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10 (1898) Französische Zustände : 2
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110 Französische Zustände. II.

wit den kranken Soldaten sprach, sich nach ihren Blessuren erknndigte, auch nach ihrer Dienstzeit u. s. w. Eine solche Deinonstration,obgleich sie nur ein altes Trompeterstnckchen ist, womit schon so vieleerlauchte Personen ihre Virtuosität beurkundet haben, verfehlt doch Inie ihre Wirkung, und als der Fürst bei der Badeanstalt anlangte, !wo das neugierige Publikum ihn erwartete, war er bereits ziemlich Ipopulär.*) Nichtsdestoweniger ist der Herzog von Nemours nicht so Ibeliebt wie sein verstorbener Bruder, dessen Eigenschaften sich mitmehr Offenheit kundgaben. Dieser herrliche Mensch, oder bessergesagt, dieses herrliche Menschengedicht, welches Ferdinand Orleans Ihieß, war gleichsam in einem populären, allgemein faßlichen Stil tgedichtet, während der Nemours in einer für die große Menge cminder leicht zugänglichen Kunstform sich zurückzieht. Beide Prinzenbildeten immer einen merkwürdigen Gegensatz in ihrer äußeren Erscheinung. Die des Orleans war nonchalant ritterlich; der andere ihat vielmehr etwas von seiner Patrizierart. Elfterer war ganz ein cjunger französischer Offizier, übersprudelnd von leichtsinnigster Bravonr, ganz die Sorte, die gegen Festnngsmauern und Franenherzen lmit gleicher Lust Sturm läuft. Es heißt, der Nemours sei ein guter iSoldat, vom kaltblütigsten Acute, aber nicht sehr kriegerisch.** ^

*) In der Augsburger Allgemeinen Zeitung findet sich hier folgende Ein !

schaltung:Da diesem designierten Regenten eine so große Zukunft bevorsteht 1

und seine Persönlichkeit ans das Schicksal von ganz Europa Einfluß haben kann, x

betrachtete ich ihn mit etwas geschärfter Aufmerksamkeit, und ich suchte in seiner I

äußeren Erscheinung die Signatur der inneren Gemütsart zu erspähen. Bei k

diesem etwas mißtrauischen Geschäfte entwaffnete mich zunächst die stille Grazie, x

welche jene schlankzierliche Jüuglingsgestalt gleichsam umflvß, und dann der schöne I

mitleidige Blick, womit das Auge auf den Leidensgestaltcn ruhte, die hier in k-

betrübsamer Meuge versammelt warcu. Dieser Blick hatte durchaus nichts ^

Offizielles, nichts Einstudiertes, es war ein reiner, wahrhafter Strahl aus einer fedlen, menschenfreundlichen Seele. Das Mitleid, das sich bier im Auge de-'-

Nemours verriet, hatte dabei etwas rührend Bescheidenes, wie denn überhaupt 1

die Bescheidenheit der ausfallend schönste Zug in seinem Charakter sein soll. Diese ^

Bescheidenheit fanden wir auch bei seinem Bruder, dem Herzog von Orleans, der k

auf dem Schlachtfelde des Lebens so bedauerlich früh gefallen. Der Herzog von tNemours ist nicht so beliebt?c." Der Heransgeber.

**) Statt des obigen Satzes findet sich in der Augsburger Allgemeinen Zeitung ^

folgende Stelle:Der Nemours sieht vielmehr ans wie ein Staatsmann, aber K

wie einer, der ein Gewissen hat und mit der Besonnenheit auch den edelsten K

Willen verbindet. Soll ich mich durch Beispiele verständlichen, so wähle ich die k

selben am liebsten im Gebiete der Dichtung, und es will mich bedüuteu, als habe k';Goethe die beiden Fürsten schon so halbwegs geschildert unter dem Namen Egmont

und Oranien. Personen, die ihm nahe stehen,., sagen mir, der Prinz von Nemours 5

besitze sehr viel' Kenntnisse und eine klare Übersicht alter heimischen und ans j

ländischen Zustände; eifrig sei er bemüht, sich bei jedem Sachverständigen zu k

unterrichten, er selbst aber zeige sich wenig mitteilend, und man wisse nicht, ob 1

aus Schlichtern hei t oder Verschlossenheit. Als hervorstechende Eigenschaft loben i

sie an ihm seine hohe Zuverlässigkeit; er verspreche selten, mit der größten Zurück- k

Haltung, aber man könne sich auf sein Wort verlassen wie auf einen Felsen. Er 1

sei ein guter Soldat, von dem kaltblütigsten Mute, aber nicht sehr kriegslustig. I

Er liebe seine Familie leidenschaftlich, und der kluge Vater habe wohl gewußt, l.