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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
Seite
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Aus den Pyrenäen. 103

Monate von dort entfernt, so kann eine einzige Wnlzermelodie oderder bloße Schatten eines Tänzcrinnenbeines in unserem Gemüte dassehnsüchtigste Heimweh nach Paris erwecken! Das geschieht aber nurden bemoosten Häuptern dieses siißcnBagnos, nicht den jungen Burschenunserer Landsmannschaft, die nach einem kurzen Semesteraufenthaltin Paris gar kläglich bejammern, daß es dort nicht so gemütlich stillsei, wie jenseits des Rheins, wo das Zellensystcm deS einsamen Nach-D denkcns eingeführt ist, daß man sich dort nicht ruhig sammeln könne,I wie etwa zu Magdeburg oder Spandau, daß das sittliche BewußtseinI sich dort verliere im Geräusch der Gennßwellen, die sich überstürzen,

> daß dicZerstrcnung dort zu groß seija, sie ist wirklich zu groß inParis,Z denn während wir nnS dort zerstreuen, zerstreut sich auch unser Geld!

Ach, daS Geld! ES weiß sich sogar hier in Barsges zu zer-U streuen, so langweilig auch dieses Hcilncst, Es übersteigt alle Begriffe,7 wie teuer der hiesige Aufenthalt; er kostet mehr als da? Doppelte,N was man in andern Badeorten der Pyrenäen ausgicbt. Und welcheH Habsucht bei diesen Gebirgsbewohnern, die man als eine Art Natur-ist linder, als die Reste einer Unschuldsrasse zu preisen pflegt! Sie hul-W digen dem Geld mit einer Inbrunst, die an Fanatismus grenzt, undU das ist ihr eigentlicher Nativnalkultus, Aber ist das Geld jetzt nicht

> der Gott der ganzen Welt, ein allmächtiger Gott, den selbst der ver-» stockteste Atheist keine drei Tage lang verleugnen könnte, denn ohne^ seine göttliche Hilfe würde ihm der Bäcker auch nicht die kleinsteI Semmel verabfolgen lassen.

Dieser Tage bei der großen Hitze kamen ganze Schwärme vonZ Engländern nach Baröges; rotgesunde bccfsteakgemästcte Gesichter,M die mit der bleichen Gemeinde der Badegäste schier beleidigend kon-trastierten. Der bedeutendste dieser Ankömmlinge ist ein enorm reiche?und leidlich bekanntes ParlamentSglicd von der toristischcn Clique.W Dieser Gentleman scheint die Franzosen nicht zu lieben, aber hingegen7 uns Deutsche mit der größten Zuneigung zu beehren. Er rühmteW besonders unsere Redlichkeit und Treue. Auch wolle er zu Paris,wo er den Winter zu verbringen gedenke, sich keine französischen Bc -W dienten, sondern nur deutsche anschaffen. Ich dankte ihm für dasW Zutrauen, das er uns schenke, und empfahl ihm einige Landsleutc!>-Ä von der historischen Schule.

Zu den hiesigen Badegästen rechnen wir auch, wie männiglichMbekannt ist, den Prinzen von Nemours, der einige Stunden von hier,I zu Luz, mit seiner Familie wohnt, aber täglich hierher fährt, ums sein Bad zu nehmen. Als er das erste Mal in dieser Absicht nachMBarogeS kam, sah er in einer offenen Kalesche, obgleich das mise-rabelste Nebellvetter an jenem Tage herrschte; ich schloß daraus, daßer sehr gesund sein müsse, und jedenfalls keinen Schnupfen scheue.Sein erster Besuch galt dem hiesigen Militärhvspital, wo er leutselig