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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Kmistbcrichte aus Paris.

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dem Gemälde des Delaroche zur Seite gestellt worden. Manchmal,wenn ich den Cromwell lauge betrachtet und mich ganz in ihn oer-senkt hatte, daß ich fast seine Gedanken horte, einsilbig barsche Worte,verdrießlich hervorgebrnmmt und gezischt im Charakter jener eng-lischen Mundart, die dem fernen Grollen deS Meeres und deinIchrillen der Sturmvögel gleicht: dann rief mich heimlich wieder zusich der stille Zauber des Nebengemäldes, und nur war, als horte ichlächelnden Wohllaut, als hörte ich Toskanas süße Sprache von römischenLippen erklingen, und meine Seele wurde besänftigt und erheitert.

Ach! wohl thnt es not, daß die liebe, unverwüstliche, melodischeGeschichte der Menschheit unsere Seele tröste in dem mißtönendenLärm der Weltgeschichte. Ich höre in diesem Augenblick da draußen,dröhnender, betäubender als jemals, diesen mißtönenden Lärm, diesessinnverwirrende Getöse; es zürnen die Trommeln, es klirren dieWaffen; ein empörtes Menschenmeer mit wahnsinnigen Schmerzenund Flüchen, wälzt sich durch die Gassen das Volk von Paris undheult: „Warschau ist gefallen! Unsere Avantgarde ist gefallen! Niedermit den Ministern! Krieg den Russen! Tod den Preußen!" — Eswird mir schwer, ruhig am Schreibtische sitzen zu bleiben und meinenarmen Kunstbericht, meine friedliche Gemäldebcnrtcilung, zu Endezu schreiben. Und dennoch, gehe ich hinab auf die Straße und manerkennt mich als Preußen, so wird mir von irgend einem Juliheldcndas Gehirn eingedrückt, so daß alle meine Kunstideen zerquetschtwerden; oder ich bekomme einen Bajonettstich in die linke Seite, wojetzt das Herz schon von selber blutet, und vielleicht obendrein werdeich in die Wache gesetzt als fremder Unruhstörer.

Bei solchem Lärm verwirren und verschieben sich alle Gedankenund Bilder. Die Freiheitsgöttin von Delacroix tritt mir mit ganzverändertem Gesichte entgegen, fast mit Angst in dem wilden Auge.Mirakulöse verändert sich das Bild des Papstes von Vernct; deralte schwächliche Statthalter Christi sieht auf einmal so jung undgesund aus und erhebt sich lächelnd auf seinem Sessel, und es ist,als ob seine starken Träger das Maul aufsperrten zu einem Roäcnnn lauclamns. Der junge englische Prinz sinkt zu Boden, undsterbend sieht er mich an mit den wohlbekannten Frenndesblickcn,mit jener schmerzlichen Innigkeit, die den Polen eigen ist. Auch dertote Karl bekommt ein ganz anderes Gesicht und verwandelt sichplötzlich, und wenn ich genauer hinschaue, so liegt kein König, sonderndas ermordete Polen in dem schwarzen Sarge, und davor steht nichtmehr Cromwell, sondern der Zar von Rußland, eine adlige, reicheGestalt, ganz so herrlich, wie ich ihn vor einigen Jahren zu Berlingesehen, als er neben dem König von Preußen auf dein Ballonestand und diesem die Hand küßte. Dreißigtauseud schaulustige Berlinerjauchzten Hurra! und ich dachte in meinem Herzen: Gott sei uns

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