5.3
mentiren. Darum ist Seine Regierung so reich an interi-mistischen Maßregeln, die unsere rasche, bewegte Zeit oft ge-tadelt, in welchen aber der Unterrichtete richtiger Mäßigungund Borsicht erkannt hat. Genial, heroisch, durchgreifend,im Geiste eines Kaisers Napoleon, ist das freilich nicht; aberein ganz Anderer war auch Friedrich Wilhelm III-, und, wieSein großer Ahnherr, Friedrich !!., den verwickelten Knotengewaltsam zu zerhauen, war Seine Sache nicht, weil Ereinsah und fühlte, daß dieß nicht möglich sei, ohne damitzugleich auch die Rechte Anderer zu kränken und unschuldigLeidende zu verwunden.
Es ist nicht zu läugnen, Seine große Bescheidenheitund Anspruchlosigkcit machte Ihn, namentlich bis nach demJahre 1815, oft mißtrauisch gegen sich Selbst, und Seinestets rege Gewissenhaftigkeit in schwierigen Collisionssä'llcnnicht selten sogar peinlich und ängstlich. Denn in der. Ge-wissenhaftigkeit, stets der Pflicht und des höchsten Allwissen-den Richters sich bewußt, hatte der Charakter des Königsseine tiefen Wurzeln und Kräfte.
„Ist aber Charakter," (sagt ein geistreicher Schrift-steller), 5) die Summe derjenigen Eigcnthümlichkcitcn, diemit dem ganzen Innern eines Individuums aufs Engsteverwachsen, alt sein Thun und Lassen begleitend und be-dingend bewirken, so daß er darin eben der ist, welcher erist, und wodurch er sich von allen anderen Menschen untcr-
*) W. A. Passow, in der Reccnsion der Schrift: Riemer, überGöthc, in de» Blättern für litterarischc Unterhaltung 1841,Nummer 27l>, Seite 1118.