Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
460
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gebieterischen Tone, und die Corde der Humanität wird inihrem Gcmüthe schlaff, so daß sie nicht mehr ansprechen kann.

Wer hat es mehr mit Sollicitanten, Supplicanten, Bitt-stellern und Klägern zu thun, als ein regierender Herr? Anihn wendet sich zuletzt Alles und er soll entscheiden in letzterInstanz und geben nach allen Seiten. Kein Wunder, wenndie auf jeden Schritt in Anspruch genommenen Gebietendenbei aller ursprunglichen populären Humanität zuletzt kalt,zurückgezogen, abschreckend und herrisch werden, um nur dieLeute sich vom Halse zu halten. Aus diesem Grunde er-scheint es als eine psychologische Merkwürdigkeit, daß KönigFriedrich Wilhelm ZU. bei den traurigen Erfahrungen, dieEr über den Undank der Menschen gemacht, und dem stetenUcberlaufenwcrdcn, dem Er täglich ausgesetzt war, mild,und liebreich blieb, und mit den Jahren es immer mehrwurde. Eine solche moralische Erscheinung erklärt sich nuraus der Totalität Seines Charakters in allen seinen Kräf-ten; ja in Seinen Kräften: denn Seine Humanität undLiebe war nicht Schwäche, sondern eine harmonische Virtu-osität, die Ihm zur Gewohnheit, zur anderen Natur gewordenwar. Namentlich hatte Sein sittlicher Tact und Sein Zart-sinn sich in einer Vollkommenheit ausgebildet, daß manihn Seinen überall nahen, Ihm zur Seite stehenden gutenGenius (Lpiritunr inmiliurnin) nennen kann. Von derzarten Weiblichkeit der heiteren anmuthsvollen Königinn hatteEr es gelernt, sich schnell in die Gemüthswcisc eines Anderenhineinzudenken und sich in seine Lage zu versetzen. Er hatte

Siehe I. Theil Seite öd—Ivo.