3W
hellsehender Mann, dessen denkender Verstand und edles Ge-müth keine Befriedigung und Erquickung in den tobten undleeren (Zeremonien der Römischen Kirche finden konnte. An-fangs heimlich ein Verehrer Luthers, correspondirte er mitihm, und je überzeugter und fester er wurde, um so ent-schlossener und muthiger bekannte er sich dann öffentlich fürdie Reformation, so daß er förmlich mit dem fast ganzenDom-Capitel zur lutherischen Kirche überging.
Seit seinem Tode waren wieder mehrere Jahrhundertevorübergegangen und die alte Domkirche war so baufälliggeworden, daß sie theilwcise einstürzte, gar nicht mehr ge-braucht werden konnte, also verschlossen werden mußte, unddie daneben stehende kleine Capelle benutzt wurde. Und dochwäre es Schade gewesen, die ehrwürdige Antike eine Ruinevollends werden zu lassen, zumal ihre Restauration das bei-behaltene, neu organisirte Dom-Capitel und die Rittcraca-demie erforderte. Zu dieser Wiederherstellung vom Hauptebis zum Fuße wurde aber eine große Summe erfordert; undangesprochen von dem Zwecke, bewilligte sie der König. DieReparatur im Geiste und in der Form des ursprünglichenBaues von dem tüchtigen Bau-Jnspcctor Hcidfeld geleitet,währte mehrere.Jahre, nach deren Ablauf der alte ehrwürdigeTempel groß und stattlich wieder dastand.
Der IsteOctvbcr 949 im Jahre Christi, als Otto derGroße regierte, war der Gründungs- und Stiftungstag diesermerkwürdigen Kathedrale; der Iste October 1899, als KönigFriedrich das Preußische Land regierte, sollte unter ganzveränderten Umständen auch der Tag der Einweihung derrestaurirten Bischöflichen Kirche sein. Es war ein stiller,milder Hcrbstmorgen, als das festliche volle Geläute tönendund hallend vom hohen Thurme in Stadt und Land die