Nur supcriore Geister, wie Alexander von Humboldt,Sein fast täglicher Tischgenosse, sprengten diese Fesseln, undwenn dieser aus dem Reichthum seines Wissens, das überallleicht Uebcrgangs- und Anknüpfungspunkte fand, reich mit-thcilte und ebenso gehaltvoll, als angenehm erzählte, so er-heiterte dicß den König und Er nahm, namentlich wenn vonihrer gemeinschaftlichen Anwesenheit in Italien die Redewar, lebhaften Antheil. Nur das allem noch Unreifen an-klebende Verschönern des Trivialen in vielen geschmücktenWorten war Ihm zuwider, weil Er in allem Geschwätz gleichdas Unwahre herausfühlte. In der Würdigung der Sachenund Menschen galt Ihm Wahrhaftigkeit über Alles undwer Ihm einmal absichtlich eine Unwahrheit, oder die Wahr-heit nur halb gesagt hatte, hatte Sein Vertrauen verloren.
Wahrheit war in Allem Sein Ziel und Zweck und red-liche Wahrhaftigkeit das einzige Mittel, Ihm zu gefallen.Man kemnte nicht vor Ihm stehen und in Sein ernstes ruhigesAuge schauen, ohne dicß zu fühlen. Deßhalb bekannten auch,namentlich Fremde, die bei Ihnv eine Audienz gehabt: „Wirhaben, als Er uns anredete und fest ansah, Alles vergessen,worauf wir uns vorbereitet hatten, und nur mit wenigeneinfachen Worten aussprechen können, was wir wollten."Wahrheit in Allem ist das höchste Kleinod, und Wahrhaftig-keit jedes Menschen bester Vorzug; trägt er diesen in sich,dann fallen alle bunten Bettellappen der Verstellung undHeuchelei von ihm ab und er giebt sich hin, wie er ist.Einen Nathanacl, in dein kein Falsch, drückt man gern an'sHerz; ist aber ein König ein Solcher, der es mit sich strenge,ernst, und mit allen seinen Unterthanen redlich, ausrichtigund wahr meint: dann bekommt das Volk Vertrauen, dann