Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
478
Einzelbild herunterladen
 

478

es im Geringsten verletzt würde, ganz verschwindet. Insolchem Anklänge kann in Mitteilungen, Acußerungcn undZumuthungcn, Vieles geschehen, was gelingt auf den erstenWurf, aber nach allen studirten formellen Vorbereitungengewiß mißlingen würde. Mit manchen Gcmüthern wirdman in der wunderbaren anziehenden Kraft (vi l-eutripeclnli)der Sympathie in der ersten Stunde der Bekanntschaft schonvertraut; dagegen bleibt man vielen Menschen in der gehcim-nißvollen abstoßenden Kraft (vi oizutrilnAnIi) der Antipa-thie nach Jahre langer Bekanntschast, selbst bei täglichemUmgänge dennoch fremd; dicß ist eine psychologische Thatsachc.

Daß Friedrich Wilhelm III. ein König war, mitdem man offen reden und handeln konnte, daß Er Sympathieverstand, sie nährte, darauf einging, ja daß Er es so gernehatte, beweist sattsam, daß Er ein edler gemütlicher Menschwar. Vor einem Herrn, der fürchtet und fürchten muß, sichEtwas zu vergeben, der über seine Autorität wacht, Allesfern von sich hält und gemessen in Allem ist, wird und istAlles Form und von Sympathie und ihrer Zuneigung indiesem Sinne kann gar nicht die Rede sein. Menschen, dieihre Stimmen vernehmen und ihrem Zuge am Liebsten fol-gen, sind in dieser Dürre gleich auf das Trockene gesetztund sangen Alles verkehrt an; dagegen formelle, Alles punk-tircnde servile Hoflcute auf glattem Boden sich am Wohlstcnfühlen und ihr sogenanntes Glück machen. Ein solches Treib-haus-Glück blühete am Hofe Friedrich Wilhelm I!I. nicht,ein solches wollte nicht der Bischof Dr. Roß. Dieß mußman wissen, um folgende Worte von ihm, dem nahen Augen-und Ohrenzcugcn, richtig zu verstehen; er schreibt an mich: