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10 (1898) Französische Zustände : 2
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108
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108 Französische Zustande. II.

II.

VardgeS. den 7. August 1810.

Über die therapeutische Bedeutung der hiesigen Bader wage ichmich nicht mit Bestimmtheit auszusprechen. Es läßt sich vielleichtüberhaupt nichts Bestimmtes darüber sagen. Man kann das Wassereiner Quelle chemisch zersetzen und genau angeben, wieviel Schwefel,Salz oder Butter darin enthalten ist, aber niemand wird es wagen,selbst in bestimmten Fällen die Wirkung des Wassers für ein ganzprobates, untrügliches Heilmittel zu erklären; denn diese Wirkung istganz abhängig von der individuellen Leibesbcschaffenheit des Kranken,und das Bad, das bei gleichen KrankheitSshmptomen dem einen fruchtet,übt auf den andern nicht den mindesten, wo nicht gar den schädlichsten Einfluß. In der Weise wie z. B. der Magnetismus, cnthalten auch die Heilquellen eine Kraft, die hinlänglich konstatiert,aber keineswegs determiniert ist, deren Grenzen und auch geheimsteNatur den Forschern bis jetzt unbekannt geblieben, so daß der Arztdieselben nur versuchsweise, wo alle andern Mittel fehlschlagen, nwMedikament anzuwenden Pflegt. Wenn der Sohn Äskulaps gar nichtmehr weiß, was er mit dem Patienten anfangen soll, dann schickt eruns ins Bad mit einem langen Kousultativnszcttel, der nichts anderemist, als ein offener Empfehlungsbrief an den Zufall!

Die Lebensmittel sind hier sehr schlecht, aber desto teurer. Früh-stück und Mittagessen werden den Gästen in hohen Körben und vonziemlich klebrichten Mägden aufs Zimmer getragen, ganz wie inGöttingen. Hätten wir nur hier ebenfalls den jugendlich-akademische»Appetit, womit wir einst die gelehrt-trockensten Kalbsbraten GeorgiaAngustas zermalmten! Das Leben selbst ist hier so langweilig, wiean den blumigen Ufern der Leine. Doch kann ich nicht umhin zuerwähnen, daß wir zwei sehr hübsche Bälle genossen, wo die Tänzeralle ohne Krücken erschienen. Es fehlte dabei nicht an einigen Töchter»Albuins, die sich durch Schönheit und linkisches Wesen auszeichneten; Isie tanzten, als ritten sie auf Eseln. Unter den Französinnen glänzte Idie Tochter des berühmten Cellarius, die welche Ehre für das!kleine Barsges! hier eigcnfüßig die Polka tanzte. Auch mehrere kjunge Tanznixen der Pariser großen Oper, welche man Ratten nennt, iunter andern die silberfüßigc Mademviselle Lelhomme, wirbelten hier kihre Entrechats, und ich dachte bei diesem Anblick wieder lebhaft an lmein liebes Paris, wo ich es vor lauter Tanz und Musik am Ende«nicht mehr aushalten konnte, und wohin das Herz sich jetzt dennoch zwieder zurücksehnt. Wunderbar närrischer Zauber! Bor lauter Pläsirund Belustigung wird Paris zuletzt so ermüdend, so erdrückend, seiiibcrlttstig, alle Freuden sind dort mit so erschöpfender Anstrengung!verbunden, daß man jauchzend froh ist, wenn man dieser Galeere des sVergnügens einmal entspringen kann und kaum ist man einiger