allen Dingen dieser Welt ehrte und liebte, und ich bin gewiß, daß Sie meine Wunde mitgefühlt haben werden, da Sie Zeuge des Glückes waren, das ich besessen. Sie werden es selbst empfunden haben, Monsieur, wenn Sie Sich der guten Gesinnung erinnern, die der selige Herr Prinz immer für Sie hegte, und dies läßt mich annehmen, daß Sie nicht übel nehmen werden, mich Ihnen diesen Dienst erweisen zu sehen, wäre es auch nur, um Ihnen neuerdings zu versichern, daß ich bei den Neigungen des Verstorbenen beharre und durch meine eigenen nie- ’) Haag, 18. März 1647. Hausarcliiv. Haag. Kopie. Französisch. 93 mals aufhören werde, Ihnen zu bezeugen, wie ich mit ganzer Zuneigung bin, Monsieur, Ihre ergebenste Base und Dienerin Amalie, Prinzessin von Oranien.“ 11. Kapitel. Orange unler Friedrich Heinrich. Bevor wir uns von Friedrich Heinrich zu Wilhelm II. wenden, müssen wir noch einige Punkte seiner Tätigkeit, an der Amalie regen Anteil nahm, beleuchten. Im Fürstentum Orange stießen die Interessen und Intriguen Frankreichs häufig mit dem Interesse des fürstlichen Hauses Oranien zusammen. Der Connetable de Luynes hatte schon Moritz von Kassau angeboten, ihm das von den Niederlanden so -weit abliegende Fürstentum abzukaufen, war aber mit Hohn zurückgewiesen worden, und Moritz hatte das auf steilen Felsen liegende Schloß Orange stark befestigen lassen; er ging vor der Vollendung der Arbeiten aus der Welt, doch hinterließ er die Zitadelle unter dem Schutze von 200 protestantischen Schweizern und einiger Artillerie. Zum Gouverneur hatte er seinen Neffen, den Prinzen von Portugal, ernannt, der aber den Weibern nachlief und alle Geschäfte seinem Gehilfen, dem Holländer Jan de Hertoge van Osmael, Herrn von Valkenburg, überließ; Yalkenburg trat 1623 ganz an seine Stelle. Richelieu aber setzte in erhöhtem Maße Luynes’ Versuche, Orange zu erwerben, fort und da Valkenburg Friedrich Heinrich keineswegs so ergeben war, wie er es Moritz gewesen, so begannen Schmeicheleien und Geschenke bei ihm zu wirken; er wurde katholisch und nahm von Richelieu eine große Pension an. 94 Seine Frau aber warnte selbst bei einem Besuche in Holland den Prinzen und die Prinzessin von Oranien vor den Intriguen ihres Mannes, ohne sie präzisieren zu können; sie fand keinen Glauben. Bei dieser Gelegenheit spricht der Burggraf Friedrich zu Dohna von Amaliens Autorität am Hofe; hören wir ihm zu *•): „Der mächtige Einfluß, den die Prinzessin auf den Geist dieses großen Fürsten [ihres Gemahls] übte, zog die Wünsche und dieYerehrung der ganzen Weltauf sie. Nicht nur die Militärs und die Direktoren des Staates, sondern auch die fremden Minister fädelten kein wichtiges Geschäft ein, ohne zuvor bei dieser Fürstin, die so ungemein gewandt war, das Orakel befragt zu haben; sie behandelte die Geister mit Geschicklichkeit und regelte alle ihre Schritte zur großen Erleichterung ihres Mannes. Sie verlangte Zeit, um die Dinge zu prüfen, teilte sie dem Prinzen mit, und je nachdem sie diesem angenehm waren, riet sie den Antragstellern entweder zum Betreiben oder zum Fallenlassen ihrer Anträge; so enthob sie ihn vieler Last, während sie sich das Vertrauen, die Huldigungen und auch die Tributleistungen der ganzen Erde zuzog. Fast alle Könige, Fürsten und fremden Potentaten, die Kompagnien Indiens, die Städte und die reichen Gesellschaften Hollands schickten ihr Geschenke, die sie offen und mit Anmut ohne Erniedrigung oder Heimlichkeit annahm. So besaß sie binnen kurzer Zeit eine wunderbare Masse massiven Goldgeschirres für alle Lebensbedürfnisse, kostbare Möbel jeder Art, Kabinette, gespickt mit chinesischen Lackwaren, mit Porzellanvasen von außergewöhnlicher Größe, Form und Fülle, Schalen und Behälter von Bernstein, Achat und Bergkristall, verziert mit zahllosen kostbaren Steinen, unter denen ') Memoires usw. (s. oben), Königsberg, 1898. Perlen und Diamanten niemals fehlten. Wir haben selbst nach dem Tode von Gemahl und Sohn gesehen, wie die Botschafter Frankreichs, Spaniens, Englands und der nordischen Könige ihre Vorzimmer füllten und die Audienz bei ihr geduldig abwarteten . . .“ Valkenburg hatte unterdessen mit Frankreich am 30. November 1627 einen Traktat geschlossen 1 ): er wollte Ludwig XIII. in den Besitz des Fürstentums Orange bringen und sollte dafür 200 000 Livres an Geld wie Ländereien von demselben Werte in der Provence oder dem Dauphine als Grafschaft erhalten; auch sollte er französischer Gouverneur von Orange mit 18 000 Livres Gehalt bleiben. Von diesem Vertrage hörte Friedrich Heinrich und nun beschloß er, dem Verräter zuvorzukommen. Er sandte seine Bäte Verdoes und Montens nach Orange, um Valkenburg zum Rücktritte zu bewegen; dieser hatte von Frankreich noch nicht das ganze Judasgeld erhalten und darum auch die Festung noch nicht überliefert. Die beiden Bäte erzielten nichts, darum schickte Friedrich Heinrich den uns wohlbekannten Jan de Knuyt, Herrn van Vosmaar, seinen Vertrauten, den geschicktesten seiner Räte, im Jahre 1630 an Valkenburg; dieser verweigerte - jedes Übereinkommen, Knuyt drang mit Söldnern in die Stadt ein und Valkenburg ergab sich; Knuyt brachte auch die Festung zur Übergabe und Valkenburg erlag einer Wunde. Knuyt kehrte ruhmbedeckt nach Holland heim, und wurde glänzend belohnt. Friedrich Heinrich ernannte am 22. August 1630 2 ) im Haag den Schwager Amaliens, „Herrn Christoph ’) Het Leven van Frederik Hendrik, Prins van Oranje usw. (Anonym). 1. Teil, S. 396 ff. s’Gravenhage, Ottho und Pieter van Thol, 1737. 2 ) Kopie. Archiv. Schlobitten. 2/33. 4. 96 von Dohna, Baron dieses Ortes,“ zum Gouverneur, Statthalter und Generalkapitän seiner Schlösser, Städte und des Fürstentums Orange von jetzt bis 31. Dezember 1633 mit einem Gehalte von 500 Livres tournois monatlich. Dohna besuchte auf seiner Reise nach Orange in Lyon den Kardinal Richelieu, dem gegenüber er sehr mutig die Interessen Friedrich Heinrichs betonte *), und traf am 5. Oktober mit seinem älteren Bruder Achatius, kurpfälzischen geheimen Rate, in Orange ein; seine Familie folgte ihm 1631. Christoph erwarb sich die volle Zufriedenheit Friedrich Heinrichs und Amaliens, traf vorzügliche Verwaltungsmaßregeln, unterdrückte Mißstimmungen, brachte die Zitadelle mit möglichst geringen Kosten in guten Verteidigungszustand, leitete umsichtig und taktvoll die Beziehungen mit den dem Katholizismus huldigenden Nachbarstaaten, politischen wie religiösen Konflikten ausweichend; in allen Handlungen unterstützte ihn seine edelsinnige und hochbegabte Gemahlin Ursula, Amaliens Schwester; musterhaft erzogen sie ihre zahlreichen Kinder, deren ältestes, Friedrich, schon mit 7 Jahren von den Staaten eine Infanteriekompagnie erhielt. Ursula soll auch zur Verbindung Friedrich Wilhelms von Brandenburg mit ihrer Nichte Louise Henriette von Oranien wesentlich beigetragen haben. In dem am 14. Mai und am 10. September 1633 in der Kirche zu Orange abgehaltenen Gebete für das oranische Paar hieß es 2 ): „Segne, o Gott, die Frau Prinzessin, Du hast sie mit Deiner Gnade geschmückt und mit Deinen Gütern gekrönt, Deine Hand hat sie von den Gefahren befreit wie von einer Wasserflut und hat sie an einen sicheren 0 Memoires du Burgrave et Comte Frederic de Dohna (s. oben). Siehe auch dort die Notiz über den Einzug in Orange. S. VII. 2 ) Kopie. Archiv. Schlobitten. 2/32. 1. Ort geführt, Du hast sie Gnade finden lassen in einem ihren Augen unbekannten Lande und hast ihr nach dem Begehren ihres Herzens gegeben und noch mehr. 0 Gott, der Du denen, welche Dich fürchten, große Dinge tust, gib auch fortan Deine Güter Deiner Magd, daß sie das Haus Deines Dieners durch eine reiche Nachkommenschaft und Deine Kirche durch die Akte ihrer Tugend erbaue.“ Auf Christophs Verwendung hin wiesen „die Konsuln und Gemeinden des Fürstentums Orange“ Amalien eine Gratifikation von 11 500 Livres an, wofür Amalie Christoph mit der Versicherung herzlich dankte, sie werde ihn zum Lohne gern bei ihrem Gemahle protegieren 1 ). Auch ein andres Mal 2 ) dankt Amalie ihrem Schwager für Geld, welches er aus Orange für sie beschafft hatte, sprach ihm ihre und des Prinzen Anerkennung für seine guten Dienste und den Wunsch aus, ihm Gegendienste zu erweisen. Christoph starb am 1. Juli 1637 und Ursula ließ ihm in der von ihm erbauten Kirche zu Orange ein Grabmal aus Marmor errichten. Unter den letzten dreizehn Gouverneuren und Generalkapitänen von Orange war er der Einzige, der eines natürlichen Todes starb. Auf allseitige Bitten der Behörden und der Bevölkerung ernannte Friedrich Heinrich Ursula zu seiner Nachfolgerin und sie führte die Verwaltung ganz in Christophs Geist weiter, ohne die Erziehung ihrer Kinder darum zu vernachlässigen. Ehe Friedrich Heinrich ihr die Herrschaft übertrug, hatte Amalie wohl für sich daran gedacht; Knuyt schrieb 3 ) an letztere am 29. Juli 1637, „das ganze Fürstentum *) Haag, 13. März 1634. Original. Ebenda. Sie nennt Friedrich Heinrich „Monsieur le Prince mon Mary“. Original. Ohne Datum. Ebenda. 3/73. 3. 8 ) Kopie. Archiv. Zerbst. A 7b Nr. 105. Allerhand Sachen, die Provinz Groningen betr. 1640/50. Kl einschmi d t, Amalie von Oranien. 7 Orange solle nach Nachrichten vom dortigen Parlamente Amalien einmütig anflehen, sie möge die Regierung dieses Landes übernehmen,“ welche Bitte er von ganzem Herzen unterstütze. Wir werden von Orange weiter hören. 12. Kapitel. Runs! und Wissenschaft unter Friedrich Heinrich. Poesie, bildende Kunst, Wissenschaft hatten unter Friedrich Heinrich ihre Blütezeit und auch hier stand Amalie jetzt wie nachher als Witwe an führender Stelle; unter dem Glanze ihrer dunklen Augen blühte das geistige Leben in ganz Niederland und die Musen ließen sich gern neben ihrer großen Freundin sehen. Wenzelburger sagt in seiner Geschichte der Niederlande: „Aus dem Füllhorn des Überflusses, strotzend vom Tribut zweier Hemisphären, ergoß sich Wohlstand und Reichtum über den Bürger, dessen Lebensatmosphäre Freiheit und Unabhängigkeit war; Poesie und Kunst sahen auf diesem Boden ihr goldenes Zeitalter, und es ist sicher kein Zufall, daß Rembrandt gerade in dieser Zeit seine unsterblichen Meisterwerke schuf. . .“ Johanna W. A. Naher nimmt dem Deutschen die Feder aus der Hand und fährt also fort*) : „Kauffahrtei und Schiffahrt erreichten den Höhepunkt der Blüte. Überall wurde, nach dem Worte des Dichters Joost van den Yondel, der Ozean von Hollands Flagge beschattet. Bei Duins wurden die Spanier von Tromp geschlagen und auch in beiden Indien war Spanien unsern Seeleuten nicht gewachsen. Die Silberflotte wurde ... im Y aufgebracht. Die Trikolore wurde gehißt in Brasilien, am Hudsonflusse, auf den ') De Vorstinnen van liet Huis van Oranje-Xassan. Haarlem, 1898. 99 Sunda-Inseln und auf den Inseln des chinesischen Meeres: überall, wo A 7 orteile für den Welthandel zu gewinnen waren. Der einmal aufgeweckte Unternehmungsgeist wirkte auf jedem Gebiete "Wunder. Denn mit der Sorge und der Unsicherheit früherer Tage war auch die Selbstbeschränkung vorbei. Die Wohlfahrt, die der blühende Handel über alle Stände ausgebreitet hatte, das stolze Gefühl von Sicherheit, von selbstbewußter Kraft, durch die Siege zu Land und zur See geweckt, erhöhte das Bedürfnis an Lebensgenuß, entwickelte den Geschmack für Luxus, äußerte sich im Sinn für Kunst und Wissenschaft. Friedrich Heinrichs Administration sah für die holländische Literatur und für die holländische Malerschule das goldene Zeitalter anbrechen.“ Friedrich Heinrich, der sich selbst gern malen ließ, liebte die Künste außerordentlich, ebenso dachte Amalie; die Schlösser und Lustschlösser in Honslardyk Ryswijk und Buren wurden mit Gemälden und Statuen geschmückt. Huygens machte seinen Herrn auf das Talent Bembrandts aufmerksam, der 1632 Huygens’ Bruder Moritz gemalt hatte, und vermittelte den Yer- kehr zwischen dem Prinzen und den Künstlern der flämischen und holländischen Schule'). Bembrandt malte für „Seine prinzliche Exzellenz“ 1633 zwei kleine Bilder, Kreuzerhöhung und Kreuzabnahme Christi, und 1636—1639 eine Grablegung, eine Auferstehung und eine Himmelfahrt Christi; wegen der Bezahlung wechselte er eine Anzahl Briefe mit Huygens, der ihm die Summe schließlich übermittelte; mau machte ihm an seiner mäßigen Forderung noch große Abzüge, die er sich ruhig gefallen ließ, da ihm jede Habgier und jede Über- *) Künstler!) riefe. Übersetzt mul erläutert von Ernst Guhl. Zweite umgearbeitete und sehr vermehrte Auflage von Adolf Kosenberg. Berlin, 1880. 7 * 100 hebung fehlte; die sechs Passionsbilder gingen später in die Düsseldorfer Galerie über und sind jetzt in der Münchener alten Pinakothek 1 ). Für die Vermittelung der Zahlung schenkte Rembrandt im Januar 1630 Huygens ein Riesenbild, wahrscheinlich die Blendung Simsons, jetzt in der Schönborn-Galerie zu Wien. Neben dem Stadtschlosse im Nord-Ende begann Friedrich Heinrich den Bau des Lustschlosses Huis ten Bosch hei dem Haag; vor seiner Yollendung starb er. Seine Witwe beschloß nun den Hauptsaal zu seinem Gedächtnisse auszugestalten und verfügte schon im April 1647 den Bau der großen Kuppel über dem Empfangssaale; unterstützt von Konstantin Huygens, schaute sie sich nach Künstlern um, welche die weiten Felder der Kuppel mit Allegorien von Taten aus dem Leben des Verklärten bemalen sollten, und Jakob van Campen, der bekannte Erbauer des Amsterdamer Rathauses, entwarf die Pläne. Huis ten Bosch wurde ein Muster des überladenen, etwas schwerfälligen Baustils der Periode und Amaliens Name ist mit dieser Schöpfung auf ewig verschmolzen. Durch kein anderes Faktum ist sie noch heute so allbekannt wie durch dies Landhaus mit dem Oranjezaal. Der Mittelbau ist in weißen, die andern Teile in den landesüblichen braunroten Steinen aufgeführt. In der Mitte des von einem schönen Parke umgebenen Baues erhebt sich der zwei Stockwerke hohe achteckige Saal, von oben durch die Kuppel und von den Seiten beleuchtet,, die Wände sind an fünfzehn Meter hoch. Kolossal- Allegorien bringen Friedrich Heinrichs Leben zum Ausdruck und darum nennt Schnaase 2 ) den Oranjezaal „ein *) Wilhelm Bode, Studien zur Geschichte der holländischen Malerei. Braunschweig 1883. 2 ) Karl Schnaase, Niederländische Briefe. Stuttgart und Tübingen 1834. — 101 — Luxembourg im Kleinen“ (im Yergleicli mit Rubens’ Bildern von Maria von Medici im Luxembourg zu Paris). Trotzdem Iluygens, Campen und Iiontliorst sie vielfach berieten, gab Amalie dem Ganzen den leitenden Gedanken; Friedrich Heinrich sollte als Held und Überwinder aller Feinde dargestellt werden, er besiegte Laster, Krankheiten, Leiden wie Lande und Yölker, er verschaffte der Republik die europäische Anerkennung ihrer Freiheit im westfälischen Frieden. Waren die Maler ohnehin eifrig, den beliebten Prinzen zu feiern, so trieb Amalie sie immer zu noch rascherer Arbeit an, sie konnte ihre Ungeduld kaum zügeln, bis das Ehrendenkmal ihres Gemahls fertig war, und dies muß manche Flüchtigkeit an den ungeheuren Gestalten, den Werken kurzer Jahre, entschuldigen. Pallas und Herkules stoßen die Türen auf, damit der Friedensengel eintreten könne; derselbe erscheint auch auf des Prinzen Bild, das ihn etwas verlegen und nüchtern darstellt. Die Hauptmomente aus des Prinzen Leben sind in großen Allegorien geschildert und Amalie hat mit den Künstlern die Entwürfe bis ins Detail geprüft. Jakob Jordaens ist der größte unter ihnen, den Rubensschülern, gewesen; von ihm ist das Hauptbild, der Triumph Friedrich Heinrichs; die andern Bilder sind von Gerhard van Honthorst, Cäsar van Ever- dingen, van Thulden, Zoutman, de Bray, Grebber und Lievens. Genaue Pläne des imposanten Raumes gibt das Louise Henriette von Brandenburg gewidmete Werk des oranischen Architekten P. Post „De Sael van Orange“, (Haag 1655) 1 ). In der Kuppel ist auch Amaliens Bild, im Witwenkleide, auf ihre Schöpfung zaai. ’) D. Teegens, Historische Studien. De sticliting' der Oranje- niederschauend, einen Totenkopf in Händen; etwas tiefer steht die von Iluygens verfaßte Inschrift: Fred. Henric. Princ. Araus. ipsum sese unicurn ipso dignum lnctus et amoris aeterni Mon. Amalia de Solms vidua inconsolabilis mariti incomparabili. Wie ich oben erwähnte, ergriff Amalie den Künstlern ihres Petit Luxembourg gegenüber oft die Initiative und so spricht ihr Stolz aus manchem Zuge in der Ruhmeshalle ihres Gatten. Anstatt einer Huldigung der von ihm eroberten Städte an Friedrich Heinrich, die ein Bild darstellen sollte, entschied sie für die Darbringung der survivance in der Statthalterwürde an ihren fünfjährigen Sohn, denn daß die Staaten die Erblichkeit der Statthalterwürde im Jahre 1630 diesem zugesprochen hatten, war für die ehrgeizige Fürstin, die sich einer Königin gleich stellte, ein Triumph, der viele Städte aufwog. Mit welchem Spotte mögen die schwarzen Augen der Solmserin auf den Friedenskongreß hernieder geblickt haben, der die Mächte unsrer Zeit im Oranje-Saale vereinigte; die Bekennerin des Erfolges, die Realpolitikerin kühlster Observanz, hätte gewiß keinen Sinn für die Betrachtungen gehabt, welche der am 18. Mai 1899 eröffnete Weltfriedenskongreß anstellte und die trotz aller edlen Absichten des Zaren Nikolaus II., eines Nachkommen von Amalie, mit einer Niete endeten, wie vorauszusehen war. Für die Oranier war ja auch Krieg weit wertvoller als Frieden; im Kriege waren sie die natürlichen Führer der Nation, in faulen Friedenszeiten trat ihr Ansehen hinter dem Gelde der Großkaufleute in den Schatten; die Geldsäcke brauchten den Frieden, um die Aristokratie zu spielen, Oranien und die Demokratie unter seiner Führung brauchten Krieg! 103 Die Zeit Friedrich Heinrichs war nicht nur ein Glanzpunkt in der Kunst, sondern auch in der Poesie und auf dem weiten Boden der Wissenschaft. Joost van den Yondel begrüßte den Statthalter mit seinem lebenswarmen „Prinzenlied“, schuf „Palamedes“ und „Gysbrecht“ und besang des Prinzen Siege, mit noch offenkundigerem Jubel den westfälischen Frieden, den er im idyllischen Festspiele „Die Leeuwendalers“ feierte. Als Stadtpoet des gewaltigen Amsterdam erstieg Yondel dann die Höhe, unsterblich als Lyriker, mittelmäßig als Dramatiker 1 ). Einen mächtigen Einfluß auf die jungen Dichter übte der Tacitus Hollands, Pieter Cor- nelisz van Ilooft, der seine Historien 1642 Friedrich Heinrich, einem seiner Bewunderer, widmete; in seinem Hause zu Muiden versammelte sich ein Kreis Künstler und Gelehrter. Yon Huygens sprach ich schon, und in Jakob Cats liebte die Kation jahrhundertelang den christlichen Yolksdichter von großer Derbheit, dessen Werke sie gern neben die Bibel stellte; sein Haus in Zorgvliet war sein Tusculum nach dem Rücktritte (1652) von der recht mäßig ausgefüllten Stellung als Ratspensionär von Holland 2 ). Universitäten und Akademien wurden in Provinz und Stadt gegründet; die Wissenschaft strömte befruchtend von den Städten über das flache Land und die Kamen eines Hugo Grotius, Cartesius, Spinoza, Yoe- tius, Coccejus flogen durch die Welt. *j Alexander Baumgartner, S. J. Joost vau den Yondel, sein Leben und seine Werke. Bin Bild aus der Niederländischen Literaturgeschichte. Freiburg i. Br. 1882. 2 ) W. J. A. Jouckbloet, Geschichte der Niederländischen Literatur. Verdeutscht von Wilhelm Berg. 2. Bd. Leipzig 1872. II. Abschnitt. Amalie und Wilhelm 11. 1. Kapitel. Wilhelms Anfänge. a ls Friedrich Heinrich starb, war sein Sohn noch nicht 21 Jahre alt. iS T ach hergebrachter Sitte gab er durch Jan de Knuyt den Staaten von Seeland die Kommission des Yaters zurück 1 ), sie aber protestierten sofort dagegen und die Gieneralstaaten sprachen ihm neben ihrer Kondolenz die Bitte aus, die väterlichen Kommissionen als Generalkapitän und Generaladmiral anzunehmen; er tat es und schwur noch am 14. März den Eid. Am 15. empfing er die Kondolenz sämtlicher Behörden, die Staaten von Holland ernannten ihn zu ihrem Statthalter, die Adeligen dieses Staates zu ihrem Ersten, und er erbat sich für letzteres Anerbieten bei ihnen Bedenkzeit. Nach Orange schickte er einen Hofherrn, um die Huldigung des Fürstentums für ihn entgegen zu nehmen. Der Sohn der Gräfin Ursula zu Dohna, die dort gouvernierte, Graf Friedrich, hatte Friedrich Heinrich nach Delft zur Ruhe begleitet 2 ) und war durch den Todesfall um die ihm zugedachte Stel- Zerbst. Archiv. A 7 b. Nr. 114. Memoires clepuis la mort de Monseigneur mon Pere qui ariva le 14. de Mars 1647 au matin a 4 heure et demi. (Von Fürstin Henriette Katharina zu Anhalt- Dessau.) 2 ) Vergl. seine Memoires. S. XIX. ,^'v TJ 1?*n Sin iml 5 ä m Wilhelm TT. Prinz von Oranien A. v. Dyck Eremitage in St. Petersburg Zu Seite 104 ■ttvy «y.»? &V35S IUI mm üitü *£Mm mwmm wmm w iÄl &$&&»' ÄÄ* 105 lung seines Kammerherrn (gentilhomme de la cliambre) gekommen; als er seiner Tante Amalie kondolierte, sagte sie ihm: „Ihr habt allen Grund, diesen Fürsten zu beklagen, er hatte viel Zuneigung zu Euch und war entschlossen, Euch zu den höchsten Würden im Staate zu erheben.“ Mazarin gab Servien den Auftrag, Wilhelm recht oft klar zu machen, daß er nur von Frankreich zu fürchten oder zu hoffen habe; helfe ihm Frankreich, so werde niemand es wagen, ihn anzugreifen, er aber werde in den Vereinigten Provinzen über alles verfügen, ohne irgend einem Hindernisse zu begegnen; ja, Servien sollte dem ehrgeizigen Jünglinge gelegentlich einfließen lassen, es könnten Konjunkturen ein treten, die ihn unter dem Schutze Ihrer Majestäten „zu einer ganz andern Höhe als der seiner Vorgänger“ erheben würden 1 ). Es war für Frankreich ungewöhnlich viel wert, daß sich Wilhelm schroff gegen Spanien stellte, und der Botschafter d’Estrades baute 2 ) auf sein Gelöbnis vom letzten Jahre, „er werde, sobald er an der Macht sei, den seinem Hause von Spanien angebotenen Vorteilen entsagen und Knuyt davonjagen.“ Mazarin war jedoch nicht so leicht befriedigt; Wilhelm war ihm nicht durchgreifend genug gegen die Staaten von Holland, gegen seine Mutter und gegen Knuyt; er ging ihm zu langsam, „nur mit einem Fuße“, während er doch, Frankreich im Rücken, etwas wagen durfte 3 ). Amalie hatte oft Konferenzen mit Männern der antioranischen Partei wie Bicker 4 ). Servien traute dem Prinzen gar nicht, denn seine Räte blieben Knuyt und andre Feinde Frankreichs; entweder ’) Mazarin an Sennen, Paris, 5. April 1647. Groen. 2 ) Brief an Ungenannt, 18. April. Ebenda. 3 ) Mazarin au Servien, 19. und 26. April. Ebenda. 4 ) Servien an Brienne, 1. April. Ebenda. 106 schätzten sie seine Mutter höher als ihn oder es war ihm direkt um die Fortsetzung des Krieges zu tun. Und wie wenig war Amalien zu trauen, wenn sie auch jetzt für den Frieden zum Vorteile Frankreichs sprach 1 )! Sie betonte Servien gegenüber ihre Verehrung und Dankbarkeit für den Königshof und für Mazarin, aber das war die Wirkung augenblicklicher Stimmung; sie hatte sich zu sehr ins spanische Netz verstrickt, in diesem hielten sie zu mächtige Bande. „Um ihren Kredit zu bewahren,“ so schreibt Servien, „ist sie im Bunde mit den Schlechtgesinnten Hollands, welche noch die Herren der Provinz sind, und um ihre Habsucht zu befriedigen, hat sie, glaube ich, die Anerbietungen der Spanier angenommen, was es ihr schwer macht, sich für Frankreich zu erklären, obwohl sie große Leidenschaft dafür hat, daß alles klappe. Nebenbei kann ich Eurer Eminenz sagen, daß sie, als ihre Vertrauten ihr vorstellten, sie könne ebenso vorteilhaft und noch ehrenvoller ihre Rechnung bei Frankreich als bei den Spaniern finden, antwortete, den Franzosen stehe es frei zu versprechen, sie legten aber wenig Wert darauf, ihre Versprechungen zu halten. Ich sehe wohl, daß das Angebot eines Herzogtums mit der Pairie, von dem ich ihr früher sagen ließ, sie etwas gelockt hat, und daß sie es gern wieder aufs Tapet gebracht sehen möchte; sie fürchtet aber, daß, sobald man sie dahin gebracht habe, auf das zu verzichten, was ihr die Spanier versprochen haben, man sich über sie lustig mache, und daß sie auf diese Weise das Gewisse für das Ungewisse preisgebe. Herr Desloges, Vetter des Herrn Premierministers, der bei ihr Kredit und leichten Zutritt hat, tut Wunder, um den Dienst des Königs zu fördern . . .“ ') Servien an Mazarin, 16. und 23. April 1647. Groen. Sieht man nicht deutlich das gegenseitige Mißtrauen? Amalie mißtraut Frankreich und möchte den Rückhalt an Spanien nicht verlieren; Frankreich mißtraut ihr und möchte ihren Sohn in die Tasche schieben! Wie Amalien mißtraute Servien auch Knuyt und Pamv, als sie Sympathien für Frankreich kundgaben, doch hätte er ihre Bekehrung gern gesehen; gegen Amalie sprach er sich sehr offen aus. „Eure Eminenz,“ so schreibt er dem Kardinale, „wird nicht wenig erstaunt sein, zu erfahren, daß die Frau Prinzessin von Oranien mir als eine Einigungsbedingung mit hiesigem Staate vorschlagen ließ, demselben Dünkirchen zu überliefern. Ich konnte nicht umhin, mich über eine so lächerliche Forderung etwas aufzuregen; ich antwortete, man täusche sich sehr, wenn man sich einbilde, wir wären gesonnen, die Treue unsrer Alliierten zu erkaufen, nicht nur nicht mit Dünkirchen, sondern auch nicht mit der kleinsten Redoute der in des Königs Hand befindlichen Plätze, und sollte man bisher wegen der Garantie keine Schwierigkeit gemacht haben, um uns zu einem solchen Handel zu vermögen, so wären wir weit davon entfernt, denn die Garantie sei eine für hiesigen Staat notwendigere Vorsichtsmaßregel als für uns, es stehe schlecht an, sie uns verkaufen zu wollen, und wir hielten den Kaufpreis für zu teuer, wenn wir uns in alle Interessen dieses Staates engagierten . . . Seit der Rückkehr des Herrn Deschamps [eines Anhängers von Amalie] finde ich die Frau Prinzessin von Oranien viel besser gesinnt; sie bekennt sich zu unserm Abkommen, sowohl betreffs der Garantie als des spanischen Vertrages. Koch kann ich nicht beurteilen, was dabei herauskommen wird, denn ihr Sinn ist so mißtrauisch und so präokkupiert, daß man sich gar nicht darauf verlassen kann; nichtsdestoweniger bezeugt sie große Passion, daß alles zur Zufriedenheit TCty’’ 1 ti/— “*'f ; ■< — 108 — Frankreichs ende; ich werde es an keiner Mühe und an keiner Verheißung fehlen lassen, um sie zum Handeln zu bringen, da ich gewiß bin, sie hat bei der uns feindlichen Partei Kredit.“ Stand Wilhelm II. in offenem Konflikte mit der Provinz Holland, der einflußreichsten von allen Provinzen, so schien Amalie „alle Leidenschaften Hollands blind zu teilen“, ohne darauf zu achten, daß diese mehr den Ruin ihres Sohnes erstrebten, als daß sie Frankreichs Politik schadeten. „Nicht etwa, daß sie nicht heiß den Ruhm wünsche, Frieden machen zu sehen und dazu durch ihre Vermittlung beizutragen: sie möchte aber gern, daß es auch den Anschein habe, als sei sie mächtig genug, um Übles zu tun, und aus diesem Grunde ist sie in letzter Linie geärgert, wenn die Dinge sich nicht nach ihrem Verlangen abspielen ü“ Mit ihrem Sohne stand sie sehr schlecht und Servien schrieb darüber dem Kardinale 2 ): „Er ist sichtlich verdrossen über ein Testament, dessen Fassung er ihrer Anstiftung zuschreibt, wodurch sein seliger Herr Vater seine ganze Habe seiner ältesten Tochter für den Fall des kinderlosen Hintritts seines Sohnes substituiert hat 3 ); dies würde ihm die Freiheit nehmen, über irgendetwas zu disponieren, sogar die Schulden zu bezahlen und andern Affären, womit er sein Haus beschwert fand, abhelfen zu können. Es ist sehr zu fürchten, daß der Ehrgeiz, die Habsucht und der hochmütige Sinn dieser Frau obendrein große Zwistigkeiten und viel Nachteil für die Stellung ihres Sohnes hervorrufen. Denn sicherlich würden manche es nicht wagen, sich so kühn gegen ') Servien an Mazarin, 30. April 1647. Groen. *) 14. Mai 1647. Ebenda. 3 ) s. S. 84. 109 ihn zu erklären, wenn sie nicht die Mutter auf ihrer Seite zu haben glaubten. Ich bezweifle nicht, daß sie heimlich zu den Schwierigkeiten beigetragen hat, welche der Ausfertigung der Vollmacht als Gouverneur von Holland bis jetzt entgegen standen, die besagter Herr Prinz noch nicht hat: so hält man ihn am Zügel und bringt ihn leichter zum Frieden. Ich bezweifle auch nicht, daß sie, um die ihr von den Spaniern gemachten Versprechungen wirksam zu erhalten, mit all ihrer Macht dahin arbeitet, um den Frieden in gleichviel welcher Weise abschließen zu lassen und um die Bewilligung der Garantie zu verhindern: es sind dies vielleicht zwei von ihr eingegangene Bedingungen, um die ihr in Aussicht gestellte Summe zu gewännen. Und doch unterläßt sie es nicht, mir ihre unverbrüchliche Neigung zum Dienste Ihrer Majestäten großartig zu versichern. Alle, welche vertraulicher mit ihr sprechen, beteuern mir täglich, sie fänden sie seit Deschamps’ Rückkehr sehr verändert und sie lasse eine sehr große Befürchtung durchblicken, zwischen Frankreich und dem hiesigen Staate könne Mißstimmung eintreten. Ich stelle mich, als glaubte ich dem, w r as sie mir sagt, aber ich sehe in ihrem Benehmen nichts Freimütiges, außer ihren unaufhörlichen Prophezeiungen von dem Elend, w r as eintreten könne; diese brachten mich dazu, ihr lachend zu antworten, es sei sehr leicht, Mißstände vorauszusagen, wenn man zu ihrer Entstehung beitrage, und wir würden ihr sehr viel mehr Dank wissen, wenn sie auf deren Abwendung hinarbeitete oder uns die Mittel zu unserm Schutze dagegen lieferte.“ Von besonderer Wichtigkeit ist ein weiterer Brief Serviens an Mazarin x ): ‘) Haag, 27. Mai 1647. Groen. 110 „Monseigneur! Als ich die Dinge im besten Gange und auf dem Punkte, vorteilhaft zu Ende zu kommen, glaubte, brachte ein widriger Zwischenfall sie in Verwirrung. Vor langer Zeit ließ ich Eure Eminenz wissen, daß die verschiedenen Gesinnungen des Herrn Prinzen von Oranien und seiner Frau Mutter der Verhandlung, mit der ich beauftragt bin, große und gewichtige Hindernisse bereiten würden. Sie treten immer in Sicht, aber ihre Stimmungen sind so verschieden und ihre Pläne so entgegengesetzt, daß, je heißer die Mutter um jeden beliebigen Preis den Frieden wünscht, destomehr der Sohn ihn fürchtet und die Fortsetzung des Krieges leidenschaftlich verlangt. Einerseits denken die Mutter und die von ihrer Partei daran, sich von Frankreich zu trennen, auf die falsche Voraussetzung hin, wir wollten keinen Frieden, anderseits kreuzen der Sohn und seine Anhänger heimlich den Abschluß der Garantie und alles, was den Generalvertrag fördern kann, derart, daß er sich vor zwei Tagen nicht enthalten konnte, mir zu sagen, er wisse nicht, warum ich so auf den Abschluß der Garantie drängte; denn, wenn sie einmal bewilligt sei und wir dann auch nur etwas zögerten, mit Spanien Frieden zu machen, könne der hiesige Staat sich berechtigt halten, ihn ohne uns abzuschließen; und ein andres Mal, als ich ihm vorredete, er möge sich zum Frieden auf einige Jahre bequemen, sagte er lachend, wenn diese Republik Frieden gemacht haben würde, wäre sie verloren. Ich kannte ja längst diese Verschiedenheit der Ansichten und die geheime Eifersucht zwischen Mutter und Sohn, aber, obwohl ich bei dem Sohne oft die Rede darauf brachte und ihm gar manchmal alles mitgeteilt habe, was ich mit seiner Mutter verhandelte, so hatte er mir niemals Anlaß gegeben, ihn für schlecht zu halten, und ich durfte 111 im Gegenteil glauben, daß sie über das, was ich Beiden sagte, sich zusammen besprächen, was mich stets genötigt hatte, Beiden gegenüber in großer Reserve zu bleiben. Vor einigen Tagen nun schlug man mir von seiten der Herren Staaten vor, man solle, um die über den Garantievertrag sich erhebenden Differenzen zu beendigen, sich dem Urteile der Frau Prinzessin von Oranien hierin unterziehen. Ich erachtete anfangs diesen Vorschlag für um so gefährlicher, als der, welcher ihn machte, mir gestand, derselbe stamme von der Frau Prinzessin von Oranien selbst, welche, um sich beiden Parteien wertvoll zu machen, die Übertragung dieser Ehre an sie außerordentlich wünsche. Ich bat denjenigen, der mir diese Eröffnung machte, um Bedenkzeit bis zum folgenden Tage, um mit allen hiesigen Dienern des Königs darüber beraten zu können. Je mehr ich iiberelgte, desto mehr Unzuträglichkeiten fand ich dabei. Wenn man den Schiedsspruch dieser Fürstin, den sie leidenschaftlich begehrte, völlig zurückwiese, würde dies sie beleidigen und ihr Anlaß geben, überall zu sagen, wie sie es sonst schon getan hat, wir wollten keinen Frieden, und ihren Kredit offen gegen uns einzusetzen, um den hiesigen Staat, der alsdann seine letzten Erwägungen für die Negotiation in Münster machte, dahin zu bringen, mit Spanien separat zu unterhandeln; derart alle Interessen des Königs der Gnade und Ungnade einer verdächtigen und bei der feindlichen Partei offenkundig interessierten Persönlichkeit zu übergeben, ohne Befehl oder Erlaubnis von Ihren Majestäten dazu zu haben, glaubte ich nicht tun zu können und auch nicht zu dürfen, bevor ich nicht alle möglichen Vorsichtsmaßregeln ergriffen hätte. Nachdem ich alle diese Schwierigkeiten wohl erwogen, ließ ich deshalb der Frau Prinzessin von Oranien durch ihren Abgesandten sagen, 112 ich wollte ihr gewiß gern diese Ergebenheit beweisen, doch könnte ein Minister bei seinen begrenzten Befehlen nichts über seine Vollmacht hinaus tun; bis jetzt sei nie die Rede von der Befragung von Schiedsrichtern über diese Differenz gewesen und so könne ich nicht zustimmen.“ Servien ließ es aber hierbei nicht bewenden; er erklärte Amalie, er wolle ihr auf eigene Gefahr hin doch dienen, wenn sie sich seinen Bedingungen füge. Hierzu war sie bereit. Sie erklärte nun aller Welt, Servien habe ihr die absolute Entscheidung überlassen, ließ die Führer der holländischen Staaten holen, teilte ihnen, was ihr gut dünkte, von Serviens Verhandlung mit ihr mit und erreichte ihre Zustimmung. Siegesstolz empfing sie Servien tags darauf. Hören wir das Gespräch der beiden Diplomaten. Sie erklärte ihm, unter großer Freude, sie sei absolute Herrin der Frage, die Herren Staaten hätten ihr das Urteil darin ohne jede Bedingung überlassen. Er aber ließ sich nicht blenden; als sie seine Zustimmung erhoffte, hielt er wieder zurück und betonte seine verantwortliche Stellung; immer wieder kam sie mit Beteuerungen und beschwerte sich über sein Mißtrauen; er aber sagte ihr bei aller Galanterie ganz trocken, allgemeine Redensarten verpflichteten zu nichts, er müsse ihren Schiedsspruch ganz und voll kennen, ehe er einen Weg mit ihr gehen könne. Rach fünfmonatlichen Verhandlungen wollte er doch etwas Besseres nach Versailles berichten als die Übernahme der Schiedsrichterstelle durch Amalie. Die so freundlich begonnene Audienz endete unter Amaliens heftigsten Vorwürfen gegen Servien. Er schreibt: „Nachdem sie mir gesagt, ich behandele sie mit großer Geringschätzung, fügte sie hundert unverbindliche Dinge hin- zu; eines der geringsten davon war, es erhelle ganz klar, daß wir keinen Frieden wünschten, sie wolle allen ihren Freunden zu wissen geben, daß wir sie und diese getäuscht, und es sei wohl begründet, wenn jedermann Eure Eminenz und mich anschuldige, wir allein hielten die Christenheit im Gewirre. Ich sah mich zu erwidern genötigt, es gebe keine Gutdenkenden, die diese Meinung hätten, ich selbst sei nur ein untergeordneter Minister und suche keinen andern Ruhm, als die treue Erfüllung der Befehle der Königin, die mir die Ehre erweise, mit meinen Diensten zufrieden zu sein; Eure Eminenz aber verdiene keine derartige Behandlung, das sei ein schlechter Lohn für Ihre unablässigen Bemühungen zur Beförderung des Friedens, für den meines Wissens niemand so viel gearbeitet habe wie Eure Eminenz; und ich hätte diese Reden nicht aus dem Munde einer Person erwartet, der Eure Eminenz Ihre Ehrfurcht und Dienstwilligkeit so sehr bewiesen haben. All dies verhinderte nicht, daß der Zorn ihren Augen Tränen entlockte, was mich auf die Meinung brachte, ihr Mißvergnügen rühre ohne Zweifel anderswo her als von dem zwischen uns Erlebten, was doch keinen so großen Zorn verdiente. Ich gab mir alle erdenkliche Mühe, sie zu beruhigen, damit sie nicht alle die schlechten Dienste, die sie mir angedroht hatte, erweise. Ich gab ihr zu verstehen, es habe keine Änderung weder in meinem Benehmen noch in meinen Reden stattgefunden und, da die auftretenden Schwierigkeiten nicht von mir ausgingen, sei es nicht gerecht, sie mir in die Schuhe zu schieben. Sie gab sich den Anschein, beschwichtigt zu sein, und wir trennten uns leidlich, aber noch an demselben Tage ließ sie durch ihre Vertrauten verbreiten, ich habe sie betrogen und man müsse sich nicht auf die Franzosen verlassen . . .“ Kleinsclimidt, Amalie von Oranien. 8 114 Gleichzeitig hatte Servien mit dem Prinzen Wilhelm zu kämpfen, der „außerordentlich gereizt darüber war, daß man ihn zum Lohne dafür, daß er sich Frankreichs Interesse bis zur Yerfeindung mit Holland angeschlossen habe, jetzt entehren und als Null behandeln wolle“. Wilhelm drohte, sich nicht mehr um die Geschäfte bekümmern zu wollen, die dann wohl rasch ins spanische Fahrwasser trieben, doch gelang es Servien, ihn zu beruhigen, „und die Freude leuchtete von AYilhelms Antlitz,“ als er erfuhr, daß es mit der Schiedsrichterei seiner Mutter nichts sei. Servien sah, daß Wilhelm durchaus die Fortsetzung des Krieges wünschte. „Die Mutter,“ so schließt er den langen Brief vom 27. Mai, „ist offen auf der Partei Spaniens engagiert; nichtsdestoweniger möchte sie Frankreich nicht zum erklärten Feinde haben. Darum wollte sie gern, bei aller Begünstigung der Spanier, uns, wenn möglich, nicht offen verstimmen. Sie läßt heimlich gegen uns agieren, sobald man sich nicht an sie wendet, und hat die Macht zu schaden . . . sie übt eine unerträgliche Tyrannei aus und bildet sich ein, wir seien zu glücklich, wenn wir ihre Indifferenz erkauften, denn sie beansprucht ungerechterweise Belohnungen, weil sie von einem Teil der Übel, die sie uns bereiten könnte, Abstand nimmt.“ Servien hatte sich so ausführlich und breit ausgesprochen, um seinem Hofe zu erklären, wie schwer es sei, im Haag vorwärts zu kommen: beständiger Stimmungswechsel, Uneinigkeit unter den Stimmführern, Mißtrauen auf alle Welt, Abneigung der maßgebenden Kreise gegen Frankreich, Wilhelms Kriegslust und last not least Amaliens In- triguen! Und dabei sparte Spanien sein Geld nicht, es bestach und bekehrte seine ärgsten Feinde zu rührigen Freunden. Servien riet, es ebenso zu machen, und zum Beispiel den einflußreichen Bicker nebst seinem Bruder — 115 — zu kaufen *). Der erbitterte Widerstand der mächtigen Staaten von Holland gegen den talentvollen und ehrgeizigen jungen Prinzen von Oranien war für Spanien ein wertvoller Bundesgenosse. Holland suchte die Macht des Statthalters, die in der letzten Regierung gestiegen war, wieder ganz zu entkräften und Wilhelm zum Frieden mit Spanien zu zwingen, umsomehr, da ihn die Erbeutung kriegerischen Lorbeers zu bedenklicher Popularität bringen konnte. Als Amalie nach Spa ins Bad ging, wo sich der spanische Bevollmächtigte zum Friedenskongresse, Graf Peneranda, befand, sagte sie, man könnte dies für ein Stelldichein halten, doch liege ihr nichts an diesem Verdachte, ihre Gesundheit sei ihr zu lieb, um sich darum zu genieren; und Servien begrüßte ihre Abreise mit Freude, da sie allein seiner Ansicht nach „im Haag, aus übermäßigem Ehrgeiz und aus Habsucht, seitdem ihr Mann schwach ward, alle Dinge in Verwirrung gebracht habe 2 )“. Am 18. Juli schreibt er an Brienne 3 ) im Anschlüsse an das Zusammentreffen Amaliens mit Peneranda und Castel-Rodriguez in Spa: „Sie legt großen Wert darauf, viel Leute mit sich zu nehmen, um ihren Hofstaat zu vergrößern. Würde die gute Dame mit dem gebührenden Respekte die Absicht ihres seligen Herrn Gemahls und seine steten Bemühungen um die Erhaltung der Union zwischen Frankreich und dem hiesigen Staate in Betracht ziehen und würde sie so viel Neigung zur Befestigung und zu den Interessen ihres Sohnes hegen, wie sie Ehrgier und Habsucht hat, so würden die öffentlichen Angelegenheiten in diesem Lande, in die sie sich mehr als sie sollte einmischt, viel besser stehen. Man glaubt, daß die ') An Mazarin, Haag, 28. Mai 1647. Groen. -) Servien an Brienne, 4. Juli 1647. Groen. 3 ) Ebenda. 8 * Frage wegen der Übertragung des Schiedsrichteramtes ihrer Autorität einen empfindlichen Stoß versetzt hat und daß sie erkennen mußte, daß ihre Unternehmungen ihrem Sohne und dem Staate weniger angenehm seien, als sie sich eingebildet hatte; das hat sie wohl zur Heise (nach Spa) veranlaßt, um einen ehrenvollen Yorwand zu ihrer Entfernung von den Geschäften zu haben und um sich nach ihrer Rückkehr in ihr Haus zurückzuziehen, ehe ein noch größerer Eklat zwischen ihr und ihrem Sohne ein tritt.“ Wilhelm II. hatte gewiß eminente Begabung, vielleicht mehr als jeder zweite Oranier der Geschichte, und an Ruhmliebe und Kriegslust gebrach es ihm nicht, aber er jagte zu sehr eitlen Vergnügungen nach und nützte Frankreichs Interessen wenig. „Wenn er,“ so meinte Servien *), „um seine Autorität zu bewahren, die Hälfte der Mühe aufböte, die seine Mutter aufwendet, um sie ihm zu nehmen und an sich zu ziehen, so würde er alles, was er nur wollte, im Staate tun. Er ist voll von Abneigung und Eifersucht gegen den unternehmenden Geist seiner Mutter, fürchtet sie jedoch und wagt nicht, sie zu verletzen. Sie bereitet ihm gewiß das größte Übel, sie hält zu seinen erklärten Gegnern, die um so dreister sind, da sie ein Mitglied des Hauses, das sie nieder- drücken wollen, für sich haben. Als er neulich die hiesigen Truppen nach Flandern schickte -), spottete sie laut über den Befehlshaber, als er sich bei ihr verabschiedete . . . Die Spanier haben die Prinzessin von Oranien durch ihre großen Versprechungen derart entzückt, daß sie, um ihnen zu gefallen und den Frieden um jeden Preis zu betreiben, kein Bedenken trägt, die ’) An Mazavin, 19. Juni 1647. Groen. ! ) Sie sollten die Grenze sichern. 117 Neigungen ihres Sohnes zu bekämpfen und sein Glück, wenigstens seine Stellung, zu schädigen . . . Diese Frau könnte nicht begeisterter noch offener für die Spanier eintreten, denen sie hier bald durch ihre Geschöpfe, bald selbst als Rat und Leiterin dient . . Knuyt, der ihr völlig ergeben war, erschien den Franzosen besonders bedenklich, sie sahen in ihm „einen Mann ohne Wort, ohne Gesetz, ohne Gewissen“ 1 ), und Mazarin fürchtete Knuyts Ansehen bei Wilhelm, der ihm zu schwach gegen seine Mutter schien 2 ). Wie konnte Wilhelm sonst zugeben, daß alle Yertrüge, die Amalie noch bei Lebzeiten Friedrich Heinrichs zugunsten des Hauses Oranien mit Spanien eingegangen war, Geltung haben sollten, wie konnte er ihnen beipflichten? Gleich darauf aber mußten die Diplomaten wieder bemerken, wie kalt Mutter und Sohn einander gegenüber standen und wie feindlich Amalie und ihre Schwiegertochter Marie gegeneinander waren 3 ). Wir kennen ja den Stolz Amaliens zur Genüge; sie fühlte sich nicht nur als die Tochter eines der ältesten Geschlechter des Reiches, sondern auch als Prinzessin von Oranien, die sich königlichen Frauen gleich dünkte und im Reichtum und Glanze von Gemahl und Sohn den würdig- sten Rahmen eigener Größe sah. Ihre Schwiegertochter, die ihr nie sonderlich sympathisch gewesen sein mochte, Maria Stuart, hatte nun freilich das vor ihr voraus, daß sie die Tochter und Enkelin von Königen war, welche die ältesten Kronen der Welt trugen, und immer wieder zeigte sie, wie sie sich als eine Stuart fühlte. Die Princesse Royale erhob sich oft gegen die Princesse *) La Tlmillerie an Mazarin, 10. Oktober 1047. Groen. ! ) Mazarin an La Thnillerie, 11. Oktober. Ebenda. 3 ) La Thnillerie an Mazarin, 28. Oktober. Ebenda. 118 douairiere und diese unterließ es nicht, sie zu ducken. Das spanische Geld wirkte in den Niederlanden mächtig ein; Wilhelm II. hatte viel zu wenig Autorität, um kräftig einzugreifen, Amalie war trotz aller Versicherungen, die sie Frankreich gab, ganz für Spanien, in der sicheren Erwartung persönlichen Vorteils, und am 30. Januar 1648 erfolgte der von Frankreich befürchtete Separatfriede in Münster zwischen den Vereinigten Provinzen und Spanien. Wilhelm II. war höchst ärgerlich darüber, nicht weniger Frankreich, und erstem tat nochmals alles, was in seiner schwachen Macht stand, den Frieden zu brechen. 2. Kapitel. Der westfälische Frieden. Don Gaspar de Bracamonte y Guzman, Graf von Peneranda, spanischer außerordentlicher Botschafter in Deutschland und erster Bevollmächtigter bei dem Friedenskongresse, hatte mit Jan de Knuyt, Herrn von Alt- und Neu-Vosmaar, dem Vertreter des Adels bei den Staaten von Seeland, außerordentlichem Botschafter und Bevollmächtigten der Generalstaaten bei dem Kongresse, am 8. Januar 1647 ein Abkommen wegen der Prätensionen des Prinzen von Oranien getroffen. Nach Friedrich Heinrichs Tod einigten sich beide Bevollmächtigten dahin, das Abkommen solle in Vollkraft bleiben, doch ergaben sich einige Abänderungen und es kam am 21. Dezember 1647 in Münster zu einem neuen. Der König von Spanien trat, um alle Ansprüche Oraniens zu tilgen, ihm und seinen Nachfolgern Land und Herrschaft Montfort bei Koermonde mit allem Zu- 119 behör ab und versprach sogar, dies Gebiet noch zu erweitern. Es heißt im Vertrage 1 ): „Auch wird der König zugunsten der Frau Prinzessin- Witwe von Oranien, Mutter des besagten Herrn Prinzen von Oranien, geben und abtreten Stadt und Herrschaft Zevenbergen mit allen Rechten, Gerechtsamen und Einkünften, die daran hängen, ohne Vorbehalt. Ebenso wird er zugunsten besagter Frau Prinzessin-Witwe Land und Herrschaft Turnhout, gelegen in Brabant, mit dem Schloß Bancq von Schoenbrock und allem andern An- und Zugehör, Rechten und Gerechtsamen abtreten und geben, w r obei besagte Seine Majestät verspricht, mit besagtem Land und Herrschaft Turnhout an die verwitwete Frau Prinzessin die Dörfer, Weiler und andern Rechte verabfolgen zu lassen, die von altersher an besagtem Land gehangen und dazu gehört haben, inbegriffen die, welche vordem durch besagte Majestät verkauft und verstückelt worden sind, indem Seine Majestät sich verbindlich macht, sie zurückkaufen zu lassen, und zu diesem Zwecke bis 20 oder 25 000 Gulden zu verwenden.“ Auch versprach König Philipp, alle zufriedenzustellen, die etwa Ansprüche auf besagte drei Herrschaften erheben könnten, und aus den Einkünften nichts zurückzubehalten, sodaß Mutter und Sohn wie ihre Erben sich derselben völlig frei erfreuen sollten; Bedingung dabei war hingegen, daß diese Gebiete alle spanische Lehen blieben und die katholische Religion in ihnen beibehalten werden müßte. Knuyt verzichtete für die Oranier auf alle sonstigen Ansprüche. Die Oranier behielten auch die Markgrafschaft Bergen-op-Zoom in Besitz, traten aber dafür andre Punkte ab. Knuyt, Peneranda und A. Brun, der andre Bevollmächtigte Spaniens, unter- ‘) Kopie in Zerbst. A 7 b. Nr. 132. 120 zeichneten dies alles am 27. (21.) Dezember 1647 in Münster. Man berechnete die Einnahmen aus Montfort auf jährlich 25 000, aus Turnhout auf 12000 Gulden 1 ). Philipp IY. trat nachher unter Hinweis auf die westfälische Friedensakte und auf das Abkommen vom 27. 21. Dezember 1647 Turnhout, Zevenbergen usw. zu Amaliens Privatgunsten ab, worüber eine Akte in Brüssel am 26. Oktober 1649, der eine Ausfertigung im dortigen Finanzbureau am 29. Juli 1651 folgte, erlassen ward 2 ). Durch die Übertragung von Turnhout, Zevenbergen usw. erschien Amalie vor der Welt als von Spanien bestochen; von der mangelhaften Ausführung der Versprechungen an sie werden wir noch hören. Trotz aller Vorteile des westfälischen Friedens für die Republik beruhte derselbe auf illoyaler Basis, denn die lange Gemeinschaft mit Frankreich wurde dadurch gestört, das Versprechen von 1635, keinen Frieden ohne Frankreichs Mitwissen zu schließen, wurde gebrochen. Die Republik hätte, wenn sie korrekt handeln wollte, den Krieg mit Spanien fortsetzen und nur dann Frieden schließen dürfen, wenn Spanien auch mit Frankreich Frieden schloß. Und so hatten Anna wie Mazarin gedacht, als sie im Januar 1648 an Amalie schrieben. Annas Brief lautet 3 ): „Ma cousine. Les lettres du Sr. de la Tuillerie ambass£ur- du roy Monsieur mon fils me tesmoignent toutes en termes si expres, la chaleur que vous faites *) Ein Paket „Allerhand Negotiationes zwischen den französischen und holländischen Abgesandten, den Miinsterschen Frieden betr. 1647/48“ in Zerbst. A 7 b, Nr. 94, enthält nichts weiteres für unsre Arbeit. *) Kopien in Zerbst. A 7 b, Nr. 146. 3 ) Original, mit dem königlichen Wappen schwarz gesiegelt. Zerbst. A 7 b, Nr. 84. BWii /All*, lilaßirtri 121 paroistre pour les insterets de cette couronne dans la crise d’affaire ou nous sommes qui doifc donner la paix generale a la clirestiente — que ie ne serois pas satis- faite si ie ne vous tesmoignois par ces lignes le vif sentiment que i’en ay, et si ie ne vous assurois bien particulierement de la continuation de mon affection et de mon estime, et que l’une et l'autre sont au point que vous-mesme scauriez souhaiter. Continues —■ ie vous coniure — a me favoriser de vostre credit et de vos bons offices dans une rencontre si importante, et soyes assuree que iamais ie n ? en perdray la memoire et qu’il ne tiendra qu’a vous desprouver par tous les effects que vous pouves desirer de moy que ie suis veritable- rnent Paris le x6. janvier Vre bonne cousine 1648. Anne. A ma cousine La Princesse Douairiere d’Orange.“ Und Mazarin schrieb an Amalie r ): „Madame! Je ne serois pas asses bon fran§ois, si apres les tesmoignages que Mr. de la Thuylerie nous rend du zele que Vostre Altesse sait paroistre pour les Interets de cette Couronne, je ne luy donnois quelque marque du ressentiment que j’en ay en mon particulier, bien qu’elle soit peu considerable, apres celle qu’elle recevra du ressentiment de la Keyne. Je ne doute point Madame que le changement qui a commence a se faire a Monster en nostre faveur, dans Tarne de quelques uns des Deputez de Mrs. les Estats, ne soit en partie un effet de l’authorite de V. A. 11 est seulement a desirer que ce changement qui a seulement commence en Tarne de quelqu’un de ces Deputez, s’acheve en Tarne de tous, et ') Original. Zerbst A 7 b, Nr. 105. que le monde ne voye pas ce mauvais exemple, que les Espaignols taschent de faire donner par les Provinces unies des pays bas, de manquement de reconnoissance et de foy envers la France. Personne ne peut Madame plus contribuer que Y. A. a arrester le panchant d’une resolution qui seroit si contraire et aux interets et a la reputation des susdites provinces, et je me persuade quelle qui fait profession de le connoistre, ne s’y espargnera point, et qu’en travaillant pour le bien d’un pays ou eile a son Establissement, Elle voudra encore travailler pour les interets d’un autre pays, ou eile est infiniment consideree. C’est l’opinion que j’ay des sen- timens de Y. A. Les miens seront tousjours de rhonnorer parfaitement et de luy faire paroistre que personne au monde n’est avec plus de respect et de passion que moy, Madame de Y. A. *) tres humble et tres obeissant serviteur le Card. Mazarini. Paris ce 17. janvier 1648. Mad. la Princesse d'Orange.“ Y r ie ganz anders war nun alles gekommen! Man kann sich die Erbitterung des französischen Hofes gegen Amalie denken. Sie aber schob die Schuld von sich ab und wälzte sie den Staaten zu. Mazarin schrieb infolge dessen an La Thuillerie 2 ): „Betreffs der Bede, die Ihnen die Frau Prinzessin von Oranien hielt, hat sie sich vielleicht nicht geirrt, wenn sie sagte, die Herren Staaten hätten mit Abschluß eines Sonderfriedens eine Torheit begangen. Sie konnten ihr aber entgegnen, daß wir eine noch größere begehen ’) Diese Unterschrift eigenhändig. z ) 28. Februar 1648. Groen. würden, wenn wir einen schimpflichen Frieden schlössen,, wo wir in der Lage sind, den Krieg mit Aussicht auf Erfolge fortzuführen, und daß, wenn wir in Dingen nachgegeben haben, auf die wir uns mit Recht steifen konnten, dies weder aus Schwäche noch aus Furcht geschah, sondern weil Ihre Majestäten stets gesonnen waren, der Christenheit die Ruhe wiederzugeben . . . Wenn dann besagte Prinzessin Ihnen gesagt hat, die Spanier ließen den Herrn Prinzen von Oranien sondieren, er möge das Generalat über ihre Heere und die des Kaisers übernehmen, so ist dies ein so grober Kniff, daß Sie sich mit Recht darüber mokieren 1 ). Was hat es denn für einen Anschein, daß diese Herren, die jeden Stein in Bewegung setzen, um mit dem englischen Parlamente eine Defensiv- und Offensivallianz zu schließen, ihre Kräfte in die Hand eines Prinzen legen wollten, dessen Schwiegervater das Parlament in der jedermann bekannten Art behandelt! Daraus können Sie ermessen, daß Sie alle Ursache haben, den Yorspiegelungen zu mißtrauen, welche diese Prinzessin Ihnen macht, und zu glauben, daß das Herz anders denkt als die Zunge spricht.“ La Thuillerie erwiderte am 10. März 2 ): „Ich kann mich nicht genug verwundern, daß die Räte des Herrn Prinzen von Oranien gestatteten, daß ihm durch einen Sondervertrag Geschenke gemacht werden.“ Er meinte, der ganze Nutzen dieses Vertrages liege bei Spanien anstatt bei der Republik; Knuyt und Pauw könnten sich nun gegen den Vorwurf der Bestechung und des Eigennutzes darauf berufen, „man habe ja nichts Böses darin gefunden, daß der Herr Prinz von Oranien separat für sich selbst unterhandelt und daß seine Frau Mutter, ’) Mit Unrecht, denn Spanien machte wirklich ähnliche Anerbietungen. 2 ) Haag. Groen. 124 die nach Rechts wegen nur für ihren Herrn Sohn nehmen und beanspruchen durfte, dabei ihre Rechnung gefunden habe.“ Die französischen Diplomaten blieben voll Mißtrauen gegen Amalie und sahen mit Betrübnis, wie ihr Sohn seine Kräfte in Ausschweifungen vergeudete. Am 5. Juni 1648 wurde der Westfälische Brieden im Haag bekannt gemacht, Freudenfeuer und andre Beweise der Zufriedenheit gaben Zeugnis davon, wie sehr ihn die Nation ersehnt hatte. La Thuillerie und Estrades reisten heim 1 ), und Brasset schrieb an Mazarin 2 ): „Die Frau Prinzessin von Oranien 3 ) hat die Herren Staaten brieflich zum Frieden beglückwünscht. Sie spricht darin den Wunsch aus, das Land möge ebensosehr während der Ruhe gedeihen, wie während des Krieges. Dies bot Einigen Anlaß bei der Yerlesung des Briefes halblaut zu sagen: warum hat sie so sehr auf den Frieden losgearbeitet, wenn sie anerkennt, der Staat gedeihe ebensogut durch den Krieg?“ Amalie sah sich in ihren Hoffnungen auf Spanien bald betrogen, wie uns die Depeschen der französischen Diplomaten zeigen, und näherte sich Frankreich von neuem. Am 24. Oktober schlossen Frankreich und der Kaiser Frieden, die Unruhen der Fronde in Frankreich schienen beendet zu sein und Amalie beglückwünschte Brasset, indem sie abermals betonte, das Glück der Vereinigten Provinzen wie das ihres Hauses hänge von der Wohlfahrt Frankreichs und von der Fortdauer von dessen Freundschaft ab. Ihr Sohn zeigte offen seine Abneigung gegen Spanien, weigerte sich, bei dem Friedensabschlusse Geschenke von dort zu nehmen, und *) Zerbster Archiv. A 7 b, Nr. 114. Memoiren des Prinzen Wilhelm II. von Oranien und andre bezügliche Sachen. 1638/50. 2 ) Haag, 15. Juni. Groen. 3 ) Sie war eben in Cleve. 125 erklärte, niemals werde er verzeihen, daß ein König von Spanien seinen Großvater ermorden ließ 1 ). Mazarin sprach ihm im Juli Frankreichs Dank dafür aus 2 ), daß ihm Wilhelm ermöglichte, aus der Verabschiedung der Truppen der Generalstaaten Nutzen zu ziehen. Spanien intriguierte beständig im Haag, durch einen der geschicktesten Diplomaten, Antoine Brun, vertreten, der sich in lauter Wühlereien gegen Wilhelm II. gefiel. 3. Kapitel. Das Ende Wilhelms 11. Amalie begnügte sich nicht mit der Einmischung in die Beziehungen zu Frankreich und Spanien; durch ihren Schwiegersohn, den großen Kurfürsten, spielte sie auch in Brandenburgs Geschichte mit; sie riet ihm, sich auf guten Fuß mit Dänemark zu stellen und hätte bei seinen Händeln mit Schweden gern die Generalstaaten für ihn gestimmt 3 ). Wilhelm II. brannte nach einem Anlasse, mit Spanien zu brechen, und trat mit Mazarin deswegen in geheime Verbindung; in Brun sah er „einen Teufel, der keinen andern Plan verfolge, als ihn zu ruinieren“. Noch glühender aber wünschte Wilhelm die Wiederherstellung des königlichen Regiments in England. Sein Schwager, der Prinz von Wales, war seit September 1648 sein Gast im Haag, was Wilhelm ungeheure Ausgaben bereitete, und Wilhelm sandte Waffen und Munition nach Schottland. Da erfuhr man im Haag das unerhörte Verbrechen des Königsmordes und die Generalstaaten begrüßten den Prinzen von Wales im ') Brasset an Semen, 5. November 1648. Groen. 2 ) Paris, 24. .Tuli 1648. Original. Zerbst. A 7 b Nr. 93. Staatssachen, Frankreich betr. 1634 50. 3 ) Urkunden mul Aktenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Bd. 4. (s. oben). 126 Februar 1649 als König Karl II., kondolierten auch ihm, Amalien, ihrer Schwiegertochter und der Königin von Böhmen 1 ). In seinem Kondolenzschreiben an Amalie sagte Ludwig XIY. 2 ): „Ich wage Ihnen zu versichern, Madame, daß Ihre Majestäten so viel Achtung und Neigung für den Herrn Prinzen von Oranien haben, daß seine bei dem Unglück Englands mitleidenden Interessen ihnen stets ganz speziell am Herzen liegen werden.“ Hie Staaten von Holland wie die Generalstaaten waren aber keineswegs gesonnen, sich für die verzweifelte Lage des katholischen Stuart-Hauses zu erwärmen, für dasselbe Opfer zu bringen und sich den Haß des großen Oliver Cromwell und des Parlaments zuzuziehen. Letzteres führte eine geradezu feindliche Sprache gegen Wilhelm II., den Schwager des Königs ohne Land, hetzte Spanien und die Fronde gegen die französische Krone und kom- plottierte mit den Aristokraten in der Republik gegen die Oranier; diese konnten auf offene wie auf heimliche Gegenzüge stets gefaßt sein und Lord Goring hielt Amalien das Schreckbild eines Meuchelmords im Haag als Möglichkeit der nächsten Zeit vor 3 ); auch Brasset warnte vor Gefahren. Hie Staaten von Holland unterhielten sogar in London einen besonderen Agenten, Gerhard Sclmep. Zwischen Karl II. und Amaliens Tochter Henriette Katharina entspann sich eine Neigung, die schon länger keimte, und wir haben ein beredtes Zeugnis dafür in einem im Zerbster Archive in drei Exemplaren vorhandenen undatierten Briefe 4 * ). Er lautet: J ) Zerbst. A 7b Nr. 114. J ) 1. März 1649. Paris. Abteilung Holland. 50. a ) Groen. 4 ) A 10 Nr. 94 b Korrespondenz der Fürstin Henriette Katharine als Prinzessin von Oranien mit Verschiedenen, s. a. 127 „Mademoiselle! Jay longtemps balance si ie devois prandre la libertte decrire ä Yotre Altesse pour lavertir dune chosse qui luy importe de scavoir a la fin la passion que iay pour son servisse la enportte sur ma timiditte et iay creu que ie ne devois pas luy cacher que le Eoy dangelettere a ecrit a madame la Princesse sa mere il y a des-ia quelque temps pour scavoir d’elle si eile estoit en estat de recevoir la proposision du mariage de Y. A. avec Sa Maieztte la quelle il luy eut fait faire en suitte dans les form es requise si madame la Princesse leut peu accepter mais comme eile cest excuese de ne povoir recevoir cestte proposision a cause dun engagement qu’elle a avec un autre personne l’affaire na pas peu aller plus loin. cest de quoy ie ne peu nenpeclier de donner advis a Yotre Altesse sil mestoit permis de iondre x ) mes sentimens ie dirois qu’un Roy dangeletere honnet homme comme lest celluy-ci quoy que destorne * 2 ) vaut bien un autre Prince en possession de ces biens. cest a Yotre Altesse a prandre ces mesures comme eile le trouvera a propos soit pour renouer cestt affaire ou pour la laisser en lestat quelle est ie ne doute point quelle ne soit surprise ne cognoisant pas ma main et nayant point de nom a cestte lestre commant iay sceu cestte affaire mais quand eile sora lun et lautre eile n’en sera pas estonne des que la fortune aura randu en party la iustice quelle doit au meritte de Y. A. en luy mettant une courone Roialle sur la testte ie luy ferais connoittre le nom de celuy qui est avec autant de passion que de respect.“ ’) joindre. 2 ) detrone. 128 Das zweite Exemplar dieses Briefes, von andrer Hand geschrieben, deutlicher und orthographisch besser, trägt die Unterschrift „Mademoiselle de Yostre Altesse le tres humble et tres obeisant serviteur“ und die Adresse „A Son Altess Mademoisel La prinsese Henriete d'Orange. A la Ilaye“; es ist mit einem Phantasiewäppchen versehen. Das dritte, auf großem Formate besser geschriebene Exemplar trägt auf der Rückseite die Anmerkung von der Hand einer Enkelin: „Letres du Roy Charl d’Angleter ecrite a la Princesse Douairiere d'Orange Madame ma gran mere.“ Ein entthronter Fürst konnte Amaliens Ehrgeiz kein wünschenswerter Freier für eine ihrer Töchter erscheinen, und so unterblieb die Verbindung, obwohl Karl II. auch später noch in Briefen an Amalie seinem Wunsche Ausdruck gab 1 ). Die Zustände in Holland mißfielen Amalien über die Maßen, alles ging ja gegen ihren Wunsch und sie sagte zu Brasset, sie sei höchlich davon degoutiert, sie sehe nur regellose Konfusion, keine Übereinstimmung und Haltung. Sie klagte über den Undank der Republik für die Wohltaten des Hauses Oranien, Brasset stimmte ihr warm bei und sah mit Freude ihre Abneigung gegen Spanien; im Friedensschlüsse erblickte sie die Wurzel des Übels, im Heile und in der Größe ihres Sohnes allein die eigene Wohlfahrt; von Brun sprach sie mit Mißtrauen, ja mit großer Mißachtung 2 )- Doch wußte *) Kleinschmidt, Episoden aus dem Leben der Mutter des „Alten Dessauers“ in „Mitteilungen des Vereins für Anhalt. Geschichte und Altertumskunde“, Band X, 1. Heft. Dessau 1904. ! ) Brasset an Mazarin, Haag 11. und 18. Januar 1650. Groen. 129 Brasset recht wohl, daß auf ihren wetterwendischen Sinn nicht zu bauen war, und als er erfuhr, daß sie dem schwedischen Gesandten ihre große Neigung zu Spanien ausgesprochen hatte, wunderte ihn dies nicht; er meinte vielmehr: „Wenn ein neuangekommener Fremdling dies sogleich erkennt, wie sollten da diejenigen, die sie alltäglich sehen, kein Urteil haben!“ Wilhelm II. bedurfte der Unterstützung Frankreichs und stand, während die Wirren des Bürgerkrieges dies Land zerfleischten, ganz auf seiten der Krone. Hierfür dankte ihm Mazarin in Briefen vom 3. März und 20. Mai 1649 aus St. Germain-en-Laye und Compiegne 1 ). Ebenso dankte ihm Anna von Oesterreich am 24. März 1650 aus Dijon 2 ). Auch Staatsrat Brasset sprach ihm den Dank Ludwigs XIV. aus, und Ludwig bat Wilhelm, unter neuen Danksagungen für seine Liebe, den Rebellen die Aushebung von Truppen gegen die Krone in der Republik unmöglich zu machen 3 ). Mazarin sandte einen Edelmann an Wilhelm, um ihm seine freundschaftlichen Gesinnungen auszudrücken, und ließ ihm mitteilen, daß der Herzog von Lothringen, für den Wilhelm sich lebhaft interessierte, sich nun mit dem Könige vereinbaren wollte 4 ). Den Mißhelligkeiten zwischen Wilhelm II. und der Opposition folgte schließlich ein offener Krieg. Wilhelm mußte an die Waffen appellieren. Einer der selbstbewußtesten seines großen Hauses, konnte er den >) Mit eigenhändiger Unterschrift. Originale. Zerbst. A. 7 b. Nr. 96. Negotiationen mit Frankreich. 1634/1650. 2 ) Ganz eigenhändig. Original. Ebenda. 3 ) Ludwig an Wilhelm, Paris 4. März und 13. Mai 1650. Originale. Zerbst. A. 7 b. Nr. 93. Staatssachen, Frankreich betr. 1634/1650. J ) Mazarin an Wilhelm, Dijon, 7. April 1650. Original mit eigenhändiger Unterschrift. Ebenda. Kleinschmidt, Amalie von Oranien. 9 130 ruheseligen Geldsäcken von Amsterdam und andern Städten, die ihm das Regieren unmöglich machten, nicht länger zusehen. Amsterdam hatte offenen Trotz gezeigt, Wilhelm hatte sich darüber hei den Staaten von Holland persönlich beklagt und war mit Waffengewalt gegen die mächtige Stadt vorgegangen, im Einvernehmen mit dem Grafen Wilhelm Friedrich von Nassau- Diez und mit seinem Vertrauten Aerssens-Sommelsdyck. Er ließ sechs Mitglieder der Opposition in den Staaten von Holland ergreifen und im Schlosse Loevestein einsperren: das Erscheinen der Truppen vor den Toren genügte, um Amsterdam nachgiebig zu machen. Während seine Feinde aussprengten, er wolle die ganze Verfassung der Republik umstoßen, und das Mißtrauen gegen ihn schürten, schien Wilhelm von seinem leichten Siege befriedigt, entließ seine sechs Gefangenen unter der Bedingung vollen Verzichts auf jede Be- amtung, und Brasset schrieb an Mazarin *), Wilhelm habe durch seinen Meisterstreich in drei Wochen mehr erreicht, als Friedrich Heinrich in seinem ganzen Leben nur zu denken gewagt habe. Man schrieb dem jungen Fürsten weitausgreifende Pläne zu: auf Grund des Bündnisses mit Frankreich Eroberung der südlichen Niederlande, Gründung eines selbständigen belgischen Fürstentums als Basis zur Souveränität auch in den Nordgebieten, Wiederherstellung der Stuarts durch die vereinten Kräfte Frankreichs und der Republik! Sein Verhältnis zur Mutter war immer kühler geworden, die Mutter sah sich von aller Anteilnahme an seinen Plänen und Handlungen ausgeschlossen, was ihrer Ehrsucht schweres Leid bereitete, und bemerkte dabei voll Kummer, wie er in Ausschweifungen seine Kraft frühe ') 24. August 1650. Groen. 131 vergeudete. Zu ihrer Schwiegertochter führte sie kein Band, die beiden Frauen standen sich feindlich gegenüber. Maria sah zum ersten Male Mutterfreuden entgegen, Wilhelm hatte schon im August seiner Befriedigung Ausdruck gegeben, einen Sohn erwarten zu dürfen 1 ). Er gab sich in Dieren, wo er gern weilte, seiner Lieblingsbeschäftigung, der Jagd, mit Leidenschaft hin, war Tag und Nacht im Busche, bis er plötzlich erkrankte. Man brachte ihn auf seiner Yacht über Rhein, Leck und Maas nach dem Haag, wo die Kinderpocken bei ihm ausbrachen. Maria wurde nicht zu ihm gelassen, um sie vor Ansteckung zu bewahren. Wilhelm schien der Krankheit Meister zu werden, da kam ein Rückfall, man rief Amalie herbei, am Sterbebette trafen sich Amalie und Maria. Beider Schmerz war wohl namenlos, als Wilhelm, ihre Hoffnung, am 6. November 1650 nach achttägigem Kranksein abends gegen 9 Uhr starb 2 ). Er war nur 24 Jahre, 5 Monate, 10 Tage alt geworden. Amalie hatte den Sohn nicht mehr lebend angetroffen, der Prediger Stermont war ihr entgegen geeilt, hatte ihr den Ausgang gemeldet und sich unfähig erklärt, sie zu trösten. Da raffte sich die ins Herz Getroffene auf und erwiderte dem Prediger: „So lange ein Gott im Himmel ist, habe ich genug Stoff zum Tröste. Es hat Gott beliebt, das Haus Oranien zu strafen. Bitte ihn, daß es dabei bleiben möge.“ 3 ) Wilhelms frühzeitiger Tod war für die Republik und für Europa von hoher Bedeutung. Clarendon sagt in seiner Geschichte der englischen Revolution, der Hof von Madrid habe seine Freude über das Verschwinden dieses Feindes nicht verbergen können. Es war also ') Brief an einen Ungenannten, Haag, 26. August 1650. Groen. 2 ) Zerbst. A. 7 b. Nr. 129. 3 ) De Voratinnen van bet hnis van Oranje-Nassau (s. oben). 9* recht viel Redensart bei der Kondolenz König Philipps V. an Amalie, die uns im Originale vorliegt und also lautet*): „Madame ma bonne cousine. J’ay appris avec beaucoup de resentiment par les lettres de Monsieur l’Archiduc mon cousin la mort de mon cousin le Prince d’Orange, Vostre fils non seule- ment par la iuste consideration de sa personne: mays aussy pour l’extreme douleur que Yous aura occasione- ce trist accident dont J’ay bien voulu me condouloir avec Yous par ces lignes et par le moyen de mon Ambassadeur Antoine Brun qui Yous les rendra et dira au surplus ce que Je luy ay ordonne en cette occasion et l’asseurance que Yous pouvez avoir de [ma bonne volunte en tout ce qui regardera Yos interest et ceux de Vre. maison, veu que l’estime que Je fais de Vre. personne m’est si considerable que Yous ne la pouvez: souliaitter d’avantage, et cependant Je prie Dieu qu’il luy plaise de Yous consoler et assister de se sainctes graces. Madrid ce 0. de Decembre 1650. Vre. bon cousin Philippe. Grerino. de la TorreV A Madame ma bonne cousine La Princese de Orange Douareire. Für Frankreich bedeutete Wilhelms Tod einen Verlust ersten Ranges, für Mazarin den einer Stütze; der Prätendent Karl II. sah sich des besten Freundes seiner Sache beraubt und bald schlugen sich die Generalstaaten offen auf die Seite der königsmörderischen Republik in England. Holland zeigte unverholen seine ‘) Original. Zerbst. A. 7 b. Nr. 84. 133 Abneigung gegen das Haus Oranien, es wollte keinen Statthalter, keinen General mehr und vergaß die unsterblichen Verdienste der großen Oranier; gern lauschte man den emphatischen Worten des Dichters John Milton, der die Generalstaaten glücklich pries, durch Wilhelms Tod dem Joche der Knechtschaft entgangen zu sein, und die Aristokratie ergriff in Holland das Regiment, weder zum Heile noch zur Sicherheit des Gemeinwesens. Sie triumphierte unbedingt fast unmittelbar nach ihrer schwersten Niederlage und die große Versammlung von 1651 zeigte der Welt den vollen Sieg der Aristokraten. Indem die Statthalterwürde in den meisten Provinzen unbesetzt blieb, war der Nerv der Zentralgewalt zerschnitten, Holland leitete die ganze Republik, geführt durch die großartige Persönlichkeit Johann de Witts. Frankreich war hiermit sehr unzufrieden, einem Mazarin konnte die Zerreißung und Schwächung der alliierten Republik unmöglich behagen, er haßte die dortigen Aristokraten, und die Erhaltung der Union der Staaten bedeutete ein Gebot für seine Politik. Nur im Verein mit einem starken Niederland konnte Frankreich der aufsteigenden Sonne Englands unter Oliver Cromwell ins Auge schauen und England an der Seeherrschaft verhindern. III. Abschnitt. FImalie und Wilhelm III. 1. Kapitel. Die Uormundsehaffsfrage. D em oranischen Hause fehlte seit Wilhelms II. Tod das Haupt, umsomehr als es an Prätendenten nicht fehlte, die es sein wollten. Da waren Amalie und Maria, diese zwei nächstberechtigten so grundverschiedenen Frauen, da war der ehrgeizige Statthalter von Friesland, Wilhelm Friedrich von Kassau-Diez, der auch in Groningen Statthalter geworden war und dem Amalie mißtraute; Sommelsdyck sprach dem Grafen ganz offen aus, daß auch er an seiner Uneigennützigkeit zweifele. Es war naturgemäß, daß der latente Kampf zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter jetzt zum Ausbruche kommen mußte, wo Wilhelm II. seine Frau nicht mehr schützen und den Angriff nicht mehr von ihr abwehren konnte. Amalie klagte laut über die englischen Yellei- täten Marias und ihrer Partei und suchte die Güter ihres Sohnes der Witwe zu entreißen, um sie nicht im Interesse der Stuarts verbraucht zu sehen; in ihren leidenschaftlichen Anklagen vergaß sie ihre eigene Würde als Fürstin und als Frau. Obwohl sie Constantin Huygens schlecht behandelt hatte, wurde er ihr bester Ratgeber ’) Haag, 10. Dezember 1650. Groen. 135 und ihre Hauptstütze gegen Maria, auch mehrere Advokaten standen ihr zur Seite und entwarfen für sie juristische Memoires an die Höfe. Maria fand ihren besten Advokaten in Jan van Kerkhoven, dem Herrn von Iieenvliet, ihrem Intendanten, der ihre Gouvernante, Lady Stanhope, geheiratet hatte; er betrachtete Amalien als seine Feindin und fühlte, daß er mit Maria stehen und fallen müsse; gebar Maria einen Sohn, so sollte sie die ungeteilte Führung der Geschäfte und den Voll- genuß der reichen Erbschaft haben. Iiuygens-Zuylichen und Kerkhoven -Heenvliet operierten gegeneinander; Amalie aber erreichte es, daß der alte Rat Wilhelms II. vorerst die Leitung der Geschäfte behielt. Maria Stuart lag in einem mit Trauerflor verhängten Zimmer, das Licht sorglich von sich abschließend, neben ihr stand die Wiege, mit schwarzen Tüchern ausgeschlagen, in die sie Wilhelms Kind legen wollte. Acht Tage war sie Witwe, da gebar sie am Abend des 14. November 1650 um halb neun ihr einziges Kind, den vielersehnten Sohn: es war ihr 19. Geburtstag. Die Geburt kostete ihr nahezu das Leben und ein Gefühl der Niedergeschlagenheit wollte nicht von ihr weichen. Sie wünschte den Sohn Karl zu nennen, im Andenken an ihren unglücklichen Yater, mit dessen Los sie sich viel beschäftigte, Amalie aber redete ihr dies aus, da das Kind nur als Wilhelm auf die Merzen der Niederländer Anspruch erheben könne. So wurde es Wilhelm genannt, wie sein Yater und sein Urgroßvater, und vom Pfarrer van der Linde am 15. Januar 1651 in der großen Kirche des Haag getauft. Die Generalstaaten gaben ihm wie einst seinem Vater eine Jahrespension von 8000 Franks, die Staaten von Holland 5000 Franks; zu Paten standen die Generalstaaten, die Staaten von Holland und von Seeland, die Städte Delft, Leyden und 136 Amsterdam, die Königin Elisabeth von Böhmen und Amalie 1 ). Letztere wandte sich sofort nach der Geburt des Enkels an den Hof von Holland, um die Bestallung finden provisorischen Rat erneuern zu lassen, bis die Prinzessin Maria zu Kräften gekommen sei (!). Der Hof teilte ihr Gesuch in der Sitzung Heenvliet mit, der nun offen Farbe bekannte und als Intendant von Marias Hofhalt ihre Interessen vertrat; Karl I. hatte ihn 1641 zu ihrem Intendanten ernannt, Friedrich Heinrich, Wilhelm II. und Karl II. hatten ihn als solchen bestätigt und so erschien er als einzig berufener Anwalt der Princess Royal 2 ). Auch er sprach von einem Provisorium, bis seine Auftraggeberin wieder genesen sei, vermied aber jede Anerkennung des durch seine Kontrolle lästigen Rates des Prinzen, der ja ganz gegen die Stuarts war, und hoffte, Maria allein die Yormundschaft zuerkannt zu sehen. Dem Testamente Wilhelms II. 3 ) fehlte die Unterschrift und Amalie wehrte sich mit aller Gewalt dagegen, Friedrich Heinrichs und Wilhelms reiches Erbe in den Abgrund der Stuartschen Restaurationsbestrebungen versinken zu sehen. Sie empfahl den Staaten von Holland und Westfriesland die Sache ihres Enkels und Huygens redigierte für sie den Brief vom 20. November. Indem sie darin den Hochmögenden Herren die Geburt des Enkels initteilte, hob sie das Glück hervor, daß der Mannsstamm der Oranier fortlebe, „die den Grund dieser Regierung fundiert und sich in langer ') Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 129. 2 ) Memoires de G. Huygens (s. oben). 3 ) Der Entwurf, dem Unterschrift wie Angabe von Ort und Zeit fehlten, erteilte die Vormundschaft für einen eventuellen Sohn an Maria im Vereine mit einigen Mitgliedern der Generalstaaten, welche Wilhelm ernennen würde. 137 Reihenfolge solche hohe Verdienste um das Gemeinwesen erworben hatten“; bei der Bestallung als Generalkapitän zu Wasser und zu Land und als Statthalter der Provinzen müßte vor allem ihr Enkel in Frage kommen, zu dem sie die natürliche Pflicht als Großmutter hinziehe. Sie übergab den Brief am 22. November persönlich dem Ratspensionär und dieser verlas ihn in der Versammlung der Staaten am 23. November'). Amalie las auch Heenvliet ihren Brief vor und verlangte Marias Mitwirkung. Hennvliet aber erwiderte ihr, die Princess Royal wolle sich allein mit der Erziehung und der Vormundschaft ihres Sohnes wie mit der Verwaltung seiner Güter zu seinem Nutzen beschäftigen, ohne sich in die Staats g esc hafte zu mischen; sie stelle Gott alles anheim und vertraue darauf, daß die Provinzen die Verdienste des Hauses Oranien in Betracht ziehen würden. Somit gab Maria die politische Rolle auf, während Amalie nicht daran dachte. Heenvliet erklärte dem Greffier Buysero, Maria bestehe auf der Ausführung des Testamentsentwurfs ihres Gemahls, und da Amalie dessen Giltigkeit bestritt, rief Maria Cats, den Großpensionär, am 29. November zu sich und bat um seine Intervention bei den Staaten von Holland, damit diese die Frage von der Verwaltung des Erbes Wilhelms II. regelten. Auf Cats’ Rat hin riefen die Staaten die Meinungsäußerung des Provinzialhofes an. Amalie wünschte, als sie hiervon hörte, das Haus Oranien als ein erlauchtes angesehen zu wissen, damit der Staat die Vormünder und Kuratoren ernenne; geschah dies, so fiel damit das Testament Wilhelms II. ganz weg und Amalie konnte auf eine Rolle in der Vormundschaft rechnen. Dem ') Extract uit liet Register der Resolutien van de Staten van Holland en Westfriesland over den jare 1650. Haag. 138 entgegen stellte Maria ihre Sache ganz auf den Fuß des gemeinen Rechts und ließ die Staaten von Holland Einblick in die Verfügungen ihres Gatten nehmen, als handele es sich um eine einfache Privatperson. Noch am 2. Dezember, alsbald nach der Abgabe ihrer Erklärung an den Ratspensionär, befahlen die Staaten dem Provinzialhofe, ihnen seine Ansicht kundzugeben. Dadurch schien Amalie geschlagen, Maria Siegerin im Zweikampfe um Wilhelm III. Amalie versuchte es nun mit einem Abkommen, aber ihre Begegnung mit Ileenvliet in Gegenwart des ganzen Rates des Prinzen blieb resultatlos und alles mußte an ihrer Forderung scheitern, den Testamentsentwurf ihres Sohnes bei Seite gelassen zu sehen. Ileenvliet weigerte sich im Namen Marias, mit dem Rate des Prinzen weiter zu unterhandeln. Am 12. Dezember versammelten sich im Saale des Rates von Holland dessen Mitglieder und die Bevollmächtigten der Parteien. Man verlas das Kodizill vom 21. Dezember 1649, in dem Wilhelm II. Marias Wittum erhöht hatte, den Heiratsvertrag Wilhelms und Marias und den Testamentsentwurf. Als letzterer verlesen wurde, kam es zu einem Auftritte, von brandenburgischer Seite ausgehend. Der große Kurfürst warf sich nämlich zum eifrigen Helfer seiner Schwiegermutter in der Vormundschaftsfrage auf; er unterhielt mit ihr eine lebhafte geheime Korrespondenz, die leider verloren gegangen ist, und verhandelte im Dezember 1650 in Berlin mit ihrem Abgesandten, selbst Anteil an der Vormundschaft erstrebend; er hoffte, dabei auch Hollands Unterstützung für seine Politik zu erlangen, zumal 1650 51 1 ). Horn schrieb am 2. Dezember aus Cleve an den Kurfürsten, ') Urkunden und Aktenstücke usw. (s. oben). 139 nach Brüsseler Nachrichten müsse letzterer sich vor allen Nassauern hüten und die Tutel allein oder mit Amalie, rcsp. mit Maria, verlangen. Der Kurfürst antwortete ihm hierauf am 14/4. Dezember, die Brüsseler Nachricht habe ihm viel Nachdenken verursacht und er habe Johann Copes, seinen Residenten im Haag, angewiesen, sofort bei Amalien anzufragen, ob es ihr nicht zuwider sei, wenn der Kurfürst ihr in der Yormundschaft assistiere, falls sie ihr zu beschwerlich falle. Er wollte gar gern, wie er Horn am 26. Dezember gestand, die Hände in der Sache behalten. Amalie erbat sich im Dezember von ihrem Schwiegersöhne seinen Regierungsrat in Cleve, den Märker Daniel Weimann, den sie sehr hoch schätzte und begünstigte, als Beistand im Vor- mundschaftsstreite, machte aber gegen seinen Rat ihren Anspruch Maria gegenüber auf dem Rechtsweg geltend 1 ). Sie erhielt vom Kurfürsten Vollmacht und in obiger Sitzung vom 12. Dezember protestierten dessen Vertreter in seinem Namen gegen die Verlesung des Testamentsentwurfs Wilhelms II.; man achtete nicht darauf, da erhoben sie sich und verließen den Saal 2 ). Maria wurde dadurch nicht versöhnlicher gestimmt, Heenvliet verwarf in ihrem Namen jeden Vorschlag der Gegner. Der Hof von Holland ergriff Marias Partei und betonte, daß die vorliegenden Papiere die Absichten Wilhelms II. für seinen Sohn verrieten. Als nun Amalie die Giltigkeit des Testamentsentwurfs offen bestritt, wurde Maria so gereizt, daß sie am 23. Dezember einen sehr schroffen Ton anschlug; sie trat nicht nur für die Giltigkeit des Entwurfs und für ihr Anrecht an die Vormundschaft ein, durch ihre Heirat mündig geworden, wie sie sagte, ') Urkunden und Aktenstücke (s. oben). 2 ) Amalie an Friedlich Wilhelm, 18. Dezember 1650. Jorissen (s. oben). 140 sondern sie forderte die Schwiegermutter auf, sich auf die Erziehung ihrer Töchter zu beschränken, und verlangte von den Staaten, sie sollten den Hof von Holland zum Urteilsspruche bestimmen. Burgsdorff, der leitende Staatsmann in Berlin (s. oben), bot Amalien ehrerbietig seine Dienste an, wobei Copes den Vermittler spielte, und Graf Johann Moritz von Nassau, der brandenburgische Statthalter in Cleve und Mark, schrieb dem Kurfürsten am 27. Dezember aus dem Haag, Amalie wolle gemeinsam mit dem Kurfürsten handeln. Als ihr Copes Burgsdorffs Dienstwilligkeit aussprach, dankte sie sehr und fand „es lieb, daß man ihrer noch eingedenk sei 1 )“; auch sagte sie zu Johann Moritz 2 ): „Ich arbeite mit aller Treue und Fleiß, wiewohl ich vernehmen muß, daß mir ein andres will fälschlich nachgegeben werden, meine Werke werden ein Besseres nachweisen.“ Auf Marias verletzendes Schreiben gab sie keine Antwort. In den Staaten waren die meisten Mitglieder auf Seite der Witwe Wilhelms II. und diese handelte schon, als sei sie zur Vormünderin ernannt, unbekümmert um die Proteste Amaliens und Kurbrandenburgs. Auf Jacob Cats’ Anstiften wurde eine Kommission bestimmt, um die beiderseitigen Memoires zu prüfen, und diese berichtete am 5. Januar 1651. Auf Antrag der Majorität (10 zu 8) wurde die Sache an den Hof von Holland verwiesen, wie es Maria wünschte, und Cats sträubte sich umsonst dagegen. Es war eine Niederlage für Amalie, denn nun wurde die Sache als ganz gewöhnliche Rechtsfrage behandelt, und sie schrieb entrüstet am 9. Januar 3 ) an ') Copes an Burgsdorff, Haag, 27. Dezember 1650. 2 ) Johann Moritz an Burgsdorff, 27. Dezember 1650. a ) Memoires de C. Huygens (s. oben). 141 ihren Schwiegersohn in Berlin, auf den sie selbst und durch seine Gemahlin einen eminenten Einfluß ausübte. Huygens’ Hilfe erwies sich neuerdings als wertvoll; er war befreundet mit dem Bäte am Hofe von Holland, Jan Dedel, empfing von ihm Informationen und verwertete sie aufs Beste für Amalie 1 ). Maria aber w T ie ihre Advokaten wiesen jede Vereinbarung von der Hand. Brasset unterhielt Mazarin von den unerfreulichen Differenzen im oranischen Hause. Lord Jermyn hatte im Aufträge Marias ihrer Schwiegermutter direkt erklärt, Maria werde in keinem einzigen Punkte von ihrer gerechten Sache weichen, und Amalie äußerte sich in „solch brüsken und wilden Ausbrüchen“ gegen die Staaten von Holland, daß sie offenen Anstoß erregte 2 ). Sommelsdyck korrespondierte viel mit Wilhelm Friedrich von Eassau-Diez, der Amalien ein Stein des Anstoßes geworden war, weil sie seine Ehrgier höchst unbequem empfand. Am 22. Januar 1651 schrieb ihm Sommelsdyck 3 ): „Die Prinzessinnen sind nahe daran, zu Invektiven überzugehen und zur großen Schmach für ihre Personen und für das Haus Eedestoff für jederlei Konversation zu liefern; sie sündigen auf beiden Seiten in Exzessen . . .“ Wilhelm Friedrich suchte, wie er Huygens am 29. Januar schrieb 4 ), stets das beste Einvernehmen mit Amalie und bot ihr seine Dienste an, bereit für den kleinen Wilhelm III. sein Bestes zu tun, während sie' unter höflichen Kedensarten ihre Abneigung versteckte. Wie Horn am 18. Januar aus Cleve an Burgsdorff schrieb s ), wollte Amalie den Eintritt des Prinzen Johann Moritz. ’) Ebenda. 2 ) Brasset an Mazarin, Haag, 18. Januar 1651. Groen. Bd. 5 der 2. Serie. Utrecht, 1861. 3 ) und 4 ) Ebenda. 6 ) Urkunden und Aktenstücke, Bd. 5. 142 von Nassau-Siegen in die Vormundschaft, was ihm gefährlich dünkte. Auch Copes schrieb an Friedrich Wilhelm von Brandenburg am 2131. Januar: es gehe in der Tutelsache nur langsam vorwärts; die Princess Royal bestehe fest auf ihrem mütterlichen Rechte und darum müßten der Kurfürst und „die Douairiere“ — so bezeiclmete man Amalien meistens — Maria zur Vormünderin bestellen lassen, ehe sie sich zu etwas bereit finden würde. Wie eifrig Amalie für ihren Schwiegersohn dabei eintrat, referierten die Regierungsräte Weimann und Prinz 1 }; Weimann war sehr gegen Amaliens Bemühung, den Hauptstreit in der Tutelfrage zur richterlichen Entscheidung zu bringen 2 ). Als Friedrich Heinrichs Todestag sich wieder jährte, trug Huygens den streitenden Parteien am 29. Januar seine „Considerations pacifiques sur le subjet de la tutele du jeune prince d'Orange“ vor 3 ). Sie sprachen sich im Sinne eines friedlichen Abkommens aus. Maria soll Vormünderin werden, doch sollen Mitvormünder der unerfahrenen Fremden zur Seite stehen, und zwar Amalie, der Kurfürst von Brandenburg und Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen. Die Gegenpartei aber wollte hiervon nichts hören. Wenn auch Dedel die Sache noch nicht für verloren hielt und bei Maria neue Schritte tat, so erwies sie sich unzugänglich und am 13. Februar wurden die Verhandlungen ihrerseits abgebrochen. Huygens richtete an Dedel an diesem Tage einen Brief 4 ), um die Sache unter scheinbaren Zugeständnissen nochmals in Gang zu bringen. Amalie aber verdarb die ') Copes an den Kurfürsten, 28. Januar, 7. Februar und 11./21. Februar 1651. Ebenda. 2 ) Horn an Burgsdorff. Cleve, 29. März 1651. Urkunden (s. oben). 3 ) Memoires de Huygens (s. oben). 4 ) Huygens, Memoires. 143 Sache durch zu viel Eifer; durch deu bei ihrer Schwiegertochter viel geltenden Rat Crommon und durch ITuygens ließ sie ein neues Abkommen anbieten, doch führte auch dies nur zu neuen Weiterungen, und schließlich stand Amalie als diejenige da, an der eine Übereinkunft scheiterte. Amalie protestierte gegen die Handlungen Mariens, die sich um sie nicht kümmerte. Am 30. Mai sprach der Hof von Holland sein Urteil dahin aus: Maria solle die Hauptvormünderin sein und der Kurfürst von Brandenburg ihr als Mitvormund über die Güter und die Person des Prinzen, Amalie als Ersatzvormünderin (toesiende vooghd) beigegeben werden, Maria solle alle Benefizien, Ämter und Bestallungen zu verteilen haben. Dies Urteil konnte natürlich Amalien nicht behagen; es stellte sie bei Lebzeiten kalt, sie sollte als fünftes Rad am Wagen ziehen. Am 31. Mai 1651 teilte sie ihrem Reffen, dem Burggrafen Friedrich zu Dohna in Orange, das Urteil des Hofs von Holland mit, um dem Verbreiten falscher Gerüchte in Orange vorzubeugen ^ und fügte bei: „Was mich anlangt, erweist man mir die Gnade, mich als toesiende Voogt zu bezeichnen, das will heißen, ich kann zusehen, was geschieht, habe aber keine Stimme im Kapitel. Eine Sache, die zusammen mit dem, was dem Herrn Kurfürsten derogiert wird, so von der Vernunft entfernt befunden wird, daß wir schließlich beschlossen haben, uns auf dem Appellationswege an den Großen Rat zu wenden, wo man mich einen schnellen und vernünftigen Ausgang hoffen läßt, unter provisorischer Inhibierung jeder Exekution.“ Im Voraus möge der Burggraf wissen, daß er in Orange keine Befehle anzunehmen habe, die nicht mit denen ’) Haag. Original. Archiv Schlobitten 2/33. 2. des Kurfürsten von Brandenburg gemeinsam erteilt würden. Im Gegensätze zu der stolzen Frau hielt Dedel das Urteil für sie noch für vorteilhaft; es hatte ja Mühe genug gekostet, sie als Dritte in die Yormundschaft hinein zu bringen; und zugleich meinte Dedel, wie Huygens ihr erzählte, stehe ihr nun der Appell an den Großen Rat offen, der wohl das Urteil ganz umstoßen und sich zu ihren Gunsten erklären würde. Amalie appellierte ihrerseits und für den Kurfürsten an den Großen Rat und sprach am 9. JuniFriedrich Wilhelm ihre Hoffnung auf eine günstige Wendung aus; der Rat war in Ferien, wollte am 13. Juni seinen Spruch fällen und ließ der Witwrn Wilhelms II. insinuieren, sich bis dahin jeden Schrittes zu enthalten. An Dohna schrieb Amalie * 2 ), „die offenkundige Unbill der Sentenz des Provinzialhofs von Holland“ habe sie veranlaßt, an den Großen Rat zu appellieren, und Dohna dürfe keine andern Befehle annehmen, ehe das neue Urteil gefällt sei. Unter Beischluß der Gutachten von zwei der berühmtesten holländischen Advokaten suchte sie dem Reffen klar zu machen, wie schlecht begründet die Ansprüche der Princess Royal seien, und wmnschte, daß er nach Kenntnisnahme andre, die schwanken könnten, auf die Frivolität dieser Ansprüche hinwüese, „damit jeder“ — so schrieb sie — „Ihrem Beispiele folgend, bei der Treue verharre, die er, sow'ohl dem Recht wüe der Natur nach, dem einzigen und alleinigen Nachfolger schuldet, den uns Gott gegeben hat, und falls Er- ihn zurücknehmen wollte, seiner unbestrittenen Erbin, die, wie Sie wissen, die Frau Kurfürstin, meine Tochter, ist. Auch ist es nicht sclnver, zu wüssen, wie man sich betreffs des ') Memoires de Huygens. 2 ) Haag. 21. Juni 1651. Original. Archiv Schlobitten. 2/33. 2. 145 iü jir-J — 145 — Herrn Kurfürsten zu verhalten hat, der schon zusammen mit der Hutter zum Vormund des minderjährigen Prinzen und seiner Güter erklärt worden ist. Was mich aber betrifft, so erhellt, wie auch das Urteil des Großen Rats in wenigen Tagen alles entscheiden möge, daß die, welche Klugheit anwenden wollen, wohl daran tun, ihre Entschlüsse bis dahin zu verschieben, wo sie den endlichen Ausfall kennen;“ sie sollten, so warnte sie, ja nicht denen ihr Ohr leihen, „die in blinder Verfolgung ihrer eingebildeten Interessen sich wohl den Anschein geben, als setzten sie die des Hauses aufs Spiel.“ Dohna sollte ihren Brief und die zwei Gutachten seinem Stellvertreter van Santen mitteilen, auch würde sie demselben selbst schreiben, um ihn zur Fortdauer seiner Treue an ihr Haus zu bestimmen. Friedrich Wilhelm besuchte sie bald darauf im Haag und ließ sich hinreißen, den Ratgebern der Princess Royal, von Heenvliet und von Bevenveert, Drohbriefe zu schreiben *), was glücklicherweise die für Amalie günstige Stimmung des Großen Rats nicht änderte. Ein neuerdings versuchtes Abkommen scheiterte und am 29. Juli kassierte der Große Rat die Verfügung vom 30. Mai; er ernannte die Princess Royal, den Kurfürsten von Brandenburg, Amalie und den Pfalzgrafen bei Rhein, Herzog von Landsberg, zu Vormündern des jungen Prinzen. Auch dies Amalien weit günstigere Urteil genügte ihrem Ehrgeize nicht und gefiel ebensowenig ihrer Schwiegertochter; sonst so uneinig, forderten sie jetzt beide Revision des Urteils, denn beiden behagte durchaus nicht die Einführung des Pfalzgrafen. So kam endlich am 13. August 1651 ein Arrangement zustande, das als ein Sieg Amaliens über ihre Schwiegertochter ssl U-| Säl m Ml ’) Aitzema, Herstelde Leemv. S. 311. Kleinschmidt, Amalie von Oranien. io 146 bezeichnet werden konnte. Dasselbe lautete folgendermaßen * *): 1. Die Prinzessin Maria liat als Mutter in allen Vor- mundschaftssachen ebensoviel Macht, wie die beiden andern Mitvormünder 2 ) zusammen. 2. Die A r ormundschaft wird gemeinsam geführt zur Wahrung der Rechte, Gerechtigkeiten und Präeminenzien des Prinzen, seiner Domänen und Güter und behufs deren Verwaltung und Führung. , 3. Unter letzterer ist inbegriffen die Verwendung der Einkünfte aus den Domänen und Gütern für des Prinzen Person und Hofstaat. Die Vormünder bestimmen gemeinsam, wieviel dazu jährlich aufgewendet werden soll. 4. Die Frage wegen der Gewalt über das Fürstentum Orange wird zur Entscheidung der beiden Justizhöfe conjunctim gestellt, ebenso die vom Kurfürsten und von der Prinzessin Amalie angefochtene Vergebung der Ämter und Stellen seitens der Prinzessin Maria in den ihr als Wittum verschriebenen Orten. Bis zur Entscheidung bleibt alles in statu quo und das Erforderliche geschieht nur mit gemeinsamem Konsense. 5. Beide Parteien geloben, in keiner Weise und durch kein Rechtsmittel — deren sie sich ausdrücklich begeben — von der Entscheidung der Justizhöfe in obigen beiden Sachen abzuweichen. 6. Die Wahl von Magistraten und die Kollation der Ämter und Benefizien in allen übrigen Plätzen und in denen, die der Prinzessin Maria nicht als vermöge ihres Wittums zuständig befunden werden, sollen zwischen r ) Aitzema, III. 557. *) Amalie und der Kurfürst von Brandenburg; der Pfalzgraf war durch das neue Arrangement beseitigt. 147 ihr und dem Kurfürsten geteilt und soll unter ihnen um die respektiven Hälften gelost werden. 7. Unbeschadet dessen, daß die Prinzessin Maria als Mutter und Vormünderin in Seeland die "Wahl der Magistrate in Vlissingen usw. und die Kollation von allen dem jungen Prinzen dort zustehenden Ämtern und Benefizien hat, und daß der Kurfürst mit der Prinzessin Amalie die gleichen Rechte in der Stadt ten Teere x ) ausübt, stehen alle sonstigen von der Tutel abhängenden Gerechtigkeiten, namentlich die Bestallung des ersten Edlen von Seeland usw., zur gemeinsamen Disposition aller drei Vormünder. 8. Die dermaligen fünf von der Zeit des verstorbenen Prinzen her kommittierten Räte erhalten neue Kommission und es werden ihnen zwei Räte, je einer von der Prinzessin Maria und von den Mitvormündern, in gleicher Eigenschaft und Befugnis beigegeben. 9. Stirbt einer der Räte oder der zum Rate gehörigen Offizianten, so erfolgt die Neuwahl abwechselnd und zwar das erste Mal durch Prinzessin Maria, wenn es ein Greffier oder Tresorier war, bei den andern vom Rate abhängenden Ämtern aber das erste Mal durch den Kurfürsten und die Prinzessin Amalie. 10. Alle Ämter, Benefizien und Offizien, welche die Prinzessin Maria als Mutter und Vormünderin wie mit den andern Vormündern zusammen überträgt, werden stets im Namen des jungen Prinzen und im Aufträge sämtlicher Vormünder erteilt, wie auch die Räte, Offizianten und Ratsangehörigen eben denselben oder ihren Kommittierten den Eid leisten. 11. Alle Ämter, Benefizien, Offizien und Magistraturen werden von den Vormündern ehrlichen und qualifizierten 10 * ') Ter-Veeren. 148 Personen verliehen, nach den Privilegien, Rechten und Gewohnheiten des Landes, ohne Kauf; jeder, der ein Amt erhält, beschwört, daß er weder direkt noch indirekt etwas dafür gegeben oder versprochen hat. 12. Alle sonstigen Differenzen werden vier Personen überwiesen, von denen Prinzessin Maria zwei, der Kurfürst und Prinzessin Amalie zwei stellen; diese adjun- gieren sich einen Fünften. Ohne Verzug sollen die Differenzen von ihnen in Güte oder auf dem Rechtswege beigelegt werden. 13. Hiermit sollen alle vordem zwischen beiden Parteien in der Yormundschaftssache vor dem Hof von Holland oder vor dem hohen Rate anhängigen Klagen etc. tot und abgetan sein. 14. Die Unterzeichneten geloben hei ihrem fürstlichen Worte, alle diese Artikel zu halten l ). Amalie hatte, so zu sagen, über Maria gesiegt, und bald ergab sich auch in der Frage wegen Orange, daß Maria vor beiden Justizhöfen den kürzeren zog: dieselben erklärten im Februar 1652 durch formelle Sentenz Marias Ansprüche auf die Regentschaft in Orange unter Ausschluß ihrer Mitvormünder für unbegründet. Den Sieg verdankte Amalie in erster Linie dem treuen Huygens, der mit de Leu de Wilhem und Pauw im Rate des Prinzen für sie wirkte; gegen ihn kehrte sich darum der ganze Haß der Anhänger Marias, die nun mit ihnen auf persönliche Kränkungen des Verhaßten verfiel, und Amalie war kaltsinnig genug, ihn fallen zu lassen; Huygens wurde, als der § 8 der Artikelen van accoord vom 13. August 1651 wirksam wurde, nicht 0 Mehrere Paragraphen dieses Arrangements führten noch zu langem Auseinandersetzungen und traten erst 1653 durch ein neues Abkommen ins Leben; der Zwist wegen Orange führte 1660 zur Einmischung Ludwigs XIV., von der wir bald hören werden. 149 wieder als alter Rat des Prinzen gewählt und von allen Vormündern bestätigt, sondern als ein Neuling in den Rat eingeführt. Dankbarkeit scheint Amalien fremd gewesen zu sein, und Huygens hat sie dafür in seinen hinterlassenen Papieren hart charakterisiert. Wie konnte sie ihm aus Aa'chen am 15. September 1651 schreiben 1 ): „Sie können versichert sein, daß ich nur mit Unzufriedenheit einen Yergleich unterzeichnet habe . . . niemals aber, um Ihnen Schaden zu tun; meine an die Herren Sonsfeldt und Weimann gegebenen Befehle werden Ihnen das Gegenteil beweisen; und in Wahrheit sind der Herr Kurfürst und ich zu hochherzig, um einen so treuen Diener des Hauses Oranien wie Sie zu verlassen, vielmehr blicken wir auf Ihre guten und alten Verdienste hin und werden Sie halten, wie es sich gebührt.“ Und ebenso wenig hatte ihr Septemberbrief, den Jorissen in Huygens’ Memoiren mitteilt 2 ), ihn ahnen lassen, daß sie den treuen Diener fallen lassen wolle. 2. Kapitel. Orange und Frankreich. Ursula zu Dohna hatte ihres Amtes in Orange getreulich gewaltet und dasselbe zu Ende des Jahres 1648 Wilhelm II. zurückgegeben, worauf dieser den wichtigen Posten des „Gouverneurs, Statthalters und Generalkapitäns“ ihrem ältesten Sohne, dem am 4. Februar 1621 in Küstrin geborenen Burggrafen Friedrich, übertrug. Friedrich führte die Geschäfte musterhaft und alles ging ') Original. H.-A. im Haag. 2487 e. 2 ) S. XCYIII.—XGIX. der Einleitung. Auch bei Groen v. Priu- sterer, Archives ou correspondajice inedite de la maison d’Orange- Nassan. 2. Serie. Bd. 5. 150 aufs beste, als er plötzlich den Tod Wilhelms II. vernahm. Dieser hatte Friedrich, als er den Haag verließ und nach Orange abreiste, ein versiegeltes Billett eingehändigt, das er nach Wilhelms Tod öffnen sollte. Es war vom 24. Februar 1649 datiert, von Wilhelm selbst im Haag geschrieben, unterzeichnet und mit Oblate versiegelt 1 ) und wies Friedrich an: er dürfe den Platz Orange nach Wilhelms Tod niemandem übergeben, solle den Befehlen von Wilhelms Witwe folgen und den Platz gegen jedermann halten, der Anspruch darauf erheben möchte. Dohna war über den Befehl erstaunt, teilte ihn seinem Stellvertreter van Santen, einem wackern Holländer, mit und beide sahen gespannt der nächsten Zukunft entgegen, da ihr Diensteid sie verpflichtete, dem legitimen Erben, nicht aber Wilhelms Witwe zu gehorchen. Friedrich suchte sich nach Kräften zu französieren und die beste Freundschaft mit dem gewaltigen Nachbarstaate zu unterhalten; ein lustiges Leben spielte sich um ihn ab, er war unverheiratet und gönnte andern wie sich allen Genuß der Vergänglichkeit. Die Intriguen des französischen Hofes aber warfen ihre Schatten in dies fröhliche Treiben. Wilhelm II. wie die Dohna hatten sich stets zu Anna von Oesterreich und zu Mazarin gehalten, und ließen sich nicht in die Fronde verstricken, so nahe die Frondeurs ihnen dies legten. Uber die Differenzen in der Vormundschaftsfrage hielt die Prinzessin Amalie, seine Tante, den geliebten und hochgeschätzten Neffen stets auf dem Laufenden. So schrieb sie ihm am 14. Dezember 1650 aus dem Haag 2 ): 1 ) Original. Archiv zu Schlobitteu. 2./33. 4. 2 ) Eigenhändig. Das Jahresdatum fehlt. Archiv zu Sehlobitten. 2./33. 2. 151 „Monsieur mon neveu. Yous estes bien asuree que ie ne iamais toute 1 ) de vostre fidelite et grande affection que yous aves monstre a moy et a tous qui mest prosche come asleur 2 ) en ceste treuiste 3 ) malheur qui mest arive de la mort de mon eher fils qui mest si senssible que si dieu ne me donnet pas de forsce ie ne le soroit si porteur yn si grand coupbe 4 ) mais cest la volonte de dieu qui est tous iour iuste et bon et nous serviera pour nostre salut. iespre 5 ) qui me donnera ausy la constansce nes- cesre 6 ) a yn delle rencontre qui est en verite fort etransch car nous voyons de tranche 7 ) chansement icy qui ne sont pas fort bon pour nostre povuer 8 ) maison mais dieu touschera le coeur de ceux qui peuvet faire quelque bien cest yn chosce bien senssible pour moy de voir yn si glorigesce maison si bas iespre que le bon dieu laiesera yne longe vie a mon petit fils pour se render yn iour digne de borsder 9 ) les chanses de ses ensederes 10 ). iespre que vous ores ausy les mesme afection pour luv come de pasee pour le peree et come vous avies deia donne yne grande marqe touschant la Princebaute d'Orange que vous aves mie toute chosce en yn si bon Order asure vous que tent que ie vievera que ie recherescra ir ) les occasions de vous servier et ') doute. 2 ) ä l’lieure. 8 ) triste. 4 ) coup. 5 ) j’espere. c ) necessaire. ’) d’etranges changements. B ) pauvre. u ) porter. 10 ) ancetres. u ) rechercherai. 152 vous coniure de vouloir continuer en ceste affection en ver ceste maison et croyes que teilt que ie vievera que ie demerera veritablement Monsieur mon neveu etc.“ Am 25. März 1651 schrieb Anna an Amalie l ): „Ma cousine. Le Roy Monsieur mon fils ayant faist choix de la personne du S. de Thou coner. en ses conseils pour la cognoissance particuliere quila de ses bonnes et non com- munes qualites pour son ambassadeur pres les S rs. estats generaux des provinces unies des Pays Bas loccasion de son voyage mest trop favorable pour le veoir partir sans vous assurer que laffection que ie vous porte liest moindre que vous le meritez par nostre proximite et par les tesmoignages que vous mavez tousjours donne de la vostre. Je vous prie de croire quelle mest aussi chere que vous pouvez vous promettre de celle qui est de bien bon coeur. Y«~ bonne cousine A Paris ce 25. mars 1651. Anne. A ma cousine la Princesse douairiere dorange. Wir haben oben gesehen (S. 143 und 144), wie Amalie ihren Unwillen über ihre Zurücksetzung in der Yormundschaft Dohna aussprach und wie sie ihm verbot, neue Befehle anzunehmen, bevor ein neues Urteil ergangen sei 2 ). Am 3. Juli 1651 berief sie sich ihm gegenüber auf ihre Instruktionen über das Unterlassene Billett Wilhelms II. und teilte ihm mit 3 ), Brasset habe ihr eröffnet, er solle sie im Aufträge der Königin- Regentin Anna beruhigen, daß sie von Frankreich nichts ') Original. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 84. Schwarz gesiegelt. ■) 31. Mai und 21. Juni 1651. s ) Original. Archiv in Schlobitten. 2./33. 2. 153 zu befürchten habe; Anna werde sich zu keinem Entschlüsse, der Amalie wegen Orange unangenehm sein könne, verleiten lassen, was alles Brasset mit so viel Verbindlichkeit und Wohlwollen geäußert habe, daß sie Anna den beiliegenden Dankbrief (s. unten) geschrieben. Darum dürfe auch Dohna wegen Frankreichs ruhig sein, in Orange aber müsse man sich gegenseitig zu neuem Mute anregen. Amalie hatte gerade den branden- burgischen Schwiegersohn im Haag zu Besuch und dieser ließ Dohna Mittel in Aussicht stellen, um seine Garnison befriedigen zu können; Amalie wollte ihn schon antreiben, daß er Wort halte. Der beiliegende Brief an Anna von Oesterreich vom 3. Juli 1651 lautet') : „Madame. J’ay une souvenance si pleine et si presente des grandes bontez que Y. M. a de tout temps voulu tes- moigner ä feu Messieurs les Princes d ? Orange et ä leur maison, et viens d en apprendre une nouvelle marque si evidente, en ce que M. Brasset m’asseure de la part de Y. M. au subject de ce que des gens mal intentionnez tascheroyent de faire remuer ä Orange, que je ne doibs • point apprehender que Y. M. entende a s’y laisser engager en manire que ce soit, que j’ay estime de mon debvoir d’en rendre äV. M.mes tres-humbles remerciemens par ces lignes, en la suppliant de vouloir persister tous- jours dans une jntention si juste et si digne de sa generositte. IJaffaire dont il s’agit estant purement domestique, et particulier, et s’en allant este vuide aisement et dans peu, comme l’on sera icy d’accord sur quelques differents, suscitez au subject de la Tutele du jeune Prince mon petit fils. Pendant quoy, Madame, j Kopie. Ebenda. le Gouvernement de la Principaute demeurant, eomme il est, entre les mains du Comte de Dona, mon nepveu, Y. M. peut d’un coste juger, s’il luy plaist, tant au regard de sa naissance, que de ses comportemens passez qu'il n’y a personne au monde ä laquelle nous ayons subject de nous mieux fier de cest employ, et de Fautre s’asseurer, que eomme jusques ores les Princes decedez ont tenu ceste Principaulte dans les devoirs d une par- faite intelligence et neutralite aveq tous Princes et Estats voisins, et nommement aveq la France, qui n’a jamais receu le moindre deplaisir de ce coste la, que, dis-je, Madame, ce Gouverneur particuliereinent sera bien le plus soigneux de tous ses devanciers ä maintenir encore dans les mesmes maxinies la memoire de ceste devotion tres-constante que lesd ts - Princes d’Orange y ont faict paroistre de temps en temps. Je supplie tres-humble- ment V. M. d’avoir aggreable la parole que j’ose luy en donner, en me continuant la grace de croire que je n’ay chose plus ä coeur que de luy pouvoir faire cog- noistre par mes tres-humbles Services eomme je marche sans varier sur les pas de feu Monsieur le Prince mon mary, et qu’en suitte je ne sgaurois jamais manquer d’estre Madame, usw. usw.“ Und an demselben Tage schrieb Amalie an Mazarin *): „Monsieur, Ce n’est pas d’aujourdhuy que je prens cognoissance de la bonne volunte que Y. E. a de tout temps tes- moignee ä feu Messieurs les Princes d’Orange, et aux interests de leur maison, mais c’est bien depuis peu que je viens de m’y veoir confirmee par de nouveaux actes de vostre generosite. Je scay Monsieur de fort bonne part eomme il a pleu ä Y. E. de la faire paroistre aveq ! ) Kopie. Archiv in Schlobitten. 2,33. 2. 155 efficace, au subject de ce que yous avez appcrceu que des personnes mal intentionnees ont tente de remuei* au prejudice de la Principaute d’Orange, et du S r - Comte- de Dona mon Yepveu: et trouve avoir tant de matiere de m’en ressentir que je n’ay pü m’empescher de yous en faire foy, Monsieur, par ce mot, que Y. E. me vueille obliger de recevoir pour gage du desir qui me reste pour reconnoistre ceste faveur par aucun service qui fust digne de vostre advoeu. En attendant que ce bon heur m'arrive je supplie Y. E. de persister dans les bons sentimens qu’elle a dud*- Sr. Comte mon Nepveu, et luy faire Fhonneur de luy departir ses prudents advis durant ces inquietudes, qui d’elles inesmes viendront a cesser dans fort peu de temps, comme Fon se sera entendu icy sur le subject de la Tutele du jeusne Prince mon petit fils, laquelle estant une fois bien establie, les affaires, tant de par dela que du reste de la maison, seront conduittes aveq ananimite x ) et concorde au plus grand bien et avantage du pupille, et pour le regard d’Orange, Monsieur je puis bien vous asseurer, que toutes les resolutions qui seront prises et verront accompagnees de ceste caution que Fon y continue dans la bonne et parfaicte intelligence entretenue jusques ores aveq les Estats et Princes voisins et fort particulie*- aveq Y. E. qui a tant rendu de preuve de son intention reciproque ä mesme effect. Je prie Dieu de la benir de longue prosperite, et moy des moyens de luy faire mieux cognoistre qu’en paroles comme je suis veritable- ment usw. usw.“ In einem eigenhändigen undatierten Briefe an Dohna * 2 ) entschuldigt sich Amalie, daß sie ihm krankheitshalber J ) rmauimite. 2 ) Archiv in Sehlobitten. 2,33. 2. 156 lange nicht geantwortet habe, und teilt ihm die Unmöglichkeit eines definitiven Bescheids mit, da alles noch in der Schwebe sei. „Je voie bien,“ fährt sie fort, „que tout le persones desprit commanset a se mouquer de lescrit que nron fils vous avoit donne et ie croy que Ion iusera*) bien que la Princesse nora bas plus de troit que nous en Orange et iespre que le tout ira encor bien pour le bien de mon petit fils et de la Princibaude et pardunlierement 2 ) ä vostre gloire et contentement ce 3 ) pourcoy ie vous prie de pas perder pasigansce et croyes que tout que ie peu faire que ie ne perdera pas les temps mais ie vous prie ne faite pas estast de la France ny de cet estast car Ion ne peu plus rien faire pour la maison jusques des que les temps schansera 4 ) iespre que dieu ne voustera pas tout äfait abandoner la maison.“ Amalie hoffte, die Dinge nähmen bald eine andre Gestalt an und im Haag würde man sich mehr für Orange erwärmen; hoffentlich würde Dohna die Subsidie noch für dies Jahr erhalten; sie war darüber tief betrübt, ihm nicht besser helfen zu können. Auch ein andres Mal dankte sie ihm 5 ) wärmstens für seinen Edelsinn und bat, er möge nicht nur allen Tollheiten Stand halten, sondern sich auch durch „ce meschante chans“ nie in der Treue gegen das Haus Oranien erschüttern lassen; sie versprach ihm ausgiebige Hilfe, sobald der Kurfürst von Brandenburg und sie in der Vormundschaft blieben. ’) jugera. 2 ) particulierement. 3 ) c’est. 4 ) changera. 6 ) Eigenhändig, Haag, 23. Mai. ohne Jahresangabe. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 157 Am 11. Oktober 1651 sprach Amalie dem Neffen ihr Bedauern darüber aus*), daß ihn das Abkommen zwischen der Princess Royal, dem Kurfürsten und ihr derart beunruhige, und fuhr also fort: „Darum aber ist keineswegs gesagt, wie Sie annehmen, daß, falls das in Frage stehende kleine Papier wirklich von meinem Sohne herrührt, das Fürstentum besagter Prinzessin bleiben soll, sondern im Gegenteil, daß der von diesem Papier ausgehende Anspruch hier durch beide Justizhöfe geprüft und durch sie entschieden wird, ob eine solche Schrift als giltig angesehen werden soll und ob sie verdient, daß man irgendeinen Wert auf die mit ihrer Hilfe erstrebten Ziele legt, entgegen dem Urteile sehr fähiger Rechtsgelehrten, welche, wie Sie durch die neulich gesandte Deduktion gesehen haben, sie für vollständig wirkungslos erachten, selbst wenn der junge Prinz, mein Enkel, nicht nach dem Tode seines Yaters zur Welt gekommen wäre.“ Amalie meinte, vorerst keinen Grund zur Befüi’chtung zu haben, die Streitfrage könne für sie ungünstig gelöst werden. Da die Princess Royal keinen der Punkte erfüllte, die der Große Rat zu Amaliens Gunsten entschieden hatte, so duldete letztere auch nicht, daß irgendetwas geschehe, bevor sie selbst voll und ganz befriedigt sei, und gab Dohna die Beruhigung, ihn in der Zwischenzeit nicht zu verlassen. Wenn auch aus Amaliens obigen Briefen an Dohna ein Mißtrauen gegen Frankreich durchleuchtet, so suchte die staatskluge Frau doch auf gutem Fuße mit den maßgebenden Personen zu bleiben und sprach Mazarin, der nach Brühl ins Exil hatte gehen müssen, aus Aachen, wo sie oft im Bade weilte, ihre Sympathien aus; mit ’) Original. Haag. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 158 •dem Briefe ging ihr Hofmeister de Pollot an ihn ab l ). Am 6. September antwortete ihr der Verbannte 2 ), er habe sich schon lange bei dem Gedanken glücklich gefühlt, sie seiner alten Bereitwilligkeit für ihr Haus zu versichern; leider könne er sie ihr jetzt nicht beweisen, wie ihr sein Gardekapitän Chamfleury auseinandersetzen würde. Hierauf erwiderte Amalie 3 ) am 9. September aus Aachen: „Ie ne scay quels tersmes tesmoigner a votre «minence combien je me sens obligee de deux dernieres lettres qu’il luy a pleu m’escrire si pleines d’affection et d’estime envers moy et les miens que j’en demeure confuse et surtout l’avoir eu la pensee de me venir visiter en personne en ce lieu, ce que m’ayant aussi c’est amplement confirme par le sieur Chamfleury. Ie Fay prie de me rendre des offices reciproques envers votre eminence pour l’asseurer de l’estime que je fay de son grand merite du souvenir que je conserve des obligations, que je luy doibs et du desir que j’ay pour son restablissement. Ie supplis votre eminence de le croire si bien qu’il ne luy en dira jamais tant qu’il ny en soit beaucoup plus en effect. Ie suis Monsieur de Votre Eminence tres humble et obligee servante Amalie d’Orange.“ Wir sahen früher, wie der Graf, spätere Fürst Wilhelm Friedrich von Nassau-Diez Amalien verdächtig ‘) 1. September 1651. Cfroen van Prinsterer, Arcliives de la maison d’Orange-Nassan. 2. Serie, 5. Band. Utrecht, 1861. -) Archiv in Paris. Abteilung Holland. Band 51, S. 54. 3 ) Ebenda. S. 52. 159 erschien und wie er hinwider sie in ihrer Ehrsucht durchschaute; offen mißbilligte er Friedrich Dohna gegenüber ihre Haltung in der Yormundschaftsfrage * * 3 4 ). Am 13. und 14. Mai 1651 ließ er aber durch Deputierte aus Friesland und Groningen bei Amalie um die Hand ihrer schönen und klugen vierten Tochter Albertine Agnes, die siebzehn Jahre alt ward, anlialten 2 ) und bekam ihr Jawort, was freilich bei Amaliens Abneigung viel Mühe kostete; wir ersehen letzteres aus den Briefen von Aerssens-Sommelsdyck an den Freier 3 ). Die Hochzeit fand am 2. Mai 1652 statt. Ihren Neffen Dohna in Orange hielt Amalie in der Yormundschaftsfrage stets au courant. So schrieb sie ihm 4 ), sie habe „nach langem und verdrießlichem rencontre“ vor beiden Gerichtshöfen in dem wichtigen Punkte der von Wilhelm II. Dohna übertragenen Befehle in Orange gewonnen, und schickte ihm Weimann, um ihn und das Parlament in Orange über die Rechtslage zu unterrichten; wer ihrem Hause dort nicht treu sei, sondern sich der gegnerischen Seite zuneige, sei „ja absolut verloren“. Sie fürchtete, die Princess Royal werde dem Parlamente einen Brief übergeben, doch sollten Dohna und Weimann dasselbe tun. „Jespre“, so schloß Amalie, „que le bon dieu conserviera la maison et que se 5 ) meschante schans noront pas le pouvoir de le faire plus de mall.“ Dohnas Stellvertreter van Santen erhielt die von Amalie bewilligte Entlassung und kehrte nach Hol- ') Leeuwarclen, 12/2. November 1651. Original. Archiv in Schlobitten. 36/4. s ) 6./16. Juni 1651. Copes an den Kurfürsten Friedrich Wilhelm. Archiv in Berlin. Abteilung Holland. 3 ) Groen, Bd. 5 (s. oben). ‘) Eigenhändig, ohne Datum. Archiv in Schlobitten 2./33. 2. 5 ) ces. Holland zurück 1 ). Da es Amalie stets um die Freundschaft Spaniens zu tun war, so übermittelte sie Dohna das Gesuch des spanischen Botschafters, es möge das seinem Freunde, dem Marquis von Sankt Martin, gehörige Gut im Fürstentum Orange geschützt und vor weiterem Waldfrevel durch Herrn von Chateauneuf und dessen Oheim, den Archidiakon von Avignon und Prior in Suzette, bewahrt werden. Sie hatte, wie sie Dohna bekannte, große Verpflichtungen gegen den Botschafter, der stets alles für sie und ihren Enkel prompt und vorteilhaft besorge, und es sei notwendig, sich seine Freundschaft zu bewahren 2 ). Der Botschafter Antoine Brun hatte ja schon 1650 behauptet, Amalie rede, als sei sie in Madrid geboren! Um Orange noch fester an Wilhelm III. zu kitten und feindlichen Machinationen zu begegnen, veranlaßten die Vormünder, der Kurfürst und Amalie, ihren Mündel zu einem von ihnen Unterzeichneten und untersiegelten Befehle, gegeben zu Cleve am 1. Juni 1652 3 ): die Untertanen in Orange mußten ihm einen neuen Eid in die Hände seines Vetters Dohna leisten. Amalie bedauerte, daß sie Dohnas Dienste nicht besser belohnen könne 4 ); er aber besuchte sie im Sommer 1653 in Holland. Sie empfing den Neffen im Juni d. J. im Haag ebenso herzlich, wie die Princess Royal ihn in Breda mit Kälte behandelte; es kostete Dohna viel Mühe, Letztere etwas versöhnlicher zu stimmen. Er wäre am liebsten in Holland geblieben und nach Tromps Tod auf der ! ) Amalie an Dolma. Haag, 10. Oktober 1652. Original. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 2 ) Amalie an Dohna. Haag, 24. Oktober 1652. Original. Ebenda. 3 ) Ebenda. 2/32. 2. *) Haag, 16. Januar (ohne Jahreszahl). Eigenhändig. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 161 Sec sein Nachfolger als Admiral geworden, doch hintertrieb dies der Ratspensionär Jan de Witt; auch die Aussicht auf den Eintritt in brandenburgische Dienste ging nicht in Erfüllung und Dohna kehrte 1654 nach Orange zurück 1 ). In der Pfalz hielt er sich auch einige Zeit auf, der westfälische Friede hatte der Familie Dohna ihre lange konfiszierten Güter zurückgegeben und Friedrichs jüngerer Bruder Christoph Delphicus nahm sie in Besitz. Mehrere Prinzen und Grafen, Söhne der Häuser Anhalt-Bernburg, Nassau u. a., hielten sich längere Zeit in Orange auf, um sich an Friedrich zu schulen und sich ihn zum Muster zu nehmen; sie besuchten die Kriegsschule in Orange 2 ). Friedrich verlobte sich mit dem reichen Fräulein Esperance du Puy- Montbrun-Ferrassieres 3 ), in der er alle Yorzüge vereint fand, heiratete am 29. Oktober 1656 in Pont-de-Yeyle (Yesle) und brachte die junge Frau im November d. J. nach Orange. Er kaufte von ihrem Gelde die Baronien Prangin und Coppet im Waadtland und lebte hochbeglückt mit Esperance und seinen zahlreichen Kindern. Im Juli 1657 schreibt Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz an Luise von Degenfeld 4 ): „Der jung Graff von Solms ist von Orenge kommen, sagt wunder, wie der graff von Dohna sein fraw so *) Memoires (s. oben). Erdmanusdörffer, Graf Georg Friedrich von Waldeck, 1869. 2 ) Zeugnis gehen viele Briefe an Dohna. Archiv in Schlo- bitten 36/4. s ) Glückwunsch des Kardinals Bichi, päpstlichen Legaten in Avignon. Rom, 27. Sept. 1655. Original. Archiv in Sehlobitten 4/25. 28. 4 ) Schreiben des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und der Seinen. Herausgegeben von W. L. Holland. Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart. Bd. 167. Tübingen 1884. Kleioschmidt, Amalie Ton Orameu. 11 162 lieb hatt; er lest sie aber von niemandt sehen, alß bei dem eßen und van er dabey ist. Wir vierzigjährige männer seind wunderliche leute; ists nicht war, mein schätz? Aber die junge, wan sie ihre weiber lieb haben, seindt eben so eckelicht, aber nicht so bestendig, wie mein engele mich finden wirdt biß ahn mein endt.“ Amalie bedauerte wiederholt, Dohnas Dienste nicht besser belohnen zu können; „mais mon grand mall est que iesuis si peu capable et que mon pouvoir est si fauable 1 ). u Sie hoffte, er werde sie mit seiner Frau bald im Haag besuchen, obwohl Orange weit angenehmer als der Haag sei. „Ie croy ausy que Ion peut mieux pascer les temps, car pour icy ie vous asure quil ena 2 ) for peu et plus de faschery que de plesire mais pour moy iesuis vieng si avant tent 3 ) le monde que le tout mest yn dieferansce hormies de vous pouvoir servier ie prendera grande passion a vous pouvoir monstrer que iesuis veritablement Monsieur mon neveu Yostre tres affectione dante et servante Amalie P. d’Orange 4 ).“ Bei Anlaß seiner Verlobung schrieb Amalie der Braut 5 ): „Mademoyselle. L’Interest que j’ay en tout ce qui regarde mon Nepveu le Comte de Dona, vous persuadera aisement, comme j’espere, que j’ay eu une satisfaction tres-grande, d’apprendre qu’il vous a pleu accepter sa recerche (sic!). *) faible. *) eu a. *) dans. *) Ohne Datum. Eigenhändig. 5 ) Ebenda. Original. 36/4. Archiv in Schlobitten 2/33. 2. — 163 — le vous puis asseurer quil ne me pouvoit arriver une nouvelle plus agreable. Et comme je participe singu- lierement au bonheur qui luv est arrive, je n’ay pu tarder de vous le venir tesmoigner par ce inot, et vous souhaicter toutes sortes de felicitez. Yous priant de croire, que l'affection particuliere que je luy porte, et a laquelle la proximite de sang et ses merites m’obligent, vous est entierement vouee et acquise. Pour gage de quoy, je vous prie d’accepter ce braseelet de mes cheveux que je vous envoie, m’excusant si a cause de quelques occupations pressantes je suis empeschee de vous escrire de ma main propre, qui se signera neantmoins Mademoyselle (eigenhändig) vostre tres affectione servante Amelie P. d’Orange. La Haye, le 19. octobre 1656.“ Sie erlaubte ihrem Neffen, seinen Schwiegervater, wenn derselbe seine Tochter besuchen wolle, im Schlosse zu Orange aufzunehmen, während sie jedem anderen, der nicht im Dienste ihres Enkels stehe, dort zu wohnen verbot 1 ). Dohnas Mutter, ihre Schwester Ursula, weilte mit ihrer Tochter Katharina viel bei ihr und starb in Turn- hout am 18/28. August 1657. 3. Kapitel. Weiterer Verlauf der Vormundschaft. Am 20. März 1649 hatten die Staaten von Holland und Westfriesland der Prinzessin Amalie in Anbetracht der Verdienste ihres Gemahls eine Leibpension von : ) Amalie an Friedrich zu Dohna. Haag, 4. Sept. 1656. Original. Ebenda. 2/33. 2. 11 * jährlich 20000 Gulden ausgesetzt und auch die andern Provinzen hatten ihr Gelder zugebilligt, sodaß sie jährlich 40 000 Gulden bezog 1 ). AVir wissen, wieviel Wert Amalie auf Reichtum legte; noch höher aber stand ihr der Besitz der Macht, und nun mußte sie sich beständig mit ihrer verhaßten Schwiegertochter um den Einfluß bei der Vormundschaft über Wilhelm III. streiten! Brasset versicherte Copes, Ludwig XIV. und die Regentin Anna unterstützten trotz der nahen Verwandtschaft mit der Prinzessin Maria, AVilhelms III. Mutter, sie nicht in ihren Ansprüchen, sondern sie überließen die Entscheidung über die Regentschaft in Orange allein den Richtern 2 ). Amalie wandte sich am 13. Mai 1652 aus Cleve direkt an die Schwiegertochter 3 ): „Madame! II y a deja quelque temps que monsieur l’electeur mon beaufils et moy ayant trouve d’importance les con- siderations, qui nous furent proposees par ceux du conseil au regard des presentes necessites d’Orange, nous nous y conformasmes absolument et mandasmes en suite au dit conseil de travailler a disposer votre Altesse Royale aux mesmes sentiments; de quoy cependant ne voyant pas reussir les eifects jusques a present et ne doubtant que l’affaire en passant par diverses mains ne vous puisse avoir este repressentee aussi vivement qu’elle le merite, je me trouve pressee en conscience par ce que je doibs et porte d’affection au bien de nostre petit pupille de vous entretenir directement, Madame, et sans ! ) Amalie an die Staaten von Holland und Westfriesland. Haag, 18. Dezember 1651. 2 ) Copes an Friedrich AVilhelm von Brandenburg, 1. März 1652. 3 ) Reichsarchiv im Haag. Autographen. Bd. 5. 165 l’entremise de personne sur ce sujet en vous suppliant, Madame, de considerer, qu’il s’agit ici de la Conservation de la piece capitale de la maison, en une saison aussi dangereuse, qui pouroient estre celles, que les princes defuncts se sont representees, lorsqu’ils ont resolu de faire pourvoir ces gouverneurs d’Orange de la reserve d’une assez grande somme extraordinaire par dessus les subsides annuels pour avoir de quoy se maintenir aux occurrences de quelque malheur soudain et non preveu. Pour moy, madame, j’advoue, que vous voyant sommees et preadverties non seulement par les circonstances du temps et des affaires; mais par ceux mesmes, qui en suite de leurs devoirs s’acquittent de ce dont la negligence leur pourroit estre imputee quelque jour, nous voyant d’ailleurs confirmees par la practique ordinaire et les resolutions expresses des princes, j’ay de la peine ii comprendre en consideration, de quoy nous devions liesiter ii resoudre une chose, dont le delay pourroit avoir une suite tout pernitieuse et dont le Blasme ne scauroit tomber que sur nous. Ie vous supplie, madame, de bien peser ces raisons en vostre prudence naturelle, et je m’asseure que non obstant toute autre Suggestion vous trouverez, que je marclie dans le bon chemin et m’acquitte du vray devoir d’une grande mere et tutrice, en contribuant tout ce, qui m’est possible ii la Conservation du bien du prince pu- pille qui vous estant eher, madame, autant qu’il le doibt estre je n’ay plus de doubte, qu’elle ne se dispose ä destourner tant qu’il luy est possible les inconveniens, qui le pourroyent surprendre aux jours de son innocence et dont venu en age de discretion il auroit a se prendre ä nostre conduite reproches veritablement auquel je Proteste, que ma memoire devra jamais participer. En tout cas, madame, j’attens, que vous me fassiez la justice de croire, que ce quc je luy en dis avec cette franchise ne part que du meilleur de mon coeur et de cette aifection tres entiere que j’ay a vous testmoigner par des veritables effects, que je suis, Madame, vostre tres-humble servante Amalie d’Orange.“ Zwischen den Generalstaaten und der englischen Republik war es zum Kriege gekommen und die oranische Partei sah in seiner Fortführung die Möglichkeit, um neuerdings die Herrschaft zu erlangen; je gefährlicher die Lage war, desto eher mußte der Ruf nach einem Staatsoberhaupte laut werden. Die meisten Provinzen wollten in der Tat den Sohn Friedrich Heinrichs, Wilhelm III., als General und seinen Schwager, den Grafen, späteren Fürsten Wilhelm Friedrich von Kassau- Diez, als Generalleutnant, nur die Staaten von Holland wollten nichts davon hören; sie zeigten offen ihren Haß gegen Amalie, und seitdem man sah, wie sie ihren Schwiegersohn Wilhelm Friedrich völlig beherrschte, wollte man auch von ihm als Generalleutnant nichts wissen. „Ihr Ehrgeiz,“ so schreibt ein Franzose aus dem Haag an Servien *), „ist den Staaten bekannt und verhaßt, und dies schadet dem kleinen Prinzen sehr.“ Am 7. August traf die Princess Royal mit ihrem soeben vom exilierten Könige Karl II. mit dem Hosenbandorden geschmückten Söhnchen im Haag ein, wo ihm Tags darauf eine Schar Kinder mit oranischen Feldzeichen und Trompeten eine Ovation brachte. Der holländische Advokat Thisci nahm den Kindern die Trompeten weg, es wurden oranische Feldzeichen abgerissen und ein solcher Tumult brach los, daß dem Hause des ') 20. August 1653. Groen van Prinsterer. 2. Serie. 5. Band. 167 Advokaten eine Plünderung drohte; bereits flogen Steine dagegen, da saßen die Reiter auf. Am Abend kam es zu neuer Anrottung, dem Ratspensionär de Witt wurden die Fenster eingeworfen; die Bürgerkompagnien hinderten zwar weitere Ausschreitungen, aber die Bürger riefen wie die Knaben „Oranje boven!“ und man mußte die oranischen Feldzeichen der Bürgerschaft wieder herausgeben 1 ). Mazarin, der Amalie die Frankreich ungünstigen Abmachungen des Westfälischen Friedens nicht vergessen hatte, suchte, seit Februar 1653 wieder im Yollbesitze seiner Macht, bei den Staaten von Holland, als den wichtigsten, Autorität zu gewinnen; auch der Prinz von Tarent, den wir von früher kennen und der wieder in Holland war, wo er sich vergebens bemühte, Amalie, die ihn haßte, mit Maria auszusöhnen, sprach von dem Übergewichte der holländischen Staaten in der niederländischen Politik. Den von Holland erstrebten Frieden mit der königsmörderischen Republik England suchte Amalie fern zu halten 2 ), denn nur in der Fortdauer des Krieges konnte der oranischen Sache Heil erblühen; ebenso fürchtete Mazarin ein Bündnis Englands mit den Vereinigten Staaten der Niederlande. In seiner Instruktion vom 10. Dezember 1653 an den neuen Gesandten im Haag empfahl Mazarin Pierre Chanut, sich um die Aussöhnung beider Oranierinnen zu bemühen, aber keiner von ihnen glauben zu machen, daß er sich der andern zuneige, und bei aller Verbind- >) Copes an Friedrich Wilhelm, 3./13. Mai und 2./12. August 1653. Berliner Staatsarchiv. Holland. R. 34. 227 g. s ) Weimann teilte in ihrem Aufträge dem Kurfürsten ihre Ideen wegen des befürchteten Friedens mit (Copes an den Kurfürsten, 2. Dezemher/22. November 1653). Berliner Staatsarchiv. Holland. 168 lichkeit für Oranien die Generalstaaten nicht zurückzusetzen; Chanut durfte nicht für Oranien offen ein- treten. Sobald Chanut ins Gemach Amaliens eintrat, frug sie ihn ohne weiteres um seine Ansicht über Oliver Cromwell, den Lord-Protektor, und sagte, als er ihr auswich: „Ich meinerseits halte ihn für einen tapfern Mann, der es wohl verstanden hat, einen hohen Plan auszuführen.“ Chanut ersah aus diesen Worten ihre Herrschsucht. Er sprach dann mit ihr vom Tode Bruns, an dem sie viel verloren hatte, und sie war voll Freude über Ludwigs XIY. gute Stimmung für sie und ihr Haus; wenn sie auch wenig Autorität im Lande hatte, so wollte Chanut sie doch öfter aufsuchen, ohne sich der antioranischen Partei verdächtig zu machen 1 ). Es galt im Haag, wo der Boden glatt war wie kaum anderswo, klug zu lavieren; Jan de Witt, der seit Juli 1653 als Ratspensionär von Holland die Geschäfte leitete, war ein Staatsmann ersten Ranges und den Oraniern totfeind. Am 5. April 1654 erfolgte der Friede von Westminster zwischen England und den Mederlanden; derselbe bedeutete zugleich ein Bündnis beider und durch die ihm angefügte Exklusionsakte verpflichtete sich Holland heimlich, die Oranier von der Regierung auf ewig auszuschließen; Mazarin sah darin einen Druck Cromwells auf de Witt, die Oranier mußten als die natürlichen Stützen der Stuarts von aller Macht ausgeschlossen werden. Friede, Bündnis und Akte waren ein Donnerschlag für Amalie und für die Oranier; auf ewig schien die Aussicht ihres Enkels, Statthalter, Generalkapitän und Generaladmiral wie seine Yorfahren werden zu können, begraben. De Witt versicherte zwar Amalie, die sich beschwörend an ihn wandte, die Exklusion sei ') Chanut au Brienne, Haag, 22. Januar 1654. Groen. 169 nur durch Zwang der Verhältnisse erfolgt und könne, wenn Wilhelm III. erwachsen sei, widerrufen werden 1 ); Amalie aber war damit nicht zu beruhigen. Die Städte in Holland waren auf ihre Deputierten ungehalten und billigten die Exklusionsakte nicht; sie betonten, dieselbe hätte, falls sie wirklich eine Notwendigkeit gewesen wäre, ihnen und allen Provinzen zur Erwägung vorgelegt werden müssen; alle Provinzen sprachen es unverblümt aus, sie sei nicht notwendig gewesen, sondern sie sei das bloße Werk einiger dem Hause Oranien gehässiger Personen. Man bemühte sich nun, die Exklusion wieder aus dem Eriedensinstrumente zu eliminieren, Cromwell aber hielt an ihr fest 2 ). Die Uneinigkeit der oranischen Fürstinnen und ihres Anhanges hinderte die oranische Partei an einheitlichem kräftigem Auftreten und an der Loslösung von Holland, das hingegen, im Besitze der Macht, der Truppen und des Geldes, den Ton angab. Chanut mochte auch nicht offen für die Oranier eintrcten 3 ), denn ihr etwaiger Bruch mit Holland konnte für Frankreich unvorteilhaft ausfallen; Amalie würde dann, so meinte Chanut, von spanischer Seite alles aufbieten, um ihre Güter in Brabant zu decken, und Frankreich würde schwere Einbußen für seine Schifffahrt erleiden. Amalie benahm sich eigentümlich; sie ließ den Generalstaaten sehr untertänig Glück zu dem Friedensschlüsse wünschen und nahm de Witt freundlich auf, suchte aber zugleich Ludwig XIV. für sich zu erwärmen und beklagte sich bei Chanut bitter über die ihr Haus beschimpfende ‘J Weimann an den Kurfürsten, Haag, 19. Mai 1654. (Urkunden und Akten, Bd. 4.) 2 ) Copes an den Kurfürsten, 9./19. Mai 1654. Staatsarchiv. Berliu. 3 ) Ohanut an Mazarin, Haag, 1. Mai 1654. Groen. 170 Exklusion durch die Staaten von Holland; Chanut aber wies sie mit ihren Klagen an die Generalstaaten. Um gegen die Exklusion zu wirken, reiste sie im September 1654 zu ihrem Schwiegersöhne, dem Kurfürsten, nach Berlin 1 ). Ihr höchster Wunsch war, infolge einer populären Bewegung ihren Enkel zum Gouverneur und Generalkapitän und ihren Schwiegersohn von Nassau- Diez zu seinem Generalleutnant erklärt zu sehen. Chanut aber hegte großen Verdacht gegen ihre Ehrlichkeit und schrieb an Mazarin 2 ): „Die verwitwete Prinzessin, die bei ihrem Alter kaum hoffen kann, ihren Enkel einst als Generalkapitän zu erblicken und die sich im Überflüsse ihrer Güter gefällt, scheint die Dinge ziemlich gleichgültig zu nehmen, und manche glauben, sie treibe ihre Schwiegertochter an, Lärm und Klagen anzustimmen, damit der Protektor, wenn sich dieselbe ihm verdächtig mache, ihre Entfernung vom hiesigen Staate verlange und der Prinz unter der Erziehung seiner Großmutter bleibe.“ Die drohende Losreißung der andern Provinzen von der herrschenden Provinz Holland w T ar ganz gegen Mazarins Politik und er riet Chanut, alles dagegen zu tun. Amalie bemühte sich auffallend um die Gunst Hollands und Chanut insinuierte Brienne geradezu, die Besuche des Ratspensionärs de AVitt hätten sie umgestimmt, weil sie von ihm die Zahlung einer Pension vom Tode ihres Gemahls an erhoffe 3 ). Chanut erklärte Amalien im Aufträge Ludwigs XIV., er werde Befehl geben, daß die Besitzungen des oranischen Hauses in und bei Bletterans in Burgund durch die ') Haag, 14. Mai 1654. Groen. 2 ) Copes an den Kurfürsten, 22. August und 20. September 1654. Berliner Staatsarchiv. Holland. 3 ) Haag, 21. Mai 1654. Groen. französische Besatzung des dortigen Schlosses in keiner Weise belästigt werden; der König habe den strengsten Befehl an den Gouverneur de Serville erlassen und Auftrag erteilt, alle seit 1647 aus Bletterans schuldigen Revenuen auszuzahlen*). Bür diese Sauvegarde der burgundischen Besitzungen und für eine Gratulation des Königs zu der Geburt ihres Enkels, des Kurprinzen Karl Emil von Brandenburg * 2 ), dankte Amalie Chanut am 1. April 1655. Bei Anlaß dieser Geburt schrieb sie auch Iiuygens, der ihr nach langem Schweigen gratuliert hatte 3 ), am 16. März aus Berlin. Sie stellte ihm vor, wie ungerecht sein Verdacht sei, sie habe eine Abneigung gegen ihn oder die Seinen, und wie sie im Gegenteil die alte Zuneigung und Huld gegen ihn hege; sie versprach, ihm dies nach ihrer Rückkehr in den Haag zu beweisen, und schloß mit neuen Beteuerungen ihrer unveränderten Gnade. Er bewarb sich bald darauf bei ihr um die durch Crommons Tod vakant gewordene Stelle im Rate für seinen ältesten Sohn Constantin, doch war schon zugunsten ihres Sekretärs Rivet darüber verfügt und sie lehnte das Gesuch sehr höflich ab 4 ). Huygens war empört über den Mißerfolg seiner Bewerbung und hat seinen Gefühlen in dem Aufsatze „A mes fils“ Ausdruck gegeben. Gegen Friedrich Wilhelms ersten Staatsmann, den Grafen Georg Friedrich von Wakleck, war Amalie feindlich gesinnt und bemühte sich, ihn aus der Gunst ihres Schwiegersohnes zu verdrängen, um ihren ') 11. Februar 1655. Pariser Archiv. Holland. B. 55. 2 ) Bei der Taufe am 10. Mai/30. April war Amalie nebst der Stadt Amsterdam unter den Paten. 3 ) Memoires de C. Huygens. 4 ) Huygens an Amalie, 10. Mai 1655, Amalie an Huygens, Berlin,. 7. Juni 1655. (Memoires de C. Huygens.) £^i»«3ffiiiä2iw**fi.fiiirtS8!'?rw?fclL»S — 172 — U Neffen, den Burggrafen Friedrich zu Dohna in Orange, an seine Stelle zu setzen x ). Ich gedachte schon früher ihres Einflusses auf den Großen Kurfürsten und auf seine Regierung. Schon 1649 hatten die Deputierten von Cleve sie, als sie mit ihrem Sohne dort weilte, um ihre Vermittelung im Streite mit dem Kurfürsten gebeten und sie hatte ihnen vor ihrer Heimreise versprochen, bei ihrem Schwiegersöhne alles durchsetzen zu wollen * 2 ). Als sie 1651 auf ihrer Reise nach Berlin einige Tage in Wesel war, erschienen am 10. September vier Abgeordnete der clevisch-märkischen Stände bei ihr und sie versprach Verwendung bei Friedrich Wilhelm 3 ). Die Stände baten sie dann noch in einem Schreiben vom 13. September d. J. um „ihre Interposition bei dem Kurfürsten zur Sicherstellung ihrer Privilegien und zur Befreiung ihres Regensburger Deputierten von Willich zu Winnenthal aus der Haft.“ Ebenso beschworen sie Amalie, als sie auf einer Reise nach Berlin in Wesel weilte, am 13. September 1654 aus Rees um ihre Intervention gegenüber der Rücksichtslosigkeit des Kurfürsten. Während seines Feldzuges in Preußen übertrug der Kurfürst seiner Schwiegermutter die Verhandlungen mit den zum 28. September 1655 nach Cleve berufenen Ständen und ließ das Schloß für sie einrichten. Am 12. September traf Amalie von Berlin in Groningen ein, die Stände der verschiedenen Landesteile Friedrich Wilhelms geleiteten sie durch das betreffende Gebiet, am 29. September empfingen die clevischen Stände sie in Wesel und am 3. Oktober traf sie mit dem Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen, dem durch seine *) Sonnnelsctyck an Waltleck, 9. März, 5. April und 15. Juni 1655. .(Erdmannsdörffer, Graf Georg Friedrich von Waldeck.) 2 ) 30. September 1649. Urkunden und Akten. Bd. 5. 3 ) Ebenda. - 173 Tätigkeit in Brasilien berühmten Statthalter des Kurfürsten in Cleve, Mark und Ravensberg 1 ), in der Stadt Cleve ein. Als Johann Moritz von dort zur Eröffnung der neuen Universität Duisburg (14. Oktober) reiste, erklärte ihm Amalie, sie habe in Cleve keine Zeit mehr zu verlieren; sie wußte die Stände glücklich zu bearbeiten, und als sie in den Wagen stieg, um Cleve zu verlassen, erschien eine Deputation derselben, um ihr die Einwilligung in alle Forderungen mitzuteilen. Johann Moritz sagte ihr dann in Arnheim, er habe es sich nicht vorgestellt, daß man es soweit bringen könne. Der Kurfürst erklärte sich am 17. November, wenn auch mit innerem Widerstreben, zur Genehmigung der von Amalie vollzogenen Rezesse bereit. Um Amaliens Stimme für die Bewerbung um die Feldmarschallswürde nach dem Tode ihres Schwagers Brederode 2 ) zu erlangen, fanden sich im Oktober 1655 ihr Schwiegersohn von Nassau- Diez und Johann Moritz in Cleve ein; ersterer hatte engere Fühlung mit de Witt gesucht und schien bei Amalie im Vorteil; Johann Moritz hielt sie mit Recht für seine Gegnerin und schrieb im November voll Bitterkeit dem Kurfürsten von Brandenburg: „Eins habe ich von Eurer Kurfürstlichen Durchlaucht verstanden, das mich thut trösten, nemlich daß selbe nicht in der Ewigkeit wollen den Namen haben, von Weibern regiert zu sein.“ Die clevischen Stände bedienten sich auch in den folgenden Jahren der Einwirkung Amaliens auf den Kurfürsten und nannten sie geradezu: „Sancta Maria bitt für uns“; sie hat ihnen wiederholt gute Fürsprache geleistet und sie erwiesen sich ihr dankbar. ] ) Amalie umging Johann Moritz, wo sie konnte, und bediente sich fast nur Weimanns. 2 ) Amalie zeigte den Tod Brederodes den Staaten von Holland in Groningen am 13. September 1655 an (Reichsarchiv. Haag). 174 Diese Stände bezahlten die Hochzeit ihrer Tochter Albertine Agnes mit dem Fürsten von Nassau-Diez und den Hofhalt des Kurfürsten 1651 und 1652, schickten Amalien im Februar 1661 ein Faß Rheinwein usw. 1 ). Der Kurfürst zedierte Amalie von den Geldern, die er vom Kaiser zu fordern hatte, 20 000 Reichstaler, welche „vor etlichenn jahrenn“ geschehene Zession er in Oranienburg am 28. Juli 1655 erneuerte 2 ). Ganz perplex erschien Amalie AVeimann über die Unterhandlungen des Kurfürsten mit Cromwell, dem ärgsten Feinde ihres Hauses 3 ). Bewahrte sie doch für die Stuarts eine rege Teilname, wenn sie auch Maria feind blieb; Karl II. hatte immer noch enge Fühlung mit ihr, und Herbert von Beaumont schrieb ihr am 18. März 1655, er beschwöre sie, der Absicht Karls, nach Holland zu kommen, frühzeitig entgegenzuarbeiten, da ihn ja der 1654 zwischen den Republiken von Holland und England geschlossene Yertrag von Hollands Boden ausschließe 4 ). Mit Frankreich blieb die Prinzessin-Witwe im besten Einvernehmen, wie uns ihr Briefwechsel mit Mazarin auch 1656 und in der Folge zeigt; indem sie sich für einen Edelmann (de Fourmentau) verwendete, der im Duelle einen andern (de Yal) getötet, betonte sie, Fourmentaus treue Dienste für Ludwig XIY. seien der Grund, warum sie sich in diese Privatsache einmische; von des Kardinals mächtiger Fürsprache bei Ludwig erhoffe sie die Begnadigung Fourmentaus und letztere solle ihr ein Zeichen sein, daß sie noch ebensogut angeschrieben sei, wie zur Zeit Ludwigs XIII. und ') Urkunden und Aktenstücke, Bd. 5. ! ) Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 20. Kopie. 3 ) Weimann an den Kurfürsten, 10. Dezember 1655. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 7. 4 ) Reichsarchiv im Haag. 175 Kichelieus 1 ). Mazarin versprach ihr die Begnadigung des Duellanten und versicherte sie seiner bereitwilligsten Dienste, wofür sie ihm herzlich dankte 2 ). Chanut wurde 1657 durch den Parlamentspräsidenten Jacques Auguste de Thou, den Sohn des berühmten Historikers, als Botschafter bei den Vereinigten Provinzen abgelöst, und Mazarins Instruktion für ihn empfahl zwar das bisherige Lavieren zwischen den Parteien, war aber im Grunde der Sache des jungen Prinzen Wilhelm (III.) günstig. Mazarin riet 3 ) zur Zurückhaltung gegen Maria, die jede Annäherung hochmütig zurückweise und ganz von ihrer Umgebung, Heenvliet und Lady Stanhope, irre geleitet w r erde; nicht weniger aber warnte er vor Amalie. „Sie hat viel Geist und große Kenntnis in den Weltgeschäften und, wenn alle ihre Gedanken auf ein einziges Ziel hinstrebten, wäre ihre Zuneigung, wohin sie sich auch kehren möchte, von sehr großem Gewichte, so aber wird sie durch verschiedene Interessen geteilt; die Bewahrung der zw r ei großen Besitzungen Turnhout in Brabant und Zevenbergen in Holland, die ihr von den Spaniern als Lohn dafür gegeben wurden, daß sie es bei der Schwache des Prinzen, ihres Gemahls, dahin brachte, ihn in den Frieden von Münster einwilligen zu lassen, -werden sie an Spanien ketten, und man darf nicht hoffen, daß sie es jemals dem Zufalle überlasse, Spanien zu mißfallen. Übrigens ist sie zu klug, um nicht einzusehen, daß das Glück ihres Enkels, des Prinzen von Oranien, nur durch die Gunst Frankreichs solid gestützt werden kann, und ') Amalie an Mazarin, 24. Februar 1656. Arcliives des affaires etrangöres. Paris. Holland, Band 56. 2 ) Mazarin an Amalie, 4. März 1656. Amalie an Mazarin, März 1656. Ebenda. 3 ) Groen van Prinsterer, Bd. 5. darum will sie uns glauben machen, daß sie von dieser Gunst viel erhoffe, daß die Begebenheiten in Münster nur erfolgt seien, weil unsre Minister die guten Ratschläge, die sie ihnen damals gab, nicht befolgten und daß sie stets ein französisches Herz habe. Man glaubt, daß ihre Zärtlichkeit für die Frau Kurfürstin von Brandenburg, ihre Tochter, und ihre Genugtuung über die Ehre, die Schwiegermutter eines so großen Fürsten zu sein, den der Ehekontrakt in Ermangelung männlicher Erben in die oranischen Hausgüter substituiert, ihn (den Kurfürsten) oft daran denken ließen, sich auf diese Seite zu stützen, weil man ihr gesagt hat, ihr eigener Enkelsei von zartem Temperamente. Sie liebt, wie man glaubt, den Prinzen Wilhelm von Kassau * 2 ), ihren Schwiegersohn, nicht und fürchtet seinen Verstand trotz der sehr großen Unterwürfigkeit, womit er sie behandelt, während er darauf ausgeht, durch die Stellung als Generalfeldmarschall seine Autorität zu erhöhen. Obwohl der Haß der Großen Hollands gegen das Haus Oranien und die ihm letzthin zugefügte Beleidigung, es zu jedem Amte unfähig zu erklären, ihr einen gerechten Abscheu gegen die Staaten dieser Provinz, wenigstens gegen die Häupter dieser Partei, eingeben sollte, schmeichelt sie ihnen nichtsdestoweniger; sie spricht von dem Schimpfe, den sie ihrem Hause angetan, nur in gemäßigten Ausdrücken und unter guter politischer Maske, um sich der Zeit anzubequemen. Sie ist gefällig gegen diese Herren, um von Holland eine Pension zu erhalten, welche diese Provinz den Witwen der Prinzen, ihrer Statthalter, zu geben pflegt. Sie wurde ihr nach dem Hintritte ihres Mannes angeboten; sie wies sie zurück, weil sie die ') Irrtümlich heißt es in (1er Instruktion: Sohn. 2 ) Fürst Wilhelm Friedrich. 177 doppelte Höhe des gewöhnlichen Betrages wollte; und so ist sie nicht gezahlt worden; die von ihr häufig wiederholte Bemühung um diese Schuld glättet derart ihr ganzes Betragen gegen die Holländer, daß man anstehen muß, ihr zu entdecken, was man vom gegenwärtigen Regimente dieser Provinz denken würde. Denn diese Dame nützt alles aus und da sie in ruhigen Verhältnissen ohne Autorität ist, würde es ihr nicht mißfallen, etwas Unruhe zu sehen, wobei jeder Ansehen gewinnt. Auf diese ersten Notizen und auf das hin, was der Herr Präsident von ihr gewisseres erfahren wird, kann er seine Unterhaltungen mit dieser Fürstin in der Erwägung regeln, daß sie fähig ist zu schaden, wenn sie sich verachtet fühlt, und wenig imstande, uns gutes zutun, welche Mühe wir uns auch geben mögen, ihr zu gefallen.“ Mazarin wollte den Oraniern möglichst viel Anhänger erhalten und den Niederländern klar gemacht sehen, daß sie am besten täten, den jungen Wilhelm (Heinrich) zum Generalkapitän zu machen; doch mußte dabei jede Parteinahme gegen die antioranische Richtung vermieden werden. Er wußte, daß der französische Botschafter im Haag ein Gegenstand des Mißtrauens für beide Parteien war, und wußte zugleich, daß de Witt jetzt weit mehr galt als das Haus Oranien; darum empfahl er Thou besonders, de Witts Freundschaft zu suchen. Am 8. Juni 1657 übergab *) der spanische Gesandte im Haag, Gamarra, Amalien ein Memoire, worin er ihre Vermittlung bei dem Kurfürsten von Brandenburg dahin nachsuchte, daß sich derselbe mit Oesterreich zum Zwecke der Kaiserwahl verständige; als Preis dafür solle ihm ‘1 Urkunden und Aktenstücke, Bd. 7. v. Orlich, Der große Kurfürst, 1836. Kleineclimidt, Amalie von Oranien. 12 die Erwerbung Pommerns, „son legitime patrimoine“, winken. Schwerin schrieb auf ihre Yermittlung hin am 28. Juni nach dem Haag, eine Antwort hierauf sei augenblicklich noch nicht tunlich. Und am 27. Juli schrieb Amalie aus Turnhout an den Kurfürsten, der spanische Gesandte sei im Aufträge des Königs von Ungarn vor vier Tagen bei ihr gewesen und habe ihr anempfohlen, den Kurfürsten um seine Stimme bei der Kaiserwahl zu bitten; dafür habe der König von Ungarn ernstlich die Bewilligung alles dessen zugesagt, was der Kurfürst früher vom Kaiser, seinem Yater, verlangt habe. Amalie gab der Hoffnung Ausdruck, ihr Schwiegersohn werde sich diese so bald nicht wiederkehrende Gelegenheit, den Kaiser und den König sich zu verpflichten, nicht entgehen lassen; sie glaubte, Oesterreich werde so wie so die erforderliche Stimmenzahl erhalten und kein andrer Prinz könne erfolgreich mit ihm konkurrieren; darum müsse der Kurfürst aus der Lage Vorteil ziehen und sich beeilen, die Zeit sei kurz; der Kurfürst möge ihr mitteilen, was sie Spaniens Botschafter zu antworten habe 1 ). Am 7. September 1657 schrieb Amalie dem spanischen Botschafter 2 ) : „Monsieur. B y a quelque temps que j’ay escrit a V. Exce. tou- chant l’Election du Roy de Hongrie a l’Empire, et que Monsieur l'Electeur de o Brandenbourgh estoit fort enclin et porte d’y servir sa Majtf de sa voix pour la faciliter. Les lettres que j’ay receues de Coenigsbergen du 23A Aoust me le confirment encore, et m’asseurent qu’il ') Sie unterschrieb sieh „vostre tres lnunble servante et tres Adele mere Amelie p. d’Orange“. 2 ) Gräfliches Hausarchiv in Laubach. Original. 179 persiste tousjours en cette resolution de donner sa voix au Roy de Ilongrie, combien qu’il y ayt trois Electeurs qui s’offrent de se joindre a luy s’il veut quitter la Maison d’Austriche. En mesme temps on me faict des plaintes qu’a Prague il ne se faict et ne s’avance rien pour Son Alt. Elect. en ses justes demandes et pre- tentions, que l’on y donne bien des bonnes paroles et esperances; mais sans rien conclure et promettre de certain, quoy que l’on y voie bien que s'il ne demeure constant pour la Maison d’Austriche ilz trouveront des difficultez pour l’Election. C’est, Monsieur, ce qui me faict vous prier de prendre garde que par un tel delay, Monsieur l’Electeur ne soit force de faire chose qui pust nuire au Roy de Hongrie, qui seroit apres irreparable, et causeroit des grands maux. Son Alt. El. demande la Principaute de Grlogaw, qui importe fort peu a la Maison d’Austriche, au moins pas tant que le service qu’il pretend luy faire, veu mesmes qu’il la desire contre des pretensions justes et liquides. On attend doncques, a Cönigsbergen, Monsieur, que l’on accordera pas seulement ce que Monsieur l’Electeur demande, mais encore que l’on tiendra parole, et effec- tuera ce qui se promet, pour n’estre traictez comme la derniere fois, que l’on ne mit en effect ce qui avoit este conclu; ce qui, sans doute, contraindroit Son Alt. El. de prendre des resolutions desesperees. Je vous prie, Monsieur, d’y bien penser, et de travailler a ce qu’il ayt contentement, et qu’il n’aye sujet de m’accuser d’avoir plus promis au nom du Roy de Hongrie que l’effect ne le demonstre, et de luy avoir faict perdre les offres et presentations tres-grandes, avantageuses et considerables, qui luy sont faictes d’un autre coste, que je vous asseure n’estre pas a rejetter. Je me repose donc, Monsieur, sur vostre bonne conduite et addresse, 12 * 180 selon la dignitö et le merite de l’affaire, et demeure cependant De Turnhout ce 7. Septemb. 1657. Monsieur (eigenhändig) de Y. Exce. tres heumble et tres affec tione servante Amelie P. d’Orange.“ „Je yous supplie, Monsieur, de m’excuser, si a cause d un catharre a quoy yous scavez que je suis fort su- jette, je me sers d’une autre main que la mienne.“ Monsieur 1’Ambassadeur d’Espagne. In ihrer Sorge um den geliebten Enkel wandte sie sich am 20. Januar 1657 l ) aus dem Haag an Don Juan d’Austria, den natürlichen Sohn König Philipps IY. und der Schauspielerin Calderon, der seit kurzem Statthalter der spanischen Niederlande war; Huygens-Zuyliehen und de Beaumont, die Bäte ihres Mündels, reisten nach Brüssel, um verschiedene Angelegenheiten "Wilhelms dem Statthalter ans Herz zu legen; Don Juan sollte ihm zum Genüsse der Rechte verhelfen, die ihm durch den Westfälischen Frieden zustanden; es sei doch mehr als unbillig, daß ihr Mündel in seiner Minorennität darum betrogen würde. Auch aus Briefen an Huygens 2 ) geht hervor, daß sie die Interessen des Enkels glücklich wahrte und keine ihm ungünstigen Abmachungen duldete. Am 6. September 1657 schrieb sie an Mazarin und bemerkte unter Dankesbezeugungen an den König und an ihn für die Teilnahme am Tode ihres Neffen 3 ): ’) Hausarchiv im Haag. Bd. 2486. '-) Turnhout, 1. August 1657. Ebenda. Bd. 2487 '. s ) Archiv in Paris. Bd. 57. — 181 — „Je vous puis asseurer, monsieur que comme leurs majestes et votre Eminence ont par le deces de feu mon neveu perdu un tres liumble serviteur, qui s’estoit tout voue a la France, elles en ont acquis un autre par la naissance du jeune prince de Brandenbourg 1 2 ), qui sera un jour capable, comme j’espere, de le leur tes- moigner suivant les traces et les inclinations de ceux, dont il est issu: particulierement les mienes, monsieur, de la sincerite desquelles envers Yotre Eminence je vous supplie de me faire la justice d’estre persuade et que je seray toute ma vie Monsieur de Yostre Eminence tres humble et tres fidele Amalie d’Orange.“ Amalie erwies sich de Thou gegenüber sehr vorsichtig -2 ), als er von ihr gewissermaßen Rechenschaft über die Haltung des Kurfürsten von Brandenburg gegen Frankreich forderte; sie erwiderte, sie könne nicht glauben, „daß man an eine arme Witwe wie sie heran wolle, und daß man sie für fähig halte, Gutes oder Böses zu tun.“ Do Thou antwortete ihr, man zweifele nicht an ihrer Macht, wohl aber an ihrem Willen. Nach längerm Hin- und Herreden betonte sie vertraulich, sie sei eine Deutsche von Geburt und ihre Zuneigung gehöre denen, welche Glück und Frieden des Reichs wollten, somit Frankreich. Die Prinzessin Maria von Oranien war mit Dohnas Regiment in Orange niemals einverstanden und schrieb in diesem Sinne 1658 an den Kardinal Mazarin 3 ): *) Der spätere König Friedrich I. in Preußen. 2 ) De Thou an Brienne, Haag, 2. Oktober 1657. Groen. 3 ) Groen. 182 „Mein Herr Vetter! Die Zuneigung, die Sie mir wiederholt bewiesen, hat mich stets überzeugt, daß Sie mir in der oranischen Affäre neue Zeichen davon geben möchten. Die Königin, meine Frau Mutter, ließ mich auch wissen, daß Sie ihr in so gefälliger Weise Hoffnung auf den Schutz des Königs und auf Ihre Hilfe gemacht haben, daß ich außer dem Danke, den ich Sie bat, Sr. Majestät meinerseits abzustatten, meinte, Ihnen expreß den Herrn von Riconieres, Chef des Parlaments l ) des Prinzen, meines Sohnes, und diesen meinen Edelmann senden zu sollen, um Sie meiner Gefühle zu versichern und durch Ihre Begünstigung das Nötige zur Befestigung meiner legitimen Autorität und der Ruhe zu erlangen, welche die Gewalttätigkeiten des Herrn Grafen zu Dohna in jenem Staate gestört haben. Ich bitte Sie, dem, was sie Ihnen von mir sagen werden, Glauben beizumessen. Herr von Beauregard wird Sie unterdessen meinem Befehle gemäß vom Stande der Dinge gründlich unterrichtet haben; und ich bin versichert, Sie werden so viel Gerechtigkeit bei seiner Darlegung meines Rechtes gefunden haben, daß Sie mich bei diesem Anlasse wirksam verpflichten wollen. Ich erwarte dies Zeichen Ihrer Zuneigung, deren Andenken ich lieb behalten werde, und will Ihnen bei jeder Gelegenheit bezeugen, daß ich in Dankbarkeit bin, mein Herr Vetter, Ihre wohlaffektionierte Cousine Maria.“ Amalie wendete sich bald darauf an dieselbe Adresse; ihr Brief an den Kardinal lautet 2 ) „Monseigneur! Die Princess Royal kann sich nicht mit Recht beklagen, übervorteilt zu werden, da sie ') In Orange. 2 ) Groen. 183 das Recht und Interesse nicht ignorieren kann, welches der Herr Kurfürst von Brandenburg als präsumtiver Erbe des Prinzen, ihres Sohnes, und ich als Mutter und Vormünderin der Prinzessinnen, meiner Töchter, die successive substituiert sind, dabei haben. Ich will mir auch vom guten Naturell dieser Prinzessin noch versprechen, daß sie, wenn sie die Bosheit und List derer erkannt haben wird, welche zur Förderung ihrer Privatinteressen und zur Deckung ihrer Verbrechen sie zum Versuche der Zerstückelung dieser Vormundschaft trieben — uns dafür Dank wissen werde, sie verhütet zu haben, und daß sie mehr als je mit uns einig sein werde, zum Wöhle des Prinzen, ihres Sohnes, und zur Sicherheit seines Staates. Ich kann Eurer Eminenz versichern, daß ich hierfür alle erdenkliche Sorgfalt tragen werde, wie ich das bisher getan, und hierfür fordere ich keinen andern Zeugen als die Princess Royal selbst, die weiß, mit welcher Sanftmut und Freundschaft ich versucht habe, alle Dinge zur Vernunft und zur ersten Ordnung zurückzuführen, wobei ich mich der Wege der Strenge enthielt, welche die Gerechtigkeit mir hierzu hätte bieten können. Februar 1658. Eurer Eminenz ergebenste und treueste Amalie, Prinzessin von Oranien.“ Mazarin riet de Thou am 25. März, die Bekanntschaft mit Amalie, die Thou für Frankreichs Interessen wichtig und vorteilhaft erachte, zu pflegen, dabei aber die nötige Vorsicht und Zurückhaltung zu beobachten; er selbst, der Kardinal, beurteilte Amalie anders. Er hielt sie für so eng verbunden mit ihrem Schwiegersöhne in Berlin und mit dessen Oesterreich freundlicher Haltung, daß sie gewiß kein Herz für Frankreichs Interessen hege. 184 „Haben Sie aber,“ so schloß er 1 ), „hierin mehr Einblick und Sicherheit als ich, so willige ich ein, daß sie meine Ideen aufgeben, um den Ihrigen zu folgen.“ 4. Kapitel. Frankreich bemächligt sich Oranges. Sod maria Sfuarls. Die Wirren im Fürstentume Orange nahmen eine immer gehässigere Wendung 2 ). Die Königin-Witwe von England, Henriette Maria, lag Mazarin stets in den Ohren und fand bei ihm wie bei dem französischen Klerus mehr und mehr Boden; ihre Tochter, die Princess Royal, ging mit ihr eine Straße und ebnete törichten Sinnes Frankreichs Lüsternheit die Wege. Sie wollte Orange für sich und bot Ludwig XIV. die Schutzherrschaft dar; Ludwig nahm sie an, um mit der Zeit zur Einverleibung des Landes zu gelangen. Auch der Herzog von Longueville trachtete nach dem Besitze von Orange. Dohna aber kam allen Intriguen auf die Spur und hielt unerschütterlich auf seinem Posten Stand. Mit Einwilligung des Kardinals ließ Herzog Graston von Orleans, der Gouverneur des Languedoc, 1657 die Stadt Orange belagern, von wo die Zitadelle ihre eigentlichen Subsistenzmittel bezog, und ließ ihr dieWegzölle fortnehmen. Da es zu Streitigkeiten zwischen den Truppen Ludwigs XIV. und denen AVilhelms III. von Oranien kam, so diente dies zum erwünschten Anlasse für weitere Gewaltschritte. Ludwig behauptete, die Wirren der Vormundschaft in Orange gefährdeten seine Staaten, und ließ 1658 im Languedoc und im Dauphine Plakate anschlagen, in denen er sich zum Protektor des minorennen Wilhelm III. erklärte und dessen Mutter, die Princess Royal, als ') Groen, Bei. 5. 2 ) Memoires du Burgrave et Comte Frederic de Dohna. alleinige Vormünderin anerkannte; den Gouverneur "Burggrafen zu Dohna und seine Garnison bezeiclinete er darin als Rebellen gegen ihre legitimen Souveräne und die in der Garnison befindlichen Franzosen als Rebellen gegen ihn selbst. Dohna griff in seiner Verzweiflung zu einem drastischen Mittel, das ihm bei Ludwig und seinen andern Feinden teuer zu stehen kommen mußte; er ließ im ganzen Fürstentum Orange Schriften anschlagen, worin er die Plakate des Königs als untergeschoben ausgab. An Amalie schrieb er immer wieder um Hilfe und um Zuschüsse, um seine erhöhten Ausgaben zur Verteidigung von Orange zu decken. Treu seinem Eide, auf dem Posten zu beharren, als wäre er der Prinz von Oranien selbst, verpfändete er in Avignon die Edelsteine seiner Gemahlin, ließ seine Güter in der Schweiz verkaufen und beschaffte sich Geld, wo er nur konnte. Amalie schrieb ihm einmal 4 ): die Princess Royal höre leider nicht auf guten Rat und vernachlässige die Interessen ihres Sohnes, nicht „come yn bon ne iuere doit pour le bien de son fils. mais eile ny son meschant conselge nous vieulget pas seulement escouteur y faut que nous allens sens eile et considereur le bien de nostre enfant si suis mor y quelle ora yn iour beaucoupbe a repondeur iespre * 2 ) que vous contuires les afaires en delle forme come vous iuserez 3 ) pour le serviesce de la Princebaute et le serviesce de Mon petit fils come nous avonsce grand suiet de nous louier de vostre prosdeure 4 ) et vous remerscy de tout mon coeur de vostre soinge et grandes *) Eigenhändig-, Haag, 9. Oktober, ohne Angabe des Jahres. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 2 ) j’espere. 3 ) jugerez. *) procedure. peines.“ Amalie schloß ihre Zeilen mit der Hoffnung, ihr Enkel werde seine Aufopferung würdigen lernen und nach Verdienst belohnen; sie selbst war, wie sie bedauerte, unglücklich über ihr Unvermögen, ihm mehr Güte erweisen zu können. Der Brief atmet die innigste Liebe und Zuneigung zu dem geplagten Neffen, dessen Sache die ihrige war. Über die Wirren in Orange sagt ihm Amalie ein andresmal'): „Es scheint, wir sind dadurch bedroht; sie halten mich stets in Kummer und ich wünsche, die Folgen noch kennen zu lernen.“ Sie verläßt sich auf Dohnas Umsicht und Wachsamkeit, die sie längst kennt, und erwartet, daß „ihre Übel abgewendet und zerstört werden“; sie will alles anstrengen, um die Dohna nötigen Hilfsmittel zu beschaffen. Immer von neuem klagte sie in ihren Briefen an Dohna über ihre Schwiegertochter, von der alle Schwierigkeiten ausgingen oder wenigstens genährt würden. Ich lasse noch einen völlig eigenhändigen Brief Amaliens, der kein Datum hat, an Dohna folgen * 2 ): „Mon nepveu nostre seur ma dust 3 ) que vous estes en peine que ie veux sortir de la dustdelle 4 ) il est bien veray que ienay parle a la court de Ilolande pour en estre decarsee 5 ) mais asure vous que ie ne fera iamais rien ou que ie mestra si bonne Order que le tout sera mieux quil na este si devant et ausy la court ne me vieuxt pas encor decharseur ie croy quil vieulget premierement tout recherseur 6 ) come le tout est passee ’) Haag, 4. Juli 1658. Original. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 2 ) Ebenda. 3 ) m’a dit. 4 ) tutele. 6 ) dechargee. °) rechercher. 187 tlepuis la mort de inon fils et asure vous que iay les afaires d’orange si fort au. coeur que ie ne souvera 1 ) iamais que Ion vous fasce dort 2 ) et apres le grandes servisces et iidelite que vous aves rendu a mon petit fils. iespere que luy le reconnoistra yn iour enver vous et les vostres i’ay montre a la court de Iiolande le dort que la P. ß. a fait a la Prinsibaude d’orange et que iespere quil trouveront quelque remeste 3 ) pour le repos de ceste pouver plasce il ont este fort ettonee de voir que la Princesse est alle de ceste fascon et qui dascheront 4 ) de le faire mener a la raison mais ie voie qui sont fort porte a yne amenestie pour ceux de parlement rebelle de coy 5 ) ie suis extremement ettogne 6 ) et ie vous prie mende 7 ) moy sur tout ceux afaires come vous iuies 8 ) que Ion peut faire le mieux en ceste bevue et en ceste coniondine 9 ) de temps il est dufessil de faire le chosce 10 11 ) come ie le souhaitera bien et come il ont bien merite. le mal est grand parsce que la Fransce sens melle 41 ) dieu on na soinge 12 ) de son etglusie 13 ) et de nostre troit 14 ) come ie vous assure que ie fera mon posible- pour montreur que ie suis vostre fidelle tante“. ’) souffrirai. 2 ) tort. s ) remede. 4 ) tächeront. c ) quoi. c ) etonnee. 7 ) mandez. “) jugez. °) conjonction. 10 ) les choses. 11 ) s’en mele. n ) a soin. la ) eglise. 1J ) droit. 188 Und am 2. Januar 1 ) schrieb Amalie an Dohna aus dem Haag: „Monsieur mon nepveu. Ie me sent si fort obligee de tent de soinge que vous prenes pour les intrest de mon petit fils que ie ne vous sores 2 ) asses dignement reponder mais vous connoises mon coeur et mon affection qui est tout pour vous et assure vous que ie fera tous qui est en mon pouvoir pour conserveur orange et nostre honneur et intresce lesquelle ie ne les abondonnera pas arme 3 ) tous qui voustera 4 ) et iespre que dieu assitera nos bonnes intansigons 5 ) lesguelles sont pour yn enfant que ceux peres sont encor en grande considerascion au monde ie suis tres reconnü que M. vostre beaue peure est avec vous cela est yn grand soulaschement pour vous et yne tres grande asuransce pour nos intres car y 6 ) sont entre les mains de persones d’honneur auguelle'') ie me fieue 8 ) autant coy moy mesme et tent que ie vievera ie le reconnaitera por mais 9 ) servisces et espre l0 ) que mon petit fils fera de mesme quant dieu le fera la grasce de croitre en sa grinde 11 ) ce que ie souhaite avec passion et que vous me croyes tres veritablement come ie suis et ne peut estre iamais autre que Monsieur mon nepveu vostre tres affection tante a vous servier _ Amelie P. d’orange. *) Jahreszahl fehlt. Eigenhändig. Archiv in Schlohitten. 2 33.2. J ) saurais. 3 ) armez. *) voudra. 5 ) intentions. °) ils. ’l auxquelles. a ) fie. 9 ) nies. 10 ) j’espere. 51 ) crainte. 189 mais baiescee mains *) a M. vostre fame iespre que dieu le donnera deux * 2 ) heureuxes gotisches 3 ) et quelle pais estre en repos selon mais souliaite, avec toute la feluste 4 ) que ie le souhaite.“ Dieser Brief erhielt bald .einen Nachfolger 5 ), in dem Amalie Dohna zur Geburt seines ersten Sohnes, Friedrich Albrecht Auriacus, 1659 gratulierte und die Hoffnung aussprach, der Sohn werde in Gottesfurcht heranwachsen und „mit ihrem Enkel und Mündel heranreifen“, auf daß ihm dieser einst den Dank abstatte, den sie alle ihm, dem Burggrafen Friedrich, schuldeten. Das Kind starb schon im Dezember 1662. Wegen der AVirren in Orange schrieb Amalie auch am 17. Oktober 1658 an den Burggrafen 6 ), er möge ihr genaue Nachrichten senden, die Flüchtlinge hätten in Paris Agenten, hätten einem das Regiment im Fürstentum Orange übertragen und suchten französische Hilfe nach. „AVir aber,“ so sagt die entschlossene Frau, „machen uns darüber lustig, denn sie haben nicht die Macht, solche Verfügungen zu treffen.“ Als der Vertreter dieser Unzufriedenen auch Amalie sprechen wollte, wies sie ihn ab; sie hoffte, mit Hilfe Gottes alles zum Guten zu führen, „trotz aller Listen, Schleichwege und Schwierigkeiten,“ und sann darauf, Dohna möglichst rasch die notwendigen Subsidien zu senden. „A r erlieren Sie,“ so ermahnte sie ihn, „den Mut nicht und -seien Sie meiner Sorgfalt und meiner Wachsamkeit gewiß, die Ihnen niemals ermangeln werden, besonders nicht ') baise-mains. des. 3 ) couches. 4 ) felicite. 6 ) Ohne Datum. Original. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. °) Haag. Original. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 190 bei dieser mißlichen Gelegenheit, wo es sich um die Sicherheit des Fürstentums und um die Bewahrung dieses ersten Kleinods in der Krone des Prinzen, meines Enkels, handelt, für die ich keine nur denkbaren Mittel •sparen werde.“ An die Stände und Bevölkerung von Orange selbst erließ Amalie am 24. Oktober 1658 folgendes Schreiben ! ) : „Amelie par la grace de dieu princesse douariere d’Orange et tant en son nom que de monsieur Felecteur de Brandenbourg en vertu de sa procuration que le sien propre comrne tuteurs de monsieur le prince d’Orange leur nepveu et petit fils. Tres chers et bien aimes! Nous avions espere, que depuis le deplorable deces du feu prince nostre fils et les remedes apportes aux desordres et aux mesintelligences, qui commencerent en suite a se mainsister au subject de la regence de la principaute durant la minorite du prince nostre fils et pupille par la declaration que vous trouvastes bon de faire en Fannee 1652 le 22 jour de juillet par devant noble Francois de Fournier sieur de Pradines viguyer •a ce commis et 4 deputes par ordre des sieurs de Montmiral et de Sichot conseillers en la cour de Parle- ment de mesme datte sur les propositions, que vous firent de nostre part les sieurs de 'VViquefort et Yeyman nos deputes pour nous remercieur tres humblement de la bonte que nous avions pour le jeune prince vostre souverain seigneur et des graces qu'il nous plaisait faire a l'Estat en l’honnorant de nostre protection, promettant le reconnoistre avec tout les respect, que vous devies et de rendre ä votre prince la fidelite et a leur altesse, madame la princesse royalle, monseigneur l’electeur de Brandenbourg et nous toutte Fobeissance que nous ') Von Inner kopiert. 191 desirions de vous pour le Service du prince en qualito de tuteurs, qu’il nous avoit pleu prendre avec pouvoir esgal durant la minorite. L’estat auroit este asseure sous un si legitime pouvoir et que rien n’auroit pu estre capable de le troubler, cependant nous avons depuis peu appris avec grand regret, que quelques membres refugies du parlement pour des interests particuliers en suite d’une desobeissance aux ordres et jussions du prince signees par la princesse royale et par nous et jugees tres necessaires pour prevenir les justes plaintes des sujets de la principaute au sujet de l'instruction des proces et de l’administration de la justice se sont advancees jusques la que de declarer par un arret pretendu et en une assemblee tenue hors de la principaute, la regence en faveur de la princesse royale seule sans aucun esgard a vostre declaration susmentionee ny au traite du 26. Mai 1654 faict entre la dite princesse et nous portant que les affaires d'Orange demeu- reroient par provision en estat avec reserve du droit de chacun des tuteurs et particulierement jusques a ce qu’il ait pleu a la princesse royalle de faire intenter et decider celuy qu’elle croit luy appartenir privativement a la Regence non plus qu’aux droicts et interests que monsieur l’electeur de Brandebourg et nous y avons comme heritiers presomptifs et comme tutrices des prin- cesses nos filles en vertu de la Constitution et par un des leurs Font faict entendre ä la Princesse Royale qui aussy l’a acceptee, quoy qu’avec protestations qu’elle ne Fa pas desiree, neantmoins craignant que par telles procedures le repos et la tranquillite, dans la quelle la principaute a este jusques icy pourroit estre alteree sur tout par les menees et practiques de quelques factieux qui s’attendent de profiter de l’occasion et de pesclier dans Feau trouble, au hazard mesme de la principaute 192 i ; i'i et de FEstat et par consequent de vos biens et de vos fortunes corame nous avons decouvert par lettres inter- ceptees par les quelles il appert visiblement qu’on a attente contre la tuteile legitimement establie et reconnue et contre la personne du gouverneur estably par la dite tutelle et reconnu mesme par la princesse royale nous avons juge tres necessaire de vous faire les presentes, pour vous exhorter a vous tenir fermes a vos dites declarations et reconnaissance de la dite legitime tutelle, si tant est que la princesse royale ne se voulut laisser induire a remettre toutes choses dans l’ordre au quel elles y ont ete, a quoi nous travaillons de tout nostre pouvoir pour le bien de l’Estat et non sans esperance d’en pouvoir encore venir a bout et de souffrir que rien soit attente a Fencontre et de n’obeir en aucune faqon aux ordres qui vous pouroient estre envoyes en vertu de cette nouvelle regence pretendue, qui sans doute blesseroit le repos public et ameneroit le desordre, la guerre et la confusion dans la principaute et possible sa ruine totale et desolation vous voulants vous asseurer de nostre protection soins et vigilance a vous ayder a conserver la paix vos biens et vos per- sonnes contre nos ennemis et les vostres et a rompre les desseins des mal intentionnes ä tout tres cliers et bien aimes prions dieu de vous avoir en sa sainte garde. A la Haye ce 24 d'Octobre 1658. Amalie d’Orange.“ De Thou behandelte Amalie mit wenig Rücksicht, er wollte mit ihr keinen Yerkehr und keine Geschäfte haben, hingegen mit ihrem Schwiegersohn, dem Fürsten von Nassau-Diez, auf gutem Fuße stehen 1 ). Am ) De Thon an Mazarin, Haag, 10. Oktober 1658. Groen. i ww-f. j i T ' i B WW P v 1 -' yj 193 24. Oktober 1658 schrieb er an den Kardinal !), Amalie sei in großer Unruhe über seine Zurückhaltung und schreibe sie der ihr zur Schuld gelegten Frontänderung des Kurfürsten von Brandenburg und seiner Anhänglichkeit an das Haus Habsburg 2 ) zu; augenblicklich stehe sie gut mit ihrer Schwiegertochter, der Princess Royal, doch könne dies nicht lange anhalten. De Thou warnt vor Dohna, den er als Frankreich feindselig hinstellt, und spricht gegen die Unterhaltung von Befestigungswerken, Besatzung etc. in Orange. Zwischen Amalie und Maria brach alsbald ein neuer Streit wegen der Person des Erziehers des jungen Wilhelm aus; sie hatten sich für einen natürlichen Sohn Friedrich Heinrichs, den oben (S. 6 und 7) erwähnten Friedrich von Nassau-Zuylestein, entschieden, aber plötzlich hatte Amalie von ihm nichts mehr wissen wollen und Aerssens, Herr von Sommels- dyck, hatte ihr Wortbruch vorgeworfen. Zuylestein erhielt die Stelle. Jean III. du Puy-Montbrun, Seigneur de Ferrassieres, Graf de Pont-de-Veyle, Dohnas Schwiegervater, suchte Ludwig XIY. für ihn günstiger zu stimmen und Mazarin in Lyon im Dezember 1658 persönlich zu bearbeiten; Dohna tat durch einen Vertrauensmann die gleichen Schritte bei Mazarin — alles umsonst. Ludwig XIY. ließ ihn auffordern, das Fürstentum demjenigen zu übergeben, den Maria von Oranien bezeichnen würde. Auch jetzt wich Dohna nicht; er forderte Hilfe von den Generalstaaten und von den streitenden Prinzessinnen, besonders von Amalie. Übrigens erklärte er sich bereit, einem andern Generalgouverneur Platz zu D Ebenda. 2 ) Von der oesterreichischen Freundschaft mit Brandenburg schreibt auch Weimann am 23. Dezember 1658 an seinen Kurfürsten. Urkunden und Aktenstücke, Band 7. Kleinschmidt, Amalie von Oranien. 18 machen, wenn seine Person der Grund der Angriffe sei. Er versäumte nichts zur Behauptung des festen Platzes Orange und begann Werbungen in den Nachbarprovinzen; als die französische Regierung dies bemerkte, hielt sie vorübergehend ein, zumal sie die Unterstützung- Dohnas durch die Hugenotten der Cevennen fürchtete; bald aber begann sie ihr Wühlen von neuem, von der Princess Royal angetrieben, welche Dohna vernichten wollte; der französischen Regierung erschien er „voll Geist, aber gefährlich und voll Bosheit, wie alle in seiner Familie“. 4 ) Amalie teilte Dohna mit * 2 ), daß die Princess Royal gar zu gern einen andern an seine Stelle setzen möchte, riet ihm, zu bleiben und alles zu tun, um der Verschwörung- auf die Spur zu kommen, und versprach, selbst alles daran zu setzen, um ihrem Enkel Orange zu erhalten und sein Interesse zu verfechten. Am 23. Januar 1659 teilte sie ihm im eigenen Namen wie in dem des Kurfürsten von Brandenburg mit 3 ), sie habe gehört, daß seit kurzem aus dem Haag gewisse Schreiben in blanko nach Orange geschickt worden seien, die den Namen und .das Siegel ihres Enkels trügen; sie beide, die Vormünder, wüßten nichts davon und er solle jedem, den es angehe, erklären, sie beide mißbilligten diesen Schritt und sähen die Benutzung von Namen und Siegel als Mißbrauch und Unterschleif an; niemand dürfe sich solcher ohne ihre beiderseitige Zustimmung bedienen, sonst sei es null und nichtig. Amalie hielt es für angemessen 4 ), Dohna die in den *) De Thou an Mazarin, Haag-, 24. Oktober 1658. Groen. 5 ) Amalie au Dohna, Haag, 16. Januar 1659. Original. Archiv in Schlobitten. 2./33. 2. 3 ) Haag, Original. Gesiegelt mit oranisclier und branden- bnrgisclier Oblate. Archiv in Schlobitten. 2./33. 2. *) An demselben Tage. Original. Ebenda. 195 vorigen Zeilen ausgesprochene Desavouierung solcher Schreiben in blanko im Namen ihrerselbst und des Kurfürsten einzusenden, und überließ es Dohna, ob er die Erklärung drucken lassen wolle oder nicht. Sie schrieb auch Dohnas Schwiegervater*). Amalie hegte, wie wir wissen, das vollste Vertrauen zu Dohnas Treue und Diensteifer und war von seiner Umsicht und Klugheit in der schwierigen Lage der Dinge überzeugt, stand aber nicht an, manche zu schroffe Maßregel des Neffen zu mißbilligen; durch ihr Edikt waren eine Reihe rebellischer Räte und der Generaladvokat abgesetzt worden, sie war aber nicht dafür, alle Stellen nach Dohnas Vorschlag neu zu besetzen. Sie hielt es für weit ratsamer * 2 ), das Schwert der Rache in der Scheide zu lassen und nur die Stellen der zwei bis drei Schuldigsten zu besetzen, die übrigen hingegen frei zu lassen; vielleicht brächte dann „die Furcht, ebenso behandelt zu werden, die andern Schuldigen auf den rechten Weg zurück, trennte sie und zerrisse ihre Kabale“. Im ganzen überließ Amalie die Sache Dohnas Scharfsinn; er war an Ort und Stelle und mußte die wirkliche Lage besser kennen als sie im Haag. Sie schickte ihm die nötigen Bestallungsbriefe, um sie so zu benutzen, wie es zum Heile des Staates gereiche, und wiederholte noch in einer Nachschrift, um ihn ja nicht zu verstimmen, er wisse gewiß alles am besten. Am 13. März sagte sie ihm auch 3 ), da er am besten Lage und Leute in Orange kenne, bitte sie ihn, nach seinem Gutdünken zu handeln „für das Wohl des Fürstentums und für die Erhaltung und Ver- ') Haag, 2. Januar 1659. Original. Ebenda. 2./32. 2. 2 ) Amalie au Dohna, Haag, 5. Februar 1659. Original. Archiv in Schlobitten. 2./33. 2. 3 ) Haag. Original. Ebenda. 13 * 196 teidigung der Autorität der legitimen Vormundschaft“. Sie versprach, sie werde ihn sicherlich niemals desavouieren, sondern ihn mit aller Macht unterstützen. Sie war sehr zufrieden damit, wie er auf Ordnung hielt, legte das höchste Gewicht darauf, daß niemand seiner Ehre zu nahe trete, und wollte die Autorität, die er ihrem Enkel in Orange verschafft hatte, nimmermehr beeinträchtigen lassen'). Sie wechselte mit ihm eine Reihe Briefe wegen Besetzung der Ämter und wegen der Behauptung von Orange * 2 ). Die Princess Royal trieb Ludwig XIV. an, daß er im August 1659 seinen höchsten Vertretungen, dem Intendanten im Languedoc und dem ersten Präsidenten in Grenoble, Ordonnanzen zugehen ließ, durch welche den Bewohnern dieser Gebiete jeder Verkehr mit Dohna untersagt wurde; laut diesen Ordonnanzen schnitt man Dohna die Wege zur Proviantierung der Garnison ab. Die Zölle für den Fürsten, das heißt zwei Drittel der Staatseinkünfte, sollten fortan der Princess Royal gegeben werden, die Pächter des Fürsten sollten Dohna nichts mehr liefern und die Gelder aus Holland sollten nicht mehr an ihn gelangen dürfen. Amalien beschäftigte mittlerweile auch die Vermählung ihrer fünften Tochter, der jetzt 22jährigen ebenso geistvollen wie schönen Henriette Katharina, mit dem Fürsten Johann Georg II. zu Anhalt-Dessau 3 ). Dieselbe fand in Groningen am 16. Juli 1659 mit viel ') Amalie an Dohna, Haag 3. April 1659. Original. Ebenda. Adressiert: „Meinem Hrn. Neffen. Dem Hm. Grf. von Dona, Gouverneur des Fiirstenthums, der Stadt und des Schlosses Orange in Orange.“ *) z. B. am 24. April 1659. Original. Ebenda. 3 ) Kleinschmidt, Episoden ans dem Lehen der Mutter des- „Alten Dessauers“ (s. oben). 197 Gepränge statt, auch im Haag und in Amsterdam wurde Prunk entfaltet, wie er nach Amaliens Sinn war, und mitten hinein fiel die Feier ihres eigenen Geburtstags; ihre geliebte Tochter, die Kurfürstin von Brandenburg, weilte an ihrer Seite. Die oranische Partei in den Staaten war nicht müßig und die Exklusionsakte gegen die Oranier stieß zumal in Seeland auf starken Widerspruch; hier wollte man den jungen Wilhelm III. zum ersten Adeligen und zum Generalkapitän ernennen; das Herz der Großmutter schlug höher, als eine Anzahl Seeländer nach dem Haag kam, um sich gegen die Staaten von Holland zu äußern, noch höher, als auch sieben Deputierte aus Holland am 22. Juni ihr versicherten, sie hegten eine „sincere Affektion“ für Wilhelm und nur Cromwells Druck sei die Akte zuzuschreiben 1 ). Amalie wandte sich wegen Orange an Mazarin und bat ihn, den König zum Widerrufe seiner Verordnungen zu bestimmen; aber alle ihre Bitten nützten nichts. Lndwig XIY. wollte sich des Fürstentums bemächtigen; auch die von Dohna angerufene Vermittelung des branden- burgischen Residenten in Paris, von Brandt, und die Entsendung eines Edelmannes aus Orange an Ludwig führten zu keinem günstigen Resultate. Die Ex-Königin Elisabeth von Böhmen schrieb am 6. Oktober 1659 aus dem Haag an ihren Sohn, den Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz: „Ich fürchte, der dritte Hund wird den Knochen holen“ und am 20. Januar 1660 sprach sie ihm die Befürchtung aus, Orange werde infolge der Verstimmung Marias gegen Dohna verloren gehen 2 ). Mazarin ’) Copes an Kurfürst Friedrich Wilhelm, 23/13. Juni 1659. Berliner Archiv. 34. 227 g. Holland. 2 ) Bibliothek des literarischen Vereins in Stuttgart. Band 228. Tübingen 1902. 198 antwortete Amalie sehr kühl'): „Ich gestehe offen, daß ich nicht glaubte, Eure Hoheit könne das Verfahren des Herrn Grafen zu Dohna erträglich finden: sobald Sie ernstlich überlegen, werden Sie, dessen bin ich sicher, ebenso empfinden und wohl erkennen, daß der Graf wieder gut machen muß, was er wider die Autorität des Königs getan hat, um mich instand zu setzen, ihm bei Seiner Majestät Dienste zu leisten.“ Dem Rate des Prinzen von Oranien wie allen andern gegenüber stützte sich Maria immer darauf, sie sei zur alleinigen Regentin erklärt worden; darum wollte sie von einer Verständigung nichts wissen und kein Schiedsgericht mehr gelten lassen. Sie sagte am 24. September 1659 offen dem Rate, sie halte ihn für parteiisch. Amalie sah nur geringe Aussicht auf eine freundlichere Haltung der starrköpfigen Schwiegertochter und Marias Benehmen gab ihr Recht. Am 24. September war AVei- mann bei Maria gewesen, um mit ihr im Namen Amaliens und des Kurfürsten zu reden und ihr darzulegen, welches Unrecht sie gegen alle, voran gegen ihren Sohn, begehe, indem sie seinen Staat und sein Fürstentum so aufs Spiel setze. „AVir sind entschlossen,“ so berichtet Amalie gereizt an Dohna * 2 ), „dabei nicht stehen zu bleiben, sondern uns unverzüglich unter Beischluß der Aleinung des Rates an beide hiesigen Gerichtshöfe zu wenden, gegen alle diese Exzesse zu unsrer Entlastung laut zu protestieren, und Ihnen unterdessen mit all unsrer Macht zur Erhaltung des schönsten Kleinods in des Prinzen Krone zu helfen.“ Gegen Erwarten konnte Amalie dem bedrängten Neffen den nötigen Kreditbrief noch nicht senden. Hingegen teilte sie ihm *) 25. Oktober 1659. Groen. 2 ) Haag, 25. Sept. 1659. Original. Archiv in Sehlobitten. 2/33. 2.- 199 — neue Akte Marias mit; Maria hatte dem Rate von Orange ein Libell entgegengehalten, von dem sie behauptete, es sei wichtiger als seine Meinung. Amalie urteilte darüber in folgenden Worten 1 ): „Ich gestehe, die Wucht des Stils, die Calumnie und die Verkehrtheiten dieses Libells haben mich sehr berührt, obwohl ich mir kaum denken kann, daß die Prinzessin es gelesen habe, noch weniger, daß sein gesamter Inhalt ihren Beifall besitze. Und obwohl es sie hauptsächlich angeht, glaubte ich doch, daß es indirekt an mich will, darum darf es nicht ohne Antwort bleiben, an der ich beschlossen habe, arbeiten zu lassen; die Ausdrücke sollen aber sehr gemessen, ernst und wahrheitsgetreu sein, um die Lüge und ihre Urheber zu Boden zu werfen und um Ihnen Mühen zu ersparen, die auf andres besser verwandt werden können.“ Amalie wollte Dohna die Antwort auf das Libell in 8 Tagen schicken. Und am 9. Oktober konnte Amalie ihre Hilfe senden 2 ), sie gab Dohna einen Kreditbrief auf Lyon, wo er 11000 Gulden in oranischer Münze, was 10000 in holländischer entsprach, erheben könnte, und eine Anweisung auf 40000 Gulden, worüber er einen zweiten Kreditbrief erhalten würde. „Wie Sie daraus ersehen,“ so schrieb sie ihm, „daß ich unter Hintansetzung meiner eignen Interessen hinter die des Prinzen, meines Enkels und Mündels, zur Verteidigung und Bewahrung seines Staates mich in meinem Wittum schwer beeinträchtige, während dessen ich mit vieler Mühe mich von meinen Einkünften erhalte, so will ich hoffen, daß Sie weder die übrige Summe von 40000 Gulden noch einen Teil derselben außer im äußersten Notfälle erheben ') Amalie an Dohna, Haag, 2. Oktober 1659. Original. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 2 ) Amalie an Dohna, Haag, 9. Oktober 1659. Original. Ebenda. 1 1 200 werden, im Falle Sie, was Gott verhüte, in irgendeine große Not versetzt würden, sei es durch eine Belagerung oder Blockade oder durch die gänzliche Entziehung der Zölle (peage), von der Sie uns zuvor unterrichten können, um dann unsre weiteren Befehle zu erhalten; letztere werden stets auf das Wohl und den Dienst meines Enkels und auf die Erhaltung dieses Hauptkleinods seiner Krone abzielen, so viel Unbequemlichkeit mir auch daraus erwachsen mag, und ich werde alles tun, um Sie gegen alle diejenigen zu halten, welche in einer so gerechten Sache Ihnen in den Weg zu treten suchen. Sie sehen, daß ich dies tue, indem ich sicher bin, daß diese fürsorgliche Subvention den Mut der Guten und Wohlgesinnten wieder heben und die Hoffnung derer vermindern wird, die den Buin des Fürstentums suchen. Glauben Sie aber auch, daß alle andern Mittel zu Ihrer Erhaltung und Erleichterung mit Eifer ins Werk geführt werden.“ Dohna hatte seinen Kavalier Cliieze, einen eifrigen Verfechter der oranischen und seiner Interessen, an seine Tante geschickt; Amalie lobte ihn sehr, fand ihn aber bei Dohna weit nützlicher als im Haag. Sollte Dohna die 40 000 Gulden in Orange anstatt in Lyon erheben wollen, so stand ihm dies frei. Die 11000 Gulden erhob er bei Barthelotty Dangliod (?), wie am 28. Oktober bestätigt wird. Am 4. Dezember wies ihm Amalie sein Gehalt durch Kreditbrief auf Lyon an 1 ) und sprach von neuem die Erwartung aus, er werde die Autorität ihres Enkels verfechten. Am 3. Januar schrieb sie ihm voll Bedauern über seine Lage, an der sie aber nicht verzweifelte. „Ie veux esprer,“ 2 ) fuhr sie fort, „que la Princesse voira yn iour que vous *) Original. Haag. Archiv in Schlobitten. 2/33. 2. 2 ) Ohne Jahreszahl. Allein Anscheine nach 1660. Eigenhändig. Ebenda. 201 avos este tres fidelle a son fils et si eile veunt tousiour estre tronbe par se clians y 4 ) faut plus tost avoir peiutgue 2 ) delle gue destre en peine asure yous tous- jours de moy que ie mabandonera plus tost raoy mesme que nostre troit et vostre persone a laguelle ie me saut troube 3 ) obligee le soinges que yous aves prie pour toute la maison de coy ie suis la mere de tout encor que quelques ynes mont fort peu consitres 4 ) mais ma iuste cause le rendera yn iour toute confirmes. Ie vous j)rie de prender encor yn peu de pasiansce et ne perte pas courasche dans vostre bonne contuite que vous aves tousjour monstre iusques alheur et nen toute 5 ) pas que M. l’Electeur a les mesme sentiement que moy pour vous et ne croyes pas que le conte waldege 6 ) aura le pouvoir de vous faire aucune dort' 1 ) ny a vostre maison et asure vous que ie lempescliera bien sil avoit la pensee come ie ne peu croyre et vous prie de mestre vostre esprit en repos. Si tost que nos afaires seront iuse 8 ) par la iustiesce vous seres ynforme de tout y 9 ) ma empesclie iusques alheur daller a cleve que iespre sera bientost ie vous remerscie ausy bien fort du sou- haite que vous faites a ma fille pour son mariasche 10 ) iespre quelle sera heureuse parsce que vous le souhaites. Pour moy ie me souhaite celle de vous pouvoir monstre ’) trompe par ces gens il. 2 ) pitie. 3 ) sens trouve. 4 j considere. 6 ) doirte. 6 ) Waldeck. ’) tort. 8 ) juge. 9 ) il 10 ) Henriette Katharina, nach Dessau verheiratet (s. oben). par les effais *) que ie suis veritablement Monsieur mon neveu Yostre tres affectione tante a vous servier Amalie P. d'Orange.“ Ebenso sprach sie ihm ihre Hoffnung aus * 2 ), Ludwig XIV. werde nicht so ungerecht sein, in einer Sache, die ihn nichts angehe, noch länger Bänke zu schmieden; „dies wäre ein schlechter Lohn für ihr Haus, nachdem alle Prinzen von Oranien so leidenschaftlich für Frankreichs Interesse eingetreten seien“; hoffentlich werde Gott solches Unrecht nicht zulassen und Dohnas ganze Mühe werde zum Segen ihres Enkels gereichen. Unterdessen bemühte sich auch der Kurfürst von Brandenburg bei den Staaten von Holland für seinen Xeffen und Mündel, Wilhelm III. Daniel Weimann hatte eine Konferenz mit dem Batspensionär de Witt, um für Wilhelm zu wirken 3 ). Wilhelm sollte Statthalter, die von England geforderte Seklusionsakte sollte beseitigt und zwischen dem oranischen Hause und den Provinzen ein inniges Vertrauen begründet werden. De Witt redete wiederholt mit Weimann darüber, wie dies alles zu bewerkstelligen wäre. Der Bürgermeister von Amsterdam besprach dasselbe mit Amalie kurz zuvor und de Witt wünschte, Weimann möge sich nach Amsterdam begeben und bei der nächsten Versammlung das Versöhnungswerk durchsetzen. Man wollte den Prinzen Johann Moritz von Kassau-Siegen bewegen, das Generalat bei der Kavallerie anzunehmen, um jeden weiteren Streit wegen des Feldmarschallamtes *) effets. Haag, 13. Februar, olme Jahresangabe. Wohl 1660. Eigenhändig. Furchtbares Französisch wie so oft. 3 ) Bericht Weimanns an den Kurfürsten, Haag, 14. Januar 1660. Berliner Archiv. Holland. 203 zwischen ihm und Wilhelm III. zu verhüten. Weimann glaubte nicht recht daran, daß es de Witt Ernst sei, denn er meinte zu wissen, derselbe habe seine politischen Ansichten sonst keineswegs geändert; Weimann legte aber eminenten Wert darauf, de Witt für die oranische Sache und für das Yersöhnungswerk zu gewinnen. Weimann reiste nach Amsterdam, Arnheim und Utrecht, besuchte im Haag Johann Moritz und dieser erklärte ihm, er sei mit allem zufrieden und wolle im Interesse der Sache auf die Würde des Feldmarschalls verzichten, was Weimann de AVitt sagen solle. De Witt kam bald darauf zu Weimann und erhob gegen die Yermutung, es sei ihm nicht Ernst mit der Aussöhnung, lauten Protest; trotzdem blieb Weimann mißtrauisch und hielt ihn nicht für den Freund der oranischen Sache 1 ). Ein Hauptgrund für Ludwig XIY. bei der beabsichtigten Annexion von Orange war die Religion. Orange lag in Frankreich drinnen und zwischen zwei Provinzen, in denen es Hugenotten gab; der reformierte Pfarrer Jean de Labadie wirkte begeisternd weit über Orange hinaus und es galt, diesen Herd des Hugenottentums auszulöschen 2 ). Eine Fregatte auf dem Rhone-Flusse belästigte fortgesetzt die Einwohner des Ländchens Orange, Soldaten plünderten und mißhandelten die Bauern, man setzte sogar Leute ins Gefängnis. Boten, die Dohna an Ludwig und seine Behörden abschickte, kamen mit der Gewißheit zurück, Ludwig werde Dohna zur Auslieferung des Landes zwingen wollen. Dieser Eröffnung gegenüber gestellt, hob Dohna rasch Truppen im 0 Weimann an den Kurfürsten, 10. Februar 1660. Berliner Archiv. Holland. ! ) De Thon an Mazarin, Haag, 29. Januar 1660. Groen. 204 Languedoc und im Dauphine aus und rüstete sich zum letzten Kampfe. Sein Schwiegervater forderte ihn im Aufträge Ludwigs auf, die Zitadelle von Orange auszuliefern, und während der dafür geforderten Bedenkzeit rückten bereits französische Truppen ins Land ein. Ludwig berief sich auf seine Blutsverwandtschaft mit der Princess Royal und forderte die Übergabe der Zitadelle, um dann den Streit zwischen den Vormündern zu schlichten x )- Dohna erwiderte Ludwig, ohne Amaliens Ordre dürfe er sich Maria nicht unterwerfen und Orange nicht verlassen 2 ). Er berichtete alles an Amalie, die den Generalstaaten mitteilte, welche Gefahr Orange drohte; die Generalstaaten schickten zwei Deputierte an Maria, um ihr das Bedenkliche ihrer Handlungsweise vorzustellen und ihr zu eröffnen, sie könnten die Sache nicht ohne "Widerspruch hingehen lassen. Hierauf erbot sich Marias Ratgeber Ileenvliet, dahin zu wirken, daß die Streitigkeiten unter Vermittelung der Generalstaaten beigelegt werden sollten; Maria würde Ludwig persönlich bitten, nichts gegen das Schloß von Orange zu tun. Die Generalstaaten trauten jedoch diesem Versprechen nicht und schickten nochmals zwei Ratsherren zur Princess Royal 3 ). Es kam zwar zwischen Amalie und Maria am 29. Februar zu einem Einigungsvertrage, doch blieb derselbe ein Stück Papier 4 ). *) Copes an clen Kurfürsten von Brandenburg, 24. Febr. 1660. Berliner Archiv. Holland. 2 ) Königin Elisabeth von Böhmen an ihren Bruder Karl Ludwig, Haag, 23. Februar 1660. (Bibliothek des litter. Vereins in Stuttgart, Band 228, s. o.). Elisabeth meinte, Dohna sei sehr unbeliebt in Orange und habe Ludwig durch sein Geprahle geärgert. 3 ) Copes an den Kurfürsten von Brandenburg, 21. Febr. 1660. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9. 4 ) Aitzema, Saken van Ork. IV., 623. Folio. 205 Ara 3. März schrieb der Kurfürst von Brandenburg an seinen Residenten Christoph von Brandt nach Paris *), er finde für gut, wenn sich der Freiherr von Blumenthal auf seiner Reise nach Spanien Ludwig XIY. vorstelle und mit ihm wegen Orange spreche; weil er höre, man wolle zum Äußersten gegen Orange schreiten, so solle Brandt an Mazarin schreiben, Blumenthal werde solche Vorschläge machen, daß Ludwig völlige Satisfaktion zuteil werde, bis zu Blumenthals Ankunft möge Ludwig also warten. Brandt antwortete hierauf 2 ), durch die Einigung beider Prinzessinnen sei nun alles in gutem Gange, wenn nicht Ludwig der Festung Orange de facto etwas zumuten wrärde. Copes schrieb an dieselbe Adresse 3 ), die Princess Royal habe sich der Vermittelung der Generalstaaten unterworfen und auch Ludwig geschrieben, er möge nichts „attentiren“; die Generalstaaten schickten einen Expressen nach Paris, um das Interesse des Prinzen von Oranien zu wahren. Doch meinte Copes, dessen Bruder (der Syndikus von s'Iiertogen- bosch) dieser Expresse war, die Einnahme und Demolierung des Schlosses in Orange sei schwerlich zu hindern; Mazarin hatte ihm, Copes, gesagt, Ludwigs Interesse dulde keine Befestigung von Orange, Ludwig wolle nur das Fürstentum dem jungen Prinzen erhalten und es ihm, wenn er mündig werde, ausliefern. Dohna glaubte von Glück sagen zu müssen, daß er trotz der Siege Ludwigs XIV., der eben Marseille gedemütigt hatte, 250 Franzosen an sich ziehen konnte; seine ganze Besatzung in der Zitadelle belief sich nun auf 400 Mann, außerdem hatte er in der Umgegend ‘) Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9. 2 ) Brandt an Friedrich Wilhelm, Paris, 13. März 1660. Urkunden, und Aktenstücke, Bd. 9. ’) 9. und 16. März 1660. Archiv in Berlin. Holland. m bewaffnete Franzosen, denen er aber ihren Sold kaum zahlen konnte. Umsonst suchte er Ludwig XIY. umzustimmen; de Jeure Millet, dessen Bevollmächtigter, reiste hin und her, wie für Dohna sein Schwiegervater und der Oheim seiner Frau, der Generalkapitän Marquis de St. Andre Montbrun, tätig waren. Ludwigs Truppen rückten immer näher und die Princess Royal warf sich völlig in seine Arme, um so leidenschaftlicher, als sie sich von den Generalstaaten im Fortbesitze ihres Wittums bedroht glaubte 1 2 ). Amalie schrieb Dohna am 27. Februar von ihren letzten, sehr schwachen Hoffnungen'-), und Ludwig ließ den Marschall von Plessis- Praslin mit seinen Truppen im Fürstentum Orange einrücken, während er Dohna zum letzten Male die Übergabe des festen Platzes befahl. Dohna konnte sich hier nicht halten, ihm fehlte es an Mannschaft, Artillerie und Munition; die Behörden erklärten ihm, nicht länger die Treue halten zu wollen, da jeder Widerstand nutzlos sei, und so fügte sich Dohna ins Unvermeidliche. Er hatte eine Blokade von achtzehn Monaten durchgemacht und es darauf ankommen lassen, daß sich Ludwig XIV. selbst der Festung näherte; jetzt ließ sich nichts mehr machen und so Unterzeichnete Dohnas Schwiegervater und Bevollmächtigter am 20. März 1660 zu Avignon mit Ludwigs Bevollmächtigten de Jeure Millet einen Vertrag in zwanzig Artikeln, worin Dohna Ludwig XIV. die Zitadelle von Orange übergab 3 ). Der Vertrag, welcher den Reformierten im Fürstentum Orange ihre Religionsausübung frei beließ, sicherte Dohna, der sich mit seiner ') De Tliou an Mazarin, 26. Februar 1660. Groen. 2 ) Brief abgedruckt in den „Memoires du Burgrave et Comte Frederic de Dolma“, S. 175—176. 3 ) Der Vertrag ist abgedruckt in den „Memoires du Burgrave et Comte Frederic de Dohna“, S. 186—192. 207 Familie nach Frankreich oder wohin er wollte, zurückziehen durfte, 200 000 Livres tournois als Ersatz für seine großen Ausgaben zur Behauptung von Orange zu; Ludwig stellte alle Schritte gegen ihn ein und erließ eine Generalamnestie, übernahm während der Minderjährigkeit des jungen Wilhelm III. Schloß und Fürstentum Orange, welche beide er hei der Mündig- werdung Wilhelms an diesen auszuliefern versprach; sollte aber Wilhelm vor der Mündigwerdung sterben, so hätte die Kurfürstin von Brandenburg resp. ihre Nachkommen Schloß und Land Orange von Ludwig zu bekommen. Die Justiz sollte in Wilhelms Namen ausgeübt werden und das Land sollte keine höheren Abgaben als bisher an Wilhelm bezahlen, während Ludwig die Kosten für die Garnison der Festung übernahm. Keine Dohna verdächtige Persönlichkeit sollte in Orange befehligen, Dohna blieb während Wilhelms Minderjährigkeit Gouverneur von Orange, ohne jedoch dies Amt vor der Resti- tuierung von Orange an Wilhelm ausüben zu dürfen; er war somit kalt gestellt. So sehr auch die Kapitulation vom 20. März angegriffen, Dohna getadelt und in seiner Treue und Ehrenhaftigkeit verdächtigt wurde, so offen man ihn selbst der Bestechung zieh, — er trotzte dem Gerede, denn er wußte am besten, daß er als Ehrenmann gehandelt hatte und daß er nur so Orange für Wilhelm III. retten konnte. Marias Anhang tadelte ihn am Heftigsten und doch war Maria die am Yerluste von Orange Schuldige; Amalie wußte es am besten. An diese schrieb Dohna am 23. März 1660 aus Orange l ): „Madame! Enfin le roy n’ayant aucun egard au projet d’entre la princesse royal et votre altesse mais poursuivant le dessein de se rendre maistre de cette ') Affaires etrangeres. Paris. Holland. 64. 208 place fit avancer les trouppes soubs le mareschal de Praslin, comme Y. A. aura appris par mes precedentes et luy mesmes en personne s’etant rendu a Avignon avec dessein de ne quitter point ce pays, qu’apres Faffaire d’Orange, voyant l’authorite royale ci avant engagee en une chose, dont il estoit absolument im- possible de se tirer, au milieu du royaume de France, j’ay juge avec tous les gens de bien et d’esprit de ma confidence que tout ce qui restoit a faire dans un pareil rencontre, sans resource d’une autre cote estoit de se fier plustost aux promesses du roy solemnelle- ment faictes et soubs la foy publique de restituer l’estat a S. A., que de la luy faire posseder d’autre facon apres l'avoir ruinee et j’ay enfin vu Madame, que le temps etait venu, qu’il ne me restoit nul espoir de sauver la place a. S. A. si avant une plus ample Information, quelqu un est mal edifie de ma conduite ou est ex- tresme malheur (sic!), je le supplie tres humblement de suspendre son jugement iusques a une plus ample information et que dieu me donnera un peu de repos et de la consolation dans uije affaire, que touts ceux qui en scauront le fonds trouvont veritable. Je doibt remettre la place le 26. de ce mois, monsieur de Saumur informera votre altesse de tout je suis Madame de votre altesse le tres humble, tres fidel et tres obeissant serviteur F. de Dohna.“ Amalie hatte sich an Ludwig XIY. und an Mazarin gewandt, um gegen den Fall von Orange zu protestieren. Ich lasse deren Antworten aus Avignon vom 24. März folgen*): ’) Hausarchiv im Haag. 2487. 209 „Ma consine! J’ay creu ne pouvoir mieux considerer suivant la priere que Yous m’en faictes par yostre lettre l’interest d’un prince mineur pour qui j’ay d’ailleurs toute la tendresse et l’affection possible qu’en ne changeant rien a la resolution que j'avois deja prise sur l'affaire d’Orange. Et vous demeurerez sans doute d’accord avec moy que son veritable interest consiste plustost a se conserver ma bien vieillance et a oster x ) pour l’avenir tout sujet de dissensions et de mesintelligence, qu’a continuer une grande despense qu’on luy a faict faire jusques ici fort inutilement a la garde et a l’accroissement des forti- fications d’une place, qui se trouvant au milieu des mes Estats ne peuvent estre que contre moy mesme ne luy servir jamais de rien qu’a me donner ou ses comman- dans peut estre a son insceu et mesme contre sa volonte des occasions de mescontentement, comme il n’est que trop souvent arrive, ou des ombrages qui luy seroient plus prejudiciables qu’advantageux, je seray cependant fort aise que les differens de la tutele soyent accomodez par la mediation, dont on est con- venu depuis peu de jours, a quoy le changement de la guarnison de la place n'apportera aucun trouble ni em- pechement estant deux affaires toutes distinctes; et je ne veux pas finir sans vous asseurer que je conserveray toujours plus d affection et de reeonnaissance envers la personne du jeune prince de ce que ses ancestres ont contribue au bien public qu’aucun de ceux qui dans cette occurrence seulement tesmoignent de prendre tant de part a ses interests. La consideration mesme de ma cousine la princesse d’Orange sa mere serait seule ca- pable de me dohner ces sentimens et d’estouffer le sou- ') öter. Kl e in s chmid t, Amalie von Oranieo, 14 i venir que je pourrois avoir de la conduite peu obligeante que vous avez tenue a mon esgard pendant ma minorite au temps de la negotiation de Münster et en beaucoup d’autres rencontres oü je n’ay pas eu sujet de me louer de vostre affection, et sur ce je prie Dieu qu’il vous ayt ma Cousine en sa saincte et digne garde. Escrit ä Avignon le XXIII. jour de mars 1660. (de Lommenie.) Louis.“ Mazarin schrieb: „Madame! J’ay receu la lettre que Yostre Altesse a pris la peine de m’escrire. Elle verra par celle du roy que bien loin que sa majeste ayt voulu emploier ses forces, comme eile dit, contre l’innocence d’un pupille ni le traicter en ennemi, eile n’a pas cru luy pouvoir donner une plus solide marque d’affection que de ne rien changer en la premiere resolution qu’elle avoit desja prise; sa majeste connoissant mieux le veritable interest de monsieur le prince votre petit fils que ne font tous ceux qui tesmoignent prendre tant de part au changement de la garnison d’Orange, la quelle ne pouvoit estre entretenue qu’a grands frais et fort inutilement si l’on a dessein de ne jamais rien faire, qui puisse deplaire au roy ou prejudicier au repos de ses sujets; et si Ton a un dessein contraire S. M. a eu raison d’y pourvoir, suivant la maxime dont Yostre Altesse tesmoigne estre persuadee et qui est fort veritable, que la justice est la regle de toutes ses actions. Yostre Altesse n’aura donc point de sujet de protester, comme eile me mande’ qu’elle sera obligee de faire devant dieu et devant les hommes et particulierement devant les peuples des pro- vinces Unies de la violence et de l’injustice qu’on faict a un prince mineur, et aux maisons de Brandebourg, d Orange et de Hassan; ou si ces sortes de protesta- tions luy agreent, il seroit en tout cas juste de les accompagner de quelque acte authentique par le quel Yostre Altesse fit voir a dien et aux liommes, que quel- qu’un des roys-predecesseurs de sa majeste ayt permis a messieurs les princes d’Orange d’eslever des forti- fications considerables contre eux mesmes dans une place, qui se trouve enclavee dans leurs estats et a leurs gouverneurs de faire les alliances parmi leurs sujets sans leur permission et toute sorte de pratiques et de cabales contre leur service. Apres quoy je m’emploieray bien volontiers aupres de sa majeste si cet acte se trouve pour la disposer a consentir que monsieur le prince d’Orange d’aujourdliuy et ses successeurs continuent a jouir de l’effect de cette grace que les roys ses devanciers auroient accordee «aussi bien qu’ils peuvent faire estant certain de jouir fort seurement et fort paisiblement de tout le revenu et de toutes les prerogatives legitimes deues a la prin- ■cipaute d’Orange. Cependant je demeure Madame de Yostre Altesse tres-humble et tres obeissant serviteur Le Cardinal Mazarini.“ Konnte man Amaliens Proteste schärfer zurückweisen, als es in diesen beiden Schreiben geschah?, konnte man sie schneidender an ihre spanienfreundliche und franzosenfeindliche Haltung in Münster erinnern? Yon beiden Antworten auf Amaliens „sehr hochfahrende“ Briefe wußte Königin Elisabeth von Böhmen, denn sie feilte den Inhalt ihrem Bruder am 26. April 1660 aus dem Haag mit. Während de Thou sich freute, daß mit Orange der Stein des Anstoßes mitten in Frankreich beseitigt 14 * 212 sei, jammerten die Hugenotten über den Fall 1 ). Ludwig XIY. erklärte, die Festung sei einst gegen den AVillen des Königs von Frankreich gebaut worden, der es nicht verhindern gekonnt; jetzt aber habe er die Macht, dies zu tun. Der päpstliche Nuntius gratulierte ihm und sagte, es sei causa Dei 2 )! Brandt hatte Mazarin von Blumenthals bevorstehender Ankunft unterrichtet, doch für Orange nichts erreicht; Mazarin nahm keine Notiz von dem zwischen Amalie und Maria geschlossenen Akkorde und konnte dadurch um so rücksichtsloser Vorgehen; den von Maria ab- gesandten de Chesne hatte er nicht empfangen 3 ). AYei- mann glaubte nicht an Dohnas Yerrat, von dem alle AVelt um ihn herum redete, und versicherte dem Kurfürsten 4 ), Amalie wolle Dohnas Bericht erst abwarten; sie habe Maria lange genug gewarnt und habe alles, was in ihren Kräften stand, getan, um das Unheil abzuwenden. AYeimann berichtete auch dem Kurfürsten, die Franzosen hausten furchtbar in Orange, verfolgten die Protestanten bis in die Kirchen und es wäre fast zu einem Blutbade gekommen 5 ). Amalie schrieb Dohna am 15. April aus dem Haag 6 ), sie habe von ihm und durch den Kurier Chieze am 24. und 30. März erfahren, unter welchen Bedingungen er das Schloß Orange in Ludwigs Hände übergeben habe. „Sie können urteilen,“ *) De Tliou an Brienne, 18. März und 15. April 1660. Groen. 2 ) Weimann an den Kurfürsten von Brandenburg, 2. April 1660. Berliner Archiv. Holland. s ) Brandt an den Kurfürsten, Paris, 26. März 1660. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9. 4 ) 9. April 1660. Berliner Archiv. Holland. 6 ) Ebenda. “) Original. Archiv Schlobitten. 2,33. 2. 213 fährt sie fort, „mit welcher Trauer und Aufregung, besonders in Anbetracht der verschiedenen Stimmungen, die man darüber hat, und der verschiedenen Reden, die man hier darüber hält. Da ich jedoch nicht zweifeln kann, daß Sie als Ehrenmann gehandelt haben und daß Sie in der Lage sind, sich gegen die schlechten Vorurteile, die man wider Sie haben möchte, rechtfertigen zu können, so will ich den genauen, sehr umständlichen und begründeten Bericht über all das abwarten, was sich der Zeit nach in diesen unglücklichen Dingen begeben hat.“ Besonders nötig war ihr der Vertrag vom 20. März, Dohna sollte ihn möglichst bald vorlegen, ohne Überstürzung und bestens bearbeitet, „um meine Haltung“ — so schließt sie — „und die des Herrn Kurfürsten wie auch die Ihrige gegen die Herren Generalstaaten, gegen den Gerichtshof von Holland und überhaupt gegen alle zu rechtfertigen.“ Amalie war über Frankreichs Verfahren außer sich, und während de Thou Weimann zu zeigen bemüht war, es gebe für Wilhelms Interessen nichts vorteilhafteres als den Garnisonswechsel in Orange, lauschte sie den Aufreizungen des spanischen Botschafters Don E. de Gamarra 1 ). Als dieser sie frug: „Nun, Madame, was würden Sie von Spanien sagen, wenn es Ihnen einen ähnlichen Streich gespielt hätte, wie Frankreich Ihnen eben getan?“, brach sie in Zorn gegen Frankreich los. Sie suchte auch den Staaten klar zu machen, ihre Botschafter in Frankreich nützten nichts und man solle sich viel lieber mit dem Hause Oesterreich als mit Frankreich verbünden, tlbrigens beschäftigte sie eben ein neues Projekt; die Restauration der Stuarts in England schien l ) De Thou au Brienne, Haag, 22. mul 29. April 1660. Groen. 214 bevorzustehen; warum sollte Amalie nicht jetzt ihre letzte Tochter Maria dem Könige der Zukunft, Karl II., geben, der früher um Henriette Katharine, die nunmehrige Fürstin zu Anhalt-Dessau, geworben hatte? Maria war weniger schön, aber geistvoll wie alle ihre Geschwister. Amalie suchte sich bei dem einflußreichen Marquis von Ormond einzuschmeicheln. Karl versicherte ja eben in Breda Weimann, der in Familiensachen bei ihm erschien, er respektiere die Prinzessin Amalie wie seine Mutter und wolle sich mit Kurbrandenburg eng verknüpfen 1 ). Gegen sein Versprechen ließ Ludwig XIV. die Zitadelle von Orange schleifen, obwohl sie Frankreich nicht gefährlich werden konnte; Dohna erfuhr es am 7. Juli. De Thou beklagte, daß der Beschluß nicht bis zur Ankunft Marias bei ihrer Mutter in Paris verschoben worden sei, wo man sich dann ihrer Einwilligung irgendwie vergewissert hätte, ja vielleicht Mutter und Tochter hätte bestimmen können, zum Besten des Prinzen Wilhelm die Schleifung zu wünschen. De Thou rühmte sich, Maria zu gängeln, der jetzt die Restauration ihres Bruders großes Ansehen im Haag verleihe und die bei Karl II. das Gewicht ihrer Schwiegermutter untergrabe. Die Schleifung der Festung gab ihr aber, wie die Depeschen de Thous zeigen, lange zu denken; de Thou schlug Mazarin und Brienne vor, Wilhelm irgendwie für die Schleifung zu entschädigen und ihn, dem er eine große Zukunft prophezeite und den die Volksgunst emportragen würde, Frankreich zu Dank zu verpflichten 2 ). Nachdem Amalie wieder in Spa und in Cleve den Sommer verlebt hatte, kehrte sie nach dem Haag zurück, *) 6. Mai 1660. Haag. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 7, 2 ) Groen. 2. Serie, 5. Band. S. 196—207. 215 wo Dohna erwartet wurde, um sich mündlich über sein Verhalten zu rechtfertigen. An die Generalstaaten erließ sie folgendes Memoire 1 ): „Haults et puissants seigneurs! Son Altesse la princesse douariere d'Orange comme tutrice du prince son petit fils se trouve encore ne- cessitee de representer a vos hautes puissances, que bien que sa majeste le roy de France ait fait asseurer Son Altesse par le sieur de Zuilichen depute de Son Altesse que l’evacuation d’Orange se feroit assez tost que la demolition des fortifications seroit achevee, dont il attendoit des lors des nouvelles de jour a autre avec impatience. Et que non seulement cette demolition a este achevee mais aussy celle de quelques vieilles mu- railles, appellees Barrions, qui y estoient, il y a trois eens ans ainsy, que Fon voit en ces quartiers la a toutes les petites villes et aux villages. Comme aussy que depuis ce temps la il a plü a Sa Majeste asseurer messieurs les ambassadeurs de cet estat qu’il estoit sur le poinct et prest de donner ordre pour l’evacuation et ce sans aucune reserve ou l’imitation 2 ) en la maniere que les dits sieurs ambassadeurs ont faict leur rapport a vos hautes puissances a leur retour de cette resolution de sa majeste et que neantmoins, non obstants toutes les dites resolutions et promesses faites par sa majeste la principaute d'Orange ne se restitue point au prince pupille, mais que le gouverneur et les gens de guerre que sa majeste y a envoyes continuent d’y demeurer sans reconnoistre Fautorite de son Altesse. C’est pourquoy son Altesse requiert humblement, qu’il plaise a la bonte de vos hautes puissances faire *) Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 68. Ohne Datum. 2 ) Imitation. — . 216 parier en des termes serieus a monsieur l'ambassadeur de sa majeste, estant presentement icy a la Haye de la part de vos hautes puissances et recommander a ce qu’il plaise ä sa majeste faire executer la promesse et la resolution portee a vos ambassadeurs lors de leur depart, et donner ordre a ce que la dite principaute soit restituee au dit seigneur prince sans aucune reserve ou limitation afin que le depute, qui ne fait qu'attendre apres cela a Paris puisse aller en prendre possession au nom et de la part du dit sieur prince. Signe Amelie, princesse d’Orange.“ Friedrich zu Dohna rechtfertigte sich nicht selbst vor der Öffentlichkeit, aber einer seiner Freunde publizierte ein von ihm verfertigtes Manifest ')■ Dohna brachte seine Familie am 19. August 1660 nach Coppet und reiste nach dem Haag. Die Princess Royal verweigerte jede Verzeihung und empfing ihn nicht * 2 ), wollte auch durchaus nicht erlauben, daß er ihren Sohn sehe; er aber trat voll Selbstgefühl auf, berief sich auf die Befehle Amaliens als Richtschnur seines ganzen Verhaltens 3 ) und fand bei ihr und dem Rate Amaliens, der ihm noch 54000 Livres Auslagen ersetzte, die vollste Anerkennung, wie ihm auch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg dieselbe 1661 in Cleve aussprach. Die Erziehung des jungen Wilhelm blieb bis zuletzt ein Streitpunkt zwischen beiden Prinzessinnen von Oranien. Im September 1660 rüstete sich Maria zur Reise nach England, Amalie sah sie voll Freude ziehen und kam sogar in den Haag, um ihr Adieu zu Archiv in Schlobitten. ! ) De Thon an Mazarin, 30. September 1660. 3 ) De Thon an Brienne, Haag, 7. Oktober 1660. Groen. 217 sagen 1 ). Maria mochte nicht länger in dem verhaßten Lande bleiben, das ihrem Sohne die väterlichen Würden vorenthielt und das ihr bis ins Mark hinein antipathisch war; es zog sie an den glänzenden Hof des leichtlebigen Bruders. Am 20. September fuhr sie von Briel ab, entschlossen, nie mehr nach Holland zurückzukehren, obwohl ihr Sohn dort blieb; Karl II. empfing sie voll Prunk und voll Liebe, die Hofdichter sangen sie an, aber ihr Glück dauerte nicht lange. Die Krankheit, an der ihr Gemahl so jung dahin gegangen, ergriff auch sie, und am 'Weihnachtstage, 24. Dezember 1660, war sie eine Leiche. Es war ein tragisches Geschick, daß die begeistertste Vorkämpferin für die Bestauration der Stuarts sterben mußte, als letztere kaum eingetreten war; sie zählte wenig über 29 Jahre. Und nach acht Tagen war sie auch in ihrer alten Heimat vergessen; man begrub sie in der Westminster-Abtei in der Kapelle Heinrichs VII., aber keine Inschrift verrät, wo dort die Mutter Wilhelms III. von ihrem verfehlten Leben ausruht. 5. Kapitel. Das Ende der Vormundschaft. An Marias Stelle trat ihrem letzten Wunsche gemäß König Karl II. in die Vormundschaft für den jungen Oranier ein, und bald hatte es den Anschein, als solle er in den Niederlanden große Autorität gewinnen; Abraham Wicquefort äußerte Brienne gegenüber 2 ), Karl herrsche dort, sozusagen, durch seinen Neffen Wilhelm und es sei für Frankreich ein politisches Gebot, die gebietende Stimme selbst zu behaupten; er fügte ’) Copes an den Kurfürsten von Brandenburg'. Haag. 18./28. September 1660. Archiv in Berlin. Holland. 2 ) Haag, 14. und 21. April 1661. Groen. 2 18 aber hinzu, Karl sei .auf dem besten Wege, durch seine Zudringlichkeit dem Prinzen mehr zu schaden als zu nützen und die Stimmung der Städte gegen Wilhelm zu kehren, dem sie jetzt hold seien. Besonders beargwöhnten die England feindlichen Kreise in Holland die Prinzessin Amalie; man kannte ihren Einfluß auf Karl II. und glaubte, sie hetze Karl gegen Holland auf 1 ). Karl legte ungewöhnlichen Wert auf ihr politisches Urteil und suchte durch sie auf die Generalstaaten einzuwirken 2 ). Am 17. Mai 1661 machten Karls Kommissäre mit denen des Kurfürsten von Brandenburg und Amaliens, Daniel Weimann und Prinz Moritz von Nassau, einen Vergleich über die Vormundschaft für Wilhelm, im Anschlüsse an den Vergleich vom 13. August 1651 (s. S. 145 ff.). Fortan sollten Karl, Amalie und Friedrich Wilhelm Vormünder sein. Da aber nur Amalie sich an Ort und Stelle befinde und die beiden andern dauernd abwesend seien, so sollte Amalie, als Repräsentantin der andern, von ihnen voll autorisiert, alle Abkommen allein unterzeichnen, doch sich dabei des Petschafts ihres Enkels bedienen und sein Greffier sollte gegenzeichnen. Amalie allein hatte die Behörden in den Städten, wo dies Wilhelm zustand, zu erneuern, sie verfügte über alle Ämter und Pfründen in Wilhelms Dienst, nur bei besonders wichtigen Ämtern, wie z. B. den Drosteien, hatte sie mit Karl und Friedrich Wilhelm zu korrespondieren. Ohne Wissen und Gutbefinden der andern sollte Amalie keine Diener des Prinzen entlassen, welche noch bei Lebzeiten Marias angenommen worden waren, falls nicht sämtliche ’) Wicquefort an Brienne, 5. Mai 1661. Ebenda. 2 ) Viele Briefe Karls an Amalie aus dem Exile in Brüssel und Breda (1658—1660) gibt Kl ein Schmidt in dem oben genannten Aufsätze „Episoden aus dem Leben der Mutter des ,Alten Dessauers“ 1 wieder. 219 Vormünder diese Leute für schädlich hielten. Alle von Maria vollzogenen Handlungen wurden bestätigt. Die drei Vormünder wollten die Provinz Holland bitten, einige Deputierte zu ernennen, um als ständige Deputation bei Wilhelm zu verbleiben, darunter solche aus Haarlem, Leyden, Enkhuysen und Rotterdam; Amalie sollte sich ihres Rates bedienen. Auch sollten die anderen Provinzen gebeten werden, eine Kommission zu bestimmen, um mit ihr des Prinzen Interesse zu beraten. Rat und Rechenkammern Wilhelms wie seine übrigen Beamten und Diener sollten sich nach dem Inhalte dieses Vergleichs richten, den für Karl II. Clarendon, Albemarie, Southampton und Edu. Mcholas Unterzeichneten x ) und den Friedrich Wilhelm am 20. Juli in Cleve ratifizierte. Am 20. Mai hatten die Bevollmächtigten noch einen zweiten Vertrag unterzeichnet, der die Besetzung verschiedener Ämter in Breda usw. betraf 2 ). Karl gab seinem Gesandten im Haag, Downing, Befehl, sich derart für Oranien ins Zeug zu legen, als ob er Amaliens Diener sei 3 ). Am 12. Juli schrieb ihr der Lordkanzler Edward Ilyde, Graf Clarendon A ): „Madame! La lettre que V. A. m’a faict rhonneur de m’escrire du 28. Juin m’a donne une joye que ie ne puis ex- primer, puisqu’elle me faict la grace de me tesmoigner d’estre satisfaicte de mon procede et de mon zele aux choses qui regardent les interests de Mn le Prince d’Orange. Mais aussi il faut que advoue, que ie n’ay pas este peu surpris de trouver dans la mesme lettre B Kopie. Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 109. Aitzema X., 61. 2 ) Archiv in Zerbst. 3 ) Copes an den Kurfürsten, Haag, 17. Juni 1661. Archiv in Berlin. Holland. 4 ) Kopie. Archiv in Zerbst. A. 7 b Nr. 109. 220 •que Y. A. se plaigne de quelques formalites et obser- vations inserees dans le traicte, qui pouroient donner lieu de douter de la confiance que le Roy a eu eu Y. A. et aprez y avoir resue*■) assez longtemps et repasse dans mon esprit tout ce qui s’est passe sur ce subject, ie n'ay jamais peu 2 ) deviner la cause de l’apprehension que V. A. en a. Car il est certain que le Roy qui aux temps les plus difficiles a eu tonte sortes de confiance en Y. A. n’a aucun desseing d’en rien deminuer, au ■contraire S. Mte m’a comm an de de vous asceurer qu’e 11 e enten d s’estr e remise ä Yous de 1 a conduicte de tout cette affaire et qu'elle est aussy bien eil peine que moy de scavoir ce qui peut avoir rendu ses intentions doubteuses ou obscures, si ce n'est peut estre qu’on trouve que S. Mte. a voulu con- firmer ce que Mad. la Princesse Royale avoit faict, et ie m’asceure, si Y. A. faict reflexion sur le temps passe qu’elle jugera assez que S. Mtci ne pouvoit pas moins faire et que veu les reproches qu’on m’a faict autre- fois i’ay en mon particulier subject de souliaiter, qu’il soit ainsi, que s’il s’estoit trouve de personnes assez osees pour tascber de vouloir donner au Roy desadvanta- geuses (?) ä Y. A. soit au regard de la Princesse Royale sa seur ou de la Tutele, Sa Mte. vous prie de croire •qu’elles n’en feront jamais d’effect dans son esprit, comme estant tres persuade que vostre conduicte a tous- jours este pleine d’amitie et d'honneur et que les in- terests du Prince son nepveu ne scauroint estre en melieures mains qu’en celles d une ayeule tres affectionee et qui les scaura mieux mesnager que personne. II n’est pas necessaire que ie m’estende davantage. puisque Mes- ’) resume. -) pu. 221 sieurs les Ambassadeurs s’en retournent qui rendront conte a V. A. des Conferences que nous avons eu en- semble ou ie croy m’estre tousjours explique de teile maniere qu’elle ne doubtera pas que ie ne sois de plus passionez pour le bien et la gloire de la maison d’Orange- et particulierement Madame de Vre. Altesse le tres humble et tres obeissY serv.. de Londres ce 12. Juilet le Conte de Clarendon.“ 1661. Karl teilte dem Grafen von St. Albans, den Generalstaaten, den Staaten von Holland und von Seeland und dem Parlamente des Fürstentums Orange mit, er habe mit Friedrich Wilhelm und Amalie die Vormundschaft übernommen, da er aber selbst keine Zeit habe, so wünsche er „in Anbetracht der großen Zuneigung, welche besagte Prinzessin für besagten Prinzen, ihren Enkel, hege und wegen der großen Erfahrung, die sie in allem besitze, Avas ihn betreffe, sie zu bevollmächtigen, besagte Vormundschaft zu verwalten und die Regierung des Fürstentums Orange zu übernehmen“. Karl befahl St. Albans alles zum besten Wilhelms und Amaliens, wie zum Heile des Fürstentums Orange zu tun 1 ). So war Amalie durch Marias Tod die eigentliche Leiterin der Vormundschaft geworden und die ehrgeizige Frau atmete auf, wie von einem Joche befreit; frischer Wagemut blitzte aus ihren Augen. Um die Interessen ihres Enkels energisch zu vertreten, sandte sie den Ritter von Zuylichen und ihren Neffen, den Burggrafen Friedrich zu Dohna, an den Hof Ludwigs XIV. Sie gab ihnen Empfehlungsschreiben an ’) Whitehall, 20. Juli 1661. Konzept, englisch. Archiv in Zerbst.. A 7 b. Nr. 109. 222 Ludwig, Brienne, Le Tellier, St. Albans und die Gesandten der Generalstaaten und eine Instruktion vom 26. August 1661 mit 1 ). Dohna, der im November 1660 bei seinem Besuche in London von Karl und dessen Hof sehr ausgezeichnet wurde 2 ), und Zuyliehen fanden ihre Bestallung in Cleve vor. Der Brief Amaliens an den König von Frankreich lautete 3 ) : „Sire! Les interests du prince d’Orange mon petit fils m’obligent de faire representer a Vostre Majeste des choses, que je m’asseure qu’en sa grande equite et prudence naturelle, eile jugera raisonnables. Je la supplie tres humblement de vouloir faire la grace d'une favorable audience au comte Frederic de Dona et au Chevalier Zulichem premier conseiller du dit prince que j’ay trouve a propos d’envoier a votre Majeste, que je supplie les vouloir honorer de toute creance puis que je ne doute point qu’ils ne s’aequitent du devoir que je leur ay recommande sur toutes choses d’asseurer Yostre Majeste que la premiere de mes ambitions soit toujours de pouvoir estre crue et reputee Sire de Vostre Majeste La tres humble et tres obeissante servante Amelie P. d’Orange.“ *) Kreditive und Empfehlungsschreiben, Turnhout, 29. August 1661. Hausarchiv im Haag. 2487. Die Instruktion ist im Archive zu Schlobitten. 2 ) Brandt schrieb dem Kurfürsten von Brandenburg, l./ll. Nov. 1661 aus London: Dohnas erster Zweck in London sei gewesen, Karl n. zu beweisen, daß er kein Gegner Marias gewesen sei. (Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9.) ’) Hausarchiv im Haag. 2487. 223 Am 9. November schrieb Amalie an Iluygens-Zuy- lichen, sie sei erstaunt über seine Berichte aus Paris und Fontainebleau, und fuhr fort 4 ): „Überdies will ich Ihnen sagen, ich will, man soll wissen, daß die Prinzen von Oranien stets Diener der Könige von Frankreich, aber niemals ihre Untertanen und noch weniger ihre Sklaven gewesen sind, und demzufolge ziemt es sich für uns, mit ihnen voll aller Höflichkeit zu verhandeln, nicht aber mit Unterwürfigkeit und Gefügigkeit, die den Rechten des Prinzen, meines Enkels, nachteilig und unvorteilhaft werden könnte.“ Sie änderte nichts an der mit ihrem brandenburgischen Schwiegersöhne ausgearbeiteten Instruktion ab und riet Zuylichen, seine Rückkehr zu beschleunigen, falls er bei Ludwig nichts erzielen könnte. Was nützte der ablehnenden Haltung Ludwigs gegenüber die Versicherung ewiger Treue eines Beauregard * 2 ), her nach Orange geschickt worden war, und andrer? Im königlichen Hausarchive im Haag befinden sich eine Reihe Foliobände über die Mission Zuylichens und Dohnas an Ludwig XIV. Amalie war verbittert über die Abneigung des Hofs gegen Dohna und über die Vorwürfe gegen sie selbst, sie sei nicht französisch gesinnt; sie erinnerte an die Verdienste so vieler Oranier um Frankreich und tadelte die Beraubung „eines armen unschuldigen Mündels“ 3 4 ). Dabei suchte sie sich Frankreich zu nähern, wie de Thou an Estrades schreibt 4 ); sie erbot sich, w r egen der Erziehung Wilhelms nur im Einvernehmen mit der Provinz Holland zu handeln. Die Städte hätten gern ihre Hand ergriffen, mißtrauten ihr aber wegen ihrer ausgesprochenen An- ') Groen. 2 ) Fontainebleau, 12. Nov. 1661. Hausarcliiv im Haag. 2487 c. 3 ) Amalie an Huygens, 14. Dezember 1661. Groen. 4 ) Haag, 20. Dezember 1661. Ebenda. hänglichkeit an das spanische Interesse 1 ), und de Thou hielt es vor allem für wichtig, Amalie von Karl II. loszubringen und sich mit ihr auf den besten Fuß zu stellen. Dohna und Huygens - Zuy liehen hatten Audienzen bei den Ministern Brienne, Le Tellier, Lionne und andern und hörten überall, Ludwig bestehe darauf, einen katholischen Gouverneur in Orange zu haben. Dohna arbeitete vergebens dagegen, Colbcrt zumal bestand darauf, daß der nach Orange geschickte de Gau dort bleibe. Auch ein von Dohna an Ludwig eingereichtes Memoire, welches letztem über die Ungerechtigkeiten in Orange aufklären sollte und das Lionne ihm vorlas, blieb ohne Wirkung. Amalie zog auch Wicquefort wegen Orange zu Bat 2 ), eiferte dagegen, daß Frankreich ihr Voreingenommenheit zum Yorwurfe mache, und zeigte Wicquefort im Januar 1662 zum Beweise ihrer Behauptung einen von ihr geschriebenen Brief an den Kurfürsten von Brandenburg, in welchem sie zur Verständigung mit Ludwig riet. Wicquefort wollte die französischen Machthaber begütigen und wünschte die Abreise Dohnas, den Ludwig haßte und dem die Königin-Witwe von England entgegen arbeitete. Der Kurfürst beantwortete den Brief seiner Schwiegermutter dahin, der französische Hof täusche ihn und wolle ihn mit Wien verfeinden; er berief sich darauf, daß Turenne, durch Podewils über den Stand der oranischen Frage angegangen, geantwortet habe, es sei darin nichts mehr zu machen, die Dinge *) Siehe auch die Depeschen von Hoverbecks aus Warschau an den Kurfürsten von Brandenburg, 21. März 1661 und 12. Sept. 1663. (Urkunden und Aktenstücke. Bd. 9.) s ) Wicquefort an Otto von Schwerin, Haag, 10. Januar 1662. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9. 225 haben sich vollkommen geändert. Amalie wandte sich wiederum an Ludwig XIV. 1 ): „Sire! Quoy que ia lettre que jay recue de vostre majeste soit une reponse a celle que je m’estois donne l’hon- neur de luy escrire, neantmoins y trouvant des marques si obligeantes de sa honte et grace, je n'ay pu m’em- pescher de luy en venir rendre mes tres-humbles remer- ciemens et particulierement pour les sentimens avanta- geux que vostre majeste m asseure d’avoir pour mon petit fils et pour ses interests, dont je luy demande la continuation. Cette grace particuliere, Sire, me donne encore la liberte d’en demander une autre pour mon nepveu le comte de Dona, ä ce qu’il puisse avoir Thonneur de faire la reverence a vostre majeste que si pour des considerations secretes, dans lesquelles par respect je Mose pas penetrer vostre majeste ne luy en pouvoit encore presentement accorder la permission, je la supplie tres humblement qu’au moins il puisse avoir libre acces aupres de messieurs ses ministres d’Estat et ses autres officiers pour leur pouvoir recommander ses affaires particulieres et celles de monsieur le comte de Ferras- sieres Montbrun son beaupere afin de pouvoir obtenir plus facilement la bonne justice, qui se rend dans le conseil de vostre majeste et dans son parlement et autres tribunaux de justice souveraine. Ce que je me promets d’autant plus de la bonte et justice de votre majeste qihoutre l'obligation que j’ay d’assister en ce que je puis mon nepveu, eile voudra bien encore faire reflexion sur ce qu’il a espouse une ') Haag, 29. März 1662. Affaires etrangeres. Paris. Abt. Holland. Bd. 67. Kleinschmidt, Amalie von Oranien. 15 226 dame frangoise sujette de vostre majeste et d’une mai- son, qui a eu l'homieur de servil - long temps vostre majeste avec reputation et fidelite dans ses armees et dans des emplois et charges tres considerables. C’est pourquoy j’attens cette grace de votre majeste, que je luy demande avec toute 1’instance possible, et n’ad- jousteray a cette lettre que la confirmation de mes tres humbles respects et que je suis avec une resignation extreme Sire de Vostre majeste tres humble et tres obeissante servante Amelie P. d’Orange.“ Auch wandte sie sich an die französischen Minister, um ihre Wünsche bei Ludwig unterstützt zu sehen 1 ). Es nützte ebenso wenig wie Clarendons Äußerung, er halte einen katholischen Statthalter in Orange für nicht ratsam 2 ), und wie sein Versprechen, Zuylichen bei der Restitution von Orange treulich zu helfen 3 ). Ein neuer außerordentlicher Gesandter Ludwigs, der Graf d’Estrades, ging in den Haag ab und berichtete von da am 16. Januar 1663 seinem Könige 4 ), Amalie habe ihn mit heftigen Klagen über die schlechte Behandlung ihres Enkels und seiner Interessen von seiten Frankreichs empfangen und ihm erklärt, Karl II. und Friedrich Wilhelm würden niemals in die Einsetzung eines katholischen Gouverneurs in Orange einwilligen; sie selbst sei eine arme Frau und zu nichts mehr gut, fühle aber die ihr angetanen Kränkungen und die Mißachtung des ’) Ebenda. s ) von Brandt an Kurfürst Friedrich Wilhelm, London, 19./29. Sept. 1662. (Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9.) 3 ) von Brandt an den Kurfürsten, London, 16. Jan. 1663. Ebenda. *) Groen. 227 Königs. Estrades suchte ihre Behauptungen zu widerlegen, verhehlte ihr aber nicht, daß er sie ganz verändert finde, ganz für Spanien gewonnen und für Frankreich verloren, gar nicht mehr die Prinzessin von Oranien, ■an die er sich vor zehn Jahren gewendet habe, um Spanien zu bekämpfen. Ironisch meinte er, die Geschenke Spaniens und Spaniens Gunst würden sie wohl über Ludwigs Ungnade trösten. „Ich glaubte mich zu dieser Sprache verpflichtet,“ schreibt Estrades dem Könige, „weil ich in E. M. Diensten wirkte, als sie Ihre Interessen verließ, und weil ich wegen unsres damaligen gemeinsamen Handelns mehr Recht als ein andrer habe, kräftig mit ihr zu reden.“ Doch stellte er dem Könige anheim, ob derselbe vielleicht größere Schonung Amaliens wünsche, ihretwegen oder wegen des Kurfürsten, „den sie absolut beherrsche.“ Der spanische Botschafter war Amaliens besonderer Freund und unterstützte sie bei ihren Wünschen. Auf «ein Antreiben schlug sie, um die Zahlung der von der Krone Spanien an Wilhelm schuldig gebliebenen Summe zu erleichtern, am 10. Januar 1664 Wilhelm folgende Punkte vor, die in seinem Rate zum Yortrag kamen 1 ): 1) Abholzungen in den Wäldern von Nieppe und Verkauf des so gerodeten Landes; 2) Gewinnung großer Vorschüsse; 3) Abtretung von Gütern der toten Hand an König Philipp; 4) Erhöhung der Einkünfte der Grafschaft Meurs und Vergrößerung um vier Kirchspiele; 5) Restitution der Domänen des Königs im Mont- fortschen an Wilhelm, wodurch letzterer jährlich 32 000 Livres Rente erhalten sollte; 6) Erhöhung der Renten aus Amaliens Herrschaft Turnhout auf 12000 Livres, -die trotz Vertrags (s. S. 120) noch nicht erfolgt war, und ') Kopie. Archiv in Schlobitten. 2./35. 2. 228 7) vieles andre. Zevenbergen gehörte noch dem Hause Aerschot, Philipp aber gab Wilhelm sein Wort, er solle die Herrschaft erhalten und der König werde Aerschot dafür entschädigen. Und als ihr Neffe Dohna 1664 in die Franche-Comte ging, um Wilhelms Angelegenheiten dem Generalgouverneur der spanischen Niederlande, dem Marquis von Castel-Rodrig-uez, zu empfehlen, hoffte sie das beste von dieser Reise. Sie schrieb an Dohna 1 ): „Je veux esperer qu’elle aura de beaucoup servi a luy recommander les interests de mon petit-filz, sur tout si l’affaire, pour laquelle il vous a prie de vous em- ploier en Suisse, reussit. Je vous y souhaicte un bon succes, et que vous puissiez ayder a avancer une si bonne oeuvre, que la Paix et l’Union de cet Estat. J'espere que cette affaire n’empeschera pas cependant que vous ne travailliez tousjours aux nostres en Bour- gogne, dont j’attendray de temps en temps vos advis . . . Vostre tres affectione tante a vous servir Amalie P. d’Orange.“ 2 ) Die Frage von der Mündigkeitserklärung ihres Enkels, welche die Vereinigten Provinzen bewegte 3 ), und die Angelegenheiten in Orange lagen Amalien gleichermaßen am Herzen. Sie schrieb voll Kummer an den brandenburgischen Schwiegersohn und dieser antwortete ihr am 7. Juni 1664 4 ): „. . . . betrüben uns aber nicht wenig, daß man am französischen Hofe dergestalt sich opiniatrirt und des ! ) Original. Honsholredyk, 16. Oktober 1664. Archiv in Schlo- bitten. 36./4. 2 ) Die ganze Unterschrift eigenhändig. 3 ) Siehe z. B. Copes an Friedrich Wilhelm von Brandenburg, 8./18. März 1664. Archiv in Berlin. Holland. 4 ) Cöln a. Spree. Archiv im Haag. Kopie zu einem Briefe- Amaliens an Huygens vom 27. Juni 1664. ... v** *m 1 - MR — 229 — jungen Prinzen von Oranien Lbden dero Fürstentlium nicht mit vollkommenen Gerechtigkeiten restituiren will. Wir müssen fast zweifeln, ob nach so vielfältig gethanen refus und so hefftigen vergeblich angewandten officiis des Königs von England etwas besser zu hoffen sei. Wan wir aber auch betrachten, wie sorgfeltig hochgedachten princens von Oranien Lbden Vorfahren hochloblichsten andenkens allemal gewesen damit der Souveränität dieses Fürstenthumbs nichts derogiret werden möchte, und wir darvor halten mußen, daß des jetzigen jungen prinzens liebden dermaleinst gleiche gedanken führen werden, so sehen wir nicht, wie wir uns mit der veranttwortung beladen lassen können, dahin zu rahten, daß Ew. Eden in wehrender minoritet eine solche beschwerliche condition wegen des Gouvernement aufgetrungen werde. Halten demnach unseres theils davor daß es viel besser undt zuträglicher sey, die sache offen zu halten und des prinzen Lden nichts zu vergeben, in mittels bey allen occasionen das werck ferner auf beste- zu treiben, bis S. Lden dermaleins zu ihren völligen Jahren gelangen, da sie dan alles selbsten zum besten werden befördern können, wie wir dan nicht unterlassen werden, unsere gute officia ferner hierbey zu contribuiren.“ Der brandenburgische Gesandte von Blumenthal übergab auch Ludwig XIY. ein Memoire in Sachen von Orange, erhielt aber durch Lionne Ludwigs Bescheid, obwohl Amalie wegen eines katholischen Gouverneurs in Orange sich opiniatriere, werde Ludwig davon nicht absehen und habe es auch Karl IT. abgeschlagen 1 ). ’) Bliunentkal an Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Paris, 2 . 112 . September 1664. Urkunden und Aktenstücke, Bd. 9. — 230 — Am 12. November 1664 starb plötzlich Amaliens Schwiegersohn, Fürst "Wilhelm Friedrich von Nassau; Deputierte der Generalstaaten, der Admiralität und andrer Kollegien kondolierten ihr und ihrem Enkel, und sie empfahl den Staaten von Friesland, wo er Statthalter gewesen war, seine Witwe und kleinen Kinder aufs angelegentlichste *). Zu Ludwig XIY. suchte sie ein besseres Einvernehmen zu gewinnen, wie uns zum Beispiel ein Schreiben vom 10. Dezember zeigt 2 ): „Sire! J’ay appris par Mr. Destrades que Vostre Majeste desirait que j’oubliasse la mauvaise conduite du sieur de Beauregard, tant dans 1’administration de ses charges, que tant d’autres rencontres ou il m’a manque de respect et de reconnaissance aux obligations qu’il m’a. Mais puis qu’il est si heureux que d’avoir eu protection de vostre Majeste je veux bien en cette seule consideration oublier tout ce qu’il ma faict par ce passe le restablir dans ses charges et luy accorder tout ce que monsieur d’Estrades m’a demande de la part de vostre Majeste pour luy; je fais d’autant plus volontiers ce sacrifice au juste sujet que j’avois de me ressentir de tout ce qu’il a fait contre mes ordres et de la persecution qu’il a causee a mes amis et serviteurs, que je temoigne par la a Vostre Majeste les veritables sentiments que j’ay tousjours cherement conservez d’honorer un si grand prince de qui les vertus et les qualites donnent du respect et de la veneration a tout le monde quoy que je sache bien qu’on m’a voulu rendre de mauvais Offices aupres de Vostre Majeste en plusieurs occasions et fort *) Haag, 17. November 1664. Kopie. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 108. Haag. Kopie. Hausarchiv im Haag. 2487 d. 231 r ;SC • — 231 — injustement, je ne laisseray pas de l’asseurer, Sire, que mes intentions ont tousjours este fort sinceres pour son seryice et je souhaitte qu’elle veuille m’esprouver la dessus en quelque rencontre et Yostre Majeste me trouvera tres disposee de luy faire veoir avec combien de zele et de respect je suis Sire, de Yostre Majeste tres humble et tres obeissante servante Amelie P. d’Orange.“ Ludwig beantwortete ihre lange Ergießung mit folgenden Zeilen *): „Ma Cousine! Yoiant par vostre lettre la bonte que vous voulez avoir pour le sieur de Beauregard a ma consideration je vous escris celle ci pour vous en faire mes remer- cimens et j’estime d’autant plus cette marque d’affection, qu’en ayant tousjours eu beaucoup pour tout ce qui vous regarde je suis bien aise d’avoir suject de vous la faire paroistre comme je feray de bon coeur aux occasions qui se presenteront priant Dieu qu’il vous ayt, ma cousine, en sa saincte et digne garde. Escrit a Paris le 18. de Decembre 1664. Louis.“ Ludwig erklärte sich um diese Zeit bereit, seine Truppen aus Orange abzuberufen und dem Prinzen von Oranien die Regierung daselbst zu überlassen; die Generalstaaten gratulierten Wilhelm hierzu, während viele Stimmen in Holland sich dahin aussprachen, Ludwig tue es nur England und Brandenburg zu Gefallen 2 ). Bedingungen, die Ludwig wegen der katholischen ') Paris, 18. Dezember 1664. Original. Hausarckiv im Haag. 2487 (1. 2 ) Copes an den Kurfürsten von Brandenburg, 20/30. Dez. 1664. Archiv in Berlin. Holland. k 232 Religion in Orange stellte, erschienen Amalie weit erträglicher als seine Forderung, die Kanonen fortzunehmen oder zu verkaufen. Sie erklärte Huygens-Zuylichen'), der mit Lionne darüber unterhandelte, sie finde diese Forderung „noch schroffer und schimpflicher und der Souveränität ihres Enkels nachteiliger als die Schleifung der Befestigungen“; sie könne auch gar nicht die Kanonen wegnehmen: selbst wenn sie wollte, würden der König von England und der Kurfürst niemals einwilligen. Die Kanonen zu verkaufen, stehe gar nicht in der Macht der Vormünder, gehe gegen Recht und Scham, fuhr Amalie fort; auch ließ sie Lionne bitten, die Sache vorerst geheim zu halten, wie sie den Mitvormündern und Wilhelm nichts davon sagen wollte. Hingegen ließ sie durch Estrades’ Gemahlin Ludwig und Lionne um Auskunft bitten, warum Ludwig so scharfe Bedingungen stelle, und beauftragte Zuylichen, Lionne zu bitten, er möge Ludwig an sein Versprechen erinnern, Orange ohne Bedingungen auszuliefern, wie sie es ihren Mitvormündern mitgeteilt habe; ihr selbst seien die Hände gebunden und die ganze Angelegenheit werde abgebrochen sein, sobald Ludwig auf seiner Forderung bestehe, dann sei sie selbst des Wortes enthoben, das sie wegen des Katholizismus unter der Hand gegeben habe, nur um Ludwig gefällig zu sein. Ludwig war mit Zuylichen sehr zufrieden, wie er Amalie in folgendem Briefe aussprach 2 ): „Ma Cousine! Le sieur de Zulichen s’est si dignement acquitte de son employ pendant tout le temps qu’il a este en ma cour Charge des affaires de mon cousin le prince ') Amalie an Zuylichen, 1. Januar 1665. Paris. Affaires etran- geres. Holland. Bd. 75. 2 ) Paris, 16. Februar 1665. Original. Hausarchiv im Haag. 233 d’Orange qu'ayant tout sujet de me louer de sa con- duite, j’ay voulu me remettre a luy de vous tesmoigner les bonnes dispositions, qu’il a reconnues en moy dans les occasions qui se sont presentees de procurer les avantages de mon dit cousin. Yous pouvez donc prendre creance aux assurances qu’il yous donnera de la bien- veillance sincere que j’ay pour luy et demeures cependant persuadee que la resolution que j’ay prise de luy faire restituer son chasteau d’Orange ne diminuera rien du soin que j’ay eu jusques a present de ses interests et que je m’employeray toujours avec la mesme affection pour les favoriser et pour empresser qu’il ne recoive aucun prejudice de l'Estat present, auquel se trouve la yille et chateau d’Orange. le n’auray pas moins de satisfaction si en vostre particulier vous me donnez le moyen de vous faire ressentir des effects de mon estime et de ma bonne volonte, priant sur ce dieu, qu’il vous ayt ma cousine en sa saincte et digne garde. Escrit a Paris le 16. Febrier 1665. Louis.“ Hocherfreut über Ludwigs Gnade schrieb ihm Amalie v ): „le n’ay pas creu pouvoir mieux marquer le ressenti- ment que j’ay de la maniere obligeante dont vostre Majeste a use en rendant Orange a mon petit fils qu'en choisissant le sieur Milet gentilhomme Frangois, bon catholique et premier capitaine dans le regiment d ln- fanterie de monsieur le comte Destrades pour commander dans le dit Orange. Entre tous les ordres, que je luy donne, je luy recommande expressement de se rendre toujours agreable ! ) 26. März 1665. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 75. HMMjaftr ; ri f i um n'i y 234 ä votre Majeste de qui nous esperons mon petit fils et moy la protection dans tous nos interests et qu’elle me fera la grace de croire, que je suis avec beaucoup de respect Sire de vostre Majeste la tres humble et obeissante servante Amalie P. d’Orange.“ Wie Ludwig bei seiner Haltung Nebenabsichten verfolgte, beweist folgende Depesche: Lionne an Estrades, 17. April 1665. „Wenn die Prinzessin von Oranien die Gunst Sr. Majestät wiedergewinnen wollte, so könnte sie dies unter den gegenwärtigen Umständen leicht und vollständig durch eine Dienstleistung, die Se. Majestät sehr hoch schätzen, ja als einen sichern Beweis ansehen würde, daß sie in der Tat wünsche, das Böse wieder gut zu machen, was sie ehedem dieser Krone zugefügt hat. Sie dürfte zu dem Ende nur das große Zutrauen, dessen sie bei dem Kurfürsten von Brandenburg genießt, verwenden, um diesen Pürsten zu zwei Dingen zu bewegen: erstens daß er die Verträge, die er mit dem Fürsten von Neuburg und dem Bischof von Münster über die freie Religionsübung der drei Konfessionen in den Jülicher Landen und über das Kondirektorium des westphälischen Kreises geschlossen hat, genehmige und ausführe; dagegen zweitens „nicht“ genehmige jenen dritten mit eben diesen Pürsten eingegangenen Vertrag, der ein Defensivbündnis des westphälischen Kreises betrifft. Denn Seine Majestät betrachtet diese neue Verbindung als ein Mittel, welches als erster Anfang dazu dienen könnte, die Rheinische Allianz zu untergraben. Euere Exzellenz erlauben mir hiebei eine Bemerkung: ehe Sie in dieser Sache vorschreiten, werden 235 Sie zuvörderst die Beschaffenheit Ihres Terrains mit größter Vorsicht auskundschaften und sich überzeugen müssen, daß Madame wirklich die Absicht habe, dem Könige dienstlich zu sein und hierbei mit völliger Aufrichtigkeit zu verfahren. Erst wenn diese Linie gelegt ist, dürfen Sie sich ihr entdecken und ihre Bemühung für die beiden obigen Angelegenheiten, aber vorzugsweise für die zweite als die wichtigste, zu gewinnen suchen. Jedoch darf es nicht den Anschein haben, als ob der König einigen Anteil daran habe, und noch viel weniger, als ob er sie darum ersuchen lasse. Wenn sie die Sache will, so besitzt sie Geist und Gewandtheit genug, um auch ohne Erwähnung der Interessen Seiner Majestät noch andre starke Gründe aufzufinden, ihrem Eidam von der Bestätigung besagten Bundes abzuraten, zumal da es nur von ihm abhängen wird, zu Regensburg in die Rheinische Allianz zu treten, welche für die Sicherheit der Verbündeten von ganz andrer Wichtigkeit ist.“ (Aus Wiens Sammlung fragment. Nachrichten.) D’Estrades berichtete in der Folge seinem Könige 1 ): „Madame la princesse Douariere m’envoya chercher hier, pour me dire que monsieur l’electeur de Branden- bourg envoyoit au roy huit chevaux de Carosse isabelle qui seroient presentes par son grand escuier appelle Pellenes quelle vouloit bien me dire qu’il estoit ennemy du comte de Suerin 2 ), qu'il avoit tue son fils en duel, que c'estoit un homme, qui parloit beaucoup et a qui il ne falloit rien confier, que madame l’electrice sa fille et eile n’avoient nulle confiance en luy dont eile m’avoit ’) Chiffriert. Haag, 30. April 1665. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 75. 2 ) Schwerin. 236 voulu advertir afin qu’ont ne crut pas en France que le dit Pellenes fust, en estat de negotier quelque cliose prez monsieur l’electeur, ce qu’elle me disoit confidem- ment. Je l'a remercie de la maniere obligeante, dont eile me parloit et je l a fis tomber insensiblement sur les interests de monsieur l’electeur et comme j’avois appris depuis peu par le sieur de Blaupil ’) qu'il traitroit bien les Catholiques dans la Duche de Cleves, eile me dist, qu’il avoit fait un traite avec le duc de Neubourg pour la religion mais que les estats du pays de Cleves s’opposoient a la ratification. Je lui repliquai, qu'il me sembloit n’estant plus proclie de Cleves, que monsieur l’electeur et monsieur le prince Maurice * 2 ) qui depend d’elle estant gouverneur eile pourroit dissiper cette faction des Estats. Je lui demenday en suite comme de moy mesme et par forme de conversation si monsieur l’electeur n’avoit pas fait d'autre traite. Elle me dist, qu’il en avoit fait un pour le maintien de la paix Westphalique avec l'electeur de Cologne, l’esveque de Munster et le duc de Neubourg, et comme je ne luy repondis rien, eile me demanda, ce qu’il me sembloit de ce traite. Je luy repondis que je croyois que c’estoit peu de chose pour un prince comme c’estoit l’electeur de Brandenbourg et qu’il eut este bien plus avantageux pour luy de ratifier celuy qui regarde la religion et ne ratifier pas celuy de la ligue Westphalique et entrer dans la ligue du Bhin, ou il seroit plus considere en toutes manieres le roy en estant le clief et des liaisons estroites se pouvant prendre entre sa majeste et luy dans des conjonctures, qui peuvent arriver! *) von Blaspiel. 2 ) Moritz von Xassau-Siegen. 237 Mais que c'estoit une conversation inutile entre eile et moy parce qu'il faudroit pour faire reussir tout ce que dessus que cet ouvrage se fist par eile et avec se- cret saus que le roy ny personne le sceut et que je ne la croyois pas desirer assez les bonnes graces du roy pour travailler a des affaires corame ces deux laQ quelle yoyoit bien avec quelle liberte je luy en parlois et quelle dovoit juger par la de mon affection envers eile et sa famille; puisque je lui en parlois sans la parti- cipation du roy eile me dit, quelle approuvoit tout ce que je luy disois mais qu’elle me prioit de luy dire confidemment. si le roy luy scauroit bon gre si eile disposoit Monsieur l’electeur de Branden- bourg d’entrer dans la ligue du Rhin et de ratifier le traite de la religion. Je l’asseurais qu'il estoit mesme necessaire qu’elle fit quelque chose de semblable pour effacer de la memoire du roy les choses passees et re- nouer une amitie estroite pour l’advenir * 2 ) avec eile. Que pour cela il falloit qu elle fist en sorte que nronsieur l’electeur entrant dans la ligue du Rhin, il suprimast le traite Westphalic comme estant inutile et de nulle consideration, eile me repondit que pour me faire voir, qu’elle vouloit agir sincerement eile ecriroit demain a monsieur le prince Maurice, gouverneur du pays de Cleves de disposer les Estats de sa part a ne supposer 3 ) plus a la ratification du traite, qui a este fait pour la religion et que quant a l’autre affaire eile alloit de- pecher un courrier au comte de Suerin pour travailler et disposer monsieur l’electeur de Brandenbourg d’entrer dans la ligue du Rhin et que s’il vient cet este ä Cleves, qu'elle s’y rendra et n’oubliera rien de tout ce ’) deux-lä. 2 ) 1’avenir. 3 ) s’opposer. 238 qui pourra advancer cette affaire mais qu’elle veut en- core m’advertir que si le roy confie quelque affaire a Pellenes qu’on perdra tout a fait le Conte de Suerin, qui est attache a eile et a madame l’Electrice. Yoila Monsieur ou est F affaire dont vous mescrivites le 17. de ce mois ou je ne trouve rien de facheux que les loigne- mentsde monsieur l’electeur de Brandedourg ne dou- tant pas qu’elle ne reussit dans les bonnes intentions madame la douariere d’Orange s’il venoit bientost a Cleves qui n’est qu’a une journee et demie de la Iiaye.“ Wilhelm (III.) und Amalie deputierten Zuylichen nach Orange, um für Wilhelm Besitz zu ergreifen; Zuylichen nahm dort am 7. Mai den Eid des Gehorsams ab und ließ aus den Registern des Parlaments alles streichen, was gegen die Befehle Amaliens und Dohnas darin eingerückt worden war. Am souveränen Besitze von Orange lag dem Hause Oranien wegen seiner Stellung gegenüber den Generalstaaten und der ganzen Welt unendlich viel. Und Amalie wußte recht wohl, wie de Witt hier zugunsten ihres Hauses auf Frankreich eingewirkt hatte. Am 29. Mai schrieb der König an Estrades * 2 ): „Es ist falsch, was die Nachricht am Schlüsse meldet, daß mein Abgesandter Lesseins von dem Herzog von Neuburg weiter nichts verlangt habe, als nur die Form des dritten Vertrags zu verändern, ihn nämlich nicht als einen für sich bestehenden abzuschließen, sondern als Teil in den gleichzeitigen ersten über die freie Religionsübung einschalten zu lassen. Dies wäre freilich etwas, aber bei weitem nicht alles, was mein Inter- *) l’eloiguemeut. 2 ) Aus Wiens Sammlung fragmentarischer Nachrichten. 239 esse erheischt. Damit Ihr nun unterrichtet seid, so will ich Euch näher bezeichnen, worauf dieses Interesse beruht, aber Ihr habt das zu Sagende als Geheimnis zu bewahren und werdet Euch sehr hüten, es jemals der Prinzessin zu entdecken. Also! Die Minister Oesterreichs haben den Plan, sich jener Ligue von Westphalen zu bedienen, um nach diesem Muster die übrigen Kreise des Keichs zu ähnlichen Verbindungen zu bewegen, und wenn sie auf diese Weise die Kreise einzeln konstituiert haben, dann wollen sie dieselben unter dem scheinbaren Yorwande einer viel größeren Sicherheit noch einen Schritt weiter führen, nämlich sich mit einander zu verbünden. Hieraus würden zwei große Ubelstände für uns entspringen: erstens würde der allgemeine Verein zur wechselseitigen Sicherstellung der deutschen Länder, den zu verhindern Frankreich und Schweden so großes Interesse- haben und den man, so oft die Deutschen darüber Unterhandlungen haben anknüpfen wollen, durch verschiedene Mittel wirklich verhindert hat, unvermerkt und vollständig gebildet dastehen. Zweitens: Die Absicht des Hauses Oesterreich geht dahin, auch die spanischen Niederlande unter dem Namen des Burgundischen Kreises in die allgemeine Verbindung aufnehmen zu lassen und die sämtlichen Kreise zur Verteidigung derselben zu verpflichten : das ist aber, wie Ihr leicht ermessen könnt, die Sache, die meinen Interessen geradezu und am meisten entgegen läuft. Ohne dieses Geheimnis der Prinzessin offen zu legen, sucht nur in dieser Dame anzufaclien, mich durch ihre Dienste aufs engste zu verbinden. Sie genießt am Hofe des Kurfürsten ein völliges Zutrauen und wenn sie fortfahren will, es zu benutzen, so wird sie diesen Fürsten leicht dahin vermögen, daß er sich auf die 240 beiden Verträge über das Kondirektorium und die Religion beschränke, woran er auch allein Interesse hat, es sei denn, daß er die Absichten der Oesterreicher kenne und diesem Hause seine Beistimmung und Mitwirkung versprochen habe: denn für seine Länder in Westphalen, die er gegen die Wiederkehr früher erduldeter Leiden beschützen will, wird er eine ganz vollständige und weit größere Sicherheit finden durch die Allianz, die wir zusammen erneuert haben, sowie durch den Rheinischen Bund, worin er seitdem eingetreten ist. Ihr könntet der Prinzessin noch einen Gedanken, als käme er von Euch selbst, unter den Fuß geben, mit dem sie ohne Zweifel einen mächtigen Eindruck auf den Kurfürsten und dessen Ilof machen wird, wenn sie ihn nur gehörig aufstutzen will. Sie müßte ihm nämlich vorstellen, daß sicherlich der Herzog von Neuburg, der gegen mich Verpflichtungen hat, meinen Wünschen am Ende naclikommen und die obgedachte wmstphälische Ligue verwerfen würde, wenn ich ihm deshalb scharf zusetzen wollte. Unter diesen Umständen sei es offenbar besser, daß er, der Kurfürst selbst, den Herzog zu diesem Entschlüsse bestimme und durch solche zuvorkommende Artigkeit den Anspruch auf meine dankbare Erkenntlichkeit hauptsächlich für sich allein gewinne. Cela est non seulement persuasif, mais convaincant!“ Und am 12. Juni erließ Ludwig folgendes Schreiben an Estrades *) : Ich habe Euer Schreiben vom 4. d. erhalten! Meinen Befehl, mit der Prinzeß von Oranien über die Zerreißung des Dorstenschen Traktats zu reden, hättet Ihr nicht geschickter und klüger ausführen können, als Ihr *) Aus Wiens Sammlung fragmentarischer Nachrichten. 241 wirklich getan. Ich bezweifle nicht, die Besorgnis, die Ihr der Dame beigebracht habt, daß der Herzog von Neuburg mir bei dieser Gelegenheit bewilligen möge, was der Kurfürst abschlagen will, werde in ihrem Gemüte Feuer gefangen haben. Aber wenn Ihr sie wiedersehet, so könnt Ihr noch einen andern Gedanken einfließen lassen, den ich Euch jetzt an die Hand geben will und der von nicht geringerem Gewichte sein wird. Sagt nämlich der Prinzessin, wenn die Versicherung, die sie mir gibt, wahr ist, daß der Kurfürst von Brandenburg nicht daran denke, die Oesterreicher hei dieser Gelegenheit zu begünstigen, so könne er mir davon einen zuverlässigen Beweis gehen und zwar um so leichter, da ihm dieser Beweis auf keine nur erdenkliche Weise Nachteil bringe. Alle Welt weiß nämlich und der Kurfürst selbst (vorausgesetzt, wie ich sage, daß er nicht heimlich zugunsten Oesterreichs agiert) wird es eingestehen, daß, als die drei Fürsten die drei Verträge zu Dorsten schlossen, jeder dabei einen eigenen besonderen Vorteil im Auge hatte. Der Kurfürst nämlich wollte das ihm bisher bestrittene und von ihm nie besessene Kon- direktorium des wmstphälischen Kreises gewinnen, der Herzog sich aus der Verlegenheit ziehen, worein ihn die den Katholiken in Klev widerfahrene Behandlung gesetzt hatte, der Bischof von Münster, der seine Lektion in Wien gelernt hat, einen Verein begründen, der mit der Zeit den Rheinischen Bund sprengen oder unvermerkt auflösen könnte. Der Kurfürst und der Herzog beteuern gegenwärtig, daß sie nicht im entferntesten daran gedacht hätten, diese Absicht des Bischofs zu teilen. Beide können mir diese Aussage leicht bewahrheiten, wenn sie sich diesem dritten Vertrage, der nur die neue Verbindung Westphalens bezweckt, entziehen und, ohne dessen weiter zu erwähnen, bloß die beiden' ersten über Kl ein schmi d t, Amalie von Oranien. ig 242 das Kondirektorium und die Religionsfreiheit bestehen lassen. Durch das letztere erreichen sie ihre oben bezeichnten Zwecke, ohne gleichwohl durch das erstere etwas zu verlieren, indem sie für ihre westphälischen Besitzungen in dem Rheinischen Bunde, der zwei Könige, vier Kurfürsten und so viele Fürsten zu seiner Mitgliedschaft zählt, eine viel bessere Bürgschaft finden, als jener westphälische ihnen gewähren kann. Was übrigens die Äußerung der Prinzessin betrifft, ich wolle meine Freunde von mir abhängig machen, so zwar, daß sie an ihre eigenen Vorteile auch in solchen Angelegenheiten nicht denken dürften, die meinem Interesse fremd seien; so möget Ihr derselben ein Doppeltes erwidern: erstens daß ich kein größeres und wichtigeres Interesse haben kann, als wo möglich die Bildung eines neuen in keiner sichtbaren Notwendigkeit gegründeten Bündnisses, welches auf die Zerstörung des Rheinischen abzweckt, zu verhindern, und daß ich offenbar einen Prinzen nicht als meinen wahren und aufrichtigen Freund betrachten kann, der ohne großen persönlichen Gewinn aus bloßer Laune meinen Feinden zu so verderblichen Plänen die Hände bietet. Zweitens, wenn ich, wie Madame behauptet, wirklich die Absicht hätte, meine Freunde gänzlich und bei allen Dingen in meiner Abhängigkeit zu halten, so würde ich, (wie ich doch getan), nicht daran gedacht haben, mit dem Kurfürsten ein Bündnis, betreffend die inneren Angelegenheiten des deutschen Reichs, zu erneuern, nachdem ich nicht allein deutlich erkannt hatte, daß er mit mir in bezug auf die Angelegenheiten Polens keine Maßregeln nehmen wollte, sondern auch über allen Zweifel gewiß weiß, daß er sie sämtlich mit dem Hause Oesterreich genommen und dieses Haus ihm Hoffnung gemacht hat, einen seiner Söhne, der katholisch werden wird, auf 243 den polnischen Thron zu befördern und mit einer Schwester des Kaisers zu vermählen. Gleichwohl weiß ich mit derselben Gewißheit, daß dieser Vorschlag- nur ein Blendwerk ist, womit man den Kurfürsten anlockt, um ihn in gänzlicher Ergebenheit zu halten, und daß der Wiener Hof sogar die Wahl eines französischen Prinzen nicht ärger verabscheuen würde, als die Vermehrung der kurfürstlichen Macht mit einem Königreiche, einer Macht, die dieser Iiof ohnehin schon für zu groß hält und mit der er sogar noch mehrere Streitpunkte zu berichtigen hat. Man kann also schließen, ob ich für meine Freunde ungefügig bin, indem mich alle diese Umstände, die ich kenne, nicht gehindert haben, einen Allianztraktat mit einem Fürsten zu schließen, welcher Verbindungen solcher Katur mit Mächten unterhält, die meinen Vorteil als ihren wesentlichsten Schaden ansehen.“ Hierauf antwortete Estrades seinem Könige L ) : „Ich habe mit der Prinzessin-Witwe von Oranien gemäß den Befehlen in Eurer Majestät Depesche vom 12. d. M. gesprochen; sie hat mir eine lange Audienz gegeben, in der es mir schien, als sei sie von den Gründen befriedigt, die ich ihr sowohl über den Gegenstand dieser Depesche wie über den Stoff ihrer ersten Konversation vorgebracht habe. Sie sagte, weder der Herr Kurfürst von Brandenburg noch sie würden für zehn polnische Königreiche einwilligen, daß eines ihrer Kinder katholisch werde und die Schwester des Kaisers heirate, um König zu werden; sie könne mich über die polnische Königsfrage dahin beruhigen, daß der Herr Kurfürst keine Verbindung mit dem Kaiser habe, auch keine eingelien werde und daß er weit entfernt sei, ') Haag, 25. Juni 1665. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 76. 16 * *r?8 — 244 — für sich oder eines seiner Kinder daran zu denken, daß dies auch nicht in ihrem Interesse liege. Es sei wahr, daß er auch keinen französischen Prinzen wünsche. Die andren Punkte billigte sie sämtlich und wollte alles, was in ihrer Macht stehe, tun, damit der Herr Kurfürst Eurer Majestät die geforderte Genugtuung gebe, wollte auch darum einen expressen Kurier an den Herrn Kurfürsten senden. Da ich ein Memoire über die in beiden Depeschen vorgebrachten Gründe in Form einer Unterredung zwischen Madame der Witwe und mir entworfen hatte, so wünschte sie, ich solle ihr bei dem Entwurf ihres Briefs helfen, und ich verließ sie nicht, bis er nach den Intentionen Ew. Majestät abgefaßt war. Man wird nun die Antwort des besagten Kurfürsten sehen. Der Kurier ging am 23. d. M. ab. Wäre ich nicht von der Erleuchtung und dem Rate unterstützt worden, die E. M. mir in Ihren beiden Depeschen zu erteilen geruhten, so hätte ich niemals Madame aus dem Banne der falschen Eindrücke reißen können, die sie hatte, E. M. meine es mit dem Herrn Kurfürsten von Brandenburg nicht gut, aber Ihre letzte Depesche hat sie völlig aufgeklärt, und wenn die Minister dieses Fürsten glauben wollen, was sie darüber schreibt, so zweifle ich nicht, daß er vom Vertrage der westphälischen Liga absteht. Sie zeigte besagtem Kurfürsten auch, daß der Herzog von Neuburg es E. M. nicht verweigern würde, falls er Schwierigkeiten mache, und ich bemerkte recht wohl, daß dies viel Gewalt auf ihren Sinn übte.“ Am 20. August schrieb Estrades an Lionne x ): „Ich habe mit der Prinzessin von Oranien eine lange Unterredung über das Sendschreiben gehabt, das sie ') Aus Wiens Sammlung fragmentarischer Nachrichten. 245 von dem Kurfürsten von Brandenburg erhielt und wovon ich Ihnen letzthin Nachricht erteilte. Sie gab mir diesen Brief zu lesen, aus dessen Inhalte hervorzugehen scheint, daß man sich seit der letzten Konferenz, die sie mit mir gehabt, über sie beklagen will. Der Kurfürst versichert, niemals die mindeste Absicht gehabt zu haben, dem Könige in betreff des Dorstenschen Yertrags zu mißfallen; er sei weit entfernt gewesen, irgendeinen Beschluß fassen zu wollen, der dem Rheinischen Bunde nachteilig sei, so zwar, daß er nicht begreife, woher der König diesen Yerdacht geschöpft haben möge, da der erwähnte Yertrag zu Dorsten durchaus nichts Anzügliches enthalte. Und da nun die Gründe, die man in zwei mir mitgeteilten Memoiren vorgebracht habe, dem Könige nicht genügten, so wolle er, der Kurfürst, an Seine Majestät selber schreiben, und zwar in solchen Ausdrücken, die Iioclidieselbe ohne Zweifel zufriedenstellen würden. Dann trägt er der Prinzessin auf, mir anzudeuten, wie er glaube, daß die gegen den Yertrag erhobenen Bedenklichkeiten zunächst nicht von Frankreich, sondern von andern seinem Hause mißwollenden Personen ausgegangen seien, und er hoffe, daß der König in Anerkennung seiner aufrichtigen Gesinnungen gegen Frankreich ihm nicht hinderlich sein werde, daß er sich instand setze, seine eigenen Staaten gegen feindlich Gesinnte, die ihn bedrohten, zu verteidigen, da ja selbst das Bündnis zwischen Seiner Majestät und ihm denselben Endzweck habe.“ Worauf der König am 29. August Estrades erwiderte 1 ): „Ich antworte durch diesen besondern Brief auf Eure Depesche vom 20. Die Prinzessin von Oranien wird mir ein großes Yergnügen machen, wenn sie dem ') Aus Wiens Sammlung fragmentarischer Nachrichten. 346 Herrn Kurfürsten, ihrem Schwiegersöhne, melden will, daß ich seinen an den Herrn Blaesspiel 1 ) im Haag erlassenen Befehl, „die Ratifikation des Dorstenschen Vertrags nicht [zu übergeben“, mit besondrer Freude empfangen habe und ihn als einen vorzüglichen Beweis seiner Zuneigung und seines Wunsches, mich zu verbinden, betrachte. Besagte Prinzessin kann den Kurfürsten zugleich versichern, daß der Resident von Bumbers gegen meine Befehle und Absichten gehandelt habe, wenn er die Rückgabe der Stadt Elbing durch die Polen sollte haben verhindern helfen, und daß ich gegenwärtig dem Bischof von Beziers, seinem Nachfolger, alle nur mögliche Tätigkeit empfehle, um dem Kurfürsten zum Besitz der Stadt oder zu einer Entschädigung zu verhelfen. Da ich übrigens diesen Fürsten immer noch bei seiner Ansicht von der gänzlichen Unschädlichkeit des Dorstenschen Vertrags für mich und die rheinische Allianz beharren sehe, so werdet Ihr bei einer abermaligen Durchsicht meiner frühem Briefe über diesen Gegenstand wohl Stoff genug finden, um ihm durch die Prinzessin oder einen der brandenburgischen Minister das Gegenteil beweisen zu lassen. Es würde mir schwer fallen, außer dem Gesagten neue Gründe aufzufinden, noch schwerer aber, meine Überzeugung und Ansicht von der Sache zu ändern.“ Am 14. September ersuchte Amalie aus Ryswyck Johann Moritz von Nassau, dafür Sorge zu tragen, daß die Untertanen ihres Enkels Wilhelm in der Grafschaft Lingen nicht durch den Durchzug der vom Fürsten kommandierten Truppen belästigt würden 2 ). Blaspiel, Romswinckel und Copes, die Gesandten Kur- ') Blaspiel. 2 ) Original. Hausarchiv im Haag. brandenburgs, legten den Generalstaaten am 24. Oktober ein Schreiben des Kurfürsten von Brandenburg vor, worin er sich erbot, Frieden mit dem Bischöfe von Münster zu vermitteln und in Cleve die strengste Neutralität zu beobachten; zugleich beleuchteten sie auf Anraten Amaliens die Notwendigkeit und die Vorteile der Rheinischen Allianz 1 ). Als Colbert in den Haag kam, machte er Amalien seine Aufwartung, „wenn er auch nichts von ihr erhoffte, sogar im Gegenteil“; man hatte ihm aber gesagt, ihr Geist beherrsche völlig den Hof von Berlin. Amalie war von Colberts Besuch sehr befriedigt, und ihre Tochter, die Fürstin zu Anhalt-Dessau, schrieb davon sogleich nach Cleve 2 ). Um diese Zeit richtete Amalie folgendes Memoire an die Staaten von Holland 3 ): „Nobles grands et puissans seigneurs! Nous ne scaurions pas laisser de remonstrer a vos nobles grandes puissances par cettes, comme nous ayans advance et esleve le prince d’Orange nostre petit fils en la seiziesme annee de son aage et ainsy aux annees de jugement et discretion nous nous trouvons mainte- nant en grand soucy et peine de luy donner de suite les instructions et conduites par les quelles il pourroit apprendre, comprendre et reconnoistre les honnes et salutaires loix, privileges et maximes de cet estat fondamentalement et parvenir par jcelles quant et quant plus capable pour ce temps et occasions opportunes estre employe au service et la gloire de Testat en telles U Urkunden und Aktenstücke. III. 2 ) Colbert an Lionne, Haag, 24. Januar 1666. Urkunden und Aktenstücke. II. Jlemoires et lettres du Comte d’Estrades, Bd. IV. London und Haag, 1743. 8 ) Januar 1666. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 79. 248 charges et dignitez, qu’il plaira a vos nobles et grandes puissances de deferer a luy. Et d’autant que nous apres un'e serieuse deliberation n’avons sceu trouver autre moyen plus convenable que quand nous et nostre petit fils le dit prince pourrons avoir cet honneur et bonheur, quil plaise a vos nobles et grandes puissances (en consideration de l’amour et affec- tion, qu’ils ont porte toujours pour la maison d’Orange) de prendre sur eux la peine et soin de faire donner au dit prince les instructions fort desirees conduites et connoissances soubs la direction et conduite de FEstat. Si est ce que nous avons trouve bon de presenter pour cet effect le susdit prince nostre petit fils a vos nobles et grandes puissances, esperant qu'il plaira a vos nobles et grandes puissances de resoudre tellement sur le dit poinct, comme vos nobles et grandes puissances le jugeront au plus grand service de FEstat et aussi pour son bien et advancement estre convenable.“ Im Februar bedankten sich die Generalstaaten bei der in Berlin so mächtigen Amalie für den Vertrag mit Brandenburg 1 ). Amalie hatte jetzt die Erziehung ihres Enkels soweit geleitet, daß sie mit Stolz darauf hinblicken konnte; er war sechzehn Jahre alt geworden, konnte ein eigenes Urteil haben, war tüchtig und vielversprechend und der Empfehlung würdig, die sie für ihn an die Staaten richtete 2 ). Die Staaten von Holland und Westfriesland versprachen ihr Bestes; der Ratspensionär Jan de Witt schrieb Amalien 3 ) und meldete ihr den großen Seesieg de Ruyters über die 0 ’) 24. Februar 1666. Hausarchiv im Haag. ! ) Entschließungen der Herren Staaten von Holland und Westfriesland, 13. April 1666, Auszug. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 126. 3 ) 15. Juni 1666. Kopie. Ebenda. 249 Engländer unter Monck nach viertägigem Kampfe, worauf sie ihm am 16. Juni aus Cleve antwortete x ): „Monsieur! J’ay bien receu vostre lettre vous remerciant bien affectueusement de ce qu’il vous a plu parmy vos grandes affaires prendre encor le loisir de me donner part de ces bonnes nouvelles, dont le bon dien a voulu rejouir tout l’Estat des Provinces Unies. Je vous peu asseurer, que comme elles m’ont donne une grande joye et contentement, aussy Monsieur l’Elec- teur et tout ce qui m’est eher icy en resentent une rejouissance extreme et souhaitent avec moy de tout leur coeur, que le Tout-Puissant veuille combler ce commencement de victoire d’une issue glorieuse et tres heureuse, ahn que la paix en soit restablie et l'Eglise et l'Estat de ces Provincies Unies en tirent l’avantage qu'on a lieu de s’en promettre . . . Au reste je demeure Monsieur Yostre tres affectionne a vous faire service Amelie d’Orange.“ Obschon de Witt jahrzehntelang Amalie bekämpfte weil ihre Politik dies erheischte, standen beide sich nie als Feinde gegenüber; de Witt bekümmerte sich wenig um Amalie, sah sie oft jahrelang nicht. Um alles in Orange zu regeln und mit dem Generalgouverneur der spanischen Niederlande, Castel-Ro- driguez, manchen Punkt zu ordnen, sandte Wilhelm mit Zustimmung seiner drei Yormünder seinen Recli- nungsrat Jakob de Wevelinchoven ab 2 ). Amalie schrieb ') Original. Hausarchiv im Haag. 2 ) Wilhelm an Matlierot, Herrn von Pregniez, Haag, 7. Januar 1666. Kopie. Archiv in Schlobitten. 2./3S. 2. 250 wiederholt an Dohna 1 ) und dankte 2 ) dem Präsidenten und den Parlamentsräten in Dole für die ihr durch Dohna kundgewordenen Sympathien für das Interesse ihres Enkels; sie hoffte auf ihre Unterstützung in dem von 'Wilhelm mit dem Prinzen von Montebeliard geführten Prozesse wegen Besitzungen in Burgund, einem Prozesse, hei dem Dohna für "Wilhelm sehr tätig war, dem er auch in den folgenden Jahren, zumeist in der Schweiz lebend, viel Dienste leistete. Am 18. August 1666 wurde Amaliens Geburtstag in Cleve großartig gefeiert, ihre Kinder aus Berlin und Dessau waren zu ihr gekommen und um 11 Uhr begann die große Gratulationscour. Alle Geschenke waren von gediegenem Golde und jeder überreichte sie selbst der Gefeierten; der Kurfürst gab ihr einen Diamantring im "Werte von 8000 holländischen Gulden, die Pürstin-"Witwe Albertine von Kassau und die Fürstin zu Anhalt, ihre Töchter, schenkten je zwei goldene Schüsseln, der Fürst zu Anhalt zwei mit Gold eingefaßte Geschirre von Achat und Kristall, und der Kurfürst gab den Hofleuten Silbergeschirr. Nachdem Beden gehalten worden, ging man zur Tafel. In der Mitte thronte Amalie, rechts von ihr der Kurfürst und links die Kurfürstin; rechts vom Kurfürsten saßen die Fürstin-"Witwe Albertine von Nassau, der Prinz von Oranien und die Prinzessin von Nassau, neben der Kurfürstin saßen der junge Pfalzgraf und Herzog Ludwig Heinrich zu Simmern, Maria, die von ihm erkorene jüngste Tochter Amaliens, der Fürst zu Anhalt, die Prinzessin von Kurland, der Kurprinz, die Fürstin zu Anhalt, Prinz Friedrich, der junge Prinz ') Haag, 14. und 21. Januar 1666. Original. Ebenda. 2 ) Haag, 28. Januar 1666. Kopie. Ebenda. ■von Nassau, Otto von Schwerin, Herr von Gent, der Burggraf zu Dohna, Fürst Johann Moritz von Nassau- Siegen und die Burggräfin zu Dohna. Man blieb drei Stunden bei Tafel, Amalie trank fast allen zu. Die jungen Prinzen waren sehr still, bis ihnen Amalie ein Glas Hippocras reichen ließ, da wurden sie ziemlich laut 1 ). Auch der uns bekannte Prinz von Tarent war damals in Cleve 2 ); er hatte die französischen Dienste verlassen, in denen er Gefängnis wie Ehren gefunden, und war, begeistert für die Sache des jungen Oraniers, in holländische Dienste getreten; seit 1665 Gouverneur von s'Hertogenbosch, arbeitete er besonders bei den Staaten von Holland für Wilhelm. Am 13. 23. September 1666 wurden in Cleve die Ehepakten der Prinzessin Maria von Oranien mit dem Herzoge Ludwig Heinrich Moritz Franz von Simmern abgeschlossen 3 ) und ihre Hochzeit gefeiert. Diesem freudigen *) Tagebuch Ottos von Schwerin bei Orlich, Der große Kurfürst (s. oben). ! ) Tarent an Colbert, Cleve, 25. August 1666. (Urkunden und Aktenstücke. Bd. II. 3 ) Kopien im Archive zu Zerbst. A 7 b Nr. 32, und im K. Bayrischen Geheimen Hausarchive zu München. Kasten 19, Lade 4. Nr. 3615. Maria wurden 100000 Gulden versprochen; die ihr durch das Testament ihres Vaters weiter zustehenden 50000 Gulden sollten zu ihrem alleinigen Nutzen hnd zu ihrer Nutznießung hypothekiert werden. Amalie Unterzeichnete dies in Cleve am 15. September 1666. Sie autorisierte ihren Enkel Wilhelm Heinrich von Oranien, die 100000 Gulden zu negotiieren; sie sollten Marias Gatten gegeben werden und die Darleiher erhielten Hypotheken auf oranische Domänen, was Amalie am 27. Dezember 1666 Unterzeichnete. Wilhelm Heinrich, der Turnhout am 8. Februar 1666 in seinen besonderen Schutz genommen hatte (Kopie, von Huygens-Zuylichen gegengezeichnet. Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 33), befahl seinem 252 Ereignisse in Amaliens Leben folgte im nächsten Jahre ein tief trauriges, der Tod der Kurfürstin Luise Henriette am 8. Juni 1667. Amalie war bei demselben nicht anwesend. Die Totkranke hatte ihr noch am letzten Dienstage geschrieben, so schwer es ihr auch ward, die Feder zu halten, und obwohl der Kurfürst für sie schreiben wollte, und hatte sich dabei Schatzmeister Pieter Ardes am 29. August 1669 in Dieren, bis zum 23. September 1669 die Interessen von den 50000 Gulden zu zahlen, nicht aber länger, weil bis dahin die übrigen 50000 ausgezahlt seien, und Maria quittierte am 9. September 1669 über die Auszahlung der 50000 Gulden und über 3125 Gulden Zinsen vom 23. September 1666 bis 23. September 1669. Maria streckte ihrer Mutter nach und nach 42500 Gulden vor und diese bekannte sicli am 20. Dezember 1667 zu der Schuld an sie und ihre Erben. (Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 32.) Im Juli 1675 stellte Marias Kammerherr Kolbe von Wartenberg Amalien vor, sie möge Maria, deren Finanzen stets in Unordnung gewesen zu sein scheinen, jährlich einige tausend Gulden auf Turnhout auf Lebenszeit auszahlen. (Originalrelation Kolbes. Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 43.) Allerlei Akten wegen der Heiratsgelder und des Wittums von Maria befinden sich im K. Bayrischen Geheimen Ilausarcliive. (Kasten 19. Nr. 6); auch eine Kopie des Testaments ihres Gemahls, Creuznach, 18. Juli 1670, ist dort (Kasten 19, Lade 4. Nr. 3618 und 3619). In Creuznach, der Kesidenz ihres Gemahls, machte Maria am 27/17. Mai 1669 ein Inventar aller Juwelen und Mobilien, dem sie ebenda am 27/17. November 1671 ein zweites folgen ließ (beide gebunden, holländisch abgefaßt, Original, im Archive zu Zerbst. A 7b Nr. 65). In ihrem am 18. und 19. (28. und 29.) Juli 1670 in Creuznach gemachten Testamente verfügte sie, die ihr als Mitgift zustehenden 100000 Gulden sollten, falls ihr Gemahl vor ihr stürbe, wieder an das Haus Oranien fallen; alles was sie von ihrer Mutter und sonst erben würde, wie alle andern Gelder vermachte sie zu gleichen Teilen ihren Schwestern Nassau und Anhalt, resp. deren Kindern, und zu Testamentsvollstreckern ernannte sie ihre Schwäger, den Großen Kurfürsten und den Fürsten zu Anhalt. (Original. Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 78). Ihr Gemahl starb am 3. Januar 1674. (Zahlreiche Kondolenzen an Maria. Archiv in Zerbst. A 7 b Nr. 34.) 253 sehr ermüdet 1 ). In Luise Henriette starb eine bedeutende Frau, auch als Malerin und Dichterin ausgezeichnet; freilich hat die Forschung der Neuzeit 2 ) den Ruhm von ihr genommen, die Yerfasserin der Lieder zu sein: „Gott, der Reichtum deiner Güte“, „Jesus, meine Zuversicht“ und „Ich will von meiner Missetat“; dieselben sind auf Grund von Betrachtungen und Gebeten, die sie aufgezeichnet hatte, von Paul Gerhardt verfaßt. Amalie beklagte den Verlust Luise Henriettens aus tiefstem Herzen. Sehr unzufrieden war sie über die Eröffnung des Testaments ihrer Tochter, die der Witwer ohne Zuziehung der Verwandten vornahm, wenn sie auch nicht versäumte, seine beharrliche Aufmerksamkeit gegen sie, die Schwiegermutter, zu rühmen 3 ). Im August 1668 ging Huygens-Zuylichen nach England, um alles für den Zeitpunkt zu regeln, wann Wilhelm Heinrich von Oranien das achtzehnte Jahr vollenden würde; Amalie wollte die Vormundschaft niederlegen 4 ). Am 25. Oktober schrieb sie 5 ) an die Generalstaaten, ihr Enkel sei jetzt mündig und zur Selbstleitung seiner Geschäfte mit Hilfe seines Rats reif geworden^ ’) Bericht ihrer Kammerfrau Anna Martitz über ihr Ende in „Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte“ von F. Hirsch mitgeteilt. (Bd. 9, 2. Hälfte. Leipzig 1897.) l ) Karl Biltz in der von Otto Lyon herausgegebenen „Zeitschrift für den deutschen Unterricht“, 7. Jahrgang. Leipzig 1893. 3 ) Amalie an Otto von Schwerin, Haag, 14. Mai 1668. Ihre zwölf Briefe an Schwerin vom 15. Juli 1657 bis zum 14. Mai 1668 bringt Leopold von Orlicli in seinem Werke „Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst“ (Berlin 1836). 4 ) Amalie an de Witt, Haag, 1. August 1668. Hausarchiv im Haag. Wicquefort an Ludwig XIV., Hnag, 9. Aug. 1668. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 88. E ) Reichsarchiv im Haag. Wicquefort an Ludwig XIV., Haag, 1. Nov. 1668. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 68. sie lege die Vormundschaft nieder und empfehle ihn der Huld und Hilfe der Generalstaaten; sie selbst wolle auch ferner über sein Glück wachen. Sie schien alles zu ordnen und wollte ihrem Enkel die Würden der Vorfahren als Generalkapitän und Generaladmiral verschaffen, sich dabei aber keinerlei Bedingungen machen lassen; Wicquefort fand dies sehr gewagt und meinte, falls sie nicht nachgebe, würden die Provinzen Geldern, Holland, Utrecht und Overyssel Beschlüsse fassen, die ihr nicht gefallen könnten 1 ). Wilhelm Heinrich wurde zum ersten Adligen von Seeland erklärt, rief den Burggrafen Friedrich zu Dohna, den frühem Gouverneur von Orange, mit seiner Familie zu sich und bewies ihm große Huld; Dohna besprach sich manchmal mit de Witt und wirkte zugunsten seines Vetters, wurde Oberstleutnant im Regimente Utrecht, dann Oberst im Regimente Geldern und nützte Oranien durch seine militärischen Kenntnisse, die er zumal in Genf als Oberchef des Verteidigungswesens während der Verwicklungen Genfs mit Savoyen gewonnen hatte. 6. Kapitel. FImaliens Sod. Ludwig XIV. sandte im Februar 1669 Armand, Herrn von Pomponne, als außerordentlichen Gesandten bei den Generalstaaten in den Haag und gab ihm ein Kreditiv für Amalie mit 2 ). Ihr Enkel wurde am 2. Juni 1670 in den Staatsrat eingeführt und mit Amaliens Macht war es vorbei; daß sie sich jedoch nicht frei von der ') Wicquefort an Ludwig, Haag, 25. Oktober 1668. Ebenda. Bd. 88. 2 ) Paris, 5. Februar 1669. Paris. Affaires etrangeres. Bd. 89. Holland. 255 Politik und ihren Intriguen hielt, beweist u. a. der Brief eines Gr. de Haren aus Leeuwarden an sie 1 ). Auch als Pomponne den Haag verließ, versicherte er in Ludwigs Auftrag Amalie der besten Gesinnungen des Königs für sie und das Haus Oranien, dem er sie stets gern mit der Tat beweisen würde 2 ). Und jetzt einigten sich Frankreich und England zum Sturze der Republik, auch das holländische Volk hatte an der Aristokratie der Kaufleute genug und Wilhelm III. Heinrich wurde unter grenzenlosem Jubel am 25. Februar 1672 Generalkapitän; als ihm Johann Moritz von Kassau-Siegen dazu Glück wünschte, dankte ihm Amalie in einem sehr warmen Briefe 3 ). Die Seklusionsakte war beseitigt, Amaliens Enkel „Kind des Staates“; ihr Ziel war erreicht!!! Am 4. Juli wurde Wilhelm III. Heinrich auch Statthalter von Holland und Westfriesland und Amalie schrieb an Johann Moritz, die Gnade Gottes, ihren Enkel mit den Würden seiner berühmten Vorfahren bekleidet zu sehen, würde sie über alles vergangene Mißgeschick getröstet haben, wenn die Zeit weniger gefährlich wäre; sie liolfe aber, Gott, dem nichts unmöglich sei, w r erde bald den Frieden bringen 4 ). Amaliens Enkel sprach ihr, als er zur Herrschaft gelangte, seinen wärmsten Dank für ihre Pflege und Sorgfalt mit der Versicherung aus, ihr stets den tiefsten Respekt bewahren zu wollen, und hielt sein Wort in ritterlichster Weise. Die Haltung Ludwigs XIV. in Religionssachen mißbilligte sie herb; sie äußerte ihre Erbitterung dem spanischen Botschafter Estevan de ') 9/19. Juli 1669. Original. Archiv in Zerbst. 2 ) Ludwig an Amalie, 8. Juni 1671. Paris. Affaires etrangeres. Holland. Bd. 91. 3 ) Haag, 12. März 1672. Groen. 4 ) Haag, Juli 1672. Groen. Gräfin Katharina zu Dohna an Johann Moritz, Haag, 23. Juli 1672. Ebenda. Gamarra und meinte, früher hätte ein solcher König von Frankreich keine drei Jahre gedauert. Ihr Neffe Dohna, der sie 1671 besuchte, fand sie körperlich verfallen, geistig aber so frisch rvie früher 1 ). Seit geraumer Zeit kränkelnd, bereitete sich Amalie auf den Tod vor. Am 4. September 1675 ließ die Yierundsiebzigjährige den Ratsherrn Elias Heidt, ihren Generalrentmeister, den sie zu ihrem Testamentsvollstrecker bestimmt hatte, zu sich in den Alten Hof im Noordeinde im Haag entbieten und er kam abends acht Uhr zu ihr; sie lag zu Bett; ihre Hofdamen, Fräulein von Brederode und Burggräfin Katharina zu Dohna, die sie wie eine Tochter liebte, verließen ihr Gemach und Amalie sagte zu dem Vertrauten: „Heidt, ich habe Euch entboten, es soll das letzte Mal sein. Ich wünschte wohl, länger zu leben, um Euch mehr Dienste zu tun, als ich getan habe, weil Ihr mir treu gedient habt und ich mich auch jederzeit auf Euch verlassen habe. Wenn Ihr mich aber lieb habt, so bittet Gott, daß er mich nicht in dieser meiner schweren Pein verlasse.“ Heidt erwiderte ihr, er habe es stets als den größten Ruhm erachtet, bei einer so durchlauchtigen Fürstin in Huld gestanden zu haben und ihr seine geringen Dienste haben widmen zu dürfen. Amalie übergab hierauf Heidt mit lebhafter Bewegung zwei Schlüssel, in ein Papier mit schwarzem Leinen eingewickelt und schwarz mit ihrem Wappen versiegelt; sie verpflichtete Heidt feierlich, bei ihrem Ableben beide Schlüssel niemandem andern zu geben als ihrer Tochter Albertine, der Fürstin-Witwe von Nassau. Heidt versprach, dies pünktlichst zu besorgen. Dann zog er sich zurück, Amalie ein seliges Ende wünschend. Er war überzeugt, ’) Tarent hatte Holland wieder verlassen, war 1670 zum Kummer seiner Gemahlin aus Überzeugung katholisch geworden und in Thouars am 14. September 1672 gestorben. 257 Amaliens Absicht sei, daß Albertine in den alleinigen Besitz des Inhalts der Kisten treten solle, zu denen ihm die Kranke die Schlüssel eingehändigt hatte 1 ). Am 8. September 1675, einem Sonntage, ging es mit Amalie zu Ende, am Nachmittage wurde sie schlaff, seit 3 Uhr schlief sie sanft, kein Wort kam mehr über ihre Lippen und um halb 9 Uhr entschlummerte sie ruhig; Gott rief sie „aus diesem zeitlichen und vergänglichen Leben in seine ewige und unvergängliche Buhe und verlieh ihr anstatt einer weltlichen die unverwelkliche Krone“. Sofort nach dem Ableben kamen alle Bäte Wilhelm UI. Heinrichs in das Sterbezimmer, dabei die Testamentsexekutoren Aernout von Beaumont, Präsident des Bats und Lehnhofs von Brabant, Bat und Bechenmeister des Prinzen, Elias Heidt und Martinus van der Goes, Advokat am .Justizhofe von Holland. Diese drei Männer erklärten, sie seien die Exekutoren, und Heidt übernahm die Leitung. Er ließ sich von der Burggräfin Katharina zu Dohna „und andern Bedienten“ alle Schlüssel der Zimmer geben, in die auch das Ju- welenkästchen und das Silbergeschirr gebracht worden waren, und legte die Siegel an die Zimmer; längst waren Inventarien der Kostbarkeiten gemacht worden. Auf Anweisung Amaliens an ihren ersten Kammerherrn, den Kapitän Jan Martyn, wurden alle ihre im Schlafzimmer befindlichen Kostbarkeiten an Gold, Silber usw., ihre besten „Cabinetjes“ und „Kof- fertjes“ in die Galerie geschafft und in Gegen- ') Heidts Ürigiualbericht, 27. Dezember 1675. Archiv in Zerbst. A7b Nr. 136. 1676 bekannte Ileldt in einem Schreiben an die Fürstinnen zu Anhalt und Siinmern, er habe diese Schlüssel im August 1668 von Amalie erhalten und ihren Befehl seitdem ausgeführt. Archiv in Zerbst. Ebenda. Kl eins ch mi d t, Amalie von Oranien. 17 258 wart der Räte und Rechenmeister des Prinzen von Oranien, Matthias von Romswinckels und Motzfeldts, nassau-diezschen Oberamtmanns, versiegelt. Heidt nahm alle Obligationen, Renten- und Schuldbriefe aus dem Sterbehause an sich, um sie bis zur Erbteilung zu verwahren. Noch am Abende um 10 Uhr traten die Generalstaaten auf den Ruf ihres Präsidenten van Asperen, dem Amaliens Stallmeister Haga den Tod mitgeteilt hatte, zusammen, Asperen eröflfnete ihnen das Ereignis ; sie vernahmen es mit großer Bewegung, „un- gemeiner dweffheyt“, und beschlossen, sofortige Kondolenzen an den Prinzen von Oranien, der im Felde stand *), an den Kurfürsten von Brandenburg, an den Fürsten und die Fürstin zu Anhalt-Dessau, an den Statthalter von Friesland und an die Herzogin von Simmern zu richten 2 ). Sie hatten, wie sie dem Fürsten zu Anhalt schrieben, „keinen kleinen Grund und Ursache, eine Prinzessin zu betrauern, die sich so wohl und so sehr um den Staat verdient gemacht“ 3 ). Haga notifizierte am 9. September den Tod Amaliens allen Kollegien des Staats und allen Gesandten, sämtliche *) Man hielt es für zu gefährlich, sofort einen Abgesandten au ihn zu schicken. 2 ) Resolutionen der Generalstaaten, 2. Dezember 1675. 3 ) Haag, 8. September 1675. Original. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 174. Dankschreiben Johann Georgs II. zu Anhalt an Roms- winckel, brandenburg. Staatsminister und Vizekanzler, Köln a. Spree, I1./21. September 1675. Original. Ebenda. Kondolenz Johann Georgs an die Generalstaaten vom gleichen Tage. Reichsarchiv im Haag. Deutschland. Bd. 1675. Kondolenz des Großen Kurfürsten, des Markgrafen Ludwig von Brandenburg u. a., 13. und 25. September 1675. Ebenda. Kondolenzen des Staatsrats der Vereinigten Niederlande und Simons von Beaumont für den Staatsrat von Holland und Westfriesland an Johann Georg, 9. September 1675. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 174. Glocken des Haag läuteten. Am 11. September wurde „der tote Körper in den Kasten gelegt und in der Praesentz-Kammer niedergesetzt“ x ) und tags darauf riefen die drei Testamentsvollstrecker Romswinckel und Motzfeldt nach dem Alten Hofe, zeigten ihnen ihre Vollmachten und baten sie, „der völligen Versieglung der Cabineten beizuwohnen“. Am 14. Dezember 1675 erfolgte im Alten Hofe in den Zimmern der Herzogin-Witwe Maria von Simmern die Eröffnung des Testaments 2 ). Zu Zeugen waren entboten Martyn Beekman, öffentlicher Notar bei dem Hofe von Holland, Adriaan van Adrickem, Direktor und Pfennigmeister ter griffie bei dem Hohen Rate von Holland, Cornelis de la Porte, Dr. jur. utr. und Advokat am Justizhofe von Holland, und sein Kollege Dr. jur. utr. Gerhard van Adrickem (Adrigkein). Anwesend waren der Prinz von Oranien, die Fürstin Henriette Katharina zu Anhalt-Dessau, die Fürstin-Witwe Albertine von Nassau und die Herzogin-Witwe Maria von Simmern sowie Matthias von Romswinckel als Bevollmächtigter des Kurfürsten und des Kurprinzen von Brandenburg und die drei Testamentsvollstrecker Heidt, Beaumont und van der Goes. Man prüfte die Siegel der Türen, die aus der Galerie in das Sterbezimmer führten, und fand sie unversehrt, worauf Heidt sie öffnete. Katharina zu Dohna brachte ein eisernes nürnberger Kistchen mit zwei Schlüsseln, sagte, es enthalte das Testament und die Kodizille, lieferte es Heidt aus und holte auch aus dem Sterbezimmer ein Verfügungsbuch Amaliens vom Jahre 1673. Der Kapitän Martyn trug das Kistchen nach der „ presentie-kamer“ der B M. Romswinckel an Johann Georg, Haag, 14../4. Sept. 1675. Original. Ebenda. 2 ) Archiv in Zerbst. A 7b Nr. 169. Extrakt aus Heidts Protokoll. 17* 260 Herzogin von Simniern und die Türen, die aus der Galerie ins Sterbezinimer führten, wurden neu versiegelt. Nachdem Alle Platz genommen, öffnete Heidt das Kist- clien und entnahm ihm zwei mit schwarzem Band umgebene platte Lackdosen, eine länglich, eine viereckig, mit Amaliens Petschaft gesiegelt. In der länglichen Dose befand sich ein länglich gefaltetes Papier, ein notarieller Akt; Heidt gab das Papier geschlossen Allen der Reihe nach; sie sahen, daß es unversehrt und jeder Betrug ausgeschlossen war, und Beaumont las den Akt mit folgendem Inhalt vor: Amalie war am 7. Februar 1675 vor Martyn Beek- man, öffentlichem Notar am Hofe von Holland, erschienen und hatte ihm ihr Testament, ihre Kodizille und andre letzte Willensäußerungen übergeben; Beek- man hatte Beaumont, Heidt und Goes zu Zeugen gerufen und sie hatten mit Amalie und mit ihm unterzeichnet. Der Notar van Adrickem erklärte nun, er erkenne Beekmans Hand, und alle Unterschriften wurden als richtig befunden. Man brachte zwei Testamente Amaliens vom 11. August 1651 und vom 16. Juni 1668 herbei, letzteres von ihr selbst Heidt übergeben, und fand alles in guter Ordnung. Nun wurden Notare und Zeugen entlassen, Heidt durchschnitt die schwarzen Schnüre und Siegel und Romswinckel verlas das erste Testament vom 11. August 1651. In diesem widerrief „Amalie von Gottes Gnaden verwitwete Prinzessin von Oranien, Gräfin von Nassau, Catzeneinbogen, Yianden, Diez, Dingen, Meurs, Buren, Leerdam, Marquise van der Neer und von Ylissingen, Frau und Baronin von Breda, der Stadt Grave und des Landes Cuyk, Diest, Grimbergen, Herstall, Cranendonk, Warneston, Arlay, Noseroy, St. Yytk, Daasburgh, Polanen, Willemstadt, Niervaan, Ysselstevn, St. Maartensdyk, Geertruydenbergb, V 26i — Chäteau-Regnard, der Hohen und der Niederen Zwähl we, Naaltwyk, Turnhout, Zevenbergen usw., usw., Erbburggräfin von Antwerpen und von Besangon“ alle trüberen Testamente, z. B. das vom 25. Juli 1649, befahl ihre Seele Gott und Christo zur ewigen Seeligkeit und verlangte, bei ihrem Gemahle in Delft begraben zu werden. Das zweite von Heidt verlesene Testament vom 16. Juni 1668 hob das erste auf und ein drittes vom 7. September 1674 annullierte alle früheren Testamente; es war von Amalie unterzeichnet und von Hehlt kontrasigniert. . Amalie befahl in diesem ihre Seele Gott und Christo, wünschte bei Friedrich Heinrich in Delft begraben zu werden, und überließ die Art ihrer Bestattung ihrem Enkel Wilhelm III. Heinrich und ihren Töchtern. Für „alle ihre zeitlichen Güter“ hatte sie von Spanien am 8. August 1674, von den Staaten von Holland und Westfriesland schon am 28. Juli 1649 Oktroi erhalten. Ihr Haus bei dem Haag, genannt der Oranje Sael, mit allem Zugehör und Ländereien sollte ihren Erben gemeinsam bleiben. Wilhelm Heinrich erhielt Land und Herrlichkeit Turnhout, mit allen Rechten, wie sie selbige im Frieden von Münster von Spanien bekommen hatte; Turnhout sollte sich als Fideikommiß in seinem Mannesstamme, resp. Frauenstamme, sowie der Reihe nach an ihre vier Töchter und ihre Deszendenz vererben. Die Kinder der verstorbenen Kurfürstin Louise Henriette von Brandenburg und ihre Töchter Albertine Agnes, Henriette Katharina und Maria nebst deren eventuellen Deszendenz erhielten Stadt, Schloß und Herrlichkeit Zevenbergen mit allen Ländereien, Häusern und Rechten, die jedesmal älteste sollte Zevenbergen von der Grafschaft Holland zu Lehen nehmen; alle Einkünfte sollten unter die vier Töchter, resp. ihre Kinder, gleich verteilt werden; die Besetzung der Ämter und Stellen aber sollte nur der Fürstin von Nassau und nach deren Tod sukzessive deren Schwestern zustehen. Sollten ihre Töchter anstatt Zevenbergen Geld vorziehen und Zevenbergen dem Prinzen von Oranien zu vollem Eigentum abtreten, so sollten sie jure optionis je 150000 Gulden erhalten, die auf das Landkomptoir von Holland und andre Sicherheiten angelegt würden — zusammen also 600 000 Gulden. Die Töchter und deren Erben sollten alle andern Güter, Aktiven und Passiven, Juwelen, Gold, Silber, Porzellan usw. zu vier Teilen erhalten und darum losen. Nicht inbegriffen waren Amaliens 'Witwenpensionsgelder, die sie unter alle fünf Stämme zu gleichen Teilen verteilt wissen wollte. Ihre vierfache Tour großer Perlen von je 36 Stück, jede Karat wiegend, sollte wegen ihrer Schönheit und ihres hohen Wertes bei dem Hause bleiben; zuerst sollte der Prinz von Oranien sie als Lehen erhalten und bei seinem Tode sein ältester Sohn resp. Tochter; sollten solche fehlen, so hätten die Perlen an die Fürstin von Nassau und bei ihrem Tode, gleichviel ob sie mit oder ohne Kinder stürbe, an die Fürstin zu Anhalt, endlich an die Herzogin von Simmern zu fallen, nach deren Tod aber an den ältesten Sohn Louise Henriettens von Brandenburg und in der Folge an die andern Stämme mit stetem Yorrang des ältern. Die Perlentour dürfte niemals geteilt, verändert oder veräußert werden; alle Erbberechtigten müßten dies verbürgen. Die Nutznießung des Hauses im Haager Bosch (Oranje Sael) mit allen Ländereien usw., mit Gemälden, Möbeln und Zierraten erhielt die Fürstin von Nassau, nach ihrem Tode Prinz Wilhelm Heinrich von Oranien und dessen Deszendenz; sollte diese erlöschen, so hätte, wie bei den Perlen, die Fürstin zu Anhalt zu erben, 263 dann die andern in obiger Folge. Zur Erhaltung des Hauses sollte eine Jahresrente von 1000 Gulden aus den Einkünften von Zevenbergen dienen. Den hinterbliebenen Kindern ihres geliebten Bruders, des Grafen zu Solms, hinterließ Amalie 20 000 Gulden, den Kindern und der Deszendenz ihrer lieben Schwester, der Burggräfin Ursula zu Dohna, 30 000 Gulden, ihrer Nichte, „dem Fräulein Katharina von Dohna“, für ihre treue Pflege in der Krankheit 20 000 Gulden, den Kindern und Deszendenten ihrer lieben Schwester Ludovica Christine, Gräfin von Brederode, 30 000 Gulden, den Armen im Haag, in Zevenbergen und in Turnhout 6000, 1000 und 1000 Gulden. Alles sollte mit Geld oder mit Obligationen auf die holländischen Komptoire bezahlt werden. Für ihr Begräbnis und alle Ausgaben setzte Amalie dem Prinzen von Omnien 100 000 Gulden aus; was an Kosten weiter erwüchse, hätten er und die vier andern Erben zu je einem Fünftel zu bezahlen. Heidt öffnete nach der Yerlesung des Testaments die zweite viereckige Lackdose, die zwei Kodizille enthielt, die nun verlesen wurden. Das erste Kodizill vom 4. Februar 1675 setzte, da der Kurprinz von Brandenburg gestorben und sein Bruder Friedrich Kurprinz geworden war, dessen jüngern Bruder Ludwig in Friedrichs Stelle ein: Ludwig sollte zwei Drittel, der Kurprinz Friedrich ein Drittel der ihnen am 7. September 1674 testamentarisch zugebilligten Güter genießen. Katharina zu Dohna erhielt noch die Tapeten und die Möbel verschiedener Zimmer in Turnhout. Die der Familie Solms vermachten 20 000 Gulden wurden jetzt dem Grafen Heinrich Trajektin allein mit Ausschluß seiner Schwester zugesprochen. Jeder der drei Testa- mentsexekutoren sollte 2000 Gulden erhalten und an 264 die Hofhaltung Amaliens sollten allerlei Legate fallen. Im zweiten Kodizille vom Juli 1675 (Tagesdatum fehlt) erhielt Katharina zu Dohna eine Reihe vergoldeter und silberner Geräte und Becken und der Hofhalt weitere Gelder. Das Dispositiousbuch endlich, das Heidt auf Amaliens Befehl 1673 angelegt hatte, enthielt noch ein Kodizill, das alle in ihm enthaltenen Verfügungen als giltig bezeichnete; in ihm wurden kostbare Gefäße Wilhelm III. Heinrich, der Fürstin von Nassau und Katharina zu Dohna vermacht. Unter alle diese Verfügungen setzten jetzt am 14. Dezember 1675 der Prinz von Oranien, die Fürstinnen von Nassau und zu Anhalt, die Herzogin von Simmern, Romswinckel, Beaumont, Heidt und Goes ihre Namen. Es folgt nun das ganze Inventar, bestehend aus 1: Herrschaften und lierrscliaftlichenGütern: Die Baronie Turnhout in Brabant mit Stadt, Kastell und Freiheit, mit den Dörfern Arendonk, Weelde, Poppel, Ravels, Barel Hertogh, Lille, We’chlersande und Vlim- meren, Beersse und Vosselaer, Mikhplas und allem Zubehör, die Baronie und Herrschaft Zevenbergen in Holland mit Stadt, Schloß, Land, Herrschaft und allem Zubehör. Dies ging in vier Teile an beide branden- burgischen Prinzen für ein Viertel und an die drei Töchter, doch erhielt die Fürstin von Nassau lebenslang die Verwaltung. 2. Häuser: Der Oranje Sael mit allem Zubehör kam unter die Verwaltung der Fürstin von Nassau, der Alte Hof im Noordeinde und das Haus in Ryswyck, die Amalien auf Lebenszeit überlassen worden waren, kamen an Wilhelm III. Heinrich. 3. Rentenbriefe und Obligationen: Auf den Namen „Amalie Alberts“ bei dem Generaleinnehmer 26i> Marten Paauw eingetragen, beliefen sie sich von 1644 bis 1646 auf 58400 Gulden mit 4 °/o Zins. 4. Aktien und Kredite von sehr hohem Betrage. Am 22. Dezember 1675 öffnete Katharina zu Dohna in Gegenwart Wilhelm Heinrichs und der drei Tochter Amaliens sowie der Testamentsvollstrecker die Juwelen- schreine und man verglich ihren Inhalt mit dem 1672 gemachten Inventar. Wilhelm Heinrich erhielt sofort gegen Ausstellung eines Scheins 1 ) die vierfache Perlentour von je 36 Stück, die 258 1 ; A Karat wog, als Fidei- kommiß; er nahm die ihm im Dispositionsbuche vermachten Schmucksachen, Diamanten usw. und eine goldene Dose mit vier Perlenschnüren von 36 Stück mit Diamantschloß, die seiner Mutter gehört hatten, entgegen. Das Inventar der Juwelen war ungemein reich, Perlen, Diamanten, Steine aller Art waren in Masse da; sie wurden durch drei aus Amsterdam verschriebene Juweliere und durch den Haager Juwelier Abraham Walckaare abgeschätzt, in vier gleiche Teile verteilt und blind verlost. Jeder der vier Teile war 56420 Gulden wert, sic fielen an die drei Töchter und an die zwei brandenliurgischen Prinzen. ln Gegenwart von Henriette Katharina zu Anhalt- Dessau, Maria von Simmern, Motzfeldt als Spezial- bevollmächtigten der Fürstin von Kassau und Uoms- winckel als brandenburgischen Spezialbevollmäehtigten wurden vier weitere Lose gemacht, in Heidts Hut gelegt, tüchtig geschüttelt und von der Enkelin des Kapitäns Jan Martyn, Johanna Wiihelmine, gezogen; das erste Los fiel auf die Fürstin von Kassau, das zweite auf die Herzogin von Simmern, das dritte auf die Fürstin *) Er stellte den Schein am 23. Dez. in aller Form aus. Kopie in Zerbst. A 7 b. Xr. 142. 266 — zu Anhalt und das vierte auf die brandenburgischen Brüder; vorerst deponierte man, bis die Staaten von Seeland wegen Amaliens Leibpension Beschluß gefaßt haben würden, die Lose laut am 7. März .1676 gefaßter Bestimmung im Alten Hofe. Am 17. April 1676 öffnete man auch den grün gefärbten eisernen Koffer Amaliens, zu dem sie Heidt vier Tage vor ihrem Tode die Schlüssel gegeben hatte, um sie privatim allein der Fürstin von Nassau auszuliefern, was Heidt getan zu haben erklärte. * Man öffnete in Gegenwart von Ileldt und van der Goes und fand eine Liste der goldenen Münzen und Medaillen von der Hand der verstorbenen Madame Saulnier, der Ehrendame Amaliens. Hierauf öffnete man die erste Börse und fand darin Dukaten für 5160 Gulden, in einem zweiten Säckchen Dukaten für 10400 Gulden, in einer dritten Börse englische Karolins für 1055 Gulden, in einer vierten spanische Pistolen für 1066 Gulden, in einer fünften, mit großen Geldstücken gefüllten Börse 2800 Gulden an Wert; eine sechste enthielt Doppeldukaten für 6120 Gulden und eine siebente Sovereigns für 3405 Gulden. Man machte vier gleiche Lose. Jede der drei Töchter erhielt ein Yiertel und das letzte Viertel wurde für die brandenburgischen Prinzen zurückgelegt. Am 18. April erfolgte die Verteilung der goldenen Medaillen in vier Teile. Auch die nicht speziell angewiesenen Geldsachen wurden in vier Teile geteilt und im Gewichte von je 455 Unzen verlost, ähnlich ging es mit andern Wertsachen, auch mit den besonderen Raritäten, bei denen jedes Los auf 4400 Gulden geschätzt wurde. Die Kristallsachen wurden in vier Lose zu je ca. 3735 Gulden (zusammen 14 965 Gulden), Achate, Jaspise und Korallen in vier Lose zu je ca. 1340 Gulden (zusammen 5345 Gulden), Damast, Leinen usw. in vier Lose zu je 1140 Gulden verteilt. Ebenso erging es mit den Sachen in Bern- 267 — stein und Elfenbein, welche die Juweliere nicht ab- schätzon konnten, mit Porzellan, Möbeln, Vorhängen usw. 1 ) Die Zusammensetzung der berühmten Gemälde- Galerie Amaliens gab Zeugnis von ihrem feinen nationalen Geschmack, der sich der neuen Kunstrichtung- entschieden zuwandte und von den italienisierenden Malern wenig hielt. Die Verteilung dieser Galerie ist besonders interessant' 2 ), sie wurde jetzt in die nördliche Galerie des Alten Hofs geschafft; „die berühmten Meister in der Malkunst, nämlich Dodyns, Jan de Bane und Jan Mytens“ (gemeint sind Doudyns und Boon) schätzten sie ab und es wurden vier Lose gemacht. Das erste Los im Werte von 7898 Gulden zog die Herzogin von Simmern. Dabei befanden sich u. a. Rubens: Clelia, wie sie mit andern Mägden aus dem hager Porsenrias durch den Tiber flüchtet (2600) 3 ), A nton van Dyck: Die heilige Maria (1200), T h omas Willeborts: Botschaft Marias (500) 4 ), Honthorst: zwei Porträts (400), zwei Bilder, von L o u i s e IIenr i e 11 e gemalt") (200 und 60)°). Das zweite Los im Werte von 7939 Gulden zogen die brandenburgischen Brüder; ') Die Fürstin von Nassau ließ die Möbel aus dem Huis teil Bosch in ihr Haus auf dem Yijverberg bringen. 2 ) Siehe auch C. Ilost, Der nassau-oranische Bilderschatz, in „Zahns Jahrbüchern für Kunstwissenschaft“, Leipzig- 1873. 3 ) Die eingeklanimerten Zahlen bedeuten den Taxationswert in Gulden, sie sind hochinteressant für den Bilderwert von damals gegen heute. 4 ) Im Stift Mosigkau. 5 ) In ihrer .Tugend zumal hat Louise Henriette — in diesen Bilderlisten kurzweg „Prinzessin Louise“ genannt — viel gemalt. “1 Der Bilderschatz der Herzogin fiel nach ihrem Tode ihren Schwestern in Diez und Dessau zu, die Clelia von Rubens kam von Diez nachher durch Legat nach Berlin an den Kurfürsten: jetzt im Berliner Museum. (Kopie im Schlosse zu Wörlitz.) 268 dabei waren u. a. A. van Dyck: Thetis bei Yulkan wegen der Rüstung des Achilles (1800), A. van Dyck: Die königliche Familie von England (1200), ein Jagdstück von Rubens und Snyders (1500), Net sch er: Wilhelm III. Heinrich von Oranien (350), Louise Henriette von Oranien: ein Bild (200), drei Honthorst (150, 100 und 90), zwei Breughel (400 und 300), mehrere Mytens (550 und 300). Die Fürstin von Nassau zog das drittfe Los im Werte von 7924 Gulden, dabei das kostbarste Bild von Amaliens ganzer Sammlung. Auf dies Los fielen u. a.: A. van Dyck: Charitas in Lebensgröße (3000) 1 ), Derselbe: Wilhelm II. als Kind (400) 2 ), Netscher: Wilhelm III. Heinrich und andre junge Prinzen (700), Rubens: Drei Könige (600), ein Mytens (500), Rubens und Jan Breughel [für die Blumen]: Nackte Frau 3 ) (315), Honthorst: Tanzende Kinder (200) und viele andere Honthorst. Das vierte Los fiel der Fürstin zu Anhalt- Dessau zu, im Werte von 7939 Gulden, dabei u. a. A. van Dyck: Rinaldo und Armida (2400) 4 ) und Friedrich Heinrich und Amalie (1000) 5 ), Peter Daniel Segliers: Blumenstück (900) 6 ), Netscher: Wilhelm III. Heinrich (300), Louise Henriette: ein Bild (150), Merian: Kurprinz von Brandenburg (225), ungenannter Meister: Graf und Gräfin zu Solms (30), ') Die Fürstin legierte die „Charitas“ ihrem Neffen, dem Könige von Großbritannien, Wilhelm III. Heinrich. (Kopie im Stifte Mosigkau.) 2 ) Ebenda: ein großes Meisterwerk. 3 ) Ebenda. *) Bei der Taxierung des Nachlasses der Fürstin zu Anhalt durch den preußischen Gemälde-Inspektor N. Werner wurde dies Bild auf nur 350 Taler taxiert. “') Im Schlosse zu Wörlitz. “) Im Stifte Mosigkau. 269 La belle Gabriele (50) 1 ). Im Haag blieben aus Amaliens Besitz-) u. a. A. van Dyck: Maria, Josef und das Jesuskind, Wilhelm II. und Maria Stuart, Maria Stuart allein, Ilontliorst: Wilhelm III. Heinrich und Maria, Albertine Agnes und Henriette Katharina, Friedrich Heinrich mit seinen Töchtern Albertine Agnes, Henriette Katharina und Maria, Der Große Kurfürst mit Louise Henriette, Wilhelm II. und Maria, alle lebensgroß, Katharina zu Dohna, Amaliens letzter Sohn als Engelchen in der Luft schwebend, Flinck: Amalie am Grabe ihres Gemahls sitzend, Rembrandt: Friedrich Heinrich im Profil, außerdem zahlreiche weitere Familien- und sonstige Bilder. Nachdem die oben genannten Bilder in vier Teile geteilt worden waren, teilten die Brandenburger ihren Anteil unter sich. Es erfolgte dann die Teilung von Serpentinstein, Terra sigillata und Alabaster; die Fürstin von Nassau erhielt für sich die Cleopatra im Oranje Sael, die übrigen sechs Alabasterbilder fielen zu gleichen Teilen an Anhalt, Simmern und Brandenburg. Am 18. April wurden die prächtigen Wagen, Sänften und Pferde Amaliens in vier Teile verteilt, die Pferde wurden nachher öffentlich verkauft. Man nahm das Inventar von Amaliens Jacht auf. Man machte auch alphabetische Register der eingekommenen und der ausgegangenen Briefe, 65 und 53 Bündel. Nach Empfang ihrer Anteile enthoben die Erben am 80. April 1676 im Haag die Testamentsvollstrecker ihrer Arbeit, unter Vorbehalt der ihnen noch zu erteilenden Wittumsgelder Amaliens, und die drei Töchter der letztem unterschrieben diesen Akt. Das Inventar des Hauses im Bosch blieb unter der Verwahrung des ’) Im Gothischen Hause zu Wörlitz. 2 ) Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 175. 270 Concierge Jan Bolten und wurde am 24. April 1677 in voller Ordnung befunden 1 ). Am 22. Mai 1676 teilte man die den brandenburgischen Prinzen durch Kodizill vom 4. Februar 1675 bestimmten Kostbarkeiten in drei gleiche Lose, wozu der Kurprinz Romswinckel speziell bevollmächtigt hatte; der Kurprinz Friedrich erhielt das zweite, sein Bruder Ludwig das erste und das dritte Los, denn ersterer erhielt ein, Ludwig zwei Drittel der Juwelen usw. Romswinckel nahm das Los Friedrichs an sich und der Anteil Ludwigs wurde einstweilen wieder in die Kiste gelegt. Amaliens Töchter, resp. deren Erben, erhoben ihre 150 000 Gulden mit Ausnahme der Herzogin von Simmern, die dies Geld bei ihrem Neffen, dem sie verschiedenes schuldete, stehen ließ 2 ). Am 1. Februar 1676 trat Wilhelm IM. Heinrich den drei Töchtern Amaliens alle ') Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 169. 2 ) Maria setzte im Testamente, Creuznach 3. Juni 1679, ihre Schwestern von Nassau und Anhalt zu ihren Universalerben ein, wobei an der Spitze der Zeugen Heinrich Trajektin, Graf zu Sohns, figuriert; in einem Kodizill vom 9/19. März 1688 vermachte sie „ihren Oranienhof" und viele Mobilien ihrem Oberstallmeister, dem später in Brandenburg so berüchtigten Casimir Kolbe von Wartenberg; ihr Haus in Creuznach vermachte sie am 8/18. Januar 1688 dem Kurprinzen Friedrich von Brandenburg, der im Mai 1688 seinen Rat und Reichskammergerichtsassessor Silvester Jacob Dan okelmann zur Testamentseröffnung' schickte. (Originale. Archiv in Zerbst. A 7 h. Nr. 81 und 82.) Ihr lideikommissarisch behafteter Anteil, diese 150000 Gulden, verfielen ihren Schwestern und es wurden die 150 000 Gulden in vier Teile geteilt, den einen, 37500 Gulden, erhielt Wilhelm III. Heinrich, nun König von Großbritannien, die drei andern Teile der Kurfürst von Brandenburg, die Fürstinnen von Nassau und Anhalt. (Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 170.) Maria hatte die Generalstaateil um eine Pension gebeten und sie hatten ihr versprochen, die Sache in Betracht zu ziehen. (Kopie. 20. Februar 1681. Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 27.) Swpg Äsfefg -mW” ty* nm'i S»& i?'f-S “A>. ssss =5iu«i ;ffis m iisjeÄaife.: r!**5»:?^'iiT.F»; L ‘gf; , .^ ,i ‘ «jSä>b£ 8ifcS2S i«sss .ÜXSiästife; 13SSW.*- ’güsitä' ‘Ävfil'p *»e?4| . de Hooghe Zu Se.te mm Zm&s iasä§g j»3t’«Ä?*( iiÜÖ**! TSCji Aiisü asfä NrkW 3fr? §®8$ »>:>/, <■• '■i-kf't,. *-.sr Der Leichenzug Amaliens * R. de Hooghe Zu Seite 271 ■ f&J •< ««S yftüi •; r^2S jsss^'f £•'• ££■: PWfl; B38SB • v? **&• 'JaW cs? :*2*Ä*ü: ,. r ,•?**> : w>' M'gBrwgErl mm mm ■mm 5ammrrw: : afea@’ JÜUMB a»«;- 271 liechte und Aktiva, die ihm durch Amaliens Testament auf Turnhout zustanden, ah und sie erklärten dagegen, die 100 000 Gulden, die er ihnen zu zahlen hatte, für ausgeglichen; auch waren sie bereit, falls er ihre Rechte und Aktiva auf Zevenbergen abkaufen wollte. Er verpflichtete sich am 25. Mai 1079, den Kindern der Kurfürstin Louise Henriette sowie den Fürstinnen von Nassau und zu Anhalt Rentenbriefe und Versicherungen auf die Domänen von Gertruydenberg und Zevenbergen zu je 150000 Gulden mit jährlicher Rente von je 5250 Gulden anzuweisen *). Am 21. Januar und 25. März 1676 faßten die Generalstaaten den Beschluß, Amaliens Leibpension von 500000 Gulden solle an ihre Erben übergehen l 2 ). Die Verwaltung des Sterbehauses im Haag kostete viel Geld, Heidt hatte von den ihm anvertrauteu 154474 Gulden 151130 ausgegeben und blieb, als die Erben ihn, Beaumont und Goes unter Danksagungen durch Memoire vom 31. Dezember 1679 ihrer Mühewaltung enthoben und ihm die Auszahlung einiger kleinen Schulden Amaliens auftrugen, noch 1529 Gulden schuldig, was die Fürstin zu Anhalt und die Herzogin von Simmern für sich und ihre Schwester von Nassau beglaubigten 3 ). Im März 1680 lieferte Heidt der Fürstin von Nassau das Porzellan im Oranje Sael aus 4 ). Hiermit war die ungemein vernickelte Erbteilung Amaliens beendigt. Sie aber, die große Diplomatin und Haushälterin, ruhte seit 21. Dezember 1675 bei ihrem heißgeliebten Gatten in Delft. l ) Copien, Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 142. ’) Ebenda. A 7 b. Nr. 144. ’) Archiv in Zerbst. A 7 b. Nr. 136. ‘) Brief Heidts an sie, Haag-, 23. März 1680. (Jopie. Ebenda. Druckfehler-Verzeichnis. Statt Aerssens muß es heißen: Aerssen. Statt Biiren muß es heißen: Buren. Statt Burgsdorf' nmß es heißen: Burgsdorff. Statt Iionslardyk muß es heißen: Honsholredyk. Statt Znylichen muß es heißen: Zuylichem. Weimar. — G, Uschmann. Drucfofehler-Uerzeichnis. Anstatt Arundel muß es heißen: Arundell. „ Ormünd „ „ „ Ormonde. „ Philipp V. „ „ „ Philipp IV. von Spanien. „ Pomponne, Armand „ „ „ Simon ArnaulddePomponne. ,, Peter Seghers „ „ „ Pater Seghers. Weitere Berichtigungen siehe S. 272. Druckfehler-l?erzeichnis. Statt Aerssens muß es heißen: Aerssen. Statt Büren muß es heißen: Buren. Statt Burgsdorf muß es heißen: Burgsdor/f. Statt Honslardyk muß es heißen: Honsholredyk. Statt Zuylicheu muß es heißen: Zuylichetn. Weimar. — G-. Uschmanu. Stammtafel Tabelle 1. Friedrich Heinrich, Prinz von Oranien, geb. 24. Febr. 1584, i W. März 1647. 31. März 1625 Amalie, Gräfin zu Solms-Braunfels, geb. 31. August 1602, f 8. Sept. 1675. Wilhelm II., geb. 27. Mai 1626, Prinz von Oranien, t 6. Nov. 1650. ~ 12. Mai 1641 Maria Stuart, Prinzessin von Großbritannien u. Irland, geb. 4. Nov. 1631, + 24. Dez. 1660. I Wilhelm III. Heinrich, geb. 14. Nov. 1650, Prinz von Oranien, 23. Febr. 1689 König von Großbritannien und Irland, f 19. März 1702. In ihm erlosch das alte Haus Oranien. 14. Nov. 1677 Maria Stuart, Prinzessin von Großbritannien u. Irland, geb. 10. Mai 1662, Königin von Großbritannien und Irland, -j- 7. Januar 1695. Louise Henriette, geb. 27. Nov. 1627, f 8. Juni 1667. 17./27. Dez. 1646 Friedrich Wilhelm, „Der Große Kurfürst“ von Brandenburg, t 29. April 1688. I Friedrich IH., geb. 1. Juli 1657, Kurfürst von Brandenburg, seit 18. Januar 1701 König in Preußen, t 25. Febr. 1713. ~ 8. Okt. 1684 Sophie Charlotte, Prinzessin von Hannover, geb. 20. Okt. 1668, f 1. Febr. 1705. Friedrich Wilhelm I., geb. 4. August 1688, König in Preußen, t 31. Mai 1740. 28. Nov. 1706 Sophie Dorothea, Prinzessin von Großbritannien, Irland und Hannover, geb. 27. März 1687, f 28. Juni 1757. Emilie, geb. 26. Okt. 1628, t 1644. Isabella Charlotte, geb. 28. April 1632, t April 1642. Friederike Louise, geb. 28. Sept. 1714, | 4. Febr. 1784. 30. Mai 1729 Karl, Markgraf von Brandenburg- Ansbach, 7 3. August 1757. Deszendenz: Die am 5. Jan. 1806 erloschenen Markgrafen von Brandenburg - Ansbach. Philippine Charlotte, geb. 13. März 1716. t 16. Febr. 1801.' ~ 2. Juli 1733 Karl I., Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel, t 26. März 1780. Sophie Dorothea Marie, geb. 25. Januar 1719, + 13. Nov. 1765. 9. Nov. 1734 Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg-Schwedt, f 5. März 1771. I s. Tabelle 4. Louise Ulrike, geb. 24. Juli 1720. f 16. Juli 1782.' v 29. August 1744 Adolf Friedrich, König von Schweden, f 12. Febr. 1771. s. Tabelle 5. August Wilhelm, geb. 9. August 1722, Prinz von Preußen, -j- 12. Juni 1758. 6. Januar 1742 Louise Amalie, Prinzessin von Braunschweig- Bevern, geb. 29. Januar 1722, f 13. Januar 1780. s. Tabelle 6. Karl Wilhelm Ferdinand, geb. 9. Okt. 1735, Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel, 10. Nov. 1806. 16. Januar 1764 Auguste, Prinzessin von Großbritannien, Irland und Hannover, geb. 11. August 1737, -j- 23. März 1813. s. Tabelle 2. Anna Amalie, geb. 24. Okt. 1739, f 10. April 1807. ^ 16. März 1756 Ernst August Constantin, Herzog von Sachsen- Weimar-Eisenach, f 28. Mai 1758. s. Tabelle 3. Emilie Albertine Agnes, geb. 29. April 1634, f 14. Mai 1696. --w- 2. Mai 1652 Friedrich Wilhelm, Graf, dann Fürst von Nassau-Diez. -]- 12. Nov. 1664. Heinrich Casimir, geb. 17. Januar 1657, Fürst von Nassau-Diez, -J- 25. März 1696. ! 26. Nov. 1683 Henriette Amalie, Prinzessin zu Anhalt-Dessau, I geb. 26. Aug. 1666, -[ 18. April 1726. Johann Wilhelm Friso, geb. 4. August 1687, Fürst von Nassau-Diez, Prinz von Oranien, t 14. Juli 1711. 26. April 1709 Marie Louise, Prinzessin von Hessen-Cassel, geb. 7. Febr. 1688, f 9. April 1765. Henriette Katharina, geb. 10. Febr. 1637, f 4. Nov. 1708. 16. Juli 1659 Johann Georg II., Fürst zu Anhalt-Dessau, f 17. August 1693. Ludwig, geb. 30. Nov. 1639. t 29. Dez. 1639. Maria, geb. 5. Sept. 1642, f 20. März 1688 13./23. Sept. 1666 Ludwig Heinrich Moritz Franz, Herzog und Pfalzgraf von Siminern, -!- 3. Januar 1674. Henriette Amalie (s. bei Nassau- Diez). Marie Eleonore, geb. 14. März 1671, f 18. Mai 1756. ~ 13. Sept. 1687 Georg Joseph, Fürst von Radziwill, f 3. Januar 1689. Leopold I., geb. 3. Juli 1676, Fürst zu Anhalt-Dessau, „Der Alte Dessauer“, f 9. April 1747. — 15. (?) Sept. 1698 Anna Louise Foelise, geb. 22. März 1677, Reichsfürstin 29. Dez. 1701, t 5; Febr. 1745. Johanna Charlotte, geb. 6. April 1682, f 31. März 1750. 25. Januar 1699 Philipp Wilhelm, Markgraf von Brandenburg-Schwedt, 19. Dec. 1711. Friedrich Wilhelm (s. Tabelle 4). Leopold II. Maximilian, geb. 25. Dez. 1700, Fürst zu Anhalt-Dessau (s. Tabelle 11). August Ferdinand, geb. 23. Mai 1730, t 3. Mai 1813. 27. Sept. 1755 Anna Elisabeth Louise, Markgräfin von Brandenburg- Schwedt, geb. 22. April 1738, t 10. Febr. 1820. I Louise, geb. 24. Mai 1770, t 7. Dez. 1836. 17. März 1796 Anton Heinrich, Fürst von Radziwill, t 7. April 1833. Deszendenz: Die Fürsten von Radziwill. I. Linie, I. Zweig. Anna, geb. 13. Okt. 1710, f 18. Sept. 1777. ■ ~ 3. Juli 1727 Friedrich, Erbprinz von Baden-Durlacb, f 26. März 1732. I s. Tabelle 8. Wilhelm IV. Karl Heinrich Friso, geb. 1. Sept. 1711, Prinz von Oranien, Erbstatthalter der sieben vereinigten Provinzen, f 22. Okt. 1751. ~ 25. März 1734 Anna, Prinzessin von Großbritannien, Irland und Hannover, geb. 2. Nov. 1709, f 12. Januar 1759. Karoline, geb. 28. Febr. 1743, f 6. Mai 1787. ^ 5. März 1760 Karl, Fürst von Nassau- Weilburg, t 28. Nov. 1788. s. Tabelle 9. Wilhelm V. Batavus,' geb. 8. März 1748, Prinz von Oranien, Erbstatthalter der sieben vereinigten Provinzen, f 9. April 1806. — 4. Okt. 1767 Friederike Sophie Wilhelmine, Prinzessin von Preußen, geb. 7. August 1751, f 9. Juni 1820. s. Tabelle 10. Louise, geb. 21. August 1709 t 29. Juli 1732. 15. Nov. 1724 Victor n. Friedrich, Fürst zu Anhalt-Bernburg, t 18. Mai 1765. I Sophie Louise, geb. 29. Juni 1732, f 6. Okt. 1786. ~ 20. Mai 1753 Friedrich Gottlob Heinrich, Graf zu Solms-Baruth, t 24. Januar 1787. Friedrich Karl Leopold, geb. 27. Okt. 1757, Graf zu Solms-Baruth, f 7. August 1801. ~ 23. Juli 1787 Georgine Friederike, Gräfin von Wallwitz, geb. 23. April 1768, y 7. Febr. 1839. Von ihnen stammen die heutigen Grafen und Fürsten zu Solms-Baruth. Leopoldine Marie, geb. 18. Dez. 1716 (s. neben). Heinrich Friedrich, geb. 21. August 1709, Markgraf von Brandenburg-Schwedt, t 12. Dez. 1788 als letzter Markgraf. ~ 13. Febr. 1739 Leopoldine Marie, Prinzessin zu Anhalt-Dessau, geb. 18. Dez. 1716, i 27. Januar 1782. Je Louise Henriette Wilhelmine (s. Tabelle 11). 3el Tabelle 2. Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenhttttel ('s. Tabelle 1). Auguste Karol. Fried. Louise, geb. 3. Dez. 1764, + 27. Sept. 1788. — 27. Okt. 1780 Friedrich I., Herzog, dann König von Württemberg, f 30. Okt. 1816. Wilhelm I., geb. 27. Sept. 1781, König von Württemberg, f 25. Juni 1864. III. 15. April 1820 Pauline, Prinzessin von Württemberg, geb. 4. Sept. 1800,^ f 10. März 1873. Katharine, geb. 24. August 1821. t 6. Dez. 1898. ~ 20. Nov. 1845 Friedrich, Prinz von Württemberg t 9. Mai 1870. I Wilhelm II., geb. 25. Febr. 1848, König von Württemberg. I. 15. Febr. 1877 Marie, Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, geb. 23. Mai 1857, t 30. April 1882. I Pauline, geb. 19. Dez. 1877. ~ 29. Okt. 1898 Friedrich, Erbprinz zu Wied, geb. 27. Juni 1872. I Kinder. Auguste, geb. 4. Okt. 1826 (s. Tabelle 3). Katharina, geb. 21. Febr. 1783, f 28. Nov. 1835. — 23. August 1807 Jeröme Napoleon, König von Westfalen, t 24. Juni 1860. I Napoleon Joseph Karl Paul, geb. 9. Sept. 1822, kaiserlicher Prinz von Frankreich, t 18. März 1891. 30. Januar 1859 (Jlotilde, Prinzessin von Italien, geb. 2. März 1843. Paul, geb. 19. Januar 1785, -j- 16. April 1852. 28. Sept. 1805 Charlotte, Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen, geb. 17. Juni 1787, 12. Dez. 1847. Friedrich Wilhelm, geb. 9. Oktober 1771, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, f 16. Juni 1815. — 1. Nov. 1802 Marie Elisabeth Wilhelmine, Prinzessin von Baden, geb. 7. Sept. 1782, f 21. April 1808. In ihrer Deszendenz erlosch am 18. Oktober 1884 das Haus Braunschweig-Wolfenbiittel. Prinz Victor Napoleon, Prinz Ludwig Napoleon, geb. 18. Juli 1862. geb. 16. Juli 1864. Marie, geb. 20. Dez. 1866. ~ 11. Sept. 1888 . Amadeus, Herzog von Aosta, König von Spanien, 18. Januar 1890. I Humbert, geb. 22. Juni 1889, Prinz von Savoyen-Aosta, Graf von Salemi. Charlotte (Helene Pawlowna), geb. 9. Januar 1807, f 21. Januar 1873. ~ 20. Febr. 1824 Michail Pawlowitsch, Großfürst von Rußland, f 9. Sept. 1849. I Katharina Micliailowua, geb. 28. August 1827, -j- 13. Mai 1894. ~ 16. Febr. 1851 Georg, Herzog von Mecklenburg-Strelitz, t 20. Juni 1876. geb. t (s Friedrich, 21. Febr. 1808, 9. Mai 1870 . auf dieser Tabelle). Pauline, geb. 25. Febr. 1810, t 7. Juli 1856. ~ 23. April 1829 Wilhelm, Herzog von Nassau, f 20. August 1839. Helene, geb. 12. Aug. 1831, f 27. Okt. 1888 (s. Tabelle 9). Helene, geb. 16. Januar 1857. ~ 13. Dez. 1891 Albert, Prinz von Sachsen-Altenburg, t 22. Mai 1902. Georg Alexander, geb. 6. Juni 1859, Herzog von Mecklenburg. Michael, geb. 17. Juni 1863, Herzog von Mecklenburg. Sophie, geb. 9. Juli 1836. 6. Juni 1857 Oskar II., König von Schweden und Norwegen, geb. 21. Januar 1829. ! Tabelle 3. Ernst August Constantin, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach (s. Tabelle 1). Karl Anglist, geb. 3. Se.pt. 1757, G-roßherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, + 14. Juni 1828. ~ 3. Okt. 1775 Louise, Prinzessin von Hessen-Darnistadt, geh. 30. Januar 1757, f 14. Febr. 1830. Karl Friedrich, geb. 2. Febr. 1783, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, f 8. Juli 1853. 3. August 1804 Maria Pawlowna, Großfürstin von Rußland, geb. 15. Febr. 1786, + 23. Juni 1859. Marie, Augusta, Karl Alexander, geb. 3. Febr. 1808, geb. 30. Sept. 1811, geb. 24. Juni 1818, + 18. Januar 1877. + 7. Januar 1890 Großherzog von Sachsen, + 5. Januar 1901. ~ 26. Mai 1827 (s. Tabelle 6). Karl, Prinz von Preußen. + 21. Januar 1883. 1 (Kinder: s. Tabelle 6.) — 8. Okt. 1842 Sophie, Prinzessin der Niederlande, geb. 8. April 1824, + 23. März 1897. 1 Ivaroline Louise, gel). 18. Juli 1786, + 20. Januar 1816. ~L Juli 1810 Friedrich Ludwig, Brbgroßherzog von Mecklenburg-Schwerin, t 29. Nov. 1819. I Helene Louise Elisabeth, geb. 24. Januar 1814, + 18. Mai 1858. — 30. Mai 1837 Ferdinand Philipp Ludwig Karl Heinr. .Joseph von Orleans, Herzog von Orleans, Kronprinz der Franzosen, + 13. Juli 1842. Karl Bernhard, geb. 30. Mai 1792, + 31. Juli 1862. --- 30. Mai 1816 Ida, Prinzessin von Sachsen-Meiningen, geb. 25. Juni 1794, + 4. April 1852. Hermann, geb. 4. August 1825, Prinz von Sachsen-Weimar-Eisenach. + 31. August 1901. 17. Juni 1851 Auguste, Prinzessin von Württemberg, geb. 4. Okt. 1826, -|- 3. Dez. 1898. Karl August, geb. 31. Juli 1844, Erbgroßherzog von Sachsen, | 20. Nov. 1894. 26. August 1873 Fauline, Prinzessin von Sachsen- Weimar-Eisenach, geb. 25. Juli 1852, ' 17. Mai 1904. Wilhelm Ernst, geb. 10. Juni 1876, Grol.iherzog von Sachsen. 30. April 1903 Karoline, Prinzessin Reuß älterer Linie, geb. 13. Juli 1884, + 17. Januar 1905. Marie, geb. 20. Jannar 1849. 6. Febr. 1876 Heinrich VII., Prinz Reu IS jüngerer Linie, geb. 14. Juli 1825. I Kinder. Elisabeth, geb. 28. Febr. 1854. 6. Nov. 1886 Johann Albrecht, Herzog von Mecklenburg, geb. 8. Dez. 1857. Ludwig Philipp v. Orleans, Graf von Paris, . geh. 24. August 1838, + 8. Sept, 1894. 30. Mai 1864 Isabella, Prinzessin von Orleans, Tochter des Herzogs von Montpensier, geb. 21. Sept. 1848. Robert von Orleans, Herzog von Chartres, geb. 9. Nov. 1840. 11. Juni 1863 Franziska, Prinzessin von Orleans, Tochter des Prinzen von Joinville, geh. 14. August 1844. Pauline, Wilhelm, Prinz v. geh. 25. Juli Sachsen-Weimar- 1852 Eisenach, (s. neben), geb. 31. Dez. 1853. 11. April 1885 Gerta, Prinzessin zu Ysen- burg und Büdingen, geb. 18. Januar 1863. Kinder. Ernst, geb. 9. August 1859. Olga Marie, geb. 8. Sept. 1869. V 22. April 1902 Leopold, Prinz zu Isenburg-Birstei», geb. 10. März 1866. I Kinder. Amalie, geh. 28. Sept. 1865. 22. Mai 1886 Carlos T., König von Portugal, Philipp, geb. 6. Febr. 1869, Herzog von Orleans. , 5. Nov. 1896 Maria, Helene, geb. 13. Juni 1871. 25. Juni 1895 Emanucl, geb. 28. Sept. Erzherzogin 1863. von Oesterreich, geb. 14. Juni 1867. Herzog von Herzog von Aosta, Guisc, geb. 13. Jan. geb. 4. Sept. 1869. 1874. Isabella, Louise, geb. 7. Mai geb. 24. Febr. 1878. 1882. 30. Okt. 1899 Johann, Ferdinand, geb. 9. Sept. 1884, Herzog von Montpensier. Marie, geb. 13. Januar 1865. 22. Okt. 1885 Waldemar, Prinz von Dänemark, geb. 27. Okt. 1858. I Kinder. Margarethe, geb. 25. Januar 1869. ’ 23. April 1896 Patrice de Mac Mahon, geb. 10. Jnni 1855, Herzog von Magenta. Tochter. Johann, geb. 4. Sept, 1874, Herzog von Guisc. 30. Okt, 1899 Isabella von Orleans (s. neben). I Kinder. Luiz, Manuel, geb. 21. März 1887, geb. 15. Nov. 1889, Herzog Herzog von Beja. von Braganza. Amadeo, Aimon. geb. 21. Okt. 1898, geb. 9. März 1900. Herzog Herzog von Apulien. von Spoleto. l'abelle 4. Friedrich Wilhelm, Markgraf von Brandenburg-Schwedt (s. Tabelle 1). Friederike Dorothea Sophie, geh. 18. Dez. 1736, f 9. März 1798. ~ 29. Not. 1753 Friedrich I. Eliten, Herzog von Württemberg, t 23. Dez. 1797. Anna Elisabeth Louise, geh. 22. April 1738 (s. Tabelle 1). Friedrich I. (II.), geh. 6. Nov. 1754, Herzog, daun Kurfürst, endlich König von Württemberg, 30. Okt, 1816. ~ 27. Okt. 1780 Auguste K. F. L., Prinzessin von Braunschweig- Wolfenbüttel (s. Tabelle 2). Kinder: s. Tabelle 2. Ludwig, Herzog von Württemberg, geb. 30. August 1756," t 20. Sept, 1817. II. 28. Januar 1797 Henriette, Prinzessin von Nassau- Weilburg, geb. 22. April 1780, -[- 2. Januar 1857. Pauline, geb. 4. Sept. 1800, (s. Tabelle 21. Elisabeth, geb. 27. Febr. 1802, y 5. Dez. 1864. ~ 16. Okt. 1830 Wilhelm, Markgraf von Baden, t 11. Okt. 1859. Alexander, Herzog- voll Württemberg, geb. 9. Sept. 1804, t 4. Juli 1885. Von ihm stammen die Herzoge von Teck. Eugen, Herzog von Württemberg, geb. 21. Nov. 1758, y 20. Juni 1822. ~ 21. Januar 1787 Louise, Prinzessin zu Stolberg-Gedern, verw. Herzogin von Sachsen-Meiningen, geb. 13. Okt. 1764, f 24. Mai 1834. I Eugen, Herzog von Württemberg, geb. 8. Januar 1788, + 16. Sept. 1857. I. 20. April 1817 Mathilde, Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, geb. 10. April 1801, f 13. April 1825. Sophie Dorothea (Maria Fedorowna), geb. 25. Okt. 1759, y 5. Nov. 1828. 18. Okt. 1776 Paul I. Petrowitsch, Kaiser von Rußland, t 24. März 1801. s. Tabelle 12. Leopoldine, geb. 22. Febr. 1837. 24. Sept. 1862 Hermann, Fürst zu Holienlohe-Langenburg, geb. 31. August 1832, Statthalter von Elsaß-Lothringen. Marie, geb. 25. März 1818, t 10. April 1888. 9. Okt. 1845 Karl, Landgraf von Hessen-Philippsthal, f 12. Febr. 1868. ! Ernst, Karl, Landgraf von geb. 3. Febr, Hessen- 1853. Philippsthal, geb. 20. Dez. 1846. Ernst, Erbprinz Elise, zu Holienlohe- geb. 4. Sept. 1864. Langenburg, ^ 11. Nov. 1884 geb. 13. Sept. 1863, Heinrich XXYII-, Regent in Sachsen- Erbprinz von Reuß Coburg-Gotlia jüngerer Linie, 1900—1905. geb. 10. Nov. 1858. ~ 20. April 1896 | Alexandra, Kinder Prinzessin von Sachsen- Coburg-Gotha, geb. 1. Sept. 1878. Kinder. Feodore, geb. 23. Juli 1866. 12. Juli 1894 Emich, Erbprinz zu Leiningen, geb. 18. Januar 1866. I Kinder. Eugen, Herzog von Württemberg, geb. 25. Dez. 1820, -j- 8. Januar 1875. 15. Juli 1843 Mathilde, Prinzessin zu Schaumburg- Lippe, geb. 11. Sept. 1818, f 14. August 1891. Eugen, Herzog von Württemberg, geb. 20. August 1846, y 27. Januar 1877. 8. Mai 1874 Vera Konstantinowua, Großfürstin von Rußland, geb. 16. Febr. 1854. 1 _ Elsa, geb. 1. März 1876. 6. Mai 1897 Albrecht (s. Tabelle 11), Prinz zu Scliauinburg-Lippe, geb. 24. Okt. 1869. Kinder. Olga, geb. 1. März 1876. ~ 3. Nov. 1898 Maximilian (s. Tabelle 11), Prinz zu Scliaumburg-Lippe, V 1. April 1904. Kinder. Wilhelm, Herzog von Württemberg, geb. 27. Dez. 1761, f 10. August 1830. Von ihm stammen die Grafen von Württemberg und Herzoge von Urach. Friederike, geb. 27. Juli 1765, V 24. Nov. 1785. ~ 26. Juni 1781 Peter Friedrich Ludwig, Herzog von Oldenburg, f 21. Mai 1829. I Georg, Herzog von Oldenburg, geb. 9. Mai 1784, t 27. Dez. 1812. 3. August 1809 Katharina Pawlowna (s. Tabelle 12), Großfürstin von Rußland, geb. 21. Mai 1788, in 2. Ehe vermählt mit Wilhelm I., König von Württemberg, -j- 9. Januar 1819. I Peter, Herzog von Oldenburg, geb. 26. August 1812, t 14. Mai 1881. ' 23. April 1837 Therese, Prinzessin von Nassau, geb. 17. April 1815, f 9. Dez. 1871. Alexandra, geb. 2. Juni 1838. t 26. April 1900.' ~ 6. Febr. 1856 Nikolaus Nikolajewitsch, Großfürst von Rußland, f 25. April 1891 (s. Tabelle 12). Alexander, geb. 2. Juni 1844, Herzog- von Oldenburg. -T*-- 19. Januar 1868 i Eugenie i Maximilianowna j Romanowskaja, Herzogin von Leuchtenberg, geb. 1. April 1845. Therese, geb. 30. März 1852, t 19. April 1883. 12. Mai 1879 Georg Maximilianowitsch Romanowski, Herzog von Leuchtenberg, geb. 29. Febr. 1852. Sohn. Peter, Herzog von Oldenburg, geb. 21. Nov. 1868. 1. August 1901 Olga Alexandrowna, Großfürstin von Rußland, geb. 13. Juni 1882. Alexander, Herzog von Württemberg, geb. 24. April 1771, j- 4. Juli 1833. 17. Nov. 1798 Antoinette, Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, geb. 28. August 1779, t 14. März 1824. Alexander, Herzog von Württemberg, geb. 20. Dez. 1804, f 28. Okt. 1881. 17. Okt. 1837 Marie von Orleans, königl. Prinzessin der Franzosen, geb. 12. April 1813, y 2. Januar 1839. Philipp, Herzog von Württemberg, geb. 30. Juli 1838. 18. Januar 1865 Maria Theresia, Erzherzogin von Oesterreich, geb. 15. Juli 1845. Ulrich, geb. 13. Juni 1877. Albrecht, Herzog von Württemberg, geb. 23. Dez. 1865. 24. Januar 1893 Margarethe Sophie, Erzherzogin von Oesterreich, geb. 13. Mai 1870, f 24. August 1902. 1 « » Isabella, geb. 30. August 1871. 2. April 1894 Johann Georg, Prinz von Sachsen, geb. 10. Juli 1869. Robert, geb. 14. Januar 1873. 29. Okt. 1900 Maria Immaculata Raineria, Erzherzogin von Oesterreich, geb. 3. Sept. 1878. Kinder. Tabelle 5. Adolf Friedpich, König von Schweden (s. Tabelle 1). Gustav III., geb. 24. Januar 1746, König von Schweden, f 29. März 1792. ~ 4. Nov. 1766 Sophie Magdalene, Prinzessin von Dänemark, geb. 3. Juli 1746, | 21. August 1813. Gustav IV. Adolf, geb. 1. Nov. 1778, König von Schweden, f 7. Febr. 1837. ~ - 31. Okt. 1797 Friederike, Prinzessin von Baden, geb. 12. März 1781, -j- 25. Sept. 1826. Gustav, geb. 9. Nov. 1799, Kronprinz von Schweden, dann Prinz Wasa, f 5. August 1877. 9. Nov. 1830 Louise, Prinzessin von Baden, geb. 5. Juni 1811, 19. Juni 1854. Carola, Prinzessin IVasa, geb. 5. August 1833. - 18. Juni 1853 Albert, König von Sachsen, y 19. Juni 1902. Friedrich Wilhelm, geb. 9. Juli 1857, Erbgroßherzog von Baden. 20. Sept. 1885 Hilda, Prinzessin von Nassau, geb. 5. Nov. 1864. Friedrich, geb. 9. Sept. 1826, Großherzog von Baden. 20. Sept. 1856 Louise, Prinzessin von Preußen, Tochter Kaiser Wilhelms I., geb. 3. Dez. 1838. Victoria, b. 7. August 1862. 20. Sept, 1881 Gustav Adolf, Kronprinz von Schweden, Herzog von Wermland, geb. 16. Juni 1858. Wilhelm, geb. 18. Dez. 1829, Prinz von Baden, 27. April 1897. ~ 11. Febr. 1863 Maria Maximilianowna Bomanowskaja, Prinzessin von Leuchtenberg, geb. 16. Okt. 1841. Marie, geb. 26. Juli 1865. - 2. Juli 1889 Friedrich II., Herzog vonAnhalt, geb. 19. August 1856. Maximilian, geb. 10. Juli 1867, Prinz von Baden. ~ 10. Juli 1900 Marie Louise, Prinzessin von Großbritannien und Irland, Herzogin von Braunscliweig-Lüneburg, geb. 11. Okt. 1879. Maria Alexandra, geb. 1. August 1902. Sophie, geb. 21. Mai 1801, f 7. Juli 1865. — 25. Juli 1819 Leopold, Großherzog von Baden, t 24. April 1852. Marie, geb. 20. Nov. 1834, f 21. Nov. 1899. 11. Sept. 1858 Ernst, Fürst zu Leiningen. gell. 9. Nov. 1830. Cäcilie (Olga Fedorowna), geb. 20. Sept, 1839, f 13. April 1891. 28. August 1857 Michail Nikolajewitsch, Großfürst von Rußland, geb. 25. Okt. 1832. Nikolai Anastasia Michailowitsch, Michailowna, Großfürst geb. 28. Juli 1860. von Rußland, 24. Januar 1879 geb. 26. April Friedrich Franz III., 1859. Großherzog von Mecklenburg- Schwerin, t 10. April 1897. Georg Michailowitsch, Großfürst v. Rußland, geb. 23. August 1863. 13. Mai 1900 Maria Georgiewna, Prinzessin von Griechenland, geb. 3. März 1876. I Kinder. Alexander Michailowitsch, Großfürst v. Rußland, geb. 13. April 1866. 6. August 1894 Xenia Alexandrowna, Großfürstin v. Rußland, gelt. 6. April 1875. I Kinder. Ssergei Michailowitsch, Großfürst von Rußland, geb. 7. Okt. 1869. Gustav Adolf, Wilhelm. Erich, geb. 11. Nov. 1882. geb. 17. Juni 1884, geb. 20. April 1889, Herzog von Schonen. Herzog vonSuedermanland. Herzog von Westmanland. 15. Juni 1905 Margarethe, Prinzessin von Großbritannien und Irland, geb. 16. Januar 1882. Alexandrine, geb. 24. Dez. 1879. ~ 26. April 1898 Christian, Prinz von Dänemark, geb. 26. Sept. 1870. I Kinder. Friedrich Franz IV., geb. 9. April 1882, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. 7. Juni 1904 Alexandra, Prinzessin von Großbritannien mul Irland, Herzogin von Braunschweig-Liineburg, geb. 29. Sept, 1882. Cäcilie, geb. 20. Sept. 1886. ~ 6. Juni 1905 Wilhelm, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, geb. 6. Mai 1882. Tabelle (1. August Wilhelm, Prinz von Preussen (s. Tabelle 1). Friedrich Wilhelm II., geh. 25. Sept. 1744, König von Preußen, -j- 16. Nov. 1797. ~ II. 14. Juli 1769 F. Louise, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, geh. 16. Okt. 1751, + 25. Febr. 1805. F. S. Wilhelmine, geb. 7. August 1751. ~ 4. Okt. 1767 Wilhelm V. Batavus, Prinz von Oranien (s. Tabelle 1 u. 10). Friedrich Wilhelm EU., geb. 3. August 1770, König von Preußen, f 7. Juni 1840. ~ 24. Dez. 1793 Louise, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, geb. 10. März 1776, + 19. Juli 1810. Ludwig, geb. 5. Nov. 1773, Prinz von Preußen, f 28. Dez. 1796. ~ 26. Dez. 1793 Friederike, Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, geb. 2. März 1778, f als Königin von Hannover 29. Juni 1841. Friederike, geb. 30. Sept. 1796 (s. Tabelle 11). Georg II., geb. 2. April 1826, Herzog von Sachsen-Meiningen. ~ I. 18. Mai 1850 — II. 23. Okt, 1858 Charlotte, Feodore, Prinzessin von Preußen, Prinzessin geb. 21. Juni 1831, zu Hohenlohe- f 30. März 1855. Langenburg, geb. 7. Juli 1839, Bernliard, f 10. Febr. 1872. geb. 1. April 1851, 1 Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Friedrich, 18. Febr. 1878 geb. 12. Okt. 1861, Charlotte, Prinz Prinzessin von Preußen. von Saclisen- geb. 24. Juli 1860. Mciningen. 25. April 1889 Feodore, Adelheid, geb. 12. Mai 1879. Gräfin zur Lippe- ~ 24. Sept. 1898 Biesterfeld, Heinrich XXX., geb. 22. Juni 1870. Prinz Reuß jüngerer Linie, 1 geb. 25. Nov. 1864. Kinder. Wilhelmine, Auguste, geb. 18. Nov. 1774 geb. 1. Mai 1780, f 19. Febr. 1841. (s. Tabelle 10). 13. Febr. 1797 Wilhelm II., Kurfürst von Hessen, t 20. Nov. 1847. Friedrich Wilhelm I., Marie, geb. 20. August 1802, geb. 6. Sept. 1304, Kurfürst von Hessen. i 1. Januar 1888. In ihm erloseh 23. März 1825 die ebenbürtige Kurlinie von Hessen Bernhard Erich freund, 6 Tanuar 1875 Herzog von Sachsen-Meiningen, f 3. Dez. 1882. Auguste, geb. 6. August 1843. 15. Okt. 1862 Moritz, Prinz von Sachsen-Altenburg, geb. 24. Okt. 1829. Maria Anna, geb. 14. März 1864. 16. April 1882 Georg, Fürst zu Schaumburg- Lippe, geb. 10. Okt. 1846. Kinder. Elisabeth (Mawrikiewna), geb. 25. Januar 1865. 27. April 1884 Konstantin Ko nstantino witsch, Großfürst von Rußland, geb. 22. August 1858. Kinder. Ernst, geb. 31. August 1871, Prinz von Sachsen- Altenburg. ~ 17. Febr. 1898 Adelheid, Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, geb. 22. Sept. 1875. Kinder. Louise, geb. 11. August 1873 (s. Tabelle 11). Wilhelm, geb. 3. Juli 1783, Prinz von Preußen, f 28. Sept. 1851. 12. Januar 1804 Marie Anna, Prinzessin von Hessen-Homburg,, geb. 13. Okt. 1785, f 14. April 1846. Elisabeth, geb. 18. Juni 1815, y 21. März 1885. — 22. Okt. 1836 Karl, Prinz von Hessen und bei Rbein, f 20. März 1877. Ludwig IV., geb. 12. Sept. 1837, Großherzog von Hessen und bei Rhein, t 13. März 1892. 1. Juli 1862 Alice, Prinzessin von Großbritannien und Irland, geb. 25. April 1843, f 14. Dez. 1878. geb. 15. Okt. 1825. f 27. Mai 1889. — 12. Okt. 1842 Maximilian II., König von Bayern, f 10. März 1864. Otto, geb. 27. April 1848, König von Bayern. Victoria, geb. 5. April 1863. 30. April 1884 Ludwig, Prinz von Battenberg, geb. 24. Mai 1854. Kinder. Elisabeth, geb. 1. Nov. 1864. 15. Juni 1884 Ssergei Alexandro witsch, Großfürst von Rußland, f 17. Febr. 1905. Irene, geb. 11. Juli 1866. 24. Mai 1888 Heinrich, Prinz von Preußen, geb. 14. August 1862. (s. Tabelle 6 unten.) Ernst Ludwig, geb. 25. Nov. 1868, Großherzog von Hessen und bei Rhein. 2. Febr. 1905 Eleonore, Prinzessin zu Solms- Hohensolms-Lich, geb. 17. Sept. 1871. Alix, geb. 6. Juni 1872. 26. Nov. 1894 Nikolaus II. Alexandrowitsch, Kaiser von Rußland (s. Tabelle 12). Wilhelm I., geb. 22. März 1797, König von Preußen, Deutscher Kaiser, f 9. März 1888. /vll. Juni 1829 Augusta, geb. 1811, Prinzessin von Sachsen-Weimar (s. Tabelle 3). Charlotte, Karl, geb. 13. Juli 1798 geb. 29. Juni 1801, (s. Tabelle 12). Prinz von Preußen, -f 21. Januar 1883. ~ 26. Mai 1827 Marie, geb. 1808, Prinzessin von Sachsen-Weimar (s. Tabelle 3). Alcxandrine, geb. 23. Febr. 1803, t 21. April 1892. ~ 25. Mai 1822 Paul Friedrich, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, f 7. März 1842. Louise. geb. 1. Febr. 1808, f 7. Dez. 1870. ~ 21. Mai 1825 Friedrich, Prinz der Niederlande, t 8. Sept. 1881 (s. Tabelle 10). Albrecht, geb. 4. Okt. 1809, Prinz von Preußen, t 14. Okt. 1872. ~ 14. Sept. 1830 Marianne, Prinzessin der Niederlande, geb. 9. Mai 1810, f 29. Mai 1883. Friedrich III., geb. 18. Okt. 1831, geb. Deutscher Kaiser (s. und König von Preußen, t 15. Juni 1888. 25. Januar 1858 Victoria, Princess Royal von Großbritannien und Irland, geb. 21. Nov. 1840, „Kaiserin Friedrich“, f 5. August 1901. Louise, 3. Dez. 1838 Tabelle 5). Friedrich Karl, geb. 20. März 1828, Prinz von Preußen, f 15. Juni 1885. 29. Nov. 1854 Maria Anna, Prinzessin von Anhalt, geb. 14. Sept. 1837 (s. Tabelle 11). Elisabeth, Louise Margarete, geb. 8. Febr. 1857, geb. 25. Juli 1860. ■f 28. August 1895. 13. März 1879 18. Febr. 1878 Arthur, Friedrich August, Herzog Erbgroßherzog, jetzt von Connaught, Großherzog von Oldenburg, geb. 1. Mai 1850. geb. 16. Nov. 1852. Sophie Charlotte, geb. 2. Febr. 1879. Margarete, Arthur, Victoria, geb. 16. Jan. 1882 geb. 13. Jan. geb. 17. März (s. Tabelle 5). ‘ 1883. 1886. Friedrich Leopold, geb. 14. Nov. 1865, Prinz von Preußen. 24. Juni 1889 Louise Sophie, Prinzessin v. Schleswig- Holstein, geb. 8. April 1866. Anna, geb. 17. Mai 1836. 26. Mai 1853 Friedrich, Landgraf von Hessen, f 14. Okt. 1884. Friedrich Franz II., geb. 28. Febr. 1823, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, t 15. April 1883. ~ I. 3. Nov. 1849 ~ III. 4. Juli 1868 Auguste, Marie, Prinzessin Reuß-Schleiz-Köstritz, Prinzessin von Schwarzburg-Rudolstadt, geb. 26. Mai 1822, f 3. März 1862. geb. 29. Januar 1850. I Victoria Margarete, geb. 17. April 1890. Friedrich Sigismund, geb. 17. Dez. 1891, Prinz von Preußen. Friedrich Karl, geb. 6. April 1893, Prinz von Preußen. Friedrich Leopold, geb. 27. Aug. 1895, Prinz von Preußen. Friedrich Franz III. (s.Tabelle 5). Paul Friedrich, geb. 19. Sept. 1852, Herzog von Mecklenburg. •*-' 5. Mai 1881 Marie, Prinzessin Windisch- Grätz, geb. 11. Dez. 1856. Maria Pawlowna, geb. 14. Mai 1854. 28. Aug. 1874 Wladimir Alexandrowitsch, Großfürst von Rußland (s.Tabelle 12). Johann Albrecht, geb. 8. Dez. 1857 (s.Tabelle 3). Elisabeth, geb. 10. Aug. 1869. ~ 24. Okt. 1896 Friedrich August, Großherzog von Oldenburg, geb. 16. Nov. 1852. Adolf Friedrich, geb. 10. Okt. 1873, Herzog von Mecklenburg. Heinrich, geb. 19. April 1876 (s.Tabelle 10). Marie Antoinette, Heinrich, geb. 28. Mai 1884. geb. 16. Dez. 1885. Nikolaus, geb. 10. August 1897, Erbgroßherzog von Oldenburg. Ingeborg, geb. 20. Juli 1901. Altburg, geb. 19. Mai 1903. Louise, Wilhelm, geb. 17. Mai geb. 5. März 1824, 1827, f 9. März Herzog von 1859. Mecklenburg, —20. Okt. -j- 28. Juli 1849 1879. Hugo, 9. Dez. Fürst 1865 Win discli- Alexandrine, Griitz, geb. 1. Febr. geb. 26. Mai 1842, 1823. Prinzessin | von Preußen Kinder. (s. neben). Charlotte, geb. 7. Nov. 1868. -— 17. Nov. 1886 Heinrich XVIII., Prinz Reuß jüngerer Linie, geb. 14. Mai 1847. Kinder. Charlotte, geb. 21. Juni 1831 (s. Tabelle 6 oben). Albrecht, geb. 8. Mai 1837, Prinz von Preußen, Regent des Herzogtums Braunschweig. 19. April 1873 Marie, Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 2. August 1854, f 8. Okt. 1898. _I Alexandrine, geb. 1. Febr 1842 (s. Tabelle 6 neben). Friedrich Heinrich, geb. 15. Juli 1874, Joachim Albrecht, geb. 27. Sept. 1876, Friedrich Wilhelm, geb. 12. Juli 1880, Prinzen von Preußen. Elisabeth, geb. 13. Juni 1861 (s.Tabelle 11). Alexander Friedrich Karl, Friedrich, geb. 1. Mai 1868, geb. 25. Jan. Prinz von Hessen. 1863, 25. Januar 1893 Landgraf Margarete, Prinzessin von Preußen, von Hessen. geb. 22. April 1872. Sibylle, geb. 3. Juni 1877. — 3. Sept. 1898 Friedrich, Freiherr von Vincke, geb. 24. Juli 1867. Friedrich Wilhelm, Max, Philipp Wolfgang, Richard Christoph, geb. 23. Nov. 1893, geb. 20. Okt. 1894, geb. 6. Nov. 1896, geb. 14. Mai 1901, Prinzen von Hessen. Wilhelm II., geb. 27. Januar 1859, Deutscher Kaiser und König von Preußen. —■ 27. Febr. 1881 Auguste Victoria, Prinzessin von Schleswig-Holstein, geb. 22. Okt. 1858. _I_ Charlotte, geb. 24. Juli 1860 (s. Tabelle 6 oben). Wilhelm, geb. 6. Mai 1882, Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen. 6. Juni 1905 Cäcilie, Herzogin von Mecklenburg (s. Tabelle 5). Eitel Friedrich, geb. 7. Juli 1883, Prinz von Preußen. Verlobt 11. Okt. 1905 Sophie Charlotte, Herzogin von Oldenburg (s. Tabelle 6 oben). Adalbert, geb. 14. Juli 1884, Prinz von Preußen. August Wilhelm, geb. 29. Jan. 1887, Prinz von Preußen. Oskar, geb. 27. Juli 1888, Prinz von Preußen. Joachim, geb. 17. Dez. 1890, Prinz von Preußen. Victoria Louise, geb. 13. Sept. 1892. Heinrich, geb. 14. August 1862, Prinz von Preußen. ~ 24. Mai 1888 Irene, Prinzessin von Hessen und bei Rhein (s. Tabelle 6 oben). Waldemar, Sigismund, geb. 20. März 1889, geb. 27. Nov. 1896, Prinz von Preußen. Prinz von Preußen. Victoria, geb. 12. April 1866. ~ 19. Nov. 1890 Adolf, Prinz zu Schauinburg-Lippe, geb. 20. Juli 1859. Sophie, geb. 14. Juni 1870. ~ 27. Okt. 1889 Konstantin, Kronprinz von Griechenland, Herzog von Sparta, geb. 2. August 1868. Margarete, geb. 22. April 1872. 25. Januar 1893 Friedrich Karl, Prinz von Hessen (s. Tabelle 6 oben). Georg, Alexander, Helene, Prinz von Griechenland, Prinz von Griechenland, geb. 2. Mai geb. 19. Juli 1890. geb. 1. August 1893. 1896. Paul, Irene, Prinz von Griechenland, geb. 13. Febr. geb. 14. Dez. 1901. 1904. mm Tabelle 7. Friederike, Prinzessin wen Preussen (s. Tabelle 6), geb. 1778, f 1841. — II. 10. Januar 1798 Friedrich Wilhelm, Prinz zu Solms-Braunfels, V 13. April 1814. heiratete noch zweimal. Wilhelm, Prinz zu Solms- Braunfels, geb. 30. Dez. 1801, Y 12. Sept. 1868. — 8. Aug. 1831 Marie, Gräfin Kinsky, geb. 19. Juni 1809, 5. Dez. 1892. _I_ Georg, Elisabeth, Fürst zu Solms- geb. 12. Nor. Braunfels, 1S37. geb. 18. März 1836, t 3. April 1891. — 5. August 1878 Emmanuele, Prinzessin Tricase-Moliterno, geb. 19. Febr. 1854 (wiedervermählt 16. Mai 1895 Alexander, Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfürst). Albrecht, Prinz zu Solms- Brauufels, geb. 10. Febr. 1841, Regent des Fürstentums, f 8. März 1901. — 5. Sept. 1889 Ebba von Lavonius, geb. 19. Febr. 1850. Hermann, Prinz zu Solms- Braunfels, geb. 8. Okt. 1845. + 30. Aug. 1900! Georg Friedrich, 2 Schwestern, geb. 13. Dez. 1890, Fürst zu Solms- Brannfels. ■— I. 30. April 1872 Marie, Prinzessin zu Solms-Braunfels, geb. 26. Juni 1852, j- 23. Juli 1882. I Friederike, geb. 29. März 1873. — 19. Mai 1896 Franz Joseph, Fürst zu Isenburg-Birstein, geb. 1. Juni 1869. I Kinder. — II. 17. Xov. 1887 Elisabeth, Prinzessin Reuß jüngerer Linie, geb. 27. Okt. 1859. I Kinder. Alexander, Prinz zu Solms- Braunfels, geb. 12. März 1807, f 20. Febr. 1867. — 10. Okt, 1863 Louise, Freiin v. Landsberg- Velen-Steinfurt, geb. 1. Nov. 1835, f 11. Januar 1894. I Friedrich, Prinz zu Solms- Braunfcls, geb. 23. Sept. 1864, Regent des Fürstentums. — 24. Sept. 1896 Maria Theresia, Gräfin von West- phalen -Fürstenberg, geb. 11. Sept. 1868. Kinder. Karl, Prinz zu Solms-Braunfels, geb. 27. Juli 1812, t 13. Nov. 1875. — 3. Dez. 1845 Sophie, Prinzessin zu Löwenstein- Wertlieim-Rosenberg, verw. Prinzessin zu Salm-Salm, geb. 9. Aug. 1814, f 9. Juni 1876. Eulalie, geb. 6. Febr. 1851. Alexander, Prinz zu Solms- Braunfels, -12. März 1874 geb.4.Nov. 1855. Eduard, Prinz von Eigne. geb. 7. Febr. 1839. I Kinder. ■ 19. Jan. 1891 Espbrance, Freiin von Erlanger, geb. 5. Okt. 1870. Kinder. — III. 29. Mai 1815 Ernst August, Herzog von Oninberland, König von Hannover, -j- 18. Nov. 1851. Georg V., geb. 27. Mai 1819, König von Hannover, 12. Juni 1878. — 18. Febr. 1843 Marie, Prinzessin vou Saclisen- Altenburg, geb. 14. April 1818. I _ Ernst August, geb. 21. Sept, 1845, Herzog von Onmberland. — 21. Dez. 1878 Thyra, Prinzessin von Dänemark, geb. 29. Sept. 1853. I Kinder. Friederike, geb. 9. Januar 1848. — 24. April 1880 Alphons, Freiherr von Pawel- Rammingen, geb. 27. Juli 1843. Tabelle 8. I. 28. Januar 1751 Karoline Louise, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, geb. 11. Juli 1723, y 8. April 1783. I Karl Ludwig, geb. 14. Febr. 1755, Erbprinz von Baden, t 16. Dez. 1801. 15. Juli 1774 Amalie, Prinzessin von Hessen-Darmstadt, geb. 20. Juni 1754, f 21. Juli 1832. Friedrich, Erbprinz von Baden-Durlach (s. Tabelle 1). Karl Friedrich, geb. 22. Nov. 1728, Markgraf, dann Kurfürst, endlich Großherzog von Baden, t 10. Juni 1811. — II. 24. Nov. 1787 Louise Karoline, Freiin Geyer von Geyersberg, geb. 26. Mai 1768, Reichsgräfin von Hocliberg, endlich Prinzessin von Baden, f 23. Juli 1820. Leopold, geb. 29. August 1790, Großherzog von Baden, f 24. April 1852 (s. Tabelle 5). Wilhelm, geb. 8. April 1792, Markgraf von Baden, t 11. Okt. 1859 (s. Tabelle 4). Amalie, geb. 26. Januar 1795, 14. Sept. 1869. ~ 19. April 1818 Karl Egon, Fürst zu Fürstenberg, t 22. Okt. 1854. Friederike, geb. 12. März 1781 (s. Tabelle 5). Wilhelmine, geb. 10. Sept. 1788, -]- 27. Januar 1836. • 19. Juni 1804 Ludwig II., Großherzog von Hessen und bei Rhein, 7 16. Juni 1848. Karl, geh. 23. April 1809, Prinz von Hessen und bei Rhein, t 20. März 1877 (s. Tabelle 6). Maria Alexandrowna. geb. 8. August 1824. 7 3. Juni 1880 (s. Tabelle 12). Karl Egon, geb. 4. März 1820, Fürst zu Fürstenberg, 7 15. März 1892. ' --4. Nov. 1844 Elisabeth, Prinzessin Reuß älterer Linie, geb. 23. März 1824, 7 7. Mai 1861. Amalie, geb. 12. Febr. 1821, f 17. Januar 1899. —19. April 1845 Victor, Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey, Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfürst, 7 30. Januar 1893. Von ihnen stammt der ältere herzogliche Ast von Ratibor nn»l Corvey. Max Egon, geb. 29. März 1822, Fürst zu Fürstenberg, 7 27. Juli 1873. ~ 23. Mai 1860 Leontine, Gräfin Khevenhüller- Metscli, geb. 25. Febr. 1843. Ihre Nachkommen sind die heutigen Fürsten zu Fürstenberg in Sehwaben. Emil Egon, geb. 12. Sept. 1825, Fürst zu Fürstenberg, 15. Mai 1899. ~ 31. Mai 1875 Leontine. Witwe seines Bruders. Ihre Nachkommen sind die fürstliche Linie zu Königsliof (in Böhmen). Pauline, geb. 11. Juni 1829, f 8. August 1900. • 15. April 1847 Hugo, Herzog von Ujest, Prinz zu Hohenlohe-Oehringen, t 23. August 1897. Von ihnen stammen die Herzoge von Ujest und Fürsten zn Hohenlohe- Oehringen. Tabelle 9. Wilhelmine Louise, geb. 28. Sept. 1765, j 10. Okt. 1837. — 9. .Tauuar 1786 Heinrich Xni., Fürst Reuß älterer Linie, t 29. Januar 1817. Von ihnen stammt das fürstliche Hans Reuß älterer Linie ab. KaH, Fürst von Nassau-Weilfaurg (s. Tabelle 1 ). Friedrich Wilhelm, i geb. 25. Okt. 1768, Fürst von Nassau-Weilburg, {■ 9. Januar 1816. .v 31. Juli 1788 Isabelle, linrggräfin zu Kirchberg und Gräfin zu Sayn-Haclienburg, geb. 19. April 1772, -j- 6. Januar 1827. Wilhelm, geb. 14. Juni 1792, Herzog von Nassau, t 20. August 1839. 24. Juni 1813 Louise, Prinzessin von Sachsen-Hiklburghansen, geb. 28. Januar 1794, -j- 6. April 1825. | Deszendenz: s. Tabelle 2. -I. II. 23. April 1829 Pauline, Prinzessin von Württemberg, geb. 25. Febr. 1810, f 7. Juli 1856. Henriette, geb. 30. Okt. 1797, t 29. Dez. 1829. — 17. Sept. 1815 Karl, Erzherzog von Oesterreich, f 30. April 1847. Therese, geb. 17. April 1815 (s. Tabelle 4). Adolf, geb. 24. .Juli 1817, Herzog vonNassau, Großherzog von Luxemburg, t 17. Nov. 1905. — II. 23. April 1851 Adelheid, Prinzessin von Anhalt, geb. 25. Dez. 1833. Marie, geb. 29. Januar 1825, t 24. März 1902. — 20. Juni 1842 Hermann, Fürst zu Wied, f 5. März 1864. _I_ M. Theresia J., geb. 31. Juli 1816, f 8. August 1867. — 9. Januar 1837 Ferdinand H., König Beider Sizilien, 22. Mai 1859. Wilhelm, geb. 22. April 1852, Großherzog von Luxemburg, Herzog vonNassau. — 21. Juni 1893 Maria Anna, Infantin von Portugal, geb. 13. Juli 1861. 6 Töchter. Hilda, geb. 5. Nov. 1864 (s. Tabelle 5) Elisabeth, geb. 29. Dez. 1843. 15. Nov. 1869 Karl I., König von Rumänien, geb. 20. April 1839. Wilhelm, geb. 22. August 1845, Fürst zu Wied. — 18. Juli 1871 Marie, Prinzessin der Niederlande, geb. 5. Juli 1841 (s. Tabelle 10). I Albrecht, geb. 3. August 1817, Erzherzog von Oesterreich, -[ 18. Febr. 1895. — 1. Mai 1844 Hildegard, Prinzessin von Bayern, geb. 10. Januar 1825, | 2. April 1864. Maria Theresia, geb. 15. Juli 1845 (s. Tabelle 4). Ludwig, Alfons, geb. 1. August 1838, geb. 28. März 1841, Graf von Trani, f 8. Juni 1886. Friedrich, geb. 27. Juni 1872, Erbprinz zu Wied. — 29. Okt. 1898 Pauline, Prinzessin von Württemberg, geb. 19. Dez. 1877. Kinder. 2 Brüder. 2 Schwestern. — o. Juni 1861 Mathilde, Herzogin in Bayern, geb. 30. Sept. 1843. Maria Theresia, geb. 15. Januar 1867. — 27. Juni 1889 Wilhelm, Fürst von Hohenzollern, geb. 7. März 1864. Kinder. fifraf von Caserta. — 8. Juni 1868 Antoinette, Prinzessin von Bourbon-Sizilien, geb. 16. März 1851. Kinder. Annunciata, geb. 24. März 1843, f 4. Mai 1871. — 21. Okt. 1862 Karl Ludwig, Erzherzog von Oesterreich, t 19. Mai 1896. Immaculata, geb. 14. April 1844, + 18. Febr. 1899. — 19. Sept. 1861 Karl Salvator, Erzherzog von Oesterreich, f 18. Januar 1892. Kinder. Karl Ferdinand, geb. 29. Juli 1818, Erzherzog von Oesterreich, f 20. Nov. 1874. — 18. April 1854 Elisabeth, Erzherzogin von Oesterreich, verwitwete Erzherzogin von Oesterreich- Este, geb. 17. Jan. 1831, f 14. Febr. 1903. Franz Ferdinand, geb. 18. Dez. 1863, Erzherzog von Oesterreich-Este, Thronfolger- Otto, geb. 21. April 1865, Erzherzog von Oesterreich. — 2. Okt. 1886 Maria Josepha, Prinzessin von Sachsen geb. 31. Mai 1867. I Kinder. Ferdinand Karl Ludwig, geb. 27. Dez. 1868, Erzherzog von Oesterreich. Friedrich, geb. 4. Juni 1856, Erzherzog von Oesterreich, Herzog von Teschen. — 8. Okt. 1878 Isabella, Prinzessin von Croy, geb. 27. Febr. 1856. Kinder. Maria Christine, geb. 21. Juli 1858. — 29. Nov. 1879 Alfonso Xn., König von Spanien, t 25. Nov. 1885. Alfonso XIII., geb. 17. Mai 1886, König von Spanien. Karl Stephan, geb. 5. Sept. 1860, Erzherzog von Oesterreich. — 28. Febr. 1886 Maria Theresia, Erzherzogin von Oesterreich, geb. 18. Sept. 1862. I Kinder. Amalie, geb. 6. August 1776, j 19. Febr. 1841. — 29. Okt. 1793 Victor n. Karl Friedrich, Fürst zu Anhalt-Bernburg-Sehaumburg, -f 22. April 1812. Henriette, geb. 22. April 1780 (s. Tabelle 4). Adelheid, geb. 23. Febr. 1800, t 13. Sept. 1820. — 4. Juli 1817 P. F. August, Großherzog von Oldenburg, f 27. Febr. 1853. Friederike, geb. 8. Juni 1820, t 20. März 1891. — 15. August 1855 Maximilian, Freiherr von Washington, f 4. Juli 1903. I Kinder. Emma, geb. 20. Mai 1802, f 1. August 1858. — 26. Juni 1823 Georg II. F. II., Fürst zu Waldeck und Pyrmont, | 15. Mai 1845. Auguste, geb. 21. Juli 1824, t 4. Sept. 1893. —• 15. Juni 1848 Alfred, regierender Graf, dann Fürst zu Stolberg-Stolberg, j 24. Januar 1903. Von ihnen stammen die Fürsten zu Stolberg-Stolberg. Hermine, geb. 29. Sept. 1827. — 25. Okt. 1844 Adolf Georg, Fürst zu Schaumburg- Lippe, f 8. Mai 1893. Georg, geb. 18. Okt. 1846, Fürst zu Schauinburg- Lippe. — 16. April 1882 Maria Anna, Prinzessin von Sachsen-Altenburg (s. Tabelle 6). 5 Söhne. Ida, geb. 28. Juli 1852, f 28. Sept. 1891. — 8. Okt. 1872 Heinrich XXII., Fürst Reuß älterer Linie, f 19. April 1902. Adolf geb. 20. Juli 1859 (s. Tabelle 6). Georg Victor, geb. 14. Januar 1831, Fürst zu Waldeck und Pyrmont, t 12. Mai 1893. — 26. Sept. 1853 Helene, Prinzessin von Nassau, geb. 12. August 1831, t 27. Okt. 1888. Ida, geb. 10. Mörz 1804, f 31. März 1828. — 24. Juni 1825 P. F. August, Großherzog von Oldenburg, f 27. Febr. 1853. N. F. Peter II., geb. 8. Juli 1827, Großherzog von Oldenburg, t 13. Juni 1900. — 10. Febr. 1852 Elisabeth, Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 26. März 1826, t 2. Febr. 1896. Heinrich XXIV., geb. 20. März 1878, Fürst Reuß älterer Linie. Schwestern. Friedrich August, geb. 16. Nov. 1852, Großherzog von Oldenburg (s. Tabelle 6). Georg, geb. 27. Juni 1855, Herzog von Oldenburg. Eugen, geb. 21. Mai 1863, Erzherzog von Oesterreich. Pauline, geb. 19. Okt. 1855. — 7. Mai 1881 Alexis, Fürst zu Bentheim- Steinfurt, geb. 17. Nov. 1845. Kinder. Emma, geb. 2. August 1858, — 7. Januar 1879 Wilhelm III., König der Niederlande, t 23. Nov. 1890. Wilhelminc, Königin der Niederlande (s. Tabelle 10). Helene, geb. 17. Febr. 1861. — 27. April 1882 Leopold, Herzog von Albany, -j- 28. März 1884. Alice, geb. 25. Febr. 1883. — 10. Febr. 1904 Alexander, Fürst von Teck, geb. 14. April 1874. Karl Eduard, geb. 19. Juli 1884, Herzog von Albany, seit 30. Juli 1900 Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha. — 11. Okt. 1905 Victoria Adelheid, Prinzessin von Schleswig-Holstein- Sonderburg- Glücksburg, creh 31. Dez. 1885. Friedrich, geb. 20. Januar 1865, Fürst zu Waldeck und Pyrmont. — 9. August 1895 Bathildis, Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, geb. 21. Mai 1873. Kinder. Elisabeth, geb. 6. Sept. 1873. — .3. Mai 1900 Alexander, Erbprinz zu Erbach- Schönberg, geb. 12. Sept. 1872. I Kinder. Tabelle 10. Wilhelm V. Batavus, Prinz von Uranien (s. Tabelle 1). Wilhelm I., geb. 24. August 1772, König der Niederlande, Großherzog von Luxemburg, f 12. Dez. 1843. — 1. Okt. 1791 Wilhelmine, Prinzessin von Preußen, geb. 18. Nov. 1774 (s. Tabelle 6), f 12. Okt. 1837. Wilhelm II., geb. 6. Dez. 1792, König der Niederlande, Großherzog von Luxemburg, -j- 17. März 1849. ~ 21. Febr. 1816 Anna Pawlowa, Großfürstin von Rußland, geb. 18. Januar 1795, f 1. März 1865. Wilhelm III., Sophie, geb. 19. Febr. 1817, geb. 8. April 1824 König der Niederlande, (s. Tabelle 3). Großherzog von Luxemburg, f 23. Nov. 1890. II. 7. Januar 1879 Emma, Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, geb. 2. August 1858, Königin-Mutter (s. Tabelle 9). Friedrich, geb. 28. Febr. 1797, Prinz der Niederlande, t 8. Sept. 1881. 21. Mai 1825 Louise, Prinzessin von Preußen (s. Tabelle 61. Louise, geb. 5. August 1838. " f 30. März 1871, 19. Juni 1850' Karl XV., König von Schweden und Norwegen, f 18. Sept. 1872. Louise, geb. 31. Okt. 1851. ~ 28. Juli 1869 Friedrich, Kronprinz von Dänemark, geb. 3. Juni 1843. Marie, geb. 5. Juli 1841. ~ 18. Juli 1871 Wilhelm, Fürst zu Wied, geb. 22. August 1845 (s. Tabelle 9). Wilhelmine, geb. 31. August 1880, Königin der Niederlande, Prinzessin von Oranien. 7. Febr. 1901 Heinrich, Herzog von Mecklenburg, Prinz der Niederlande, geb. 19. April 1876. Christian, geb. 26. Sept. 1870, Prinz von Dänemark. — 26. April 1898 Alexandrine, Herzogin von Mecklenburg, geb. 24. Dez. 1879 (s. Tabelle 5). Kinder. Karl, geb. 3. August 1872, Prinz von Dänemark, seit 18. Nov. 1905 König von Norwegen als Hakon YJI. ~ 22. Juli 1896 Maud, Prinzessin von Großbritannien und Irland, geb. 26. Nov. 1869. Kinder. Louise, geb. 17. Febr. 1875. 5. Mai 1896 Friedrich, Prinz zu S cli aumbnrg-Li p p e, geb. 30. Januar 1868. Kinder. Harald, geb. 8. Okt, 1876, Prinz von Dänemark. Ingeborg, geb. 2. August 1878. 27. August 1897 Karl, Herzog von Westgothland, geb. 27. Febr. 1861. I Kinder. Thyra, geh. 14. Slärz 1880. I I Marianne, geb. 9. Mai 1810 (s. Tabelle 6). Gustav, Dagmar, geb. 4. März geb. 23. Mai 1887, 1890. Prinz von Dänemark. Tabelle 11. Leopold II. Maximilian zu Anhalt-Dessau (s. Tabelle 1). geb. 25. Dez. 1700, t 16. Dez. 1751. 25. Mai 1737 Gisela Agnes, Prinzessin zu Anhalt-Göthen, geb. 21. Sept. 1722. y 20. April 1751. Leopold Friedrich Franz, geb. 10. August 1740, Fürst, dann Herzog zu Anhalt-Dessau, y 9. August 1817. 25. Juli 1767 Louise Henr. Willi., Markgräfin zu Brandenburg-Schwedt (s. Tabelle 1), geb. 24. Sept-. 1750, f 21. Dez. 1811. Friedrich, geb. 27. Dez. 1769, Erbprinz zu Anhalt-Dessan, y 27. Mai 1814. 12. Juni 1792 Christiane Amalie, Prinzessin von Hessen-Homburg, ' geb. 29. Juni 1774, 3. Febr. 1846. Henriette Kath. Agnes, geb. 5. Juni 1744, -j- 15. Dez. 1799. ■ 18. Okt. 1779 Johann Justinian, Freiherr von Loen, t 17. Mai 1803. I Von ihnen stammen die Freiherren yon Loen, 2. Linie. Maria Leopoldine, geb. 18. Nov. 1746, y 15. April 1769. 28. Sept. 1765 Simon August, Graf zu Lippe-Detmold. + 1. Mai 1782. i Leopold, geb. 2. Dez. 1767, Fürst zu Lippe, f 4. April 1802. 2. Januar 1796 Pauliue, Prinzessin zu Anhalt-Bernburg, geb. 23. Febr. 1769, f 29. Dez. 1820. Das fürstliche Haus Lippe, ihre Nachkommenschaft, erlosch im Mannesstamm 13. Januar 1905. Leopold Friedrich, geb. 1. Okt. 1794, Herzog von Anhalt, t 22. Mai 1871. ~• 18. April 1818 Friederike, Prinzessin von Preußen, geb. 30. Sept. 1796, -j- 1. Januar 1850. Agnes, geb. 24. Juni 1824, f 23. Okt. 1897. 28. April 1853 Ernst, Herzog von Sachsen-A ltenburg, geb. 16. Sept, 1826. Marie, geb. 2. August 1854 (s. Tabelle 6). Friedrich I., Maria Anna, geb. 29. April 1831, geb. 14. Sept. 1837 Herzog von Anhalt, (s. Tabelle 6). y 24. Januar 1904. 22. April 1854 Antoinette, Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 17. April 1838. Friedrich, geb. 23. Sept. 1799, Prinz zu Anhalt-Dessau, y 4. Dez. 1864. ~ 11. Sept, 1832 Marie, Prinzessin von Hessen, geb. 9. Mai 1814, y 28. Juli 1895. Adelheid. geb. 25. Dez. 1833 ! (s. Tabelle 9). Bathildis, geb. 29. Dez. 1837, -[■ 10. Febr. 1902. Hilda, 30. Mai 1862 geb. 13. Dez. 1839. Wilhelm, Prinz zu Sehanmbiirg-Lippe, geb. 12. Dez. 1834. Charlotte, Friedrich, Alb recht, Maximilian, Bathildis, Adelheid, Alexandra, geb. 10. Okt, 1864. geb. 30. Jan. geb. 24. Okt. geb. 13. März geb. 21. Mai geb. 22. Sept, geb. 9. Juni ~ 8, April 1886 1868 ' 1869 1871 ' 1873 1876 1879. Wilhelm IL. (s.Tabelle 10). (s. Tabelle 4). (s. Tabelle 4). (s. Tabelle 9). (s. Tabelle 6). König von Württemberg (s. Tabelle 2). " Ijeopold, geb. 18. Juli 1855, Erbprinz von Anhalt, y 2. Febr. 1886. 26. Mai 1884 Elisabeth, Prinzessin von Hessen, geb. 13. Juni 1861 (s. Tabelle 6). I Antoinette Anna, geb. 3. März 1885. Friedrich II., geb. 19. August 1856, Herzog von Anhalt. 2. Juli 1889 Marie, Prinzessin von Baden, geb. 26. Juli 1865 (s. Tabelle 5b Elisabeth, geb. 7. Sept. 1857. 17. April 1877 Adolf Friedrich, Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, geb. 22. Juli 1848. Marie, Jutta (Militza), Adolf Karl Borwiu, geb. 8. Mai 1878. geb. 24. Januar 1880. Friedrich, geb. 10. Okt, ~ 22. Juni 1899 ~ 27. Juli 1899 geb. 17. Juni 1888, Georg, Danilo, 1882, Herzog von Graf .Jametel. Erbprinz Erb- Mecklenburg, von Montenegro, großherzog geb. 29. Juni 1871. von Mecklenburg- Strelitz. Eduard, geb. 18. April 1861, Prinz von Anhalt. 6. Febr. 1895 Louise, Prinzessin von Sachsen-Altenbnrg, geb. 11. August 1873 (s. Tabelle 6). _ I Marie Joachim Auguste, Ernst, geb. 10. Juni geb. 11. Jan. 1898. 1901. Aribert, Alexandra, geb. 18. Juni 1864, geb. 4. April 1868. Prinz von Anhalt, 25. Januar 1897 Günther Sizzo, Prinz von Sehwarzburg, geb. 3. Juni 1860. Marie, Irene, geb. 7. Febr. geb. 27. Mai - 1898. 1899. Eugen, geb. 17. April 1903. Friedrich Günther, geb. 5. März 1901. Tabelle 12 * Paul Petrowitsch, Kaiser von Russland (s. Tabelle 4). Helene Pawlowna, Maria Pawlowna, Katharina Pawlowa, geh. 24. Dez. 1784, f 24. Sept. 1803. geh. 15. Febr. 1780 geb. 21. Mai 1788 23. Okt. 1799 (s. Tabelle 3). (s. Tabelle 4). Friedrich Ludwig, Erbgroßherzog von Mecklenburg-Schwerin, t 29. Nov. 1819. I Paul Friedrich, geb. 15. Sept. 1800, j- 7. März 1842 1s. Tabelle 6). Marie, geb. 31. März 1803, f 20. Okt. 1882. ~ 7. Okt. 1825 Georg, Herzog von Sachsen-Altenburg, t 3. August 1853. 1 Ernst. Moritz. geb. 16. Sept. 1826, geb. 24. Okt. 1829. Herzog von Prinz von Sachsen-Altenburg Sachsen-Altenburg (s. Tabelle 11). (s. Tabelle 6). Alexander II. Nikol aiewitsch, geh. 29. April 1818, Kaiser von Rußland, 13. März 1881. — 28. April 1841 Maria Alexaudrowna, Prinzessin von Hessen und bei Rhein, geb. 8. August 1824. f 3. .Tmii 1880. Maria Nikolajewna, geb. 18. August 1819, t 21. Febr. 1870. ~ 1. 14. Juli 1839 Maximilian, Herzog von Leuchtenberg, f 1. Xov. 1852. Von ihnen stammt, das Haus Ronmnowski, Herzoge von Leuchtenberg', ab. - II. 16. Nov. 1850 Grigorii Alex androwitseh, Graf Stroganow, t 20. Febr. 1879. I Kinder. Anna Pawlowna, geb. 18. Januar 1795 (s. Tabelle 10). Nikolai I. Pawlowitsch, geb. 6. Juli 1796, Kaiser von Rußland, t 2. März 1855. ~ 13. Juli 1817 Alexandra Fedorowna (Charlotte), Prinzessin von Preußen, geb. 13. Juli 1798, -j- 1. Nov. 1860. Michail Pawlowitsch, geb. 8. Febr. 1798, Großfürst von Rußland, t 9. Sept. 1849 (s. Tabelle 2). Konstantin Nikolajewitsch, geb. 21. Sept. 1827, f 25. Januar 1892. 11. Sept. 1848 Alexandra Josephowna, Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 8. Juli 1830. Nikolai Olga Kon- Vera Konstantin Dmitri Konstantino- stantinowna, Konstanti- Konstantino- Konstantino- witsch, geb. 3. Sept. uowua, witsch, witsch, geb. 14. Febr. 1851. geb. 16. Febr. geb.22.Aug. geb. 13. Juli 1850, 27. Okt. 1854 ‘ 1858, 1862, Großfürst 1807 (s. Tabelle 4). Großfürst Großfürst von Rußland. Georg I., von Rußland von Rußland. König (1er (s. Tabelle 6). 1 Hellenen, geb. 24. Dez. 1845. Nikolai Nikolajewitsch, geb. 8. August 1831, j- 25. April 1891. -v- Alexandra Petro wna, Herzogin von Oldenburg (s. Tabelle 4). Michail Nikolajewitsch, geb. 25. Okt. 1832. 28. August, 1857 Olga Fedorowna, Prinzessin von Baden (s. Tabelle 5). Nikolai Peter Nikolajewitsch, Nikolaj cwitsch, Großfürst Großfürst von Rußland, von Rußland, geb. 18. Nov. geb. 22. Januar 1850. 1864. Alexander 1IT. Alexandro witsch, geb. 10. März 1845, Kaiser von Rußland, j- 1. Nov. 1894. 9. Nov. 1806 Maria Fedorowna (Dagmar), Prinzessin van Dänemark, geb. 26. Nov. Wladimir Alex andre» witsch, geb. 22. April 1847, Großfürst von Rußland. - 28. August 1874 Maria Pawlowna. Herzogin von Mecklenburg, geb. 14. Mai 1854 (s. Tabelle 6). I Kinder. Alexei Alexandro witsch, geb. 14. Januar 1850. Großfürst von Rußland. Maria . Alexandrowna, geb. 17. Okt. 1853. 23. Januar 1874 Alfred, Herzog von Edinburgh und von Sachsen-Coburg und Gotha, f 30. Juli 1900. Paul Alexandrovvit.se.il, geb. 3. Okt. 1860. Großfürst von Rußland. ~ 17. Juni 1889 Alexandra, Prinzessin von Griechenland, geb. 18. August 1870, f 24. Sej»t. 1891. Kinder. Konstantin, Georg, geb. 2. Aug. geb. 1868 ‘ 24. Juni (s. Tabelle 0). 1869. Nikolaus, Maria, geb. 21. Januar geb. 3. März 1872. 1876. 29. August 13. Mai 1902 1900 Helene Georg Michai- Wladimirowna, lowitsch, Großfürstin Großfürst von Rußland, von Rußland, geb. 29. Januar geb. 23. Aug. 1882. 1863. I Kinder. Andreas, Christoph, geb. 1. Febr. geb. 1882. 10. Aug. 7. Okt. 1888. 1903 Alice, Prinzessin von Battenberg, geb. 25. Febr. 1885. 7. August 1889 Militza, Prinzessin von Montenegro, geb. 26. Juli 1806. I Kinder. 1847. Maria, geb. 29. Okt. 1875. 10. Januar 1893 Ferdinand, Prinz von Rumänien, geb. 24. August 1865. Victoria Melita, geb. 25. Nov. 1876. — 9. Okt. 1905 Kyrill Wladimirowitsck, Großfürst von Rußland, geb. 12. Okt. 1876. Alexandra, Beatrix, geb. 1. Sept. geb. 20. April 1878 1884. (s. Tabelle 4). Kinder. Nikolai II. Alexandrovvitseh, geb. 18. Mai 1808. Kaiser von Rußland. ■ 26. Nov. 1894 Alexandra Fedorowna (Alix), Prinzessin von Hessen und bei Rhein (s. Tabelle 0), geb. 6. .Juni 1872. 4 Töchter. Alexis Nikolajewitsch, Großfürst-Thronfolger, Zarewitsch, _ geb. 12. August 1904. Xenia Alexandrowna, geb. 6. April 1875. 6. August 1894 Alexander Michailowitsch, Großfürst von Rußland, geb. 13. April 1866 (s. Tabelle 5). Michail Alexandrowitsch, geb. 5. Dez. 1878, Großfürst von Rußland. Olga Alexandrowna, geb. 13. Juni 1882. ■ 9. August 1901 Peter Alexandrowitsch, Herzog von Oldenburg, geb. 21. Nov. 1868. * Alle Daten nach neuem Stil.