499
schonte Keinen, am Wenigsten die Vorgesetzten, und nannteJeden, auch den Höchsten, Er. Alte in Herr war er undAlles mußte gehorchen, und gehorchte gern, in der Über-zeugung, daß jede Anordnung, die seine Weisheit getroffen,die einzig rechte sei. Nach ihm, dem Einzigen, sah jedesAuge, und da er in seiner Allein- und Allhcrrschast stetsgerecht war, so war die tiefe Ehrfurcht vor ihm stets sicher,oft dreist. Er, seine ganze Persönlichkeit, war es, welchedie kleine Preußische Nation in dem weiten Rußland, Oestreichund Frankreich, wie in der ganzen Welt, groß und berühmtmachte, und erst von der Zeit an, wo Friedrich II. Kriegeführte und gewann, und im Frieden Gesetze, Wissenschaften,Künste und Gcwerke weckte und in frischer Lebenskraft för-derte, erhielt und behauptete in den Europäischen Staateneinen bedeutenden Rang das Preußische Königreich; durchihn wurde es intensiv stark. Diese Starke ist nationcll frei-lich geworden; aber sie ging aus von der Person des gro-ßen Königs und wurde von ihm gehalten. Mehr von ihmmitgetheilt, als naturgemäß aus dem Stamme des Volkeshervor- und eingewachsen, schritt namentlich die militärischeDisciplin mit der Zeit nicht vorwärts; in Überschätzungtrat Stagnation ein und der ererbte Ruhm ging unter.Er ist wieder errungen durch König Friedrich Wilhelm III.;aber aus eine ganz andere Art. Hier lag das Gegengift indem Gifte selbst; die Krisis erfolgte naturgemäß; Allesgeschah hier nicht von außen herein, sondern von innenheraus. Unedel und übcrmüthig von allen Seiten als einunterjochtes Volk behandelt, setzte sich in Sieben Jahrender Schmach Unwille und böses Blut in tief verbissenerSeele gegen den höhnenden Feind an. — Wer nicht hassenkann, kann auch nicht lieben. Dieß ist wenigstens wahr in
32"