72
unzeitgemäßer Tendenzen, ja förmliche Einfältigkciten in kirchlichen Un-ternehmungen angedichtet. Z. B. habe man ihm nachgesagt, daß er einestrenge SonntagSfeier durch äußere Gesetze zu gebieten vorhabe. Essei gewiß etwas sehr Schönes und Wichtiges um eine strenge Sonn-tagöheiligung, Er sei aber weit davon entfernt, solche auf dem Wegeäußerer Gesetzgebung erzielen zu wollen, sie müsse aus der kirchlichenSitte und insbesondere durch das Wirken der Geistlichen hervorkommen.Er wisse wohl, daß noch vieles in der Kirche zu thun übrig sei, aberer sei nicht gesonnen ihr durch Gesetz und Gewalt etwas aufdringenzu »vollen. Er sei vielmehr der Ansicht, daß die Kirche das Rechte undWahre, überall »vo es ihr noch fehle, aus sich selbst, durch den Geist derin ihr »vallte, heraus bilden müsse und »volle ihr dieses gern überlassen. —
Der Oberlehrer Witt, Redactcur der Königsbcrger Zeitung ward au-ßer Aintsthätigkcit gesetzt. Durch ein Ministeriell-Rescript ward ihmdie Alternative gestellt, entweder die Redaktion oder seine Oberlehrerstclleniederzulegen. Da er durch vollkommen günstige Zeugnisse seiner Vor-gesetzten nachgewiesen hatte, daß diese Privat-Nebenbeschäftigung aufseine amtliche Thätigkcit und Wirksamkeit nicht im Geringsten nachthei-lig einwirke, so erklärte er sich dahin, daß er dieses Privat-Verhältnißzur Königsberger Zeitung nicht aufgeben »volle. Div Stadtverordne-ten-Versammlung beschloß deshalb sich beim Könige zu verwenden undbis zur Entscheidung der Sache dem Oberlehrer Witt sein bisherigesGehalt ungeschmälert zu belassen.
Eine Kabinetsordre voin vierten Oktober kL42 bestimmt, daß in»Königreiche Preußen Bücher über zwanzig Bogen die, den Bundesbe-