Druckschrift 
Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

unförmlichen Masse von Gebäuden verschiedener Zeiten undverschiedenen Geschmacks ein Ganzes zu schaffen, welchesmit Recht als eins der schönsten Schlösser in Europa be-trachtet wurde, und mit noch größcrm Rechte diesen Vorzugbehauptet haben würde, wenn Schlüter nicht den vorhergebilligten Plan zu diesem Bau mehrmals ganzlich hatteabändern müssen, aber besonders wenn es nicht seinemNebenbuhler, dem Obersien Eosandcr von Göthe, gelungenwäre, das Werk mitten in seiner EntWickelung zu siörcw,und andere Pläne an die Stelle zu setzen, welche schondeswegen fehlerhaft waren, weil sie die Harmonie desCchlüterschcn Baues störten. Zuerst hat Schlüter die ganzenach dem Lustgarten hin gelegene Seite, bis zu dem näheran der Brücke vorspringenden Thcilc, fast durchgängig neuerbauet; ferner ist von demselben die gcsammte Fronte amSchloßplätze: deren letzter der Stcchbahn nahe stehenderTheil ward zwar erst im I. 1715 von dem HofbanmcistcrBöhme aufgeführt, dieser hat dabei jedoch im WesentlichenSchlüters Angaben beibehalten. Endlich aber gehörte die-sem Meister die Anlage des gestimmten an der Wendel-treppe gelegenen inneren Schloßhofes, mit seinen überein-ander stehenden Säulen- und Bogengängen.

Als Friedrich 1. von der Krönung zu Königsberg imI. 1791 zurückkam, fand er den Rittersaal fertig; ober-halb der vier Thüren hatte Schlüter die vier Erdthcilc miteigener Hand sehr schön in Stuck ausgeführt; die vierJahreszeiten in den vier Ecken sind nach des Meisters An-gabc von Sapovius gearbeitet. Er hat die an den Rittersaalstoßenden Prachtzimmer eingerichtet, und auch diese sindmit Reliefs und andern werthvollcn Bildwerken des großenMeisters geziert; namentlich enthält der große Saal derGemälde-Gallcric zwei Reliefs, die zu Schlüters bestenArbeiten gezählt werden. Das erste stellt Friedrich I. aufdem Throne dar; ihm nahe sieht die Wahrheit, die ihmVerordnungen dictirt. Zu seiner Rechten ist der Uebcrfiuß,der die schönen Künste belohnt, zur Linken die gesetzgebende