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Berlin oder Geschichte des Ursprungs, der allmähligen Entwickelung und des jetzigen Zustandes dieser Hauptstadt : in Hinsicht auf Oertlichkeit, Verfassung, wissenschaftliche Kultur, Kunst und Gewerbe
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von Stüters Frau erhitzt, zog mit Flinten und allerleiWaffen versehen, durch die Stadt, riß in mehreren Gegen-den das Straßcnpflastcr auf, warf mit Steinen nach derWohnung der beiden Hofprcdiger Füffcl und Finck, undstellte sich endlich vor des Kaplaus Thüre, um das Hauszu schützen. Als der Statthalter sich mit acht Mann zuPferde und einigen zu Fuß, meist Trabanten und Lakaien,auf den Petrikirchhof begab, um das Volk durch feine Ge-genwart zu schrecken und zu verjagen, oder die Ruhestörermit freundlichen Worten zu besänftigen; so ging zufalligeinem feiner Begleiter das Pistol los; sogleich gcrieth allesin Bewegung, und es kam zu Thatlichkeiten; die tobendeMenge erbrach die Thüre der Domkirche, und zog dieSturmglocke, wahrend andere die Trommeln vom Rath-hause holten. Der Statthalter wurde am Schenkel voneinem Steine heftig getroffen, und das Haus des Hofprc-digers Füssel geplündert. Am folgenden Tage war iudcßder Aufruhr gestillt, und so strafbar auch dieses Betragender Berliner war, so ließ es doch der Kurfürst ungeahndetund verwies nur des Landes den in Wittenberg sich auf-haltenden Prediger Stüter. Schon früher waren zwei derheftigsten Feinde der kalvinischcn Lehre, der DomprobstSimon Gcdicke und der Archidiaconus Willich an der Pe-trikirche entfernt worden. Die äußere Ruhe war hergestellt,aber der innere Friede der Gemüthcr fehlte, und nur diegroße Mäßigung des Kurfürsten in allen kirchlichen Ange-legenheiten hielt neue Ausbrüche zurück i).

Es scheint, Johann Sigismund habe in dieser Zeitzuerst daran gedacht, in Berlin theatralische Vorstellungeneinzurichten, um den Einwohnern damit eine Zeitvcrkürzungzu schaffen, welche ihre Aufmerksamkeit von ernsteren Ge-genständen abwendete, und bloß eine leidende Hingebungforderte, ohne thätige Mitwirkung, wie bei Turnieren und

1) Wilkcn, 1820. S. 12Lg.