Junge Leiden.
„Laß mich, laß mich! Don Ramiro!"Wimmert's immer im Gemoge.Don Ramiro stets erwidert:
„Sprachest ja, ich sollte kommen!"
„Nun, so geh, in Gottes Namen!"Clara rief's mit fester Stimme,
Und dies Wort war kaum gesprochen,Und verschwunden war Ramiro!
Clara starret, Tod im Antlitz,Kaltumflirret, nachtumwoben;Ohnmacht hat das lichte BildnisIn ihr dunkles Reich gezogen.
Endlich weicht der Nebelschlummer,Endlich schlägt sie auf die Wimper;
Aber Staunen will aufs neueIhre holden Augen schließen.
Denn derweil der Tanz begonnen,War sie nicht vom Sitz gewichen,
Und sie sitzt noch bei dem Bräut'gam,Und der Ritter sorgsam bittet:
„Sprich, was bleichet deine Wangen?Warum wird dein Aug' so dunkel? —"
„Und Ramiro? " stottert Clara,
Und Entsetzen lähmt die Zunge.
Doch mit tiefen, ernsten FaltenFurcht sich jetzt des Bräut'gams Stirne:„Herrin, forsch nicht blut'ge Kunde, —Heute mittag starb Ramiro".
10.
Beisitzer.
Die Mitternacht zog näher schon;In stiller Ruh' lag Babylon.
Nur oben in des Königs Schloß,Da flackert's, da lärmt des Königs Troß.