109
Feierlichkeit und ausgesuchter Härte, nachdem die Unglück-lichen durch die vornehmsten Straßen der beiden StädteBerlin und Köln geführt und mit glühenden Zangen zer-rissen waren i). ,,Es hat aber zuvor, sagt Engel 2), derScharsrichter mit seinen Helfern, deren aus eigener Bcwcg-uiß unaufgefordert viel dazu kommen, einen wunderlichenBau zu ihrer Straff hinter dem Rabenstein zugerichtet, der-gestalt und also: Paul Frohm hat er allein an eine Säulemit Halscisen und Banden angebunden, und die Säulemit guten: Holz, Reiß (Reisern) und Pech umleget, denJuden aber hat er ein hoch Tabernackel, dreier Mannhoch, als starke Rösten über einander gebauct, und derenjegliche mit vielem Holze, Stroh und Pech beleget, undauf jede Rösten in die Länge und Breite starke Bäume ge-zogen, daran er die Juden, ein Thcil auf die unterste, dieandere auf die mittelste, und also fördcr die übrigen aufdie dritte Rösten, alle bei den Hälsen mit eisernen Bandenauf und angeschmiedet, also daß einer hat in die Höhe undder andre vor sich nieder sehen müssen." Von drei derangeschuldigten Juden, welche sich während des Prozesseszum Christcuthum bekehrten, erhielt nur einer, mit NamenMoses, welcher Petrus in der Taufe genannt wurde, Gnadewegen seiner Kenntnisse in der Augenarzncikunde, und lebtehernach noch lauge in der Mark und war vielen Krankennützlich; die beiden andern gewannen nur die Umwandlungder Strafe des Scheiterhaufens in die Strafe der Enthaup-tung. Ucbcrhaupt aber sollen bei diesem Prozesse so vielevon den Juden in der Mark verübte Gräucl entdeckt wor-den sein, daß der Kurfürst damals alle Juden aus seinenStaate» vertrieb.
2) Wilken, 1820. S. Ri.
2) S. 276. Aus einem weitlauftigen Berichte, betitelt: Historie:von der Juden erschrecklichen Uebelkhat, die sie in der Meirk Branden-burg an einer eonsecrirten Hostien und an etlichen Christcnkinder» be-gangen , auch waS sie darüber leiden müssen.