350
Es war in der heiligen Woche vor Ostern 1827. Eswurden Oratorien, Eantatcn, geistliche Gesänge in der Sing-akademie und auch im Theater, und zwar von der Catalani,gegeben, die gerade in Berlin war. Das Haus war ange-füllt, um die berühmte Sängerinn, die damals noch beiStimme war, zu hören. Die zeitgemäßen Lieder, welchesie sang, ihre aufsteigenden und sinkenden reinen Töne, dieGrazie und Anmuth, die sie umfloß, die Kraft, Machtund Herrschaft, welche in der seltenen Künstlerinn lag, dieFülle, Stärke und zugleich Biegsamkeit, die ihre Stimme hatte,bemächtigte sich aller Zuhörer, so daß, ergriffen von ihrenSchwingen, in feierlicher Stille man nur sie sah und hörte.Der Vorhang siel und das Ende war da. Das zahlreichePublicum wollte aber noch mehr, und verlangte laut dasbekannte Englische Volkslied: „Kock suve tlre IränK." Diemächtige Sängcrinn trat hervor; vorher war sie in derMitte des Theaters geblieben, jetzt ging sie näher bis an dasOrchester, um auch dadurch zu beweisen, wie gern sie allge-meine Wünsche erfülle. Unbefangen, ihres Sieges gewiß,sah sie sich um, auch nach der kleinen ersten Ecklogc rechterHand. Die Sängerinn, sichtbar erstaunt, trat zurückund verbeugte sich ehrerbietig dreimal. Das mußte einerhohen Person gelten. Es war der^KLnig. Mehr wie sonstin Seiner engen Loge zurückgezogen und in einen dunklenWinkel gedrückt, trat Er nun hervor und dankte, so daßAlle Ihn sahen. „Der König! der König!" ging esvon Mund zu Mund. Ein elektrischer Schlag durchzuckteein jedes Herz. Er, nach schwerer Krankheit, nach dem un-glücklichen Beinbruche nun wieder glücklich hergestellt, mittenunter uns. Alle, Jeder aus innerem Antriebe, Alle standenauf und machten dem vollen erfreuetcn Herzen Lust. Das