41
Königsbergcr Philosophen Kant gehört, auch Manches vonihm, namentlich die skeptische Schrist, „über den Streit derFaculteiten," gelesen, wobei Ihn die vcntilirte Frage, ob diePhilosophie eine Magd der Theologie, oder umgekehrt es sei?und wo, wenn jene es wäre, sie doch dieser die Leuchte vor-tragen müsse, sehr amüsirte. Seit der Zeit, wo Er Kantin Königsberg persönlich kennen gelernt, nannte Er ihn ei-nen starken Geist in einem kleinen, schwachen Körper, und Ergewann den stiefen Denker besonders lieb aus der Biogra-phic, die der Ihm persönlich bekannte, vor allen andernGeistlichen sehr wcrthc Borowsky »), der nachherige Erz-bischof, über ihn herausgegeben hat. Darum interessirte esIhn, mit dem ferneren Gange der Kantsschen Philosophiebekannt zu bleiben.
Den Professor Fichte, wiewohl des Atheismus ange-klagt und von Jena verdrängt, zu der Zeit noch ein Schü-ler und Nachfolger Kant's, berief Er nach Berlin. Derdamalige Geheime Cabinetsrath Beymc, ein Heller, klarerKopf, ein lebendiger, alles Wissenschaftliche mit großerWärme umfassender Mann, gab dieser Neigung des Königsimmer frische Nahrung. Merkwürdig und vielleicht einzigin ihrer Art sind viele über damalige philosophische Zeit-idcen bei Gelegenheit eingesandter neuer Schriften erlassenenCabinctsantworten, in welchen mit Beseitigung des her-kömmlichen Curialstyls in den vorliegenden Gegenstand, so-
*) Nachher wird noch besonders umständlich von ihm die Rede sein.
Die von Fichte anonym herausgegebene Schrift: „Kritik allerOffenbarungen" schrieb man Anfangs allgemein Kant, als ihremVerfasser, zu, bis dieser sich öffentlich dagegen erklärte.