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Die Februarrevolution.
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Die Februarrevolution.
Paris, den Z. März 1S4S,Ich habe Ihnen über die Ereignisse der drei großen Febrnar-tage noch nicht schreiben können, denn der Kopf war mir ganz be-täubt, Beständig Getroinmel. Schießen nnd Marseillaise. Letztere,da? unaufhörliche Lied, sprengte mir fast das Gehirn, nnd ach! dasstaatsgcfährlichstc Gedankcngesindcl, das ich dort seit Jahren ein-gekcrkcrt hielt, brach wieder hervor. Ilm den Aufruhr, der in meinemGeniütc entstand, einigermaßen zu dämpfen, summte ich zuweilenvor mich hin irgend eine heimatlich fromme Melodie, z. B. „Heildir im Sicgerkranz" oder „llb du nur Treu' und Redlichkeit" —vergebens! der welsche Tcnfelsgesang überdröhntc in mir alle bessereuLaute. Ich fürchte, die dämonischen Frcvcltönc werden in Bäldeauch euch zu Ohren kommen und ihr werdet ebenfalls ihre verlockendeMacht erfahren. So ungefähr muß das Lied geklungen haben, dasder Rattenfänger von Hameln pfiff. Wiederholt sich der große Autor?Geht ihm die Schöpfnngskraft aus? Hat er das Drama, das er unsvorigen Februar zum besten gab, nicht schon vor achtzehn Jahrenebenfalls zu Paris aufführen lassen unter dem Titel: „die JulinS-revolntion"? Aber ein gutes Stück kann man zweimal sehen. Jedenfalls ist es verbessert und vermehrt, und zumal der Schluß ist neuund ward mit rauschendem Beifall aufgenommen. Ich hatte einenguten Platz, um der Vorstellung beizuwohnen, ich hatte gleichsameinen Sperrsitz, da die Straße, wo ich mich befand, von beiden Seitendurch Barrikaden gesperrt wurde. Nur mit knapper Not konnteman mich wieder nach meiner Behausung bringen. Gelegenheit hatteich hier vollauf, daS Talent zu bewundern, das die Franzosen beidem Bau ihrer Barrikaden beurkunden. Jene hohen Bollwerke undVerschanzungen, zu deren Anfertigung die deutsche Gründlichkeit ganzeTage bedürfte, sie werden hier in einigen Minuten improvisiert, siespringen wie durch Zauber ans dem Boden hervor, und man sollteglaube», die Erdgeister hätten dabei unsichtbar die Hand im Spiel.Die Franzosen sind das Volk der Geschwindigkeit. Die Heldenthatcn,die sie in jenen Febrnartagen verrichteten, erfüllen uns ebenfalls mitErstaunen, aber wir wollen uns doch nicht davon verblüffen lassen.Auch andere Leute haben Mut: der Mensch ist seiner Natur nacheine tapfere Bestie. Die Todesverachtung, womit die französischenOnvricrS gefachten haben, sollte uns eigentlich nur deshalb in Vcrwnndcrnng setzen, weil sie keineswegs ans einem religiösen Bewnßtseinentspringt nnd keinen Halt findet in dem schönen Glauben an einJenseits, wo man den Lohn dafür bekommt, daß man hier ans Erdenfürs Vaterland gestorben ist. Ebensogroß wie die Tapferkeit, ich- möchte auch sagen ebenso uneigennützig, war die Ehrlichkeit, wodurch
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