Romanzen.
„Don Ramiro! Don Ramiro!
Rüttle ab den dumpfen Trübsinn;
Mädchen gibt es viel auf Erden,
Aber uns hat Gott geschieden.
„Don Namiro, der du mutigSo viel Mohren überwunden,überwinde nun dich selber, —
Komm auf meine Hochzeit morgen."
„Donna Clara! Donna Clara!
Ja, ich schwör' es, ja, ich komme!
Will mit dir den Reihen tanzen; —
Gute Nacht, ich komme morgen."
„Gute Nacht!" — das Fenster klirrte.Seufzend stand Ramiro unten,
Stand noch lange wie versteinert;
Endlich schwand er fort im Dunkeln. —
Endlich auch, nach langem Ringen,Muß die Nacht dem Tage weichen;
Wie ein bunter BlumengartenLiegt Toledo ausgebreitet.
Prachtgebäude und PalästeSchimmern hell im Glanz der Sonne;Und der Kirchen hohe KuppelnLeuchten stattlich wie vergoldet.
Sunimend, wie ein Schwärm von BienenKlingt der Glocken Festgeläute,
Lieblich steigen BetgesängeAus den frommen Gotteshäusern.
Aber Korten, siehe! siehe!
Dorten aus der Marktkapelle,Im Gewimmel und Gewoge,
Strömt des Volkes bunte Menge.
Blanke Ritter, schmucke Frauen,Hofgesinde, festlich blinkend,
Unddie hellen Glocken läuten,
Und die Orgel rauscht dazwischen.
Heine. Buch der Lieder. g