331
dargestellt ward. Diese meisterhaften Leistungen wurden umso höher geschätzt und um so lieber durch fleißigen Besuchgeehrt, je mehr diejenigen, die solchen Genuß gewährten, we-nigstens Viele von ihnen, durch einen musterhaften Lebens-wandel, durch häusliche Tugenden und Liebenswürdigkeiten,sich auszeichneten, so daß die vornehmsten Häuser und bestenFamilien es für eine Ehre und Freude hielten, die vorzüg-lichsten Schauspieler und Schauspielerinnen, Sänger undSängerinnen, bei sich zu sehen und in ihren Kreis als liebeBekannte sie aufzunehmen. Wer sollte auch die Menschen,rechtschaffenen Sinnes und Wandels, nicht gern sehen undlieben, die durch ihre Talente am Abend eines mühevollenTages uns auf eine würdige Art erheitert und dadurch demeinförmigen Leben neuen Reiz gegeben haben?
Dieß Alles erfreute den König und erhielt Seine Nei-gung zum Theater. Der Intendant desselben, der sich ihrganz widmete, Graf von Redern, war ein Mann nach Sei-nem Herzen. Der Ernst, die Festigkeit, die Ruhe und Mildedesselben, zog Ihn an und Er sah ihn gern und oft bei sich.Der Graf ehrte hinwiederum den König, als seinen Herrn,nicht nur ehrerbietig, er verehrte und liebte Ihn auch mitreiner und voller Seele. Er kannte Seine seltenen Eigen-schaften; er sagte es sich, was Er gethan und täglich that;der redliche wahrhaftige Charakter des Herrn lag offen undklar vor ihm; er wußte, aus welchen guten Quellen SeineNeigung zum Theater entsprang, — wie hätte er nicht Allesthun sollen, Sein Wohlgefallen zu erhalten? Der Könighatte und behielt Seine Zufriedenheit, und unzufrieden warEr nur dann, wenn neue Ausgaben verlangt wurden undIhm die Sache zuviel kostete. «Weiß wohl," pflegte Er