Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
Seite
449
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prüfen und das Gute behalten wollen; sie allein macht unsfähig, das Christcnthum zu begreifen und anzunehmen, ohnesie, das erste Geschenk Gottes, würden wir gar nicht fähigdazu sein. Die Bibel redet zu uns, als zu vernünftigenGeschöpfen, und als solche müssen wir den Grund der Hoff-nung, die in uns ist, angeben können; der Glaube hat nurdann Wurzel und Werth in sich selber, wenn er die Fruchtdes klaren Erkcnnens ist; dicß ist es, was den Vorzug desProtestantismus und der Protestanten ausmacht, unser Gottes-dicnstsoll nach der Vorschrift des Apostels ein vernünftigersein. Dadurch allein erhalten wir auf einem festen Grundeeinen sicheren leitenden Anhalt. Grundsätze allein sind, wennsie sich nur an Den anschließen, der Worte des ewigen Lebenshat, immer dieselben; wie auch Alles sich ändern mag, sieändern sich nicht, treten stets ernst mit ihrem Pflichtgcbotdem Menschen und seinem Gewissen entgegen; aber Gefühleändern sich, steigen und fallen, gleich dem Thermometer, je nach-dem die äußere Temperatur einwirkt; sie können heute auf derScala der Wärme, morgen auf dem Gefrierpunkte stehen; dasEwige richtet sich nicht nach dem Wechsclvollcn, dieses mußin jenem seine sichere Haltung finden. Licht und Wärme istin Verbindung miteinander das große befruchtende Principin der Natur; nicht anders ist es in der christlichen Religion.Licht im Verstände, Wärme im Herzen, ist das Merkmaldes echten Christen; in ihm ist, soll und muß Alles Harmoniesein. Ein Christenthum, welches bloß Licht hat, erzeugtZweifler, welches aber bloß Wärme ausströmt, Pietisten; dieGefühle sind die günstigen Lüfte, welche bei'm Scheine derSonne die Segel schwellen; aber auf der Lebensreise ver-dunkelt sich oft die Sonne, und der wahre Christ soll auchim Sturm und Wetter sich behaupten und eben darin be-lli. 2b