404
lag, in Seinen gerechten Erwartungen ganz und gar ge-täuscht. Die Geschichte dieses KirchenbaucS ist merkwürdigund die Erzählung desselben gehört um so mehr hierher, dadas Benehmen des Königs dabei charakteristisch ist.
Die vom Könige Friedrich Wilhelm I, im Jahre 1729erbaute prächtige, nahe am Schlosse gelegene Nicolai-Kirchebrannte im Jahre 1795 den Ilten September zum Schreckender Stadt beinah gänzlich ab, so daß sie gar nicht mehrgebraucht werden und von einer Reparatur nicht die Redesein konnte. Das gräßliche Unglück war herbeigeführt durchdie Unvorsichtigkeit einiger Klempnerburschcn, die auf demKirchenboden unter dem Dache etwas zu repariren hatten,und beim unvorsichtigen Gebrauch des Kohlenbeckens denentstandenen Brand der zerstreut umher liegenden Hobel-späne dadurch vermehrt hatten, daß sie in ihrer Angst dieSpiritus-Flasche hineingössen. Das Feuer, angefacht undvermehrt durch den Wind, ergriff bald die hölzernen Theileder Kirche, und schnell entstand von allen Seiten ein Flam-men-Meer, das in seiner Gluth alle Bemühungen der Lö-schung unwirksam machte. Es siel dabei die tragisch-komischeSccne vor, daß dem commandirenden prügelnden, wüthenden,von der Bürgerschaft nicht geliebten commandirenden Generalin der bewegten, durcheinander laufenden Menge von einerSpritze ein mächtiger dicker Wasserstrahl auf den Rückengegeben wurde, so daß er sich nicht auf dem Pferde haltenkonnte und herabfiel. Das Unglück, welches lange, schnelleBeine hat, war da; der hohe, weit gesehene, in der Mitteder Stadt zwischen den Thürmen der Garnison- und Heili-gen-Geistkirche prangende Nicolai-Thurm stürzte brennend insich selbst zusammen und verzehrte nun in seinen Feuermassenum so schneller die ganze Kirche, von der Nichts stehen blieb,