Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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namentlich einen zugebauten Hundezwinger. Der große Kur-fürst ließ es in seinen Räumen für den neuen wohlthätigenZweck „aptircn", und jede Wittwc bewohnte gcmüthlich fürsich ihre eigene Stube, eine Zelle mit dicken Mauern. Mankann die alte Fundations-Urkundc nicht ohne Erbauung lesen.Es wehet darin der cigcnthümlichc Geist der damaligen Zeit,ein milder gottcssürchtigcr Ernst, eine strenge Disciplin, einetreuherzige Liebe, eine freundliche Gutmüthigkcit, ein groß-müthigcr landesvätcrlicher Sinn, Alles vom Anfange bis zumSchlüsse ist ein praktischer Commcntar über die schöne Bibel-stcllc: „Das ist ein Gott wohlgefälliger Gottesdienst, dieWittwen in ihrer Trübsal besuchen!" Nach der Verfassungder Anstalt ist ein im Hause wohnender Wittwcnpflegcr an-gestellt und der jedesmalige Hofprediger und ein angesehenerStaatsbeamte zu Berlin oder Potsdam haben die Inspektion.Oft fragte mich der König: „Was machen Ihre Wittwen?"Er redete dann mit Verehrung von dem Stifter, dem GroßenKurfürsten, und mit Liebe von der Kurfürstinn Luise, nachdem Tode der Seinigen noch mit erhöheter Thcilnahme.Aus dem Leben Beider erzählte Er interessante Züge, und

Die psychologische, historische Parallele zwischen FriedrichWilhelm, dem Großen Kurfürsten, und dem Könige FriedrichWilhelm III. ist in die Augen fallend. Dieser ehrte und liebteJenen von allen Seinen Ahnherren am Meisten. Das kräftigeBild von ihm war in Seinem Herzen, wie vor Seinen Augen;offenbar hatte Er sich ihn zu Seinem Muster erwählt. Beide be-seelte derselbe Geist, Beide findet man sympathetisch miteinander;Beide hat Gott durch schwere Leiden und hohe Freuden wunder-bar gesegnet. Es wird Einem weit um's Herz, wenn man ineiner ernsten Stunde zu beiden Herren aufblickt; wie die Ewig-keit sie vereinigt hat, wird die Geschichte Beide zusammen nennen.