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10 (1898) Französische Zustände : 2
Entstehung
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Aus den Pyrenäen.

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Gemälde, der in seiner zerlumpten Majestät wie ein wahrer Bettel-könig aussieht und an seiner Brust, unter den Festen des Mantelsein "armes Schäfchen vvr dem Restenguß zu schützen sucht, die stumpf-sinnig trüben Wetterwolken mit ihren feuchten Grimassen, der zottig-häßliche Schäferhund alleS auf jenem Bilde so naturwahr, sopyrenäenlreu gemalt, so ganz ohne sentimentalen Anstrich und ohnesüßliche Veridealisierung, daß einem hier das Talent des Decampsfast erschreckend, in seiner naioesten Nacktheit offenbar wird.

Die Pyrenäen werden jetzt von vielen französischen Malern mitgroßem Glück ausgebeutet, besonders wegen der hiesigen pittoreskenVolkstrachten, und die Leistungen von Lclenx, die unser feintreffcndcrPfeilkvllcge immer so schon gewürdigt, verdienen das gespendete Lob;auch bei diesem Maler ist Wahrheit der Natur, aber ohne ihreBescheidenheit, sie tritt schier allznkeck hervor und sie artet aus inVirtuosität. Die Kleidung der Bergbewohner, der Bearnaisen, derjBasken und der Grcnzspanier, ist in der Thnt so eigentümlich undstafseleifähig, wie es ein junger Enthusiast von der Pmselgilde, derjdcn banalen Frack verabscheut, nur irgend verlangen kann; besonderspittoresk ist die Kopfbedeckung der Weiber, die scharlachrote, bis andie Hüften über den schwarzen Leibrvck herabhängende Kapuze. Einenüberaus köstlichen Anblick gewähren derartig kostümierte Zicgcn-birlinncn, wenn sie, ans hvchgcsattelten Maultieren sitzend, den alter-tümlichen Spinnstock unterm Arm, mit ihren gehörnten schwarzenZöglingen über die äußersten Spitzen der Berge einherreiten und derabenteuerliche Zug sich in den reinsten Konturen abzeichnet an demsonnig blauen HimmelSgrnnd.

DaS Gebäude, worin sich die Badeanstalt von Barsgcs befindet,bildet einen schauderhaften Kontrast mit den umgebenden Natnrschönheiten, und sein mürrisches Außere entspricht vollkommen den innerenRäumen: unheimlich finstere Zellen, gleich Grabgewölben, mit garzu schmalen steinernen Badewannen, einer Art provisorischer Särge,worin man alle Tage sich eine Stunde üben kann im Stillclicgenmit ausgestreckten Beine» und gekreuzten Armen, eine nützliche Vor-übung für Lebensnbilnricnten. DaS beklagenswerteste Gebrechen zuBarogeS ist der Wassermangel; die Heilgncllen strömen nämlich nichtin hinlänglicher Fülle. Eine traurige Abhilfe in dieser Beziehunggewähren die sogenannten Piscinen, ziemlich enge Wasserbehälter,worin sich ein Dutzend, auch wohl anderthalb Dutzend Menschen gleichzeitig baden in aufrechter Stellung. Hier giebt es Berührungen, dieselten angenehm sind, und bei dieser Gelegenheit begreift man in ihremganzen Tiefsinn die Worte des toleranten Ungars, der sich denSchnurrbart strich und zu seinem Kameraden sagte:Mir ist ganzgleich, was der Mensch ist, ob er Christ oder Jude, republikanischoder kaiserlich, Türke oder Preuße, wenn nur der Mensch gesund ist."