Druckschrift 
3,2 (1846)
Entstehung
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und übt, um desto besser beobachten zu können, Selbstbeherr-schung. Der Hochselige Herr war bei aller Gutmüthigkeitdoch klug, besonders unter Fremden, die Er noch nicht ge-nau kannte. Wenn irgend Einer in solchen Verhältnissendie tangirenden Fühlhörner brauchte, so war Er es, und zuden Sprichwörtern, die Er liebte und häufig citirte, gehörteauch das: ,Durch Schweigen Niemand sich vcrräth." Der-jenige, welcher Ihn genauer kannte, merkte es, daß Seinerehrlichen Natur dieß Beobachten zuwider war. Er hattedann etwas Mißtrauisch-Lauerndes, war schüchtern, undSeine Rede trocken und stockend. So zeigte Er sich besondersauf Reisen, wenn die Landes- und Orts-Autoritätcn sich umIhn ehrerbietig versammelten; woher es denn gekommen ist,daß der König häusig ganz unrichtig, oft lieblos beurthciltwurde, besonders wenn die Präsentation und Audienz kurzwar, in der man nur wenige rhapsodische Worte von demLandesherr» hörte. Aber eben weil Er wußte und sah, daßAller Augen und Ohren auf Ihn gerichtet waren und manjedes Wort, von einem Könige gesprochen, auf die Gold-wage legt, so hütete Er sich wohl, zu viel zu sprechen. Oftsprach Er aber bei solchen Gelegenheiten zu wenig, und nieFreund vonleeren Redensarten," wie Er es nannte, über-trieb Er es nicht selten mit der Lrevitns impointoriu.Solche war jedoch nicht studirt, vielmehr Neigung und Ucbcr-zeugung. Es wohnte Ihm bei eine schnelle und richtigeWürdigung der jedesmaligen Verhältnisse und Umgebungen,und wenn Er gerade dazu aufgelegt war und es angemessenfand, redete Er viel, und sogar beredt, gedankenvoll, mitVermeidung aller unnützen überflüssigen Worte. *) Er

") So haben Alle, die täglich um Ihn waren, so habe auch ich in