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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
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Knnstberichte ans Paris. I3l

schwätze solcher verschnittenen Kennerschaft wird mir nachgerade un-erträglich, besonders die herkömmlichen Redensarten nnd der wohl-gemcinte gute Rat für junge Künstler, nnd gar das leidige Ver-weisen ans die Natnr und wieder die liebe Natur.

In der Kunst bin ich Supernaturalist. Ich glaube, daß derKünstler nicht alle seine Typen in der Natnr auffinden kann, sonderndaß ihm die bedeutendsten Typen, als eingeborene Symbolik ein-geborener Ideen, gleichsam in der Seele gevffenbart werden. Einneuerer Ästhetiker, welcheritalienische Forschungen" geschrieben, hatdas alle Prinzip von der Nachahmung der Natnr wieder mundgerechtzu mache» gesucht, indem er behauptete' der bildende Künstler müssealle seine Typen in der Natnr finden. Dieser Ästhetiker hat, indemer solchen obersten Grundsatz für die bildenden Künste aufstellte, aneine der ursprünglichsten dieser Künste gar nicht gedacht, nämlichan die Architektur, deren Typen man jetzt in Waldlauben und Felsen-grotten nachträglich hineingefabelt, die man aber gewiß nicht zuerstgefunden hat. Sie lagen nicht in der äußeren Natnr, sondern inder menschlichen Seele.

Dem Kritiker, der im Decampsschen Bilde die Natur vermißt,und die Art, wie das Pferd des Hadji-Bei die Füße wirft nnd wieseine Leute laufen, als unnatnrgemäß tadelt, dem kann der Künstlergetrost antworten: daß er ganz mttrchcntren gemalt nnd ganz nachinnerer Traumanschannng. In der That, wenn dunkle Figuren anshellen Grund gemalt werden, erhalten sie schon dadurch einenvisionären Ausdruck, sie scheinen vom Boden abgelöst zu sein, undverlangen daher vielleicht etwas unmaterieller, etwas fabelhaft luftigerbehandelt zu werden. Die Mischung des Tierischen mit dem Mensch-lichen in den Figuren auf dem Decampsschen Bilde ist noch außer-dem ein Motiv zu nugewöhnlicher Darstellung; in solcher Mischungselbst liegt jeuer uralte Humor, den schon die Griechen nnd Römerin unzähligen Mißgebilden auszusprechen wußten, wie wir mit Er-götzen sehen auf den Wänden von Herkulannm nnd bei den Statuender Satyrn, Ccntanren n. s. w. Gegen den Norwurf der Karikaturschützt aber den Künstler der Einklang seines Werkes, jene deliciöseFarbeumnsik, die zwar komisch, aber doch harmonisch klingt, derZauber seines Kolorits. Karikatnrmaler sind selten gute Kvlvristen,eben jener Gemütszerrissenheit wegen, die ihre Vorliebe zur Karikaturbedingt. Tie Meisterschaft des .Kolorits entspringt ganz eigentlichans dem Gemiile des Malers, nnd ist abhängig von der Einfachheitseiner Gefühle. Auf HvgarthS Originalgcmälden in der National-galerie zu London sah ich nichts als bunte Kleckse, die gegeneinanderlosschriecn, eine Emente von grellen Farben.

Ich habe vergessen zu erwähnen, daß auf dem DecampsschenBilde auch einige junge Frauenzimmer, unverschleierte Griechinnen,

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