116 Französische Zustände. II.
jene armen Leute in Kittel und Lumpen sich auszeichneten. Ja,ihre Ehrlichkeit war uneigennützig und dadurch verschieden von jenerkrämerhaften Berechnung, wonach durch ausdauernde Ehrlichkeit mehrKunden und Gewinn entsteht, als durch die Befriedigung diebischerGelüste, die uns am Ende doch nicht weit fördern — ehrlich währtam längsten. Die Reichen waren nicht wenig darüber erstaunt, daßdie armen Hungerleider, die während drei Tagen in Paris herrschten,sich doch nie an fremdem Eigentum vergriffen. Die Reichen zitiertenfür ihre Geldkastcn und machten große Augen, als nirgends gestohlenwurde. Die Strenge, womit das Volk gegen etwelche Diebe Versuhr,die man ans der That ertappte, war manchen sogar nicht ganz recht,und es ward gewissen Leuten beinahe unheimlich zu Mute, als sievernahmen, daß man Diebe auf der Stelle erschieße. Unter einemsolchen Regimentc, dachten sie, ist man am Ende doch seines Lebensnicht sicher. Zerstört ward vieles von der Volkswut, zumal imPalais royal und in den Tuilcrien, geplündert ward nirgends. NurWaffen nahm mau, wo mau sie fand, und in jenen königlichenPalästen ward auch dem Volk erlaubt, die vorgefundenen Lebensmittel sich zuzueignen. Ein Junge von fünfzehn Jahren, der inunserem Hause wohnte und sich mitgcschlagcn, brachte seiner krankenGroßmutter einen Topf Confitürcn mit, die er in den Tuilerieneroberte. Der kleine Held hatte nichts davon genascht und brachteden Topf unerbrochcn nach Haus. Wie freute er sich, daß die alteFrau die Confitürcn Ludwig Philipps, wie er sie nannte, so äußerstwohlschmeckend fand! Armer Ludwig Philipp! In so hohem Alterwieder zum Wanderstab greifen! Und in das nebelkalte England,wo die Confitürcn deS Exils doppelt bitter schmecke»!
Hunstberichie nuS Karis.
^rangösischo 2Naler.
Gemäldeausstellungen in Paris.Grmültzrunsstrlluug von l>ü!l.
sGeschrlebc» im September und Ottebcr UiNl.1
Der Salon ist jetzt geschlossen, nachdem die Gemälde desselbenseil Anfang Mai ausgestellt worden. Mau hat sie im allgemeine»nur mit flüchtigen Augen betrachtet; die Gemüter waren anderwärts