Krönung. Abenddämmerung.
Und webe draus ein Diadem
Für dein geweihtes Haupt,
Von der flatternd blauseidnen Himmelsdecke,
Worin die Nachtdiamanten blitzen,
Schneid' ich ein kostbar Stück,
Und häng' es dir als Krönnngsmantel
Um deine königliche Schulter,
Ich gebe dir einen Hosstaat
Von steifgeputzten Sonetten,
Stolzen Terzinen und höflichen Stanzen;
Als Läufer diene dir mein Witz,
Als Hofnarr meine Phantasie,
Als Herold, die lachende Thräne im Wappen,
Diene dir mein Humor,
Aber ich selber, Königin,
Ich kniee vor dir nieder,
Und huld'gend, auf rotem Sammetkissen,
Überreiche ich dir
Das bißchen Verstand,
Das mir aus Mitleid noch gelassen hat
Deine Vorgängerin im Reich.
2,
Alieilddinmnerung.
Am blassen MeeresstrandeSaß ich gedankenbekümmert und einsam.Die Sonne neigte sich tiefer und warfGlührote Streifen auf das Wasser,
Und die weißen, weiten Wellen,
Von der Flut gedrängt,
Schäumten und rauschten näher und näher —Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen —Mir war, als hört' ich verschollne Sagen,
Uralte, liebliche Märchen,
Die ich einst als Knabe