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Buch der Lieder
Seite
166
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Tie Nordsee.

O Thor, du Thor, du prahlender Thor!

Du aber bist ohnmächtiger noch,

Und es wäre vernünftig, du ehrtest die Götter,

Und trügest geduldig die Last des Elends,

Und trügest geduldig so lange, so lange,

Bis Atlas selbst die'Geduld verliert,

Und die schwere Welt von den Schultern abwirft

In die ewige Nacht.

So scholl der Gesang der Okeaniden,Der schönen, mitleidigen Wasserfraun,Bis lautere Wogen ihn überrauschten

Hinter die Wolken zog sich der Mond,

Es gähnte die Nacht,

Und ich saß noch lange im Dunkeln und weinie.

6.

Die Götter Griechenlands.

Vollblühender Mond! In deinem Licht,

Wie fließendes Gold, erglänzt das Meer;Wie Tagesklarheit, doch dämmrig verzaubert,

Liegt's über der weiten Straudesfläche;

Und am hellblau'n, sternlosen HimmelSchweben die weißen Wolken,

Wie kolossale GötterbilderVon leuchtendem Marmor.

Nein, nimmermehr, das sind keine Wolken!

Das sind sie selber, die Götter von Hellas,

Die einst so freudig die Welt beherrschten,

Doch jetzt, verdrängt und verstorben.

Als ungeheure Gespenster dahinziehn »

Am mitternächtlichen Himmel.

Staunend und seltsam geblendet, betracht' ichDas luftige Pantheon,

Die feierlich stummen, grau'nhaft bewegtenRiesengestalten.