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Bei einer Badereise nach Tcplitz, die vier Wochen währensollte, bestellte Er für eines Seiner Wohnzimmer bei einem
nicht so; wenngleich auch von Natur treuherzig und gutmüthig,war und blieb er doch jähzornig, und da er leicht losbrach, soging man ihm wo man konnte'aus dem Wege und fürchteteihn. Niemand wurde daher ärger auch in seinem eigenen Hausebetrogen, überlistet und getäuscht, als er; denn die bloße Furchtmacht schlau und tückisch, aber nicht treu, ehrlich und anhänglich.Einst ging er, wie er gern zu thun pflegte, allein durch diemenschenleeren Straßen von Potsdam, und kam auch durch diesogenannte Kirchstraße. Es war gerade 12 Uhr und eben trugeine Bürgcrfrau für ihren Mann und ihre Kinder das bereiteteMittagscsscn auf den gedeckten Tisch, um den sich die Familieversammelt hatte. Die Hausthür des kleinen Hauses stand auf,und gelockt durch den rauchenden Duft der vollen Schüssel tratder wohl bekannte und gcfürchtcte König ein. „Was hat Sieda gekocht?" fragte Friedrich Wilhelm I, „Das riecht ja ap-petitlich." „Ach, Ihre Majestät", sagte schüchtern die ehrbareBürgcrfrau, „es ist ein gewöhnliches Essen, wie es unbemitteltenHandwerkern zukommt: Kaldauncn mit weißen Rüben." DerKönig crwiedcrtc: „Das kenne ich nicht; bin doch verlänglich;ich will mit essen!" und so setzte er sich zwischen den Hausge-nossen nieder. Es schmeckte ihm gut, und besonders gefiel ihm,daß das ganze Gericht, nach Aussage der Hausmutter, nur2 Groschen kostete. So bürgerlich und knapp auch die Tafeldes Königs durchgängig war, so war diese Speise doch nochnie auf derselben erschienen; er trug also dem Koch in der Kö-niglichen Küche auf, sie für den nächsten Tag, berechnet auf20 Personen, zu bereiten. Das Essen wurde aufgetragen undder König aß, unter Erzählungen, wie es ihm gestern gegangen,mit Appetit, und trank dazu fleißig abspülenden dicken Pontack;ebenso seine Gäste. Nicht so die Königinn und die Prinzessinnen,die sich die Nase zuhielten und skeptisch lächelten. Bei derRevision des Küchenzettels und der Bezahlung desselben hatteder Koch die Kaldaunen und weißen Rüben zu Il> Thaler an-gesetzt, der König aber hatte höchstens Einen ausgerechnet.Er sah also hier einen offenbaren Betrug, den er damit be-