Druckschrift 
2/3 (1843)
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

53

Oesterreich ward bei der Parade bei Erp am zwölften September vomKönige zum Chef des sechszehnten Infanterie- Regiments ernannt. Eswar ein wahrhaft schöner Anblick zu sehen, wie diese Nachricht die freu-digste Stimmung und den höchsten Enthusiasmus unter Offizieren undSoldaten des Regiments erregte, welche fühlten, welche hohe Ehre ihnendurch die Ernennung eines als Krieger und Mensch gleich ausgezeich-neten Fürsten zum Chef des Regiments zu Theil wurde. Ein freudi-ges Gefühl der innigen Vereinigung Deutschlands mußte bei den Zu-schauern erweckt werden, als sie den erhabenen Fürsten in der österrei-chischen Uniform an der Spitze eines preußischen Regiments diese an demKönige vorüberführen sahen, der den Erzherzog mit dem innigsten Ge-fühle Angesichts der Truppen umarmte.

Fast alle Blätter theilten folgenden Trinkspruch von ihm mit, dener auf dem schönen zwei Meilen von Köln gelegenen Schlosse zu Brühl,wo der König sein Hauptquartier genommen, ausgebracht haben sollte:

„Kein Preußen und kein Oesterreich! Ein einiges, großes Deutsch-land, fest wie seine Berge! Deutschland lebe hoch!"

Er lautete jedoch, wie hier folgt:

„Der Kaiser, mein Herr, hat mich hierher gesandt in dieses Lager.„Daß Eure königliche Majestät mir ein Regiment zu verleihen geruht,„ist mir eine große Freude gewesen, denn ich bin dadurch Mitglied ei-„neö Heeres geworden, welches in den Zeiten der Roth unerschütterlich„dagestanden und Großes geleistet hat. Vereint haben wir damals den„großen Freiheitskampf siegreich bestanden. So lange Preußen und„Oesterreich, so lange das ganze übrige Deutschland, so weit die deut-sche Zunge reicht, einig sind, werden wir unerschütterlich dastehen wie„die Felsen unserer Berge. — Gott erhalte Eure Majestät!"

Mögen hier noch zwei andere Trinksprüche einen Platz finden, die