105
lung seines Kammerherrn (gentilhomme de la cliambre)gekommen; als er seiner Tante Amalie kondolierte,sagte sie ihm: „Ihr habt allen Grund, diesen Fürstenzu beklagen, er hatte viel Zuneigung zu Euch undwar entschlossen, Euch zu den höchsten Würden imStaate zu erheben.“
Mazarin gab Servien den Auftrag, Wilhelm rechtoft klar zu machen, daß er nur von Frankreich zufürchten oder zu hoffen habe; helfe ihm Frankreich, sowerde niemand es wagen, ihn anzugreifen, er aber werdein den Vereinigten Provinzen über alles verfügen, ohneirgend einem Hindernisse zu begegnen; ja, Serviensollte dem ehrgeizigen Jünglinge gelegentlich einfließenlassen, es könnten Konjunkturen ein treten, die ihn unterdem Schutze Ihrer Majestäten „zu einer ganz andernHöhe als der seiner Vorgänger“ erheben würden 1 ). Eswar für Frankreich ungewöhnlich viel wert, daß sichWilhelm schroff gegen Spanien stellte, und der Bot-schafter d’Estrades baute 2 ) auf sein Gelöbnis vom letztenJahre, „er werde, sobald er an der Macht sei, den seinemHause von Spanien angebotenen Vorteilen entsagen undKnuyt davonjagen.“ Mazarin war jedoch nicht so leichtbefriedigt; Wilhelm war ihm nicht durchgreifend genuggegen die Staaten von Holland, gegen seine Mutter undgegen Knuyt; er ging ihm zu langsam, „nur mit einemFuße“, während er doch, Frankreich im Rücken, etwaswagen durfte 3 ). Amalie hatte oft Konferenzen mitMännern der antioranischen Partei wie Bicker 4 ).
Servien traute dem Prinzen gar nicht, denn seine Räteblieben Knuyt und andre Feinde Frankreichs; entweder
’) Mazarin an Sennen, Paris, 5. April 1647. Groen.
2 ) Brief an Ungenannt, 18. April. Ebenda.
3 ) Mazarin au Servien, 19. und 26. April. Ebenda.
4 ) Servien an Brienne, 1. April. Ebenda.