Druckschrift 
2/3 (1843)
Entstehung
Seite
55
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SS

„Meine Herren! sagte der König ein alter Spruch sagt, wo der„Reichthum, der Glanz einer Stadt zunimmt, vermindere sich die Herz-lichkeit. Sie haben Mir einen eclatanten Beweis des Gegentheils ge-geben. Im Jahre 1814, als Ich halb incognito hier ankam, bin ich„auf das Freundlichste aufgenommen worden. Seitdem bin Ich oftmals„hier gewesen, aber immer größer war die Stadt, ihr Reichthum, ihr„Glanz geworden, und immer freundlicher, immer herzlicher wurde der„Empfang. Die Stadt, deren Treue, deren Gesinnung sich so bewährt„hat, ist eines der edelsten Juwele, Unserer Krone, und Ich bitte Sie„daher, mit Mir für ihr immer steigendes Wohl zu trinken. Sie lebe„hoch! Aachen lebe hoch!"

Als eine Deputation der Stadt dem Könige eine Adresse uberreichte,in welcher die Aachener Bürgerschaft bat, der Stadt eine aus eigeneWahl ihres Vorstandes und ihrer Vertreter, auf Befreiung von der Be-vormundung der Regierung und aus Oeffentlichkeit der Verhandlungengegründete Kommunal-Verfassung zu bewilligen, erwiderte der König:das ist schön, das freut mich unendlich. Es ist schon längst mein Wunschgewesen, den rheinischen Gemeinden eine größere Selbstständigkeit zugeben.

Bei dem Bürgcrfeste, welches am elften September die Kölner zu Eh-ren ihres Königs gaben erschienen die sogenannten Heiligen-Mädchen undKnechte mit Fähndrich und Führer in ihrer eigcnthümlichen Tracht und führ-ten an den Stufen des Pavillons den altvaterstädtischen Tanz aus, bei des-sen Schlüsse des Königs Majestät den allerhöchsten Beifall durch einlautes „Bravo!" auszudrücken geruhte. Alsdann nahten kölnische Win-zer und Winzerinnen überbrachten eine mit Reben geschmückte Kelternebst mehren Körben frischer Trauben und bereiteten, während das Lied