Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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und häßlichen That an, cr ist sich des Unterschiedes deutlichbewußt, wie ein musikalisches Ohr den harmonischen unddisharmonischen Accord sogleich bei'm ersten Anschlage ver-nimmt. Deßhalb nennt man sehr treffend ihn Tact, weil creine innere Harmonie ist. Diese wohnt nur in der Seele, inwelcher Alles in Einheit zusammenstimmt und das Verwandtegleich einen sympathetischen Anklang findet. Dem angeborenenTugend-Organe, dem Wahrheitsgefühle, dem Zartsinne, istnichts nachteiliger, als der Mehlthau zu häufiger Zerstreu-ung, als das verzehrende Feuer unreiner Leidenschaft, alsein Thun und Treiben in der Außenwelt. Er bildet sich ge-wöhnlich-in seinen höheren Harmonien aus in der Samm-lung des Gemüthes, in der Einsamkeit und ihrem stillenFrieden, im Umgange mit sich selbst, mit Gott, mit den un-sterblichen Werken edler Geister, mit gebildeten Menschen,vorzüglich vom weiblichen Geschlecht. Die Welt polirt undmacht glatt; aber Politur und Glätte ist kein Zartsinn, viel-mehr wird dieser oft wegpolirt, und Derbheit kann sehr wohlmit ihm bestehen. P Diese Derbheit ohne Zartsinn setzt sichmit der Zeit gewöhnlich als Rost bei Geschäftsmännern hö-heren, oft auch niederen Ranges, sobald sie zu befehlen haben,an. Sie leben größtcntheils in Acten, sie haben es gewöhn-lich mit Unzufriedenen, Klägern und Verklagten und derenOppositionen zu thun, das gegenseitige Verhältniß stellt sichihnen schroff dar, und darum werden sie unvermerkt auchschroff: sie schreiben und dccrctiren in einem kategorischen

') Der zartsinnige und dabei derbe Singemcister, Professor Zelterzu Berlin, ein vertrauter Freund Göthe's, ist davon ein lehr-reiches Beispiel.