Als der König und die Königinn nach einer mehr alsdreijährigen schmerzvollen Abwesenheit am 23stcn November1899 in Berlin mit der herzlichsten Thcilnahme empfangenwurden, wünschte der Magistrat, daß der König am Abendder Aufführung einer absichtlich gewählten schönen Oper imOpernhausc beiwohnen möchte, damit ein Theil des Publi-kums das geliebte Herrscher-Paar dort sehen und die Gefühleder Freude und Treue dort kundmachen und aussprechenkönnte. Der König aber lehnte diese wiederholte. Einladungentschieden ab, mit dem Zusätze: „Mein erster Gang inBerlin ist in die Kirche!''
KS.
Bei Seiner glorreichen Anwesenheit zu Paris*) besuchteunter allen wichtigen Geschäften, die dieser Aufenthalt untersolchen Umständen herbeiführen mußte, doch der König jedenSonntag die Protestantische Kirche. Als Er zum Ersten-male, um nicht gekannt zu seyn, mit Seinem General-Adju-tanten in Civilklcidern ohne Auszeichnung dort war, erkundigtesich der Letztere nach einem angemessenen Sitze, wo man guthören und den Prediger sehen könnte. Man bezeichnete dieBank des Consistoriums, und da sie noch ganz leer war,nahm der König ans derselben Seinen Platz. Die Mitgliederdes Consistoriums fanden sich bald zahlreich ein, und warensehr verwundert, in einem Sitze, der ausschließlich für siebestimmt war, einen ihnen unbekannten Fremden zu finden.Als Einer nach dem Anderen sich einfand, entstand ein Ge-
") Der König verstand und sprach die französische Sprache so gutwie die deutsche.