Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
493
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was mit uns geschieht, unbegreiflich und räthselhaft; aberunerwartet geht ein Licht auf, in welchem ein wohlthätigcrZusammenhang sichtbar wird. Dicß ist die Erfahrung undLehre der Bibel. Darum schärft sie uns durch Lehren undBeispiele unaufhörlich Glaubens, Vertrauen und kindlicheHingabc ein, und kann es uns nicht oft genug sagen, daßwir nicht gleich einsehen können, warum der Herr so undnicht anders mit uns verfährt, daß wir es aber hernach er-fahren werden. Wir sollen nicht urtheilen und richten, bisder Herr kommt, der Alles an's Licht bringt, was im Fin-ster» noch verborgen ist, und es nie vergessen, daß es nochnicht erschienen ist, was wir sein werden. Dicß ist im Klei-nen und Großen, im Einzelnen und Ganzen, die Erfahrungaller Zeiten; sie ist der Kern und Lichtpunkt in dem Lebenaller Menschen, die darauf achten; sie tritt in ihrer Dunkel-heit und in ihrem Lichte ganz vorzüglich hervor in dem Le-ben aller Menschen, die darauf achten; sie tritt in ihrer

*) Luther schreibt an Mclanchthon:Das Ende und der Aus-gang der Sachen quälet euch, darum daß ihr's nicht begreifenkönnet. Ich aber sage so viel, wenn Ihr es begreifen könntet,so wollt ich ungern der Sachen theilhaftig sein. Gott hat siean einen Ort gesetzt, den ihr in euren Rhetoriken nicht findet,auch nicht in eurer Philosophie. Derselbe Ort heißt: Glaube,in welchem alle Dinge stehen, die wir weder sehen noch begreifenkönnen. Wer dieselbe» will sichtbar schcinlich und begreiflichmachen, wie ihr thut, der hat das Herzeleid und Heulen zumLohne. Hätte Moses das Ende begreifen wollen, wie dasVolk Israel dem Heere Pharaonis entgehen möchte, so wärensie vielleicht noch heute diesen Tag in Egypten. Der Herrmehre euch und allen den Glauben; wenn ihr den habt, waswill euch der Teufel thun und die ganze Welt dazu?!"