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Buch der Lieder
Seite
143
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Krönung. Abenddämmerung.

Und webe draus ein Diadem

Für dein geweihtes Haupt,

Von der flatternd blauseidnen Himmelsdecke,

Worin die Nachtdiamanten blitzen,

Schneid' ich ein kostbar Stück,

Und häng' es dir als Krönnngsmantel

Um deine königliche Schulter,

Ich gebe dir einen Hosstaat

Von steifgeputzten Sonetten,

Stolzen Terzinen und höflichen Stanzen;

Als Läufer diene dir mein Witz,

Als Hofnarr meine Phantasie,

Als Herold, die lachende Thräne im Wappen,

Diene dir mein Humor,

Aber ich selber, Königin,

Ich kniee vor dir nieder,

Und huld'gend, auf rotem Sammetkissen,

Überreiche ich dir

Das bißchen Verstand,

Das mir aus Mitleid noch gelassen hat

Deine Vorgängerin im Reich.

2,

Alieilddinmnerung.

Am blassen MeeresstrandeSaß ich gedankenbekümmert und einsam.Die Sonne neigte sich tiefer und warfGlührote Streifen auf das Wasser,

Und die weißen, weiten Wellen,

Von der Flut gedrängt,

Schäumten und rauschten näher und näherEin seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,Dazwischen ein wiegenliedheimliches SingenMir war, als hört' ich verschollne Sagen,

Uralte, liebliche Märchen,

Die ich einst als Knabe